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Leselupe.de > Science Fiction
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Eingestellt am 29. 01. 2016 14:41


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jon
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Es war so weit. Professor Trrggn nahm die letzten Einstellungen an der Apparatur vor und wandte sich an sein Publikum. „Kollegen, Gäste“, begann er. „Seit Ka‘a‘a experimentell bestätigen konnte, dass es in der parallelen Existenz neben den stofflichen Strukturen auch aurale Muster ähnlich denen unseres Universums existieren, sind Wissenschaftler jeden Staates auf der Suche nach lebendigen, ja Intelligenz verheißenden Mustern in jener uns so fremden Dimension. Sie alle kennen die Daten von Tein und Krrn, die Bruchstücke komplexerer Auramuster zu sein scheinen. Die Kopplung eines Zugriffsfensters an eine der stofflichen Konzentrationen jener Dimension brachte anfangs sehr gute Ergebnisse, die Musterausbeute sank jedoch bei jedem Zugriff auf die parallele Existenz. Ein Effekt, der immer wieder zu beobachten war: Die Ausbeuten sanken nach unterschiedlicher Zeit. Bisher war die Schaffung eines neuen gekoppelten Fensters mit hohem Aufwand verbunden – heute präsentiere ich Ihnen eine Vorrichtung, die selbstständig eine Stoffkonzentration ermittelt, je nach Ergiebigkeit an komplexen Auren zwei bis acht oder neun Zugriffe ausführt und dann eine neue Kopplungsmatrix herstellt.“
Ein Raunen ging durch die Zuschauer. Professor Trrggn hatte damit gerechnet. Er wusste auch, dass nun alle erwarteten, dass er den Algorithmus für dieses Vorgehen preisgab. Oder zumindest andeutete, wie er die bisherigen komplizieren Berechnungen umging, die viele Zufallsvariablen enthielten, deren Wahl stark von der Intuition des Rechnenden abhingen. Nun, Trrggn hatte mitnichten die Absicht, sein Geheimnis preis zu geben, mehr noch, er hatte vor, noch eines hinzuzufügen:
„Eine ebenfalls neue, speziell für diese Art Zugriff entwickelte Aufzeichnungsapparatur“, fuhr er fort, „registriert neben den auralen Messergebnissen auch Angaben über die örtliche Fixierung der Fenster-Masse-Kopplung und den aktuellen Entropiewert, der uns Auskunft über den Zeitzustand im Moment des Zugriffs erlaubt.“
„Wie?“, platzte nun ein junger Mann heraus. Der Professor erinnerte sich, ihn einmal in seiner Vorlesung gesehen zu haben.
„Der Entropiewert folgt in der parallelen Existenz einer generellen Tendenz der Zunahme“, erklärte er. „Er bildet somit im Gegensatz zu unserem Universum einen guten Hinweis auf das Fortschreiten der Zeit.“
„Das ist noch strittig“, erwiderte der Student. „Und es ist unlogisch. Leben bedeutet doch Strukturbildung, mithin also Abnahme von Chaos. Wenn einerseits also – und das ist nicht strittig – Leben in der parallelen Existenz beobachtet werden kann, wäre der …“
„Junger Mann!“, unterbrach ihn Trrggn lächelnd. „Ihr Enthusiasmus ehrt Sie und ich beantworte Ihre Fragen gern in meinem nächsten Seminar. Jetzt jedoch, so bin ich sicher, warten alle gespannt auf den Beginn des angekündigten Experimentes. Also“, er wandte sich der Apparatur zu und legte einen Schalter um, „beginnen wir.“

