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Leselupe.de > Horror und Psycho
Zirkus
Eingestellt am 13. 11. 2003 23:05


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Sn0wflake
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Zirkus

Mina Stalerno r├╝hrte in dem riesigen Topf, der auf der kleinen Herdplatte vor ihr stand, die Suppe um. Ihr Mann, Figo Stalerno war gerade dabei, das Silberbesteck zu polieren. Immer wieder stand Mina auf, warf einen pr├╝fenden Blick auf seine Arbeit und ging dann wieder ihrer eigenen nach.
┬╗Der ist noch nicht richtig sauber!┬ź zeterte sie beim letzten Kontrollgang, b├Ąumte sich hoch ├╝ber Figo auf und tippte energisch auf einen Silberl├Âffel. Seufzend nahm Figo den L├Âffel und putzte ihn noch einmal gr├╝ndlich ab, bis er blitzte.
Mina drehte sich in dem engen, vollgestellten Wohnwagen um. Das war bei ihrer Figur nicht immer einfach und sie musste aufpassen, dass sie mit ihren breiten H├╝ften nirgends gegen kam. Figo hingegen wirkte in dem Zirkuswagen klein und verloren, wie er dort vor dem Berg aus Silberbesteck sa├č und eifrig polierte.
Ein Bild wie aus einem Bilderbuch. Die dicke, herrschs├╝chtige Frau und an ihrer Seite der kleine Ja-Sagende Schmachthaken von einem Ehemann.
Sie geh├Ârten beide zum Zirkus Sarelli.
Figo war hier gro├č geworden und liebte den Zirkus ├╝ber alles. Am liebsten mochte er die kleine Jongleurin, die ihm oft bei den Proben aufmunternde Blicke zu warf. Sie sprach nicht viel und vielleicht war es gerade dieses ruhige und sch├╝chterne, was Figo so faszinierend an ihr fand.
┬╗Vom dumm in der Gegend grinsen wird das Besteck auch nicht sch├Âner!┬ź motzte Mina und stemmte ihre fleischigen H├Ąnde in die H├╝ften. ┬╗Sieh zu, dass die L├Âffel sauber werden!┬ź
Figo schreckte aus seinem kleinen Tagtraum hoch und polierte die Gabel, die er gerade in der Hand hielt, so schnell, dass sie leise quietschte.
┬╗Sag mal Figo, was ist jetzt mit deinem gro├čen Auftritt? Wann werden wir ihn endlich zu sehen bekommen? ┬ź spottete sie jetzt.
Figo sank in sich zusammen. Der Geruch nach abgestandenem ├ľl und Mottenkugeln machte sich aufdringlich in seiner Nase breit, so dass er fast unertr├Ąglich wurde.
Nicht schon wieder eines dieser ┬╗Du bist ein Waschlappen┬ź-Gespr├Ąche.
Immer stichelte sie ihn. Nur weil er nicht der erste -der wichtigste- auf dem Seil war.
Wie sollte er auch? Alessandro Lufetti war einfach das Schmuckst├╝ck unter den Luftakrobaten. Nicht dass er die Kunstst├╝cke unbedingt besser konnte als Figo, aber Alessandro sah einfach gut aus. Seine braungebrannten Muskeln, die sich bei jeder Bewegung am Trapez spannten und nur dadurch verrieten, dass das Fliegen dort oben harte Arbeit war. Ein richtiger Medienmensch, zu dem es einfach passte, dass die Frauen ihm zu F├╝ssen lagen. Einer, der ins Rampenlicht geh├Ârte. Nicht so ein kleiner, blasser Regenwurm wie Figo.
Figo spielte seit Jahr und Tag Alessandros Ersatzmann. Denn au├čer den beiden M├Ąnnern beherrschte niemand im Zirkus Sarelli den Salto mortale.
Nat├╝rlich stand Figo auch oft in der Manege, war auch oft auf dem Seil und am Trapez zu sehen. Aber eben nicht bei der gro├čen Saltonummer ohne Netz.
Ihm selbst machte es eigentlich nicht viel aus. Sollten doch ruhig die anderen dieses hohe Risiko eingehen. In diesem Falle eben Alessandro Lufetti.
Aber seine Frau dr├Ąngelte. Und es schien ihm, als wenn es von Tag zu Tag schlimmer wurde.
┬╗Wei├čt du Liebling┬ź, s├Ąuselte sie jetzt. ┬╗Irgendwie muss doch der Direktor umgestimmt werden k├Ânnen! ┬ź
Bei diesen Worten zog sie grinsend die kleine Schublade neben dem Herd auf, kramte darin herum und zog ein B├╝ndel Geldscheine hervor.
┬╗Aber Mina┬ź
┬╗Kein aber! Ein Versuch ist es wert! Oder hast du etwa f├╝r immer Lust die zweite Geige zu spielen? Nein? Siehst du! Und ich sehe das langsam einfach nicht mehr ein!┬ź
┬╗Mina, Donato Sarelli l├Ąsst sich nicht bestechen!┬ź sagte er fast fl├╝sternd.
Mina tat so als wenn sie es nicht geh├Ârt h├Ątte. Sie hatte jetzt eine Idee und daran gab es nichts zu r├╝tteln.
┬╗Es kann doch nicht sein, dass du hier im Zirkus geboren bist, zu der gro├čen Dynastie der Stalernos geh├Ârst, und dann ein daher gelaufener Vagabund dir deine Show stiehlt! Die Show, f├╝r die DU geboren wurdest!┬ź
Figo versuchte nicht hinzuh├Âren. Er konzentrierte sich auf das Messer, dass er gerade in der Hand hielt. Er war auf einmal fasziniert davon, wie es blitzte und blinkte.
┬╗H├Ârst du mir ├╝berhaupt zu?┬ź polterte sie jetzt und es klang fast ein wenig beleidigt.
Er hob schnell seinen Kopf und nickte.
┬╗Aber nat├╝rlich. Nat├╝rlich!┬ź
Bes├Ąnftigt wandte sie sich wieder dem blubbernden Eintopf zu. Mina, die nicht im Zirkus geboren war und auch keine besonderen F├Ąhigkeiten hatte, war f├╝r das leibliche Wohl der Menschen und auch einiger Tiere hier verantwortlich. Alle liebten ihre Suppen. Vielleicht auch nur, weil sie ihr freches Mundwerk f├╝rchteten.

