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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Zieh blank, Cowboy
Eingestellt am 26. 07. 2003 16:47


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Stefan_Senn
Manchmal gelesener Autor
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Der Versuch einer Short Story im Bukowski-Stil:

"Wow, guck die die mal an, w├Ąre die nicht was f├╝r dich?" Charley┬┤s Stimme ├╝berschlug sich fast, w├Ąhrend er mit einer hastigen Handbewegung, die fast seinen Colabecher umgesch├╝ttet h├Ątte, auf ein ca. 16-j├Ąhriges M├Ądchen in einem engen hellblauen Top mit Sonnenblumenprint und ausgefranster dunkelblauer Schlaghose zeigte. "Vergiss es, Mann, die ist vergeben-1000 Pro!" "Phh, die Standartausrede aller Feiglinge, die Schiss davor haben, sich ein M├Ądchen aufzurei├čen, aber mir kann das egal sein, im Gegensatz zu anderen hier am Tisch habe ICH ja eine Freundin!"
Wir sa├čen, Hamburger mampfend, in einer Filiale einer amerikanischen Schellimbisskette, eigentlich wollten wir uns noch besaufen, aber Charley┬┤s "Atsch B├Ątsch-Ich habe eine Freundin und du nicht"Attit├╝de, ging mit jetzt schon auf den Zeiger und lie├č die Lust auf ein gemeinsames Bes├Ąufnis immer mehr schwinden.
"Komm aufstehen, die Nacht ist noch jung!" Charley hatte nun auch seinen Hamburger gegessen und dr├Ąngte zum Aufbruch. Ich folgte ihm. Drau├čen angekommen, beschlossen wir, zum Aufw├Ąrmen einen Sixer Guiness zu uns zu nehmen, wir statteten also der n├Ąchsten Tanke am Weg einen Besuch ab und machten uns auf den Weg zum nahe gelegenen Fluss, wo wir eine ruhige Bank ersp├Ąht hatten. Wir setzten uns. ich knackte mit meinem Feuerzeug die erste Flasche und lie├č das Bier durch meine Kehle rinnen. Ah, war das gut. Alkohol-das einzige, was einem depressiven, wenig ansehnlichen Teenager hilft, sein Leben einigerma├čen zu ertragen. ich z├╝ndete mir eine Chesterfield an und starrte auf den Fluss.
"Sag mal, Kev, wieso rei├čt du dir nicht einfach eine Tussi auf? Ich verstehe dich nicht, du sitzt immer nur da und jammerst vor dich hin, du redest dar├╝ber, wie beschissen die Welt ist, und dar├╝ber dass du keinen leiden kannst-Wahrscheinlich kannst du dich nichtmal selbst leiden!"
"That┬┤s it-Ich bin Schei├če, die Frauen sind Schei├če und die Welt-hey die ist auch Schei├če!"
Ich knackte die zweite Flasche, G-Suz, Charley hatte es einfach, Moralpredigten zu halten, er hatte seine Tussi, seinen Charme und sein gutes Aussehen, was hatte ich? Nun gut-einen Sixer Guiness. Ich hatte gerade die zweite Flasche geleert und machte Anstalten, nach der dritten zu greifen, als sich Charley wieder zu Wort meldete:" Hey hey, mach ma langsam, wir sind keine 10 Minuten hier, du sitzt da, sagst kein Wort, starrst auf den Fluss und hast schon zwei Bier geleert!" "Yeah Bier-das einzige was ich habe, um mich etwas zu bet├Ąuben!" Ich setzte die dritte Flasche an. "Sag mal, wieso suchst du dir nicht einfach eine Freundin?" "Guck mich doch an, glaubst du dass mich ein Girl haben will, au├čerdem habe ich keinen Bock auf ein M├Ądchen!" "Kein bock auf ein M├Ądchen?" "Yeah, ich hasse
Frauen!" "Du hasst Frauen? Mann Mann, man k├Ânnte denken, du seiest schwul!"
"Also echt, schwul bin ich wirklich nicht!" "Woher willst du das wissen-du hasst doch Frauen!"
"Weil ich M├Ąnner noch mehr hasse, als Frauen!"
Charley nuckelte immer noch an seiner ersten Flasche herum. "Ich meine, Actio heisst das Zauberwort, h├Ąttest du nicht Lust, heute abend nach einem Girl f├╝r dich zu suchen?"
Ok er meinte es offensichtlich gut und ich war echt dankbar dass er sich seine ewigen Sticheleien bisher verkniffen hatte. Obwohl ich wusste, dass die Suche erfolglos bleiben w├╝rde, willigte ich ein.