Der Herbst hatte die Bäume längst entlaubt, die Sonne war noch einmal mit Wärme zurückgekehrt. Michaela Brauer saß auf der Veranda des großmütterlichen Hauses und genoss mit geschlossenen Augen die milde Luft.
„Hey Schwesterchen!“, unterbrach Phil ihre Muße.
Michaela blinzelte zu ihn hoch. „Hallo. Was machst du denn hier? Ich dachte, du wolltest nach Miami.“
„Vati hat kurzfristig einem Aufritt zugesagt, er ist erst übermorgen für mich frei. Wieso kommst du nicht mal mit?“
„Zu Vera?“
„Zu Vati!“
„Nur wenn Vera nicht ist.“
„Sie ist seine Frau!“
„Ich weiß. Und ich werde es nie verstehen. Wie kann er Mutti geliebt haben und dann diese Frau heiraten?“
Phil holte zu einer Entgegnung aus, winkte dann aber.
Michaela grinste: „Hast ja Recht. Ich mag sie trotzdem nicht. Jedesmal, wenn wir uns treffen, endet unser Gespräch bei Wöltu.“
„Das ist nicht ihre Schuld …“
„Sie fängt doch immer davon an! Kein Mensch stellt in Frage, dass Mutti Aut damals erschießen musste, nur Vera behauptet steif und fest, sie hätte mit Aut verhandeln müssen. Wenn es nach Vera ginge, hätte er die Geißel ruhig töten sollen – Hauptsache die ach so weiße Weste der terranischen Raumflieger wird nicht beschmutzt! Ach was beschmutzt! Leicht angestaubt!“
„Du hast ja Recht“, gab Phil müde zu. Er ließ sich in den zweiten Korbsessel fallen.
„Du verteidigst Mutti nie, oder?“
„Wozu? Alles spricht für sie, wieso soll ich da auch noch reden? Sie ist ein Star.“
„Star? Was denn für ein Star? Die Entdeckung der Wöltu-Zivilisation …“ Ein Marienkäfer landete auf Michaelas Hand, sie stockte.
„Was ist?“
„Ein Fliehmariechen.“ Sie hob die Hand und der Käfer begann, nach oben zu klettern. „Jedenfalls“, fuhr Michaela fort, während sie den Käfer beobachtete, „… war das eine ziemlich große Sache. Bis heute haben wir keinen anderen bewohnten Planeten gefunden.“
Phil schloss demonstrativ die Augen. Offenbar führten die Geschwister dieses Gespräch nicht zum ersten Mal.
„Und Mutti hat es sich bestimmt nicht leicht gemacht, als sie auf Aut schoss. Sie musste Eik Meister retten.“
„… und so wurden Katharina Brauer, Thomas McMay und Frank Brown zu Helden“, intonierte Phil.
Der Marienkäfer war an Michaelas Fingerspitzen angekommen und dreht sich unschlüssig im Kreis. Sie ließ die Hand sinken. Der Käfer machte kehrt, um wieder aufwärts zu krabbeln.
„Ich weiß ja, dass du Tom und Frank nicht leiden kannst, aber Mutti war längst mit Vati auseinander, als sie Tom traf.“ Sie nahm den Käfer von ihrem Arm und setzte ihn auf den Blumenstrauß, der in einer großen Bodenvase auf der Veranda stand.
„Was hat das damit zu tun?“
„Was hat womit was zu … Au!“, rief Michaela und sprang auf.
Phil schrak hoch: „Was ist?“
Sie musterte den Korbsessel. „Irgendwas hat mich gepiekt oder so.“
„Eine Mücke?“
„Das war keine Mücke, das war eher … Eigentlich war es auch kein Stich sondern eher eine Art Glutpunkt.“
Er runzelte die Stirn. „Glutpunkt.“
„Ja. Es war wie …“
Krachend fiel die Bodenvase um. Wasser ergoss sich über Michaelas Füße. „Iiiih!“
Phil stand auf. „Deshalb musst du doch nicht Omis Lieblingsvase umwerfen!“
„Ich bin nicht mal drangekommen!“
Er hob die Vase auf. Als er die Blüten neu arrangieren wollte, stutze er. „Sieh dir das an!“ er deutete auf die Blüten
Michaela trat näher. „Was ist das?“ Einige Blütenblätter waren versengt, an zwei Stengeln fehlte die gesamte Blüte. Und auf einem angekohlten Blatt klebte das zuckende Hinterteil des Marienkäfers.

„Auch dies“, so dozierte Professor Trrggn und wies auf die Daten auf dem Sichtschirm, „sind ganz offenkundig Muster eines komplexen Stoff-Aura-Verbandes. Wir haben also bei allen Zugriffen der ersten Serie untrügliche Zeichen dafür gefunden, dass Stoff mit Aura verknüpft ist. Wobei der Komplexgrad der stofflichen Struktur nur insofern mit der Komplexität der Aura in Verbindung zu stehen scheint, dass wenig strukturierter Stoff zwar komplexe oder einfache Auren tragen kann, komplexe Stoffansammlungen aber immer mit höher organisierten Aura-Komplexen verbundenen sind.“
„Und Leben mit Leben“, warf einer der Studenten ein.
„Lilmin“, bat Trrggn. „Würden Sie bitte vorsichtiger mit diesbezüglichen Bemerkungen sein? Sie haben offensichtlich noch immer einen nur oberflächlichen Eindruck der parallelen Existenzformen.“
„Aber die Daten …,“ hob Lilmin an und zeigte auf den Schirm.
„Wie oft muss ich Ihnen noch erklären, dass Komplexität in der parallelen Existenz nicht zwangsläufig Leben bedeutet?! Lesen Sie bitte endlich einmal die Ausführungen, die Tein und Krrn über ihre achte Zugriffserie angefertigt haben! Sie fanden hierbei Muster stofflich sehr komplexer Systeme, deren Statik sie jedoch als nichtlebend auswiesen, andere ähnlich vielfältige Strukturen trugen Lebenszeichen.“
„Ich habe die Ausführungen durchaus gelesen, Herr Professor. Die wichtigste Erkenntnis darin schient mir, dass Tein und Krrn nicht in der Lage waren, komplette Muster abzubilden. Krrn weist drauf hin, dass die Ergebnisse den Eindruck von Trümmern vermittelten. Meiner Meinung nach hängt dies mit dem noch immer ungeklärten Entropieverhalten …“
„Sie verlassen das Thema dieses Seminars!“, wies ihn der Professor zurecht.
Lilmin erhob sich wütend. „Mehr noch, Herr Professor“, rief er. „Ich verlasse dieses Seminar!“ Er stand auf und ging.