*


┬╗Da bietet man diesem Dreckskerl mal ein paar zus├Ątzliche Kr├Âten, und er r├╝mpft nur die Nase, als wenn er einen Goldtopf unter seinem Bett stehen hat!┬ź sagte Mina erbost. ┬╗Die werden schon noch alle sehen, was sie davon haben! Du geh├Ârst an das Trapez! Und kein Alessandro Lufetti!┬ź
Figo war bereits im Halbschlaf, als seine Frau zu ihm nach hinten in die Schlafecke kam. Aber er war sofort wach und setzte sich auf.
┬╗Du hast es wenigstens probiert.┬ź versuchte er vorsichtig und hoffte inbr├╝nstig, dass es bes├Ąnftigende Wirkung auf Mina haben w├╝rde.
Sie zog die Augenbrauen hoch und dachte nach.
┬╗Ich finde das nicht gut, Figo. Das k├Ânnen die nicht mit uns machen!┬ź
Sie musterte ihn scharf von der Seite und tippte dabei mit den Fingern auf ihre nackten Oberschenkel, so dass die Haut unter ihnen nach gab und sich kleine Dellen bildeten.
┬╗Dir ist das wohl v├Âllig egal, wie? Meine G├╝te Figo! Zeig doch mal, dass du kein Schlappschwanz bist!┬ź
Figo l├Ąchelte d├╝nn. Was sollte er denn jetzt auch erwidern? Es w├╝rde sowieso zu nichts f├╝hren.
┬╗An den Zirkus und seine Stars m├╝sse er denken!┬ź fauchte sie. ┬╗Das hat er zu mir gesagt! Du w├╝rdest deine Gelegenheit schon irgendwann bekommen! Eine Unversch├Ąmtheit!┬ź
Figo fr├Âstelte und kuschelte sich tiefer in seine Wolldecke. Er lag viel h├Âher als Mina, die zwei Drittel des ohnehin schon schmalen Bettes f├╝r sich in Anspruch nahm.
┬╗Ach Figo, du wei├čt doch wie sehr ich mir w├╝nsche, dass die Stalernos ber├╝hmt werden. Das DU da oben stehst und auch die h├Âhere Gage bekommst, die dir zusteht! Das wei├čt du doch!┬ź Jetzt hatte sie einen ganz lieben, s├Ąuselnden Ton angenommen und strich ihrem Mann besorgt ├╝ber die aschblonden, lichten Haare.
Figo l├Ąchelte.
┬╗Eines Tages steh ich bestimmt dort oben, das verspreche ich dir Liebling!┬ź
Ein zuckers├╝├čes L├Ącheln umspielte ihre breiten Lippen.
┬╗Das wei├č ich Schatz! Ich unterst├╝tze dich da wo es geht!┬ź
Sie gab ihm einen Kuss auf die Stirn, wie M├╝tter das bei ihren Kindern oft taten, wenn sie eine Grippe hatten.
Pl├Âtzlich hielt sie inne. Ihre Augen leuchteten auf und ihre Muskeln spannten sich unter der dicken Fettschicht.
┬╗Ja, ich werde dich unterst├╝tzen, Figo, verlass dich auf mich!┬ź
Dann lies sie sich neben ihm ins Federbett plumpsen, so dass es knartschte. Kurz darauf war ihr brummendes Schnarchen zu h├Âren.
Figo lag neben ihr und konnte die halbe Nacht nicht einschlafen. Immer wieder kreisten seine Gedanken um den Salto mortale ohne Netz. Und um Alessandro Lufetti. Die zweite Geige spielen. Nat├╝rlich wollte er das nicht. Und Mina auch nicht. Er w├╝rde sich etwas einfallen lassen, damit seine Frau nun endlich stolz auf ihn sein w├╝rde. Vielleicht w├╝rde sie ihn dann endlich akzeptieren und nicht mehr f├╝r einen Schlappschwanz halten. Dann w├╝rde vielleicht alles gut werden. Man m├╝sste nur irgendwie daf├╝r sorgen, dass er seine Chance schon bald bek├Ąme. Er dachte, bevor er in seine Tr├Ąume versank, noch an die applaudierende Menschenmenge. Den Jubel. Seine stolze Mina. An polierte Gabeln, L├Âffeln und Messer.

