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Leselupe.de > Theoretisches
Zitat, verdecktes Zitat, Plagiat
Eingestellt am 27. 11. 2015 21:07


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TaugeniX
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Liebe Kollegen,

ich versuche gerade eine "Mittelaltergeschichte" zu schreiben. In meinem Text tauchen viele Entlehnungen auf: von direkt zitierten Strophen eines Liedes und Splittern aus Psalmen, Gebeten und zur gegenstĂ€ndlichen Zeit viel gelesenen KirchenvĂ€tern bis zu Bildern aus Visionen und asketischen Praktiken aus diversen Vitas und Beichtspiegeln, die zwar "verdaut" und in eigenen Wörtern wiedergegeben sind, aber natĂŒrlich auch angelesen, wie auch sonst alles, was man ĂŒber diese Zeit weiß.

Wie geht man damit um? In einem Referat oder Facharbeit wĂŒrde man klarerweise jedes Zitat mit Fußnote und entsprechender Quellenangabe ausstatten. Wie macht man es in einer ErzĂ€hlung?

Danke im Voraus fĂŒr eure RatschlĂ€ge
Darja
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Was uns obliegt, ist nicht die Lust des Lebens, auch nicht einmal die Liebe, die wirkliche, sondern lediglich die Pflicht. Th. Fontane

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Ji Rina
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Hier eine mögliche Antwort:

In historischen Romanen gibt man seine Quellen nicht in Fußnoten an, und solange man keine direkten Zitate aus BĂŒchern verwendet, fĂŒr die ein Verlag die Rechte hat, ist das Wiedergeben mit eigenen Worten auch völlig legitim. Man kann am Ende des Buchs seine wichtigsten Quellen angeben, muss es aber nicht tun.

(Ist bei einer ErzÀhlung wohl auch so.)

Quelle: Von einer guten Freundin, die historische Romane schreibt.

Mit Gruss,
Ji

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Der Leser hatÂŽs gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
(Kurt Tucholsky)

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Bernd
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Trotzdem wĂŒrde ich am Ende die Quellen mit angeben. Im Werk selbst kann man gegebenenfalls verzichten.

Uralt bedeutet: Mindestens 70 Jahre nach dem Tod des Autoren - fĂŒr bereits zu seinen Lebzeiten veröffentlichte Texte. Wenn zum Beispiel Texte erst neu entdeckt und veröffentlicht werden, gelten andere Regeln.

Bei der Quellenangabe gegebenenfalls die Seite mit angeben.

Es mag kein Verstoß gegen das Urheberrecht sein, wenn Quellen nicht genannt werden. Jedoch Plagiate (wörtliche Zitate ohne Angabe der Quelle) sind verpönt. Dem entgehst Du durch Quellenangabe oder zumindest Angabe des Autors.

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Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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TaugeniX
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Schau, Bernd, da wĂ€re ein StĂŒck Text als Beispiel:

Es war ein Kloster, dessen Name und Geist geradezu exemplarisch und göttlich genau auf ihre Verfassung und GelĂŒst geprĂ€gt waren, denn die Abtei hieß Via Dolorosa, - der Schmerzenweg. Als Ort der enthusiastischen Selbstkasteiung machte es seinem Namen alle Ehre: „auf dass ihre ganze Natur verwĂŒstet werde“, haben sich die Schwestern in Abtötung und EinschrĂ€nkungen des Fleisches ĂŒberboten. Da ließ sich die Eine lederne Handschuhe anfertigen, die durch und durch mit spitzen NĂ€geln ĂŒbersĂ€t waren, und trug sie zur Nacht, damit sie ihr Fleisch im Schlafe verletze, wenn ihr ein DĂ€mon einflĂ¶ĂŸen möchte es zu liebkosen. Sogleich holte sie aber die NĂ€chste auf, indem sie ein hĂ€renes Unterhemd mit ebensolchen NĂ€geln versehen ließ und trug es zu Tage, sodass sie auch ohne dĂ€monische Versuchung aus frischen Wunden blutete. Man hielt es auch in Selbstgeißelungen und Prostrationen auf vereisten Portalstufen athletisch, als wĂŒrden die Schwestern um die Gust ihres Himmlischen BrĂ€utigams einen Wettkampf auf „Kranz oder Tod“ bestehen wollen. Die Mutter Oberin, durch ihr greises Alter und der Gnaden Überlast gebeugt und selbst zur MĂ€ĂŸigung gezwungen, mahnte zwar hin und wieder zur tugendlichen Besonnenheit und eher geistiger denn körperlicher Übung, doch ohne Nachdruck, sodass diese Mahnungen dem Wettlauf des Leidens im Kloster nicht abtrĂ€glich waren.

