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Leselupe.de > Humor und Satire
Zoff im Doppelpack
Eingestellt am 18. 05. 2002 13:07


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Lambertus
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...oder „tu nichts Gutes, so widerf√§hrt Dir nichts B√∂ses“
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Nach dem dritten Klingeln √∂ffnete ich m√ľrrisch und hemmungslos g√§hnend die Haust√ľr. Luise stand vor mir, und mein Mund klappte zu.

“Kurt, so geht’s nicht weiter! Du musst mit Peter reden!” keuchte sie mir entgegen. Es roch s√ľ√ülich nach Eierlik√∂r. Luise trank gern zum Kaffee ein Gl√§schen Eierlik√∂r, zum Kummer schon mal ein paar mehr. Heute war’s wohl eher der Kummer.

Ich sah sie pflichtgem√§√ü betroffen an. “Bist Du in Deinem Cabrio mit offenem Verdeck durch die Waschanlage gefahren...?” - sagte ich nat√ľrlich nicht, obwohl sie wirklich so aussah.

“Du musst mit Peter reden! - Es muss etwas geschehen!” - Sie huschte an mir vorbei ins Haus und schnurstracks ins Wohnzimmer, fiel ins Sofa und z√ľndete sich in atemberaubender Hetze eine Zigarette an. “Wir m√ľssen dar√ľber reden. Und zwar jetzt”, hustete sie in eine blaue Dunstwolke hinein.

Es war ohnehin heute nicht ganz mein Tag, nach Sollen und M√ľssen stand mir jedenfalls absolut nicht der Sinn. Noch aber bes√§nftigten mich erfolgreich meine Friedensengelchen. “Wor√ľber soll ich denn mit Peter reden?” fragte ich harmlos. “Etwa wieder wegen...”

“Ja sicher!”, unterbrach sie mich, “das kocht immer wieder hoch. Und Peter tut nichts, nichts, aber auch gar nichts! - Wie immer. Es kotzt mich langsam an!”

“Und was unternimmst Du...?” - Das sollte eine ehrlich gemeinte Frage werden, doch irgendwie hatte ich damit bei Luise auf einen blank liegenden Nerv getreten.

“Ich...? - Wie kommst Du denn darauf!? - Was soll ich denn da tun?“ ereiferte sie sich und redete und redete und geilte dabei immer wieder nach meiner Zustimmung. Da sie diese aber wohl nicht in ausreichendem Ma√üe fand, f√ľgte sie schlie√ülich den m√∂rderischen Satz an: “Ach, du wei√üt ja auch nicht, was in einer Frau vorgeht! Wie alle M√§nner.” Und quetschte ihre Kippe in den Ascher.

Sooo...! Das langte jetzt! - Ich habe diesen Vorwurf - oder was es immer sonst sein mag - mindestens zwanzig Mal in meinem Leben geh√∂rt, bin danach oft brav in mich gegangen, um zu erforschen, wo denn blo√ü dieses Manko bei mir liegen k√∂nnte, ohne je f√ľndig zu werden.... Was ist das gro√üe Geheimnis im Innern einer Frau, das kein Mann verstehen kann? - Ein marterndes R√§tsel, - bis mir irgendwann auffiel, dass dieser Ausspruch nur in einer ganz bestimmten Situation ert√∂nt, n√§mlich dann, wenn bei einem Streitgespr√§ch eine Frau argumentativ ins Hintertreffen ger√§t. Dann aber - kurz vor ihrem totalen Abrutschen - dann - peng! - dieser Satz, dieser finale Rettungsschuss! - Adam ist baff, verteidigt sich r√∂chelnd immer tiefer ins Verderben, bis er resignierend aufgibt. Und Eva triumphiert! - Nein, Schluss damit!!

“Was erwartest Du von Peter? ” wollte ich wissen. “Hast Du ihn mal gebeten...”

“Wa-a-a-s? - Gebeten...?!” unterbrach sie mich, “er muss sich √§ndern, - anders geht‘s nicht.”