*


Der Zirkus hatte seinen neuen Standort erreicht. Das neue, verbesserte Zirkuszelt stand schon und die Artisten und Clowns und alle probten noch akribisch an ihren Nummern, als Figo sich in das leere Zelt schlich. Die kleine, h├╝bsche Jongleurin ├╝bte still am anderen Ende der Manege mit goldenen B├Ąllen. Sie schien Figo gar nicht zu bemerken.
Heute war ein ganz besonderer Tag f├╝r den Zirkus Sarelli. Ein ganz gro├čer Tag f├╝r alle.
Das neue Zelt und zwei neue Nummern standen auf dem Plan. Endlich war die Krokodilnummer so ausgearbeitet, dass man sie problemlos vorf├╝hren konnte. Und auch die Mini-Artisten waren endlich fertig mit ihrer neuen Choreografie. Fantastisch.
Figo kletterte in Windeseile an dem Mast hoch, der auf einer Seite das d├╝nne Drahtseil hielt und von wo aus man auch das Trapez erreichen konnte.
Die Spannung knisterte sogar hier im leeren Zelt.
Er blieb einen Moment oben auf der schmalen Plattform stehen und atmete die frische Luft ein. Die Zirkusluft. Es roch nach allen m├Âglichen Tieren, nach Schwei├č von anstrengenden Proben und nach Freiheit.
Er ├╝berblickte von hier oben die ganze Manege. Die B├Ąnke f├╝r die Zuschauer, die frische S├Ągesp├Ąne unten in dem Manegenkreis und die bunten Lampen, die bald die ganze Zeltkuppel ausleuchten w├╝rden.
Er schloss die Augen und f├╝r einen Moment f├╝llten sich die leeren Pl├Ątze und die heitere und doch zugleich melancholische Zirkusmusik ert├Ânte in seinen Ohren. Dann h├Ârte er den Trommelwirbel. Und dann Stille.
Er sah sich selbst wie er nach dem Trapez griff, sich darauf schwang und durch die L├╝fte schwebte. Am anderen Mast wartete schon Gobi Fanobi mit seinen starken Armen auf ihn, der ihn auffing nachdem er den Salto mortale ausgef├╝hrt hatte.
Er sah schon die die jubelnd aufspringenden Menschen und wie er selbst als Star gefeiert wurde.
Bald, beschwichtigte er sich. Er schaute noch einmal nach unten. Die kleine Jongleurin war verschwunden. Er war jetzt ganz allein in diesem gro├čen Zelt und nur von drau├čen drangen dumpf die Ger├Ąusche der arbeitenden Zirkusleute herein. Er zog das Messer aus seinem Beutel, den er am Hals unter seinem Kost├╝m trug und hielt es gegen das Licht. Die Klinge schien zu leuchten. Er zog das Trapez zu sich heran und bearbeitete die Drahtseile, die es hielten.
Dann lockerte er zur Sicherheit noch ein paar Schrauben, an denen der Holzstab verankert war, damit auch wirklich nichts schief gehen konnte.
┬╗Ich bin kein Schlappschwanz!┬ź fl├╝sterte er feierlich.
Dann kletterte er geschwind wie ein Eichh├Ârnchen die Leiter hinab und schlich sich aus dem Zelt. Schon bei der ├╝bern├Ąchsten Auff├╝hrung w├╝rde er dort oben stehen. Und alle w├╝rden noch viel mehr um ihn bangen, nach der Trag├Âdie mit Alessandro Lufetti.

