Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
140 Gäste und 5 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Zu Tode gelangweilt
Eingestellt am 01. 06. 2007 16:43


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
HansSchnier
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2007

Werke: 9
Kommentare: 38
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um HansSchnier eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Wer bald stirbt, denkt schnell. Meine Gedanken sind abgehackt. Ich weiß nie, ob ich sie beenden werde. Ich rede wenig. Schreibe schon gar nicht.
Seit Jahren lese ich keine Romane mehr, manchmal Gedichte. Nur kurze.
Im Supermarkt sind Großpackungen tabu. Brot kaufe ich beim BĂ€cker scheibchenweise. Ich gehe morgens und abends. Dazu habe ich Zeit, auch wenn sie auslĂ€uft.
Dem Tod ist nicht auszuweichen. Er lauert hinter jeder Ecke. Noch habe ich die Ecke nicht gefunden. Ich suche sie nicht. Ich will ihr ausweichen. Aber dazu muss ich sie erst finden. Ausweichen ohne Ziel geht nicht. Dem Tod ist nicht auszuweichen. Aber versuchen kann man es. Nur ohne Erfolg.
Ich bin alt. Schon seit einer Ewigkeit. Ich bin lÀngst dran. Mit jeder Stunde steigt die Wahrscheinlichkeit. Schon seit Jahren. Man gewöhnt sich dran.
Ich gehe besser keine Risiken ein. Ich bin gefÀhrdet genug. Ich verhalte mich möglichst unauffÀllig. Man muss es ja nicht drauf anlegen.
Meine Vorfahren hatten Krebs. Bald bin ich dran. Erbgut. Erbschlecht.
Meine Wohnung liegt in einer Gegend mit hoher KriminalitÀtsrate. Der Staat zahlt. Es ist eine Frage der Zeit, bis ich erschossen werde. Aber sicherer als Arbeiten.
Die meisten UnfÀlle passieren im Haushalt. 2 626 Tote letztes Jahr. Ich putze nicht. Die Fenster schon gar nicht. Ich liege im Bett. Und habe Angst. Das ist sicherer. MAn stirbt im Bett. Das hat Tradition.
1 000 Deutsche stĂŒrzten letztes Jahr auf der Treppe. Sie sind traditionslos tot. Aber Parterre wird stĂ€ndig eingebrochen. Ich wohne im sechsten. Fahre Aufzug. Wenn er funktioniert. Wenn nicht, bleibe ich zuhause. Brot kann ich dann nicht kaufen. Aber wer verhungert bei uns schon?
Sterben ist wie ein Zahnarztbesuch. Man wartet ewig, will aber nicht drankommen. Ich gehe nicht zum Zahnarzt. Zu symbolbeladen.
Bloß keine Frauen. Lieber Handarbeit. Frauen morden aus Eifersucht. HĂ€nde werden nicht eifersĂŒchtig. Hoffe ich.
WĂ€hrend ich warte, vergeht die Zeit langsam. Deshalb warte ich.
WĂ€hrend ich mich fĂŒrchte, fliegt sie dahin. Ich fĂŒrchte mich. Ein Nullsummenspiel.
Ich kann nicht gewinnen. Aber jeden Moment sterb...

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Stoffel
gesperrt
One-Hit-Wonder-Autor

Registriert: Jun 2002

Werke: 468
Kommentare: 8220
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo,

ja, die Idee ist gut und es beinhaltet viel schmunzeliges. Vielleicht gibt es solche Menschen. AnnÀhernd sicher.
Finde s teils auch noch nicht ganz rund, tu mich aber heute schwer was vorzulegen.

Am Anfang..
"Wer bald stirbt, denkt schneller" vielleicht?
Das Ende, wenn ich den Anfang nehme...
"Meine Gedanken sind abgehackt"
Und am Ende ist der Gedanke abgehackt.
Ist es dann am Ende das wirkliche Ende(Tod)? Oder ist das einfach nur ein.."usw."..."usw.".?

lG
Sanne

Bearbeiten/Löschen    


HansSchnier
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2007

Werke: 9
Kommentare: 38
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um HansSchnier eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Waldemar, Hallo Stoffel,


danke fĂŒr Eure BeitrĂ€ge.

Waldemar, deine berechtigten Kritikpunkte habe ich bereits umgesetzt. Mit Blick auf die HÀnde war meine Formulierung ungenau. Und die meisten Menschen sterben wohl tatsÀchlich im Bett, wobei aber die TÀtigkeit des Im-Bett-Liegens nicht Todesursache ist. Vielmehr werden Moribunde mit Vorliebe ins Bett gelegt, um sie dort sterben zu lassen.

Euer beider Ansicht, dass die Geschichte noch nicht ganz rund ist, stimme ich bedingt zu.
Das Fragmentarische und Hingerotzte ist zwar absichtlich gewĂ€hltes Stilmittel, aber wenn jemand einen Vorschlag hat, wie die Geschichte abgerundet werden kann, bin ich fĂŒr jeden Hinweis dankbar.

GrĂŒĂŸe

HansSchnier

Bearbeiten/Löschen    


3 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!