„Oh man, du kannst dir nicht vorstellen, wie komplex die Biosphäre da unten ist“, schwärmte Katharina Brauer, noch während sie aus dem Lander stieg.
Ricardo Thomas lächelte. Er nahm ihr einen der Probekanister ab. „Da bist du ja diesmal ganz richtig im Team.“
Sie sah Ricardo irritiert an. „Bin ich das sonst nicht?“
„Ich meinte, weil du doch Biologin bist …“
„Ach Gott, das ist schon so lange her, das ist schon fast nicht mehr wahr. Aber“, sie hievte einen weiteren Container aus dem Lander. „… es ist wirklich fast ein wenig wie nach Hause kommen.“
„Du willst dich hier doch nicht etwa häuslich niederlassen?“, scherzte er.
Sie lachte schelmisch und beugte sich zu ihm: „Warum nicht: Eine einsame Insel mitten in einem riesigen, planetaren Ozean – wir wären ganz ungestört.“ Sie küsste ihn flüchtig.
„Wetten, dass es nach zwei Wochen stinklangweilig wäre?“
„Mir nicht! Ich bin Biologe und da unten steckt ein biologisches Rätsel.“
„Ah ja?“, staunte er. „Was für eins?“
„Naja, es …“, sie suchte nach Worten. „Es ist unlogisch, dass auf einer so winzigen Insel ein so artenreiches Gefüge entstanden sein soll. Es gibt einfach alles. Insektenähnliche, kleine und große … Säuger oder was immer das ist. Von den unzähligen Pflanzen mal zu schweigen. Oder die Vögel zum Beispiel: Wo zum Geier wollten deren Vorfahren hinfliegen, dass sie solche Flugkünste entwickeln mussten?“
„Keine Ahnung. Du bist der Fachmann … Das Flottenkommando lässt übrigens ausrichten, dass deine Tochter nach dir gefragt hat.“
„Micha?“ horchte sie auf. „Ist was passiert?“
„Davon war nicht die Rede. Du kannst ja zurückrufen. Der Captain hat Kapazität für private Anrufe freigegeben.“
„Wunderbar! Ich …“ Sie sah auf die Container.
„Ich mach das schon“, bot Ricardo an. „Sollen die ins Biolabor?“
Katharina nickte. „Quarantänestufe eins.“
„Okay.“
„Bist ein Schatz!“ Sie drückte ihm einen Schmatz auf die Wange und eilte aus dem Hangar.

Professor hin oder her – Lilmin hatte es satt, den drögen Ausführung Trrggns zu folgen. Der Alte war so gefangen in der Brillanz seiner Leistung, dass er jeden Schritt, der weiterführte, als persönlichen Angriff wertete. Lilmin gestand neidlos ein, welchen Durchbruch die neue Zugriffsmaschine darstellte, doch sie war doch nur der Anfang! Die Gleichungen, die dem Wirkprinzip der Maschine zugrunde lagen, boten noch viel mehr als nur die automatische Fenstersuche. Dem Alten mochte es entgangen sein, doch Lilmin hatte es sofort gesehen: Die Gleichungen ließen zu, die Größe des Zugriffsfensters zu bestimmen. Die Größe wiederum bestimmte, wie komplett das Muster war, das man scannen konnte. Lilmin hatte es berechnet. Er hatte die Gleichung modifiziert und die Maschine programmiert. Zwei, drei Versuche, um die letzten Variablen festzulegen und dann …
Lilmin sah sich um, ob er das Labor tatsächlich für sich allein hatte, und legte den Schalter um. Die Maschine begann ihre Suche. Es dauerte länger als gewohnt, ehe sie die Etablierung eines Zugriffsfensters meldete. Doch dann hatte sie es. Die erste Serie von Daten lief ein. Sie enthielt noch keine kompletten Muster, aber darauf hatte Lilmin auch noch nicht gehofft. Statt dessen beobachtete er, ob sich das Fenster wie kalkuliert an die Größe des Zielobjektes anpasste. Wie nebenbei registrierte Lilmin, dass der Entropiewert von einem Zugriff kündete, der im zeitlichen Lauf der parallelen Existenz noch vor denen von Tein und Krrn lag. Zumindest, wenn man an diesen Zusammenhang glaubte …