Irgendwie missfiel mir dieses Palaver; es machte mich aber nicht etwa w√ľtend, - nein schlimmer: es brachte mich in √§rgerliche Vortrags-Laune. Wie zum Einstieg sagte ich: “Ich will nicht wissen, was jetzt zwischen Euch los ist, weil es v√∂llig egal ist. - Bei Euch ist n√§mlich jedes Thema f√ľr einen dicken Krach gut genug. Und warum? - Weil Ihr nicht vern√ľnftig miteinander reden k√∂nnt!” -

“Ohohoho...! Wir reden st√§ndig miteinander.”

“Ja. Aber wie...?! “ Ich hatte oft Debatten zwischen Luise und Peter mitbekommen. Sie beginnen mit einer Nichtigkeit, die erst mal durch gegenseitige Angriffe geh√∂rig aufgebauscht wird. Ist das Thema durch, wird der Themenkreis willk√ľrlich bis zur Absurdit√§t erweitert. Einer von beiden wei√ü jedoch immer zu vermelden, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Vor allem wei√ü aber jeder von beiden, was der andere zu tun und zu lassen h√§tte, sollte wieder eitel Sonnenschein herrschen. Es fliegen dabei keine unschuldigen Gegenst√§nde durch den Raum, - nein, es fliegen anfangs nur Worte, sp√§ter nur noch W√∂rter.

Unbewusst artete meine Antwort quasi in einem Vortrag aus, doch Luise h√∂rte ungew√∂hnlich aufmerksam zu. Verd√§chtig, unheimlich... - Ich z√§hlte ihr in wahlloser Reihenfolge alle Kommunikations-S√ľnden auf, die mir gerade in den Sinn kamen und empfahl jeweils eine bessere Alternative f√ľr einen Satzbeginn, wie zum Beispiel:
‘Du musst doch einsehen, dass...’ - besser: ‘Bitte bedenke auch, dass...’
‘Nun tu doch nicht so als ob...” - besser: ‘Bitte √ľberlege mal, ob nicht...’
‘Du solltest dir mal angew√∂hnen...” - besser: ‘W√§re es nicht hilfreich, wenn...’
‘Alles einzig und allein deine Schuld...’ - besser: ‘Wie l√∂sen wir das Problem?”
‘Das darfst du nicht...” - besser: ‘Bitte vermeide ...’
‘Von allein k√§mst du nie auf die Idee...” - besser: ‘W√§re das nicht auch f√ľr dich eine √úberlegung wert...’
‘Ich habe dir schon hundert Mal gesagt...’ - besser: ‘Auch wenn ich mich wiederhole...’
‘Du hast mich falsch verstanden.’ - besser: ‘Da habe ich mich wohl falsch ausgedr√ľckt.’
‘H√∂r mir endlich zu!’ - besser: ‘Interessiert es dich, wie ich dar√ľber denke...?’
‘Das k√ľmmert dich doch ‘n Dreck!’ - besser: ‘Was bedeutet dir eigentlich...?’
‘Du wei√üt √ľberhaupt nicht, was du willst!’ - besser: ‘Bitte erkl√§re mir mal...’
‘Ich werde √ľberhaupt nicht gefragt!’ - besser: ‘Wollen wir das nicht gemeinsam...’
‘Das geht dich √ľberhaupt nichts an!’ - besser: ‘Was interessiert dich daran so sehr?’
‘Das sieht dir wieder mal √§hnlich!’ - besser: ‘Kann ich dir helfen, damit...’
‘Du solltest dir mal ein Beispiel nehmen an...’ - besser: ‘Was h√§lst du davon, wie...’
‘Da habe ich auch ein W√∂rtchen mitzureden!’ - besser: “Meine Ansicht dazu ist...”
‘Das kannst du √ľberhaupt nicht beurteilen’ - besser: ‘Was macht dich so sicher?’
‘Davon hast du null Ahnung.’ (keine Alternative. Streichen, weil es meist ohnehin nicht stimmt)
‘Und √ľberhaupt...!!!” - (keine Alternative. Bitte ganz streichen, da √ľberfl√ľssig)
Mit diesen und anderen Beispielen empfahl ich Luise, weniger aggressiv und daf√ľr sachlicher zu diskutieren; es w√§re dem gegenseitigen Verstehen dienlich. Au√üerdem bat ich sie, mit eingeschobenen Begriffen wie “schon wieder mal” , “immer dasselbe” , “ich kenne das ja” und √§hnlichem sparsamer umzugehen, sie also nicht noch obendrein als Aggressions-Verst√§rker zu gebrauchen.