Mit Staunen und Bewunderung sah Irmgard ihren fortgeschrittenen Schwestern zu: kaum ein Tag verging, dass nicht eine von ihnen aus ihrer Selbstkasteiung oder mitten aus dem Stundengebet entrĂŒckt wurde und ihre Seele tota in Deum rapta in den Himmel aufstieg und den Körper schrecklichen Zuckungen und nachfolgender LĂ€hmung ĂŒberließ, die oft einige Tag anhielt. Als sie wieder zu sich kamen, sprachen sie wirr und erhaben von Dingen, die kein menschliches Wort erfassen kann. ÜberfĂŒllt von Neugier, Bewunderung und hilflosem Neid fasste Irmgard die Mystikerinnen an den HĂ€nden und flehte sie um Bericht von dem, was Gott ihnen in Seiner Liebesnacht anvertraut. Doch sie redeten nur in wagen Bildern und wiesen darauf, dass der „unsagbare Gott“ in Seiner unendlichen SĂŒĂŸe, die Er seinen AuserwĂ€hlten schenkt, nicht erzĂ€hlt werden kann, „so spreche ik gerne und ik enmag“. Als die Schwestern dann ihre Köpfe zusammentaten und in heller Begeisterung das Lied anstimmten:
„du schoene minne von hoher gewalt
du jungert die sele, der lip wird alt
“
traute sich die Neue nicht mitzusingen, denn sie hat die schoene minne noch nicht erkannt.

Die Worte in kursiv sind aus zeitgenossischen Quellen zusammengezupft und zum Teil ins Neu-Deutsche ĂŒbersetzt. Die Quellen selbst sind aus dem XII - XIV Jh., die BĂŒcher, wo ich sie fand, aus dem frĂŒhen XX. Jh. oder noch ein bisschen Ă€lter. Was genau muss ich angeben? Und wie soll ich es kennzeichnen? Mit Fußnoten, die aber nicht auf der Seite, sondern alle ganz am Ende angefĂŒhrt werden?

Danke im Voraus fĂŒr die Hilfe
Darja

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Bernd
Foren-Redakteur
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Es ist keine Rechtsberatung, die ich machen kann. FĂŒr die sehr allgemeinen sehr kurzen Zitate reicht es aus, am Ende ohne weitere Hinweise die Quelle anzugeben, denke ich.

Bei „du schoene minne von hoher gewalt
du jungert die sele, der lip wird alt“
wĂŒrde ich es genauer machen, ich bin sicher, die Leser interessiert das, auch unabhĂ€ngig von Plagiat oder nicht.

„Kranz oder Tod“ wĂŒrde ich in einer Note hinten mit Quellenangabe beim ersten Auftreten erklĂ€ren.

Hier ist ein Beispiel: Hier klicken
Der Roman selbst ist dort kostenlos in AuszĂŒgen zu sehen.



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orlando
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Darja,
um auf der sicheren Seite zu bleiben, könntest du an den Anfang der ErzÀhlung ein prÀgendes Zitat setzen, etwa wie bei

Hier klicken

in einem Roman auf einer Extra-Seite.
So wissen die Leser, worauf du dich im Folgenden beziehen wirst. Originalzitate innerhalb des Textes solltest du durch ein anderes Schriftbild markieren.
Zum Ende hin (und das auch nur bei langen Texten) empfĂ€hle ich eine lĂŒckenlose Quellenangabe. LĂŒckenlos meint hier keine Auflistung - wie in wissenschaftlichen Arbeiten ĂŒblich - sondern eher: von Seite 25 - 34 ... (Quellenangabe).

GrĂŒĂŸle
orlando

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