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Leselupe.de > Gereimtes
Zirkus
Eingestellt am 30. 08. 2007 20:14


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Walther
Routinierter Autor
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Zirkus


ÔÇ×Es dreht sich alles um sich selbst: Warum
Auch nicht. Wenn alles steht und nichts sich dreht,
Wenn alles fest ist, nichts mehr weitergeht:
Dann bin ich lieber Kreisel und fall um,

Werd ich vor Drehwurm wackelig und dumm.
Nur wer sich immer peitscht, der ewig steht;
Und nur wer immer wartet, winselt, fleht,
Der wird gepeitscht, gebeugt und endlich krumm.

Es dreht sich mit der Zeit die ganze Welt,
Der Mond, der kreiselt einsam durch die Nacht.
Der Mensch verdreht sich furchtbar gern f├╝r Geld.

So wie das Fischlein durch die Wasser schnellt,
Ist rasch ein Reim auf alle Welt gemacht,ÔÇť
Sagt leis der Peitschenknallerclown. Und lacht.

2. Version der vierten Strophe:

So wie mein Peitschlein durch die L├╝fte schnellt,
Ist rasch ein Reim auf alle Welt gemacht,ÔÇť
Sagt leis der Peitschenknallerclown. Und lacht.



__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

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Lieber Walther,

Kreisel und Peitsche: da fallen mir die Kreisel aus der Dachkammer meiner Oma ein, die wir mit einer Schnur am Stock ├╝ber die Stra├če gepeitscht haben als Kinder. Das war noch Spielzeug meiner Mutter. Es brauchte sehr viel ├ťbung, bis wir den Dreh raus hatten, die Dinger in Gang zu kriegen.
Weil diese Assoziation so ein sch├Ânes Bindeglied zwischen Kreisel und Peitsche ist, erw├Ąhne ich das.

├ťbrigens hat auch der Peitschenknall unmittelbar etwas mit Zeit zu tun, weil die Schlaufe immer schneller auf die Quaste am Ende der Schnur zul├Ąuft, die dann umschl├Ągt. Dabei f├Ąchert sich die Quaste auf und verdr├Ąngt ultraschnell relativ gro├če Luftmengen, die sich dann durch die hohe Geschwindigkeit zum ├ťberschallknall verdichten.

Mensch, Walther, unglaublich, was sich so alles verdichtet ...

quote:
Der Mensch verdreht sich liebend gern f├╝r Geld.

Hier muss ich allerdings wiedersprechen: diese Verdrehungen nimmt der Mensch f├╝r Geld in Kauf. Lieben tut er sie wohl kaum. Als ironische Wendung kommt es mir zu willk├╝rlich daher.

Ob das Zirkus ist, wei├č ich noch nicht so genau, aber gefallen haben mir hier Drehmoment und Angelpunkt.

Sch├Ân, die Aufl├Âsung am Ende, wo erst bewu├čt wird, wer da spricht.



Gr├╝├če von Elke
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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Walther
Routinierter Autor
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Hallo ENachtigall,
das Bild des Clowns scho├č mir durch den Kopf. Daraus entstand dann dieses kreiselnde Wortgebilde, in einem Sonett verpackt.
Was h├Ąltst Du davon, das Wort "liebend" durch das semantisch interessantere "furchtbar" zu ersetzen?
Dabei k├Ânnte ich auch gleich das Wandern des Monds in ein Kreiseln verwandeln.
Danke f├╝r Deine Textanalyse. Und Deine Tipps.
Lieber Gru├č W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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G├╝nter
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jul 2007

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Kommentare: 24
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Hallo Walther,

dieses Gedicht halte ich f├╝r einen gro├čen Wurf. An der Form gibt's sowieso nichts zu meckern und auch die Aussage beeindruckt mich. Vor allem weil es sich einer endg├╝ltigen Aussage enth├Ąlt und statt dessen - als Pointe - diejenigen auslacht, die sich allzu schnell einen Reim auf alles machen. So habe ich es zumindest verstanden; ich hoffe, ich liege nicht allzu weit daneben. Bei drei Detail m├Âchte ich etwas anmerken:

Das Bild mit dem Fischlein f├╝gt sich nicht in das Gesamtmotiv Zirkus ein und ergibt sich auch nicht zwingend aus dem Kontext. Als Alternative schlage ich etwas in dem Sinne vor, dass es den Zuschauern so gef├Ąllt ...