Katharina fuhr aus einem Alptraum auf. Atemlos suchte sie nach Orientierung, blickte sich im Dämmerlicht um. Ihre Kabine. Ihr Bett. Ricardo. Er schlief. Katharina rieb sich die Augen und versuchte, das Pochen in ihrer Brust zu ignorieren. Ihr Atem beruhigte sich.
Vorsichtig, um Rico nicht zu wecken, stand Katharina auf. Sie griff sich ihre Sachen und ging ins Wohnzimmer. „Licht!“, befahl sie und sanfte Helle erfüllte den Raum. Es war sieben Uhr morgens, Zeit für Kaffee. Katharina erinnerte sich, dass sie am Morgen zuvor den letzten Kaffee verbraucht und im Lauf des Tages keinen neuen besorgt hatte. Sie würde also in der Schiffsmesse frühstücken müssen.
Auf dem Weg dorthin begegnet sie Jon Donald. „Schon auf?“, begrüßte sie ihn. „Ihr seid doch gestern erst ziemlich spät zurück gekommen.“
„Ja, schon …“, räumte Jon ein.
„Rico sagte, ihr wollt heute Nachmittag noch mal zu dieser Flachstelle fliegen. Ich würde gern mitkommen.“
„Es ist nur eine flache Stelle.“
„Rico meint, ihr hättet Vögel dort gesehen. Auf der Insel gibt es nur diese kleinen rattenähnlichen Viecher, und da draußen, mitten auf dem Meer … Das ist wirklich ungewöhnlich. Weißt du, es ist bizarr. Vögel sind eigentlich Landlebewesen, gewissermaßen wenigstens. Es scheint mal viel mehr Land als nur diese kleine Insel hier gegeben zu haben. Anhand der Anatomie der Vögel kann ich vielleicht sogar eine Zeitbestimmung vornehmen.“
Jon schmunzelte. „Es ist verdammt lange her, dass du so begeistert bei einer Erkundermission dabei warst.“ Er öffnete die Tür zur Messe und ließ sie eintreten.
„Vielleicht hätte ich die Biologie nie verlassen sollen.“ Sie ging zur Theke, schenkte sich Kaffee ein und schaute sich im Frühstücksangebot um.
„Dann hättest du Rico nie kennen gelernt“, gab Jon zu bedenken und bestellte bei der Bedienung Eier und Speck.
„Für mich auch“, schloss sich Katja an.
Während sie auf das Frühstück warteten, fragte Jon: „Hast du mit Rico schon über deine Pläne gesprochen?“
„Pläne?“
„Na du weißt schon. Heim und Garten und so.“
„Naja,“ wich sie aus, „das sind … eigentlich keine Pläne. Es ist nur irgendwie … ich vermisse die Kinder.“
„Kinder? Die zwei sind achtzehn!“
„… aber meine Kinder“, lächelte Katja entschuldigend. „Sie haben nie viel von mir gehabt. Sie waren zwei, als ich den Pilotenschein machte und dann … bin ich eigentlich immer unterwegs gewesen. Wenn ich wirklich länger mal zu Hause war, dann weil … ich Erholung brauchte.“
„Ja.“ Er nahm sein Frühstück in Empfang, bedankte sich. „Du hast eine Menge mitgemacht.“
Katharina nahm ihren Teller und folgte Jon an einen der Tische. „Ich denke auch, das mein Bedarf an … Abenteuern mehr als gestillt ist. Es wird wirklich Zeit, sesshaft zu werden. Nach dieser Mission hier. Vielleicht.“

Professor Trrggn tobte. Lilmin sah sich das lächelnd an. Die Maschine war beschädigt worden – na und? Der Schaden war minimal, der Erfolg aber unermesslich groß. „Wie konnten Sie es wagen?“, schäumte Trrggn und hielt Lilmin den Entropiesensor vor das Kontur-Auge. Der Leiterdefekt war deutlich sichtbar. „Sie mit Ihrer ewigen Ignoranz! Die parallele Existenz gehorcht nun mal ihren eigenen Gesetzen und diese zu ignorieren, kann verheerend wirken. Sowohl dort als auch hier. Das Gesetz steigernder Entropie ist doch nicht als Schikane für aufstrebenden Forscher formuliert worden! Viele der wesentlichsten Fehlschläge der Parellel-Welt-Foschung beruhten auf der Ignoranz dieser Vorschrift! Ich werde Sie zur Verantwortung ziehen lassen für den Schaden, den Sie an der Maschine verursacht haben!“
„Dieser sogenannte Schaden ist doch belanglos gering angesichts des Fortschrittes, den ich erzielen konnte“, erwiderte Lilmin. „Die Routinen, die ich entwickelt habe, machen aus dieser Forschung endlich mehr als ein Puzzlespiel mit unvollständigen Steinen eines Bildes, über dessen Charakter bisher niemand eine halbwegs glaubwürdige Prognose zu geben wagt.“
Der Professor ließ sich nicht beruhigen. „Sie handeln verantwortungslos!“, polterte er. „Der Schaden an der Maschine ist das sicherste Zeichen für die Kopplung der beiden Universen und solange wir über den Charakter dieses Gekoppelt-Seins nichts wissen, ist absolute Sorgfalt geboten! Genauso gut hätte das gesamte Gebäude deformiert werden können!“
„Wurde es aber nicht. Wir haben dafür Werte erhalten, die die Zielobjekte nahezu komplett abbilden! – Hören Sie, Professor!“ Langsam wurde Lilmin ungehalten. „Ihrer geliebten Maschine ist so gut wie nichts passiert. Ich komme für die Reparatur auf und dann lassen wir endlich das verbesserte Programm laufen! Die herkömmliche Entropieselektion hat auf die Effektivität meines Verfahrens keinen Einfluss, kann also so gehandhabt werden, wie Sie es für richtig halten. Also lassen Sie es uns endlich tun!“
„Nein!“
Lilmin glaubte, sich verhört zu haben: „Nein?“
„Nicht mit mir, nicht mit meiner Maschine und nicht in dieser Forschungseinrichtung!“
„Sie … werfen mich raus?“
„Ja. Das tue ich.“
Lilmin brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass es Trrggn ernst war. „Das …“, stammelte er, „… das werden Sie bereuen. Das bereuen Sie noch!“