"Du kannst doch nicht wirklich gl├╝cklich sein mit deinem derzeitigen Lebensstil!" Auweia, jetzt verfiel er wieder in seine Gymnasiasten Wortwahl und meinte, mich therapieren zu m├╝ssen-ein paar Unterrichtsstunden Psychologie in der Woche-vom Stoff die H├Ąlfte verstanden und er sah sich als professioneller Seelenklempner und versuchte mir glaubend zu machen, er k├Ânnte mir helfen.
"Gl├╝cklich? Sag mal, wer ist denn heutzutage schon gl├╝cklich??"
"Ich zum Beispiel!"
Hervorragend-1 bis 2 Ficks pro Woche und die Seele schreit hurra-Ist es das wert??
"Aber heute wirst du auch gl├╝cklich sein-wir werden sehen wir finden ein girl f├╝r dich!" "Hrrmpf!"
Ich stand also auf und folgte Charley widerwillig in eine Bar, in der es, wie er sagte leicht f├╝r mich, ja sogar f├╝r mich, mit einer Betonung auf "sogar" werden w├╝rde, ein M├Ądchen aufzureissen. Ich hatte f├╝r mich, sollte sich nicht irgendwann noch ein gro├čer Zufall ergeben mit der Welt des Anbaggerns und der subtilen Schmeicheleien abgeschlossen.
Und-ich war verbittert in Bezug auf M├Ądchen geworden, aber wer w├Ąre das nicht, nach zwei Jahren, intensivster Kennenlernversuche, von einer inneren Sehnsucht nach Br├╝sten und einer zarten weiblichen Seele getrieben.
Ich hatte es versucht-dutzende Male, hunderte Male, in denen ich wie ein Krieger in die Schlacht der Liebe gezogen war, um Momente sp├Ąter das eiskalte Schwert der Ablehnung im Brustkorb zu sp├╝ren, meist verbunden mit fadenscheinigen Ausreden. Nur wenige Frauen hatten die Courage, mir die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, n├Ąmlich dass einer Beziehung mein unattraktives ├äu├čeres im Weg stand.
Naja um der alten Zeiten willen-starten wir halt noch einen Versuch.
Mittlerweile waren wir fast angelangt, von Ferne sah ich eine blinkende Reklametafel "STARDUST".
"Also ab daf├╝r!" Charley ├Âffnete die T├╝r und lie├č sich auf einen Barhocker fallen, ich tat es ihm nach. "Mann, ist das ┬┤ne Studentenkneipe?" ├ťberall waren die Tische bev├Âlkert von diesen entsetzlich hip aussehenden Mid-Twenties und ihren noch hipperen Kumpels oder Freundinnen. Sie sa├čen zusammen, redeten ├╝ber irgendwas Schlaues, in einer lauten Tonlage nat├╝rlich, um einem eventuellen zuf├Ąlligem Ohrenzeugen wissen zu lassen, mit wem man es hier zu tun hatte.
Untermalt wurde dieses Szenario im Moment von "Californication" von den Red Hot Chili Peppers ( ;-) )
Charley winkte dem Barkeeper und bestellte zwei Mo┬┤7.
Ich weiss nicht, wie lange wir schon an der Bar gessessen waren und wieviele Mo┬┤7 wir schon intus hatten, als dieses M├Ądchen zur T├╝re hereinkam. Der klassische Typ: Traumfrau, lange braune Locken, dunkle Augen endlos lange Beine, umh├╝llt von einem tief ausgeschnittenen schwarzen Kleid mit Spaghettitr├Ągern, unter dem sie offensichlich keinen BH trug.Sie schien auch schon etwas angetrunken. Sie winkte dem Barkeeper, bestellte einen Caipininha und setzte sich neben Charley. "Du trinkst Caipirinha? Dieses s├╝├če Zeug konnte ich noch nie leiden!" "Hast du ┬┤ne Ahnung S├╝├čer, Caipirinha schmeckt s├╝├č, so s├╝├č wie das Leben und die Liebe!"
Hervorragend, wie leicht es Charley fiel, mit M├Ądchen ins Gespr├Ąch zu kommen, wieder hatte er mir eindrucksvoll bewiesen, mit welcher Leichtigkeit dies f├╝r von optischer Attraktivit├Ąt gesegneten Zeitgenossen vonstatten ging, sehr gut...
Pl├Âtzlich knuffte mir Charley verschw├Ârerisch in die Rippen und zwinkerte mir zu, um Minuten sp├Ąter dem M├Ądchen zu verk├╝nden, dass er dringendst austreten musste, in dieser Zeit k├Ânne sie sich ja mit mir unterhalten.
