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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Zimmer Nummer 12
Eingestellt am 02. 02. 2001 15:30


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tstauder
Hobbydichter
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Zimmer Nummer 12

Mit L├Âchern in der Hose stehe ich vor der T├╝r. Irgendwo ein ungutes Gef├╝hl. Ich blicke den Gang hinunter. M├Âchte nicht beobachtet werden. ├ľffne sachte. Eintritt in einen d├╝steren Raum. Der Vorhang ist zugezogen. Ausgeschlossen ist der Tag. Einige Strahlen schaffen es sich einzuschleichen. Soll ich Licht anmachen? Sehe eine verloschene Kerze auf dem Nachtk├Ąstchen. Lieber nicht! Er liegt im Bett, halbzugedeckt. Um den Kopf eine schwarze Binde. Trotzdem ist der Mund leicht ge├Âffnet. L├Ąchelt er? Geschlossene Augen. Die knochigen H├Ąnde sind gefaltet, umschlie├čen einen Rosenkranz. Ich sehe einen Toten. Jetzt wo ich hier als Zivildiener arbeite, darf ich das auch. Glaube ich. Macht er einen friedlichen Eindruck oder w├╝nsche ich mir das nur? Um 4 Uhr nachts ist er entschlafen. So ungef├Ąhr. Haben sie gesagt. Jetzt ist es halb 10. Bin ich respektlos wenn ich wissen m├Âchte wie er sich anf├╝hlt, der Tote? Meine Finger fahren die haut├╝berspannten Knochen der Hand entlang. Springen auf die Stirn, verweilen dort einen Moment. Meine Augen starren auf den Mund. Wei├č nicht. Ein blauer Mund. Kalte Haut. Bartstoppeln. Habe geh├Ârt sie wachsen auch nachdem man gestorben ist. Sterben ist etwas seltsames. Der Fernseher hat es mir tausend mal gezeigt. Filme, ich wei├č. Aber trotzdem. In den Nachrichten habe ich gesehen, wie Menschen gestorben sind. Kriege auf fremden Sternen. Einmal habe ich gesehen, wie sie einen Mann, nackt, noch zappelnd von einer Br├╝cke geschmissen haben. Mit Maschinenpistolen haben sie hinterhergeschossen. Wo hat der Flu├č seinen K├Ârper hingetragen? Bilder aus Afrika. Zaire. Auf welchem Stern liegt das? Der Flu├č wird in seinem Pl├Ątschern das Leiden des jungen Mannes beweinen. Immer. Wer beweint dich? Seit einer Woche bin ich hier im Haus. Kenne nur Name und Zimmernummer von Dir. Was sollÔÇÖs. Eine Streichholzschachtel liegt neben der Kerze. Irgendwie verabschieden. Verwandte hast Du keine. Einsam bist Du gestorben. Ich falte meine H├Ąnde. Hoffentlich kommt niemand. Meine Jeans haben L├Âcher. Ein schlechtes Gef├╝hl habe ich auch. Wei├č gar nicht weshalb.
Gedenkender Augenblick.
bartstoppeln auf
erstarrten kiefern
knochen dr├╝cken aus gesicht,
brust
sie liegt bewegungslos
geschlossene Augen
sehen den Mann auf nr. 12
wie hast Du die einsamkeit ertragen?
ist Dir erl├Âsung geschenkt?
ich w├╝nsche es
und wenn ich eine hose mit l├Âchern sehe
so denke ich an Dich.
ÔÇ×Auf wiedersehenÔÇť fl├╝stre ich. Hauche die Kerze aus. Ganz vorsichtig schlie├če ich die T├╝r.

__________________
Thomas

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zauberei
Guest
Registriert: Not Yet

gut nachzuempfinden....

Deine Geschichte.
Selbst erlebt?

Gru├č,
zauberei

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tstauder
Hobbydichter
Registriert: Nov 2000

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Hallo zauberei

Ja (ich habe in einem Altenheim meinen Zivildienst abgeleistet. Der Tod ist mir dort immer wieder begegnet.)

und Nein (ich habe auch meiner Phantasie Raum gelassen. Ganz so war es nicht. H├Ątte vielleicht so sein k├Ânnen.)

Gr├╝├če
Thomas

__________________
Thomas

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