In der ersten Strophe erscheint mir folgende Formulierung glatter: "Wenn alles steht und nichts sich dreht / dann alles fest ist, nichts mehr weitergeht: / Da bin ich lieber Kreisel ..."

In der siebten Zeile w├╝rde ich "wer" und "nur" vertauschen.

Bei den beiden letzteren Vorschl├Ągen r├Ąume ich aber ein, dass dadurch die entsprechenden Passagen zu sehr "Aussage" werden k├Ânnten, was der von mir vermuteten Absicht zuwider laufen w├╝rde.

Sch├Ânen Gru├č
G├╝nter

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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

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Hallo G├╝nter,

herzlichen Dank f├╝r Deinen Eintrag. In der Tat habe ich mich mit der Form ganz sch├Ân rumgeschlagen. Es ist durchaus meist schwerer, als man glaubt, einen leichtg├Ąngigen Text in einer streng strukturierten Form umzusetzen. Und um solche gelegentlich wenigstens formal einigerma├čen ordentliche Sonette hinzukriegen, bedurfte jahrelanger ├ťbung und vieler sehr engagierter Kritik vieler Mitdichter/inn/en in diesem und anderen Foren. Ohne die R├╝ckkopplung bleibt auch der talentierteste (zu denen ich mich eher weniger z├Ąhle) Autor irgendwann einmal in der Entwicklung stecken.

So gesehen ist jede Kritik, auch die h├Ąrteste und unversch├Ąmteste, weil pers├Ânliche, immer noch besser als gar keine. Denn auch der pers├Ânliche Angriff und der schmerzlichste Verri├č haben am Ende einen Haken im geposteten Werk selbst wenigstens als Mitursache.

Die ehrenvolle Bemerkung, das Gedicht sei "ein gro├čer Wurf", nehme ich zwar gerne entgegen. Nat├╝rlich freut das. Aber ich sage zugleich, da├č ich eher dazu tendiere, meine Grenzen als solche anzunehmen. Meine Werke bleiben im ordentlichen Handwerksbereich, zur richtigen Kunst ist noch weiter weiter Weg.

Und wenn ich mich selbst richtig positioniere, so bin ich engagiert und bem├╝ht darum, nicht stehen zu bleiben. Aber zur echten Dichtung werde ich den Zugang wohl eher nicht mehr finden. Das ist ja auch kein Schade (und auch keine Schande); nicht jeder kann ein Gro├čer sein oder werden. Man darf nur nie nachlassen, besser werden zu wollen. Darum geht es in Foren wie diesem hier. Und das ist auch das Schicksal von den meisten von uns: Das Wollen ist (und bleibt) gr├Â├čer als das K├Ânnen. Damit mu├č man, trotz allen notwendigen Selbstbewu├čtseins, in einer gewissen selbstironischen Bescheidenheit leben lernen.

Zu Deinen Vorschl├Ągen: Das Umstellen der W├Ârter ÔÇ×nurÔÇť und ÔÇ×werÔÇť w├╝rde in der Tat den Sinn ver├Ąndern und zugleich die Wiederholung zum anderen Vers in der Strophe aufheben, die bewusst gew├Ąhlt ist. Die Metapher mit dem Fischlein k├Ânnte in der Tat ersetzt werden. Der Vers k├Ânnte lauten:

So wie mein Peitschlein durch die L├╝fte schnellt,

Ich werde das als 2. Version drunter einstellen, bin aber unentschieden. Das neue Bild w├╝rde wohl besser passen.

Den Vorschlag zur ├änderung der ersten Strophe w├╝rde ich aus den o.g. Gr├╝nden ebenso lieber nicht ├╝bernehmen. Auch hier ist die Dopplung des ÔÇ×wennÔÇť beabsichtigt und verst├Ąrkt die Zielrichtung der Aussage.

Vielen Dank f├╝r Deine Vorschl├Ąge, die aus einer intensiven Besch├Ąftigung mit meinem kleinen Sonettversuch entstammen. Das ehrt den Beitrag, wobei ich kleine Zweifel habe, ob er diese intensive Auseinandersetzung wirklich verdient hat.

In diesem Sinne meine besten Gr├╝├če

W.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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