„Guten Morgen!“ Ricardo küsste Katja flüchtig auf die Stirn und setzte sich neben sie. „Alles klar?“ Er nickte Jon kurz zu.
Katja schenkte Ricardo Kaffee ein. „Du willst wirklich nicht mit runter kommen? Die Insel ist schön. Wirklich.“
„Mm“, schüttelt Rico den Kopf und sah zu Jon: „Wir müssen noch ein paar Vorbereitungen treffen für den Flug heute Mittag. Wenn wir in der Flachstelle wassern wollen, müssen wir eine Ankervorrichtung anbringen.“
„Wieso wollt ihr überhaupt hin? Ich denke, da gibt es nichts zu sehen.“
„Nur weil es keine Tiere dort gibt, heißt das nicht, dass es nicht interesant wäre. Es sind nicht alle auf dem Bio-Tripp, weißt du.“
Jon sah Ricardo groß an. „Hast du schlecht geschlafen?“
Rico schien erstaunt. „Wieso? Ich hab nur einfach diese Wassermurmel satt. Nichts als Ozean, eine Insel kaum großer als ein Fußballfeld, auf der es nur Grünzeug gibt. Ich finde das nicht sehr aufregend. Ich hoffe, der Captain dreht bald ab. Das hier ist kein Planet für Erkunder, das ist bestenfalls einer für Siedler. Wenn sie Wasser mögen.“

Es war leichter, als Lilmin gedacht hatte. Die Sicherheitsvorkehrungen waren so stümperhaft getroffen worden, dass er fast ohne Mühe in das Labor gelangte. Die Zugriffsmaschine, die er selbst zu bauen versucht hatte, war noch beim Probelauf auseinandergefallen. Es blieb nur die Anlage in Trrggns Labor. Der Alte hatte offenbar einen verbesserten Entropiesensor eingebaut – um so besser. Lilmin prüfte sorgfältig die Einstellungen, die der Professor zuletzt benutzt hatte, und veränderte sie, soweit nötig, für seine eigene Messreihe. Er hatte beschlossen, den Ort des Fensters vorzugeben, um die Suchzeit einzuschränken. Er wollte es an einem Ort versuchen, der schon ein paarmal lebendige Muster in den Scanbereich gebracht hatte. Vor allem aber war bei einer vorherigen Messreihe ein auraler Komplex am Rand des Fensters erschienen, der auf Intelligenz schließen ließ …

Der Lander stieg von der Insel auf und nahm direkten Kurs zum Schiff. Katharina Brauer schaltete auf Autopilot und lehnte sich zurück. Sie schloss die Augen. Sie fühlte sich müde. Seit der Alptraum zurückgekehrt war, hatte sie kaum eine Nacht durchgeschlafen. Das Bild verfolgte sie inzwischen bis in den Tag hinein: Onio Aut, der einfach nicht glauben konnte, dass sie, ausgerechnet sie abgedrückt hatte …
„Katja?“, erreichte sie Ricardos Ruf.
„Ja?“, antwortete sie, dankbar über die Ablenkung, und schaltete den Monitor um. „Was gibt es?“
„Das wollte ich dich fragen. Hast du diese Palme gefunden?“
„Bärlapp, Rico. Es war ein Bärlapp.“
„Und? Hast du ihn gefunden?“
„Nein. Die kleineren Exemplare waren noch da, aber der große …“, sie schüttelte den Kopf. „Es sieht aus, als hätte jemand den Baum aus dem Boden gebeamt.“
„Ich war’s nicht!“, beteuerte Ricardo ernsten Gesichts.
„Blödmann!“, lachte Katja. „Vielleicht gab es eine Art Wirbelsturm heute Nacht.“
„Hätte der den Baum nicht eher umgeknickt?“
„Stimmt auch wieder. Aber irgendwas muss passiert sein. Ich schau mir nachher mal die Ferndaten seit gestern an.“

Ein komplettes Muster – Abbild eines Lebewesens der parallelen Existenz. Während die Maschine einen neuen Zugriff vorbereitet, bewunderte Lilmin die Struktur dieses Wesens. Es war eindeutig lebendig, obwohl es genauso eindeutig ortsgebunden war. Ein kompakter Mittelteil spaltete sich an beiden Enden zunehmend zu feiner und feiner werdenden Fasern auf. Die Struktur dieser Verästelungen waren grundsätzlich verschieden, an einem Ende war die Lebensaktivität eindeutig höher als am anderen. Die Maschine meldete, ein neues Ziel erfasst zu haben. Lilmin wandte ihr seine Aufmerksamkeit zu.

Ein Datenreflex verlangte Katharinas Aufmerksamkeit. „Hast du das gerade auch gesehen?“, fragte sie Ricardo.
„Was?“
„Ich bin nicht sicher. Eine Art … elektromagnetischer Wirbel?“
„Wo?“
„… auf dem Weg hierher.“
„Auf dem Weg? Von wo? Katja?“
Katharinas Finger flogen über die Tastatur. Kein Zweifel: Etwas näherte sich. Es kam aus Richtung der … Erde! „Ist ein Schiff hierher unterwegs?“, fragte sie.
„Nein. Nicht dass ich wüsste. Soll ich nachfragen?“
„Nein. Nicht im Mo… Da! Jetzt ist es … da ist ein zweiter Wirbel. Auf der Insel!“

„Zugriff“, meldete die Maschine.

„Ricardo, hast du die Da“
„Katja?“
Der Lander explodierte.
„Katjaa!!!“

Es war vollbracht. Lilmin würde in die Geschichte eingehen. Er würde vermerkt werden als der erste, der einen kompletten Mustersatz – stoffliche Parameter und Aura-Komplex – eines intelligenten Lebewesens der parallelen Existenz entrissen hatte.

__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Version vom 29. 01. 2016 14:41
Version vom 01. 02. 2016 08:06

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Rumpelsstilzchen
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Tach Jon!