Als Luise ging, schien sie erleichtert; sie dankte mir sogar. Es sei f√ľr sie ein wertvolles Gespr√§ch gewesen. Luise hat ein ph√§nomenales Ged√§chtnis f√ľr alles, was sie behalten m√∂chte. Daran musste ich pl√∂tzlich denken, als beim Abschied ihre Augen so merkw√ľrdig blitzten. Sollte ich tats√§chlich bei ihr etwas bewirkt haben? - Eine neue, sanftere Luise...?

Ehe ich dazu kam, mich in Selbstgef√§lligkeit zu suhlen, meldete sich aus der Magengrube ganz unten links eine s√§uerlich klingende innere Stimme: “Junge,” mahnte sie, “Junge, bleib’ sitzen; der Film ist noch nicht zu Ende...”

Wie wahr... - Am Abend l√§utete das Telefon. Ich nahm den H√∂rer ab und nannte arglos und brav wie immer meinen Namen. Peter war am Apparat. Durch die Art, wie er die Begr√ľ√üungsformel halb gurgelnd, halb w√ľrgend verschluckte, wurde die innere s√§uerliche Stimme wieder geweckt. “Siehste - siehste - siehste”, klang es in mir geradezu fatalistisch, “das Finale naht...”

“Was – ist – denn – in - dich - gefahren, meine Luise derart penetrant gegen mich aufzuhetzen!” donnerte Peter los. Ich musste den H√∂rer einen halben Meter vom Ohr entfernt halten. “Ausgerechnet ich, ich soll mein Kommunikations-Verhalten √§ndern!? Hach, l√§cherlich!!! - Das - ist - doch - wohl - die - H√∂he!! - Ich habe erstklassige Verk√§uferschulungen mitgemacht und jede Menge √ľber Kommunikation gelernt! Ich brauche dazu keine Belehrungen, - weder von Luise noch von dir! - Luise h√§tte sowas n√∂tig, der h√§ttest du das eintrichtern sollen!! - Ich rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist und bin damit bisher bestens gefahren, jawoll! - Mich verstehen immer alle, - da m√ľsst ihr beiden mir keine Vorschriften machen! - Und aggressiv ich bin sowieso nie! Niemals! - Aus Prinzip nicht - nie! - Ich frage mich wirklich: was - soll - der - ganze - Quatsch...!! - Und √ľberhaupt... - √úberhaupt ist doch das ganze...”

“Gute Nacht, Peter”, sagte ich m√ľde. Wieder grunzte die s√§uerliche Stimme in mir. Wahrscheinlich wollte sie mir voller H√§me erz√§hlen, dass kluge Worte √ľber Kommunikations-Pflege doch nur etwas f√ľr die anderen sind. Sie auf sich selber anwenden, - na Gott bewahre! - Und die neue, sanfte Luise...? - Das war wohl nur ein Wort mit “x”, n√§mlich nix.

Wie sagten die alten R√∂mer: In vino veritas (Im Wein liegt Wahrheit...) - Vielleicht waren sie uns ja in Sachen Kommunikation auch ein wenig voraus, wer wei√ü...? –
Jedenfalls entkorkte ich wenig später eine gute Flasche Rioja Reserva.

Drei Tage später hatten wir uns alle wieder miteinander versöhnt; es war und blieb alles beim Alten...


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tommix
Hobbydichter
Registriert: May 2002

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Spaßig und sogar ein wenig lehrreich. Kompliment. - tommix -

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