*


So eben waren die Krokodile an der Reihe gewesen. Es war ein Riesenerfolg und der Direktor strahlte vor Freude. Das Zelt war brechend voll und schien buchst├Ąblich fast aus allen N├Ąhten zu platzen. Viele erhitzte Kindergesichter leuchteten im Scheinwerferlicht.
Jetzt war die Pferdedressur mit den Shetlandponys dran und danach kamen die Artisten.
Figo war schon ganz nerv├Âs. Ungeduldig tippelte er von einem Fu├č auf den anderen. Wo blieb nur Alessandro? Das w├╝rde heute sein gr├Â├čter Auftritt werden, dachte Figo. Gerade wollte ihm ein Anflug von Gewissenbissen ├╝berkommen, als Mina im Publikum auftauchte. Figo beobachtete hinter dem leicht vorgezogenen Vorhang, wie sie sich ganz vorn an den Manegenrand stellte, dort wo der Zuschauereingang war, genau gegen├╝ber von ihm. Sie l├Ąchelte und als sie Figo bemerkte nickte sie ihm aufmunternd zu. Bald w├╝rde sie allen Grund dazu haben, dachte Figo und verga├č Alessandro.
Auf einmal donnerten die kleinen Ponys an ihm vorbei in die Manege mit wundersch├Ânem, glitzerndem Zaumzeug. Die kleinen M├Ądchen klatschten besonders aufgeregt und lachten und riefen und pfiffen. Die Stimmung war ├╝berw├Ąltigend.
Gleich w├╝rden die Artisten kommen. Gleich w├╝rde Alessandro seinen letzten Salto mortale vorf├╝hren.
Figo war bis zum Anschlag angespannt.
Als die Pferdchen die staubige Manege verlie├čen war Alessandro noch immer nicht zu sehen. Wo blieb der Kerl nur? Der Direktor lief an ihm vorbei und warf Figo dabei aufmunternde, viel versprechende Blicke zu. Figos Herz h├Ąmmerte wie wild in seiner Brust.
┬╗Meine sehr verehrten Damenundherren, liebe Kinder. Jetzt kommt ein ganz besonderes Highlight des Zirkus Sarelli zu ihnen! Unsere Artisten!┬ź
W├Ąhrend der Direktor redete schauten sich Figo und seine Leute immer wieder zum Eingang um. Alle warteten auf den gro├čen, ber├╝hmten Alessandro Lufetti.
Aber er kam nicht.
Figos Gedanken drehten sich im Kreis. Erst die Worte des Zirkusdirektors rissen ihn auf den S├Ągesp├Ąneboden der Manege zur├╝ck.
┬╗Und eine ganz besondere ├ťberraschung habe ich f├╝r einen unserer Artisten. Denn bedauerlicherweise leidet unser gro├čer Alessandro Lufetti, K├Ânig der tausend L├╝fte, unter einer akuten Magenverstimmung!┬ź
Ein entt├Ąuschtes Raunen ging durch die Reihen.
┬╗Aber nicht desto Trotz!┬ź fuhr der Dirktor fort, ┬╗Haben wir einen ebenb├╝rtigen, ja majest├Ątischen Ersatz f├╝r Meister Lufetti!┬ź
Der Direktor machte eine einladende Handbewegung.
┬╗Begr├╝├čen sie mit einem ganz herzlichen Applaus unsere Luftakrobaten und ganz besonders Figo Stalerno!┬ź
Wie schlafwandelnd wankte Figo in die Mitte der Manege und verbeugte sich mechanisch vor dem Publikum. Seine sowieso schon graue Haut war nun schneewei├č.
Jetzt musste er da oben rauf. Ihm wurde schwindelig.
Ausgerechnet jetzt sollte er f├╝r Alessandro einspringen? Nie in den ganzen Jahren hatte Alessandro einen Ersatz ben├Âtigt. Nie war er krank gewesen und ausgerechnet heute? Zu dieser Wahnsinnsvorstellung?
┬╗Nicht so sch├╝chtern!┬ź sp├Âttelte der Direktor fr├Âhlich. Und schob Figo mit einer unscheinbaren, aber f├╝r Figo deutlichen, Handbewegung in Richtung des Mastes.
Die erhitzte Menschenmenge feuerte ihn mit einem dr├Âhnenden Applaus an und immer wieder riefen sie seinen Namen. Kreischten vor Wonne und klatschten in die H├Ąnde.

Stockend stieg Figo die Sprossen der Leiter hinauf und umso h├Âher er kam desto trockener wurde sein Hals. Ihm war, als wenn die Luft Meter f├╝r Meter d├╝nner wurde.
Jetzt stand er oben. Der Trommelwirbel setzte ein, so wie er es sich vor ein paar Stunden noch vorgestellt hatte. Aber er sollte doch erst morgen bei der n├Ąchsten Vorstellung dran sein. Schwei├čperlen bildeten sich auf seiner Stirn und er bemerkte, dass er zitterte.
Gobi, der gegen├╝ber auf ihn zum auffangen wartete, schien seine Nervosit├Ąt zu bemerken und dr├╝ckte seine beiden Daumen. Er bewegte seine Lippen, die ┬╗Du schaffst das!┬ź zu sagen schienen.
Wahrscheinlich glaubten alle, dass er unter pl├Âtzlicher H├Âhenangst litt. Schon bald w├╝rden alle ├╝ber ihn lachen. Ein Stalerno, der die Motten kriegt. Der sich in die Hose macht und Angst vor seiner Berufung hat. Welch eine Blamage. Am liebsten h├Ątte Figo geschrieen, dass das Trapez manipuliert worden ist. Aber h├Ątte er sich damit nicht selbst verraten?
Der Trommelwirbel zog sich in die L├Ąnge und Figo sp├╝rte die Ungeduld im Zirkuszelt. Alle warteten auf ihn. Er blickte noch einmal herunter und winkte unbeholfen dem angespannten Publikum zu.
Jetzt erblickte er Mina. Wie sie dort unten stand und ihm aufgeregt zu winkte. Ihr Gesicht gl├╝hte vor Aufregung und sie warf ihm verschmitzte Blicke zu. Ihre Augen verrieten ihm, dass sie unheimlich stolz auf ihn war. Sie nickte mit dem Kopf und grinste h├Ąmisch. Dann rieb sie sich schelmisch mit der Hand ├╝ber ihren fetten Bauch und machte mit dem Mund eine schmatzende Bewegung.
Figo wusste, was das bedeuten sollte. Und jetzt wusste er auch, warum Alessandro heute nicht antreten konnte. Eine Magenverstimmung.
Mutig griff er nach dem Trapez und schwang sich durch die L├╝fte. Ein Figo Stalerno w├╝rde n├Ąmlich niemals kneifen.




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Marcus Richter
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Hi Snowflake,
erst dachte ich, naja, ein klein bisschen vorhersagbar, aber du hast mit der Frau als Grund der Magenverstimmung eine gute Pointe gefunden.
Alles in Allem halte ich es f├╝r gute Unterhaltung.

Sch├Ân, wenn man bei einer Geschichte unterhalten wird.

Gruss, Marcus

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Sn0wflake
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hi marcus,

freut mich zu h├Âren, dass du unterhalten wurdest....dazu sind geschichten ja schlie├člich da. (ja vielleicht nicht alle, aber diese hier).

hm, was mich vielleicht noch interessieren w├╝rde ist, ob die atmosph├Ąre r├╝ber kam und ob der "lesefluss" in ordnung war.


viele gr├╝├če von Sn0wflake

achja, die aussage, die du in dem einen beitrag geschrieben hast, fand ich richtig klasse. Das mit dem "bei sich selber klauen". hat mir irgendwie mut und antrieb gegeben. So frei nach dem Motto: "es ist alles nur geklaut!"...hehe
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Marcus Richter
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Hi Snowflake,
das meiste ist geklaut, manchmal vielleicht, ohne da├č der Autor es selber wei├č oder wahrnimmt. Ich kenne eigentlich kaum eine Horrorgeschichte, die sich nicht auf bereits bestehende, und diese abwandelnde Handlungsabl├Ąufe st├╝tzt oder einfach bereits ausgearbeitete Ideen nur in ein neues Licht r├╝ckt.
Matrix war das beste Beispiel und ich mu├čte mir immer die Ohren zu halten, wenn ich h├Ârte, das w├Ąre jetzt absolut neu und sowas h├Ątte es noch nie gegeben.
Alles Quatsch, ein paar Jahre vorher lief Dark City, der nur ohne Computermaske funktionierte und das ganze kann man wahrscheinlich bis auf die K├Ârperfresser reduzieren - und ich will garnicht wissen, welche Ideen bereits in den Zwanzigern in irgendwelchen Groschenheften entworfen wurden.

Nochmal zu deiner Frage. Ich bin keiner, der dir genau sagen kann, was an deinem Text vielleicht formal nicht richtig ist. Dazu bin ich selbst viel zu sehr an der Idee interessiert und dem Feeling, das beim Schreiben r├╝berkommt. ABer wenn du meine, dich absolut niederschmetternde Kritik h├Âren willst - vielleicht kannst du noch den Schluss st├Ąrker machen, da├č einem die Sache mit der Magenverstimmung noch st├Ąrker ins Auge f├Ąllt, um das Ach-hab-ich-schon-von-Anfang-an-gewu├čt-Gef├╝hl so richtig zu ohrfeigen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der letzte Satz stark genug ist. Er ist stark, ja. Aber du wei├čt ja, bei Geschichten dieser L├Ąnge ist der letzte Satz immer der H├Âhepunkt. Da muss der letzte Satz wie Butter auf der Zunge zergehn.

Kurz, vielleicht kritisieren wir hier an Dingen herum, die garnicht notwendig sind. Die Geschichte ist gut zu lesen, sie f├╝hrt einen ein bisschen aufs Glatteis, weil man sich als Leser ├╝ber die Handlung erhaben f├╝hlt
UND sie unterh├Ąlt, eine Art von Horrorkom├Âdie die mir immer gut gefallen hat.

Gruss, Marcus
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mye
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stimmt

...fl├╝ssig zu lesen und ein irgendwie lustig-makaberes ende -gef├Ąllt mir auch gut!

gru├č
mye
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man findet keine freunde mit sala-at, man findet keine freunde mit sala-at... (die simpsons)

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Sn0wflake
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hi ihr beiden,

@marcus:

ja da hast du recht. ich ├Ąrgere mich auch immer f├╝rchterlich ├╝ber leute, die nur die neuesten techo-coverversionen von guten alten liedern kennen.....


so, zur├╝ck zum schreibkram....

ja, vielen dank f├╝r die anregungen und das lob!
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