Kann es mir natürlich nicht verkneifen, gleich in Dein neuestes Stückchen einzusteigen. Bin auch über ein paar Erbschen gestolpert, aber nur Marginalien, die Du sicher auch selbst noch findest. Sonst zeige ich sie Dir.

Viel spannender finde ich eine grundsätzliche Frage: Soll das tatsächlich eine abgeschlossene Geschichte sein? Oder ist das als Einstieg in ein umfangreicheres Werk gedacht?

Ich hoffe auf Letzteres, denn für eine Shortstory ist da mächtig viel Personal, das noch dazu in einem komplexen Beziehungsgeflecht eingebunden ist. Dazu die verschiedenen Handlungsorte und der deutliche Hinweis auf eine Vorgeschichte. Eine ganze Batterie von Feuerwerkskörpern wird da aufgebaut, die macht doch am Ende nicht einfach nur "Puff"?

Als Cliffhanger am Ende eines ersten Kapitels ist der Knall natürlich laut genug, um mich in freudige Erwartung auf weitere Fortsetzungen zu versetzen.

Ein Verständnisproblem habe ich bei dem Wasserplaneten, genauer bei den Vögeln: Wo sind die denn nun? An der Flachstelle? Auf der Insel, auf der es nur die Rattenähnlichen gibt? Aber zugleich große biologische Vielfalt? Ich bin verwirrt, vermute aber, Du hast schon eine klare Vorstellung, was dort kreuchen und fleuchen soll. Nur eben nicht so transportiert, dass sie bei mir ankommt.

Ein Stolperstein ist übrigens der Namenswechsel von Katharina zu Katja: Habe einen Moment gebraucht, um zu begreifen, dass die selbe Person gemeint ist. Bei Katrin oder Katie als Kurzsprech von Katharina wäre mir das nicht passiert. Aber Katja?

Soviel für jetzt, die Erbsen puhl' ich später.

Gaffend unter die Klippe gestellt:
ob und wann Katharina wohl fällt?

__________________
Ich glaube
an das Gesetz
der kritischen Masse

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FrankK
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Hallo Ulrike
Eine Story über Forschungsdrang und Wissensdurst, angetrieben durch grenzenlose Neugier, Egozentrik und Selbstüberschätzung. Frei von jeglicher ethischer Grundüberlegung – Entwicklung um der Entwicklung willen, ohne zu bedenken, was dabei herauskommen könnte. Raffiniert von Dir ausgeführt – das üble Verhalten hier realisiert von Aliens.
Und wieder in die Klischeerolle gestolpert – die „Bösen“ sind immer die anderen.

Aha, hier entschwindet also eine Deiner Hauptakteurinnen.

Erbsenzählerei:

quote:
... und dann einen neue Kopplungsmatrix herstellt.“

„eine“

quote:
... vermerkt neben den auralen Messergebnissen auch Angaben über die örtliche Fixierung ...

Klingt relativ unprofessionell, „registriert“ wirkt etwas besser.

quote:
Der Professor erinnert sich, ihn einmal in seiner Vorlesung gesehen zu haben.

Zeitfehler.

quote:
Vati hat kurzfristig einem Aufritt zugesagt ...

Klingt etwas „kindlich Naiv“, selbst für Michaelas jüngeren Bruder. Ich hätte es ja noch akzeptiert unter der Aussicht, Michaela wäre auch noch relativ jung. Aber sie hat ja bereits ihren Einsatz auf Wöltu hinter sich.
Ich kann mich an keine SF-Geschichte erinnern, in der Erwachsene noch von „Vati“ gesprochen hätten.

quote:
„Ein Fliehmariechen.“ Sie hob die Hand und der Käfer begann, nach oben zu klettern.

Bin mir nicht sicher, ob das jeder noch kennt. Schön, dass sich (zumindest bei Dir) dieser Begriff (und die zugehörigen Tierchen) bis in die Zukunft gerettet haben.

quote:

Phil schloss demonstrativ die Augen.

Vor diesem Satz ist eine Leerzeile eingefügt. Bisher (und nachfolgend) zeigt jede Leerzeile einen Dimensionswechsel an. Hier ist das Muster einmal durchbrochen.

quote:
Und Mutti hat es sich bestimmt nicht leicht gemacht ...

Gleiche Anmerkungen wie bei Vati ...

quote:
„Deshalb musst du doch nicht Omis Lieblingsvase umwerfen!“

Siehe „Vati“ und „Mutti“.

quote:
Lilmin hatte es satt, den trögen Ausführung Trrggns zu folgen.

Eher „drögen“ im Sinne von „trocken“. Autokorrektur?

quote:
„Es ist verdammt lange her, dass du so begeistert bei einer Erkundermission dabei warst.“

Nicht eher „Erkundungsmission“?

quote:
„Kinder? Die zwei sind achtzehn!“

???
Entweder war Michaela schon in sehr jungen Jahren auf Wöltu oder – die Szenen auf dem Wasserplaneten spielen in der Zeit davor.

quote:
Nichts als Ozean, eine Insel kaum großer als ein, zwei Fußballfelder, auf der es nur Grünzeug gibt

Für eine Wissenschaftlerin ziemlich unspezifisch. Ist immerhin ein Unterschied von 5.000 bis 10.000 Quadratmetern (wenn man von einem Fussbalfeld mit etwa 50 x 100 Meter ausgeht, üblicherweise sind es sogar 68 x 105 Meter).

quote:
„Ricardo, hast du die Da“

So viele Auslassungspunkte im Text sinnvoll verteilt – hier fehlen sie irgendwie.