Ich f├╝hlte mich ob dieser Ma├čnahme leicht br├╝skiert, beschloss aber auf den Deal einzusteigen und ein Gespr├Ąch mit dem Girl zu beginnen, kurz nachdem Charley verschwunden war.
"Hey, was machst┬┤n du so?" "Trinken, sieht man das nicht! Und du?" "Gar nichts!" "Gar nichts?" "Yeah!" "Und sonst?"
"Hmm ich bin Hobbyschriftsteller!" "Und was schreibst du so?" "Gedichte!" "Gedichte?? Mann Mann die alte Masche, wann werdet ihr Kerle endlich lernen, dass die Poetenmasche nicht mehr zieht?" "Aber ich schreibe echt Gedichte!" "Sicher und ich bin Klosterschwester!" "Soll ich dir eins zitieren?" "Hmmm eher nicht, aber OK, solange es keine Spontaninspiration ist, und mir verdeutlichen soll, wie sehr du in mich verliebt bist!"
Ich zitierte ihr ein Gedicht, das ich einmal aus entt├Ąuschter Liebe zu einer Klassenkameradin geschrieben hatte.
"Hey, das ist gut! Und das ist echt von dir?" "Nein, erwischt, es ist in Wirklichkeit ein Songtext von J├╝rgen Drews.."
"Hey, du bist witzig!" "Yeah bei uns zuhause nennt man das Galgenhumor!" "Genau, sag mal wenn du Gedichte schreibst, dann liest du doch sicher auch gerne?" "Naja manchmal!" "Kennst du Danny Brooks?" "Danny Brooks? Machst du Witze? Zieh blank Cowboy kann ich fast auswendig!" "Auch die Stelle mit dem Blowjob?" "Yeah BESONDERS die Stelle mit dem Blowjob!"
Es war der Himmel, das Elysium, der honigs├╝├če S├╝ndenstrauch, von dessen Fr├╝chten zu kosten, ich mich schon immer gesehnt hatte.
Ich trank mir meine Depressionen, meine Selbstzweifel, ja alles was mich bisher von diesem guten, wilden Leben abgehalten hatte, einfach weg, w├Ąhrend ich das unfassbare Gl├╝ck hatte, ein Gespr├Ąch mit diesem bezaubernden Wesen zu f├╝hren.
Wir unterhielten uns und tranken bis sp├Ąt in die Nacht, bis das Girl meinte:"Du, es war echt super, mit dir zu plaudern, aber jetzt muss ich leider los...sag mal, h├Ąttest du nicht Lust, mit mir zu kommen, ich wohn┬┤ hier gleich um die Ecke!"
YES JA JA JA JA (Und so weiter, Setzer, bis die Seite voll ist ;-) )
Ich glaubte, meinen Ohren nicht zu trauen. Die Erf├╝llung meiner W├╝nsche, nur noch ein simples Ja entfernt. Ich blickte mich um, nach Charley suchend, und fand ihn an einem Tisch sitzend, mit einem alten Kumpel redend. Er grinste mir zu und hielt einen Daumen in die H├Âhe.
OK, er w├╝rde auch ohne mich den Weg nach Hause finden.
Ich bezahlte also unsere Drinks und machte mich noch schnell auf den Weg zur Toilette. Ich hatte viel getrunken, vielleicht etwas zu viel, dennoch f├╝hlte ich mich unglaublich gut und eine Vorfreude auf etwas, das ich bisher nur vom H├Ârensagen kannte, kroch in mir hoch.
Pfeifend ├Âffenete ich die T├╝re des Herrenpissoirs, um zu urinieren. Ich hatte die T├╝r kaum ge├Âffnet, als mir ein bei├čender Schwall eines undefinierbaren ekligen Geruchs in die Nase stieg. Ich sp├╝rte eine immer intensiver werdende ├ťbelkeit, der ich mich nur mit M├╝he erwehren konnte. Ich erledigte meine Notdurft, mit vermutlich waldmeistergr├╝nen Gesichtsf├Ąrbung, heldenhaft den Drang mich ├╝bergeben zu m├╝ssen unterdr├╝ckend. Doch nach dem Bet├Ątigen der Sp├╝lung wusste ich, dass ich den Kampf verloren hatte. Ich eilte in eine Toilettenkabine, fand nicht einmal mehr die Zeit, die T├╝r hinter mir zuzumachen und w├╝rgte einen Schwall M0┬┤7 in die Klosch├╝ssel und noch einen und noch einen.
Zitternd hockte ich auf den Knien, mir den Mund mit Klopapier abwischend, in Erwartung des n├Ąchsten Schwalls, als Charley pl├Âtzlich in der Kabine stand. "Fuck, fuck fuck ... dein Aufriss ist gerade zur T├╝r raus-Hey die h├Ąttest du echt ficken k├Ânnen!"
Ich schloss die Augen und w├╝rgte den n├Ąchsten Schwall in die Toilettensch├╝ssel...


__________________
violent sorrows seem
a modern ecstasy

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Ohrensch├╝tzer
???
Registriert: Oct 2002

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Hab mich k├Âniglich am├╝siert, besonders an der Stelle 'Und so weiter, Setzer, bis die Seite voll ist', wahrscheinlich auch deshalb, weil ich eine Sekunde gebraucht hab. Bukowski l├Ąsst in der Tat gr├╝├čen. Nur die emoticons haben mich ein bisschen gest├Ârt, aber das ist nur eine Geschmacksfrage...

Sch├Ânen Gru├č
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Der Ohrensch├╝tzer

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think twice
???
Registriert: Jul 2003

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Hallo Stefan_Senn,

eine herrlich am├╝sante Geschichte, bei der ich aus dem Lachen kaum rausgekommen bin.

Liebe Gr├╝├če
think twice

PS.: Caipirinha ist einmal falsch geschrieben. (Caipininha)
Au├čerdem ist der meines Wissens nicht unbedingt s├╝├č.
(Nur eine Kleinigkeit die mir so nebenbei aufgefallen ist.)

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Stefan_Senn
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

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hallo,

danke euch beiden f├╝r die meinungs├Ąu├čerung zu meiner geschichte, zu den emoticons muss ich sagen dass das bei "und so weiter setzer...." gerechtfertigt ist, handelt es sich doch hierbei um einen w├Ârtlich ├╝bernommenem satz aus einem klassiker der weltliteratur, dem eingeweihten oder der der erkennt woraus dieser satz stammt wird sozusagen zugezwinkert. der zweite bei "californication" ist in der tat unsinnig, aber dazu muss man wissen, dass dieser urspr├╝nglich an einen freund von mir gedacht war, ich hatte leider vergessen, dieses von der ver├Âffentlichung, aus der geschichte zu entfernen.
zum thema caipirinha ist zu sagen, dass dieser drink sehr wohl s├╝├č sein kann, seine s├╝├čigkeit ergibt sich aus der menge an braunem zucker die man hineingibt, diese wiederum variiert von barkeeper zu barkeeper, in der tat ist es aber so dass ein capirinha wenig s├╝├č ist wenn man wenig braunen zucker hineingibt
mfg

stefan s.

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Daktari
Guest
Registriert: Not Yet

Kicher

Hallo!

Bukowski hab ich nie gelesen, aber wenn der so ├Ąhnlich is wie Deine Story werd ich mir das doch mal antun.
Fand die Stoiry interessant und am├╝sant. Aber vielleicht ein oder zwei Abs├Ątze - w├Ąr nicht schlecht.

Ciao
Tim

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