Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
64 Gäste und 2 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Zelten
Eingestellt am 04. 03. 2004 16:34


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Tochter des Ozeans
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2003

Werke: 51
Kommentare: 55
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Tochter des Ozeans eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Nelly steht vor dem Eingang des Igluzeltes und zittert. Ihr Kopf ist knallrot, ihre Beine zittern. Sie lacht, schämt sich und hat Angst. Sie lacht immer, wenn sie nicht weiß, was sie tun soll. Wenn sie in einer unangenehme Situation gerät und sich hilflos fühlt.
Immer und immer wieder rufen die Jungs ihr Wörter an den Kopf, Wörter, die ihr weh tun. "Indianerin! Negerkuss! Neger!" Sie lachen fies, springen um das Zelt herum. Nelly wird heiß. Sie ist doch gar keine Negerin, sie ist nur etwas dunkler. Sie ist alleine, keiner hilft ihr. Verzweifelt lacht sie und schlägt aus. Sie schreit zurück. Die Jungen spielen an ihrem Zelt, drohen es kaputt zu machen. Nelly rennt zu ihnen, um sie daran zu hindern. Schreit. Das Lachen der Jungen wird lauter. Sie jagen Nelly um das Zelt. Nelly rennt, lacht.
"Nelly!" hört sie die drohende Stimme ihres Lehrers. "Spinnst du, hier so rumzuschreien?!" Die drei Jungen sind still, grinsen vergnügt, glotzen sie an. Verletzt verkriecht sich Nelly im Zelt. Sie weint leise trockene Tränen. Noch immer ist ihr ganz heiß.
Ich bin anders als sie, denkt die Viertklässlerin. Dabei ist ihr ihre Haut, ihre Augen noch gar nie aufgefallen. Klar hatte sie gewusst, dass ihre Augen dunkel, fast schwarz sind, aber den Unterschied zu ihren Klassenkameraden hatte sie nicht erkannt. Nelly fühlt sich alleine. Keiner ist da, der sie tröstet, ihr hilft, sie in den Arm nimmt. Ihr Lehrer, den sie sehr mochte, dem sie vertraut hatte, hatte sie verletzt, die Situation nicht erkannt.
Seit dem weiß Nelly, dass sie anders ist. Dieser Tag veränderte sie. Er raubte ihr einen Teil der Kindheit. Die Jungen haben ihren kleinen Scherz sicher vergessen. Nelly ist jetzt groß, doch noch immer sieht sie die lachenden Fratzen vor sich. Sie wird sich an diesen Tag immer erinnern.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!