Storylogik:
quote:
„Der Entropiewert folgt in der parallelen Existenz einer generellen Tendenz der Zunahme“, erklärte er. „Er bildet somit im Gegensatz zu unserem Universum einen guten Hinweis auf das Fortschreiten der Zeit.“

Uff!
Ein winziger Ausschnitt, der die ganze Fremdartigkeit offenbart.
Entropie (Thermodynamik) gibt einen Hinweis auf das Fortschreiten der Zeit (in unserem „Einstein-Universum“) im Gegensatz zum Universum der anderen (Fremden).
Allerdings, so fürchte ich, ist Thermodynamik (oder allgemein: jede Form von Dynamik) ohne Zeitablauf undenkbar. Physikalischer Grundsatz: Dynamik ist (vereinfacht ausgedrückt) „Veränderung pro Zeit“.
Die physikalischen Gesetzmäßigkeiten der „fremden Dimension“ müssen völlig unterschiedlich zum „Einstein-Universum“ sein. Thermodynamik ist z.B. ein Grundprinzip innerhalb einer Sonne, ohne Thermodynamik – keine Sonnenaktivität.

quote:
Und es ist unlogisch. Leben bedeutet doch Strukturbildung [Komma?] mithin also Abnahme von Chaos.

Aha, Du hast dich mit dem Thema Thermodynamik beschäftigt und Dir einfach mal gedacht: „Wir drehen den Spieß um!“
Okay, interessanter Ansatz. Es Bedarf einiger elementarer Grundänderungen, damit ein solches Universum funktioniert, spekulativ, möglicherweise Vorstellbar. Unsere SF-Raumschiffe fliegen ja auch mit Warp, ohne dass auch nur ein einzigr Autor die physikalischen Grundlagen für einen Warpantrieb erklären müsste.
Im Gegensatz zum „Anti-Materie-Universum“ handelt es sich in der fremden Dimension um ein – sagen wir mal – „Reverses Universum“. Alle physikalischen Gesetzmäßigkeiten mit umgekehrten Vorzeichen.

quote:
„Es sieht aus, als hätte jemand den Baum aus dem Boden gezogen.“

Kann nicht passen, nach meiner Vorstellung. Das Versetzen in die andere Dimension, geht ihr auch ein räumliches Versetzen voraus (aus dem Boden ziehen)?
Kaum, also dürfte der Platz, wo die Pflanze vorher stand, nicht so aussehen, als wäre sie aus dem Boden gezogen worden (aufgerissenen Erdreich, Erdklumpen an der Oberfläche). Sondern nur eine Bodenmulde, eingesunkenes Erdreich (dort wo die Wurzeln sich verteilten) und ein Loch (dort, wo der Baumstumpf aus dem Erdboden ragte).
Der Unterschied dürfte mehr als deutlich sein.


Ubergreifende Logik – Elementarer Zusammenhang:
Es mutet etwas merkwürdig an, dass ausgerechnet Mutter und Tochter von diesen Dimensions-Zugriffen betroffen waren. Michaela wurde gezwickt, Katja wurde entrissen.
Hmm – es schreit förmlich nach einer Fortsetzung, in welcher der Zusammenhang dieser Mutter-Tochter-Verkettung, den PSI-Energien auf Wöltu und der fremden Dimension ausgeleuchtet und raffiniert erklärt wird.
Wir bleiben dran – es geht bestimmt spannend weiter.


Abschluss:
Spannend geschrieben, im mittleren Teil etwas zu lang geraten: diese Diskussion zwischen Trrggn und Lilmin & dieses Frühstücksgeplauder zwischen Katharina und Jon.
Für ein ausgeprägtes Stimmungsbild notwendig, nicht aber unbedingt für diese Story.
Dennoch war ich neugierig, wie es weiterging und worauf es hinauslief.


Drei Seiten Kommentar auf sieben Seiten Text, das geht ja noch.


Herzliche abendliche Grüße aus Westfalen
Frank


PS:
Zu Personal- und Sub-Plot - Intensiv erschien es mir nicht. Ich glaube, man kann es auch recht gut losgelöst von "Tote Helden" lesen.
Was die Insel-Biosphäre angeht - da ist mir nichts besonderes aufgefallen.
__________________
Leben und leben lassen.

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Rumpelsstilzchen
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DAS nenn' ich Understatement: "ein wenig ... -intensiv" ;-)

Ehrlich gesagt, erschließt sich mir nicht, wieso es eine Rolle spielen sollte, in welchem Rahmen Du die Shortstory verwerten willst. Muss sie nicht in jedem Fall für sich funktionieren? So tut sie es nicht - schlimmer - hinterlässt einen enttäuschten Leser, der bemüht ist, alle Personen und ihre Beziehungen unter einander zu memorieren (könnte ja für das weitere Verständnis wichtig sein), um am Ende festzustellen, dass alles für die Katz war.

Zur Rettung sehe ich zwei mögliche Wege:
Entweder radikal den ganzen Ballast über Bord werfen und mit straffen Segeln die Schlusspointe ansteuern. Könnte aber ein wenig laff werden, wenn der ganze Plot sich darauf beschränkt, dass ein Parallelweltalien bei uns herumstochert und mehr oder minder zufällig ein Menschenweibchen aufspießt, das dann explodiert.

Oder (würde mir persönlich viel besser gefallen) Du benutzt das aufwendig aufgebaute Setting, um eine etwas längere Novelle darauf zu errichten. Ich meine, die Voraussetzungen dafür hast Du ja schon geschaffen: Der Bärlapp hat doch auch überlebt, warum sollte Katharina das nicht ebenso können? Und dann ...

Möglichkeiten über Möglichkeiten.

post scriptum:
Obigen Kommentar schrieb ich, bevor ich Franks Bemerkungen gelesen hatte. Interessant, wie sehr die Kenntnis der "Toten Helden" die Sichtweise auf diesen Text beeinflusst: Ich bin davon bisher unbeleckt, und betrachte diesen Text als Ding für sich. Frank scheint mit den Protagonisten vertraut zu sein. Als alte Bekannte puzzelt er die Steinchen natürlich mühelos an die richtigen Stellen.
Jetzt hab' ich begriffen, wieso der Verwendungszweck des Textes eine Rolle spielt.


Zu faul sich zu verdrücken
beschloss er einfach auszurücken
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jon
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Hallo Rumpelsstilzchen,

der Veröffentlichungskontext ist insofern relevant, als der FrankK bekannte Zusammenhang offensichtlich wird oder eben nicht. In einem Erzählband müsste es auch ohne funktionieren (was es, wie befürchtet, nicht wirklich tut). Auf meiner Homepage wäre diese Story ein "Bonbon" zu den Infos über "Tote Helden" (solche "Bonbons" will ich zu diversen Rubriken machen; für den Roman, an dem ich aktuell arbeite, wird es der {laange} Bericht über die Entstehung des Buches werden.)




Hallo FrankK,

danke für die ausführliche Beschäftigung mit dem Text, da haste ganz schön gepuhlt! Muss aber so sein, sonst hilft es ja nicht.

quote:
Und wieder in die Klischeerolle gestolpert – die „Bösen“ sind immer die anderen.
Jain. Es stimmt, dass ich so gravierende Verfehlungen (mit so harschen Konsequenzen) in Warén-Universum selten bei Menschen auftreten lasse. Das gibt es aber auch: Professor Kerin in „Killerviren" ist so einer. Vor allem aber ist der Plot dieser Story hier in den "Tote Helden"-Storys schon angelegt – (fast) genau das muss von genau diesen Wesen gemacht werden. Immerhin habe ich den Professor umsichtiger sein lassen als den Ruhmsüchtigen, das muss doch als Rehabilitation auch was gelten

quote:
Aha, hier entschwindet also eine Deiner Hauptakteurinnen.
Yepp!

Von den Detailhinweisen nehme ich dankbar fast alle an. Das mit "Mutti", "Vati "und "Omi" lasse ich aber, weil das meiner Erfahrung nach lebensnäher ist als das behauptete "Mutter" etc. nur weil das Kind erwachsen wurde. Ich kenne es, dass manchen mit der Pubertät das "Mutti" peinlich wurde und sie (sächsisch) "Mutsch" sagten, wenn wir uns unterhielten (vielleicht benutzten sie es auch zu Hause), aber wenn jemand "Mutter" sagt, dann zeugt das von Abstand – entweder vom Gesprächspartner oder/und von der Mutter. Mir persönlich stößt es deshalb immer auf, wenn Sprecher ohne diesen Kontext "Mutter" oder "Vater" sagen.

Übrigens ist aus ähnlichem Grund auch das Fliehmariechen drin: Würde Michaela mit jemand anderem reden, würde sie wahrscheinlich tatsächlich Marienkäfer sagen, aber so benutzt sie die "Geborgenheitssprache" der Kindheit.

quote:
… unter der Aussicht, Michaela wäre auch noch relativ jung. Aber sie hat ja bereits ihren Einsatz auf Wöltu hinter sich.

Nein, Micha war nie auf Wöltu, Katja war dort.

quote:
quote:
Lilmin hatte es satt, den trögen Ausführung Trrggns zu folgen.

Eher „drögen“ im Sinne von „trocken“. Autokorrektur?

… ne, Sachse. Da ist es manchmal nicht so einfach, zu entscheiden, ob das gesprochene D in Wirklichkeit ein T oder doch ein D ist.

quote:
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„Es ist verdammt lange her, dass du so begeistert bei einer Erkundermission dabei warst.“

Nicht eher „Erkundungsmission“?

Jain. Erkundungsmission ist ja nahezu jeder Fernraumflug in dieser Zeit, hier wollte ich betonen, dass die Erkunder (und nicht die Biologen) am Werk sind. Aber ich denk nochmal drüber nach; das (Info: Katja ist Erkunder) würde ich dann anders lösen müssen. Andererseits: Ist das überhaupt (auch im großen Zusammenhang) nötig?

quote:
quote:
Nichts als Ozean, eine Insel kaum großer als ein, zwei Fußballfelder, auf der es nur Grünzeug gibt
Für eine Wissenschaftlerin ziemlich unspezifisch. Ist immerhin ein Unterschied von 5.000 bis 10.000 Quadratmetern (wenn man von einem Fussbalfeld mit etwa 50 x 100 Meter ausgeht, üblicherweