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Leselupe.de > Ungereimtes
Zeremonie für Übriggebliebene
Eingestellt am 27. 05. 2004 12:22


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freifrau von löwe
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

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Zeremonie
für
Übriggebliebene



I

Ich will mir Rosenblätter
auf die Lippen legen
in einer tonlosen Stunde
damit mein Mund die Liebe kennt
und die Gezeiten der Worte
mit sanfter Kraft
das Unsagbare fluten

II

Mit einer Taube auf dem Schoß
will ich den Tag begrüßen
damit ich weiß ich kann es noch
das schweigsame Behüten
mit einem Hoffen ohne Grund
werd ich dann lauschend wartend
ein Halten zart beginnen


III

Zuletzt will ich mir kühles Moos
weich um die Schultern legen
mich niederstrecken wie zum Schlaf
in dunkelrotes Laub hinein
und still die Augen schließen
so wird die Heilung meine sein
im Schatten deines Waldes


-------------- § ------------




05/2004

__________________
Freifrau von Löwe

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kleiner zwerg
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Freifrau,

man kann es riechen,fühlen, schmecken und sehen. und wenn man ganz leise ist sogar hören ;-)

es sind nur ein paar winzige dinge die mich ins stocken brachten.
zum einen die überschrift. für mich ein wenig rätselhaft und bedarf einer erklärung.

dann
mit einem Hoffen ohne Grund
werd ich dann lauschend wartend
ein Halten zart beginnen

lauschend wartend, zweimal diese endung mit ..end
werd ich lauschend warten
wäre für mein ohr angenehmer

Zuletzt will ich mir kühles Moos
weich um die Schultern legen

hier ist es das weich. der ausdruck sich etwas weich um die schultern legen ? kühles moos sanft um die schultern legen ???

und zu guter letzt stört mich das paragrafenzeichen am ende § (aber das ist wohl geschmackssache)

mir hat es gefallen und es hat mich in seiner ruhe berührt.
lg
miri



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Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

An kleinen zwerg,

"zum einen die überschrift. für mich ein wenig rätselhaft und bedarf einer erklärung"

Wie wäre es, kleiner zwerg, wenn du dir selbst eine Erklärung zulegst für den Titel?

An freifrau,

Diesmal erinnerten mich die Elemente deines Textes an Shakespeare und den Sommernachtstraum. Märchenhaftes verwebst du zu Bildern, die für mich etwas zu süß sind.

Die letzte Strophe ist am lyrischsten.

Die Rosen:

Ich will mir Rosenblätter
auf die Lippen legen


und die Taube im Schoß

Mit einer Taube auf dem Schoß
will ich den Tag begrüßen


bewirken bei mir das Gegenteil. Ich kann mich nicht einfinden in den Bildern, sondern beäuge sie mit kritischer Distanz.

Vielleicht ist es dir eine Überlegung wert.

Lotte Werther

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Harald
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Eve und liebe Lotte!

„Ich will mir Rosenblätter
auf die Lippen legen“


Die Rosenblätter auf den Lippen finde ich einen wunderschönen Vergleich, aber für mich setzt er sich nicht in eine Wortflut um sondern in ein Engelhaftes, sh. Rilke: „...und nähme mich einer ans Herz, ich verginge vor seinem stärkeren Dasein“; „Rosenblätter auf Lippen“ bedeutet für mich „mit Engelszungen reden“, also eine enorme Steigerung der Qualität, nicht einer Quantität à la „Flut“.

„Mit einer Taube auf dem Schoß
will ich den Tag begrüßen“


Da fehlt es mir wahrscheinlich an Erfahrung, ich kenne die Bedeutung nicht. Mir ist der Vergleich „Taube auf dem Schoß“ ungeläufig. Aber irgendwie gefällt er mir. Taube als Symbol des Friedens, der Schoß als das Tor zum Leben – das berührt mich schon.

„in dunkelrotes Laub hinein
und still die Augen schließen“


Diese zwei Zeilen führen in der Verschiedenheit ihrer Bedeutung zu einem für mich starken Eindruck, wobei das „dunkelrote Laub“ ein Nachklang und damit eine Überhöhung des realen Bildes wird, die eben erst durch das stille Schließen der Augen entsteht. Die Augen der Seele sehen immer deutlicher!


Ganz liebe Grüße
Harald

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freifrau von löwe
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

Werke: 47
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@ zwergin

... ich hatte den eindruck, über den für dich kryptischen sinn der überschrift konnte ich mich dir derweil verständlich machen.

ich weiß, dass "lauschend wartend" nicht so glücklich gelöst ist, aber ließe ich das d weg, wird der zusammenhang zur nächsten zeile abgeschnitten, ich hatte es erst so.

das weiche moos ist nicht nur deshalb weich und nicht sanft, weil ich keine wiederholung wollte zur ersten strophe, sondern weil man sich in meiner welt das moos eben auch weich um die schultern legen kann ;-)

hab dank fürs lesen und kommentieren. freut micht, dass es dir ansonsten gefallen hat.

_________________________


@lotte

deine kommentare sind mir immer eine überlegung wert, wie du weißt. in diesem fall kann ich nur etwas hilflos die achseln zucken. es sind MEINE bilder. jeder wird sie anders lesen, anders interpretieren, jedem bedeuten sie etwas anderes.

beäuge sie mit kritischer distanz und wenn dir was konkretes einfällt, weißt du ja, wo du mich findest ;-) danke fürs lesen und gedanken machen an dich.

_________________________


@harald

auch dir ein danke für deine gedanken.

eine wortflut habe ich nicht gemeint, auch wenn sie das unsagbare fluten. ich möchte imstande sein, das unsagbare zu sagen - dies ist der kerngedanke dahinter. unsagbares auch in hinsicht auf die liebe. das hat was mit qualität zu tun, finde ich und einer steigerung. die flut erzählt eher von der art und weise der inneren bewegung dorthin. weiß nicht, ob ich das so verständlich machen kann.

es gibt keinen "offiziellen" vergleich von "taube auf dem schoß" - etwa einen wie "spatz in der hand" o. ä. es ist eine metapher für eben ein unsagbares und vielleicht hat man es leichter, wenn man aufhört, zu lesen, und vielmehr versucht, die worte in innere bilder zu übersetzen, vielleicht sind sie aber auch zu sehr meine und anderen zu fremd.

deine deutungen zum taubensymbol waren richtig. mein bild dazu war: ich sitze vor dem offenen fenster, die taube sitzt zutraulich auf meinem schoß und ich streichle sanft ihr weiches gefieder... sie fliegt fort, wenn sie fliegen will und bleibt, wenn sie es will.


__________________
Freifrau von Löwe

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Harald
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Eve!

Bitte sei so liebenswürdig und streiche meine Gedankenflut einfach wieder weg.

„Eine Flut von Gefühlen“ ist natürlich qualitativ zu verstehen; da bin ich meiner momentanen Eingebung auf den Leim gegangen. Einmal abgesehen vom beginnenden Altersstarrsinn, der mich umschmeichelt und auch nicht als tiefsinnige Erklärung meiner Unzulänglichkeit gedacht, darf ich in diesem Zusammenhang (wieder einmal) darauf hinweisen, wie unzuverlässig und manchmal irreführend die Sprache und mit ihr das Gespräch ist:

„Gerade das Eigentümliche der Sprache, dass sie sich bloß um sich selbst bekümmert, weiß keiner. Darum ist sie ein so wunderbares und fruchtbares Geheimnis, - dass wenn einer bloß spricht, um zu sprechen, er gerade die herrlichsten, originellsten Wahrheiten ausspricht. Will er aber von etwas Bestimmten sprechen, so lässt ihn die launige Sprache das lächerlichste und verkehrteste Zeug sagen.“ (Novalis)

Liebe Grüße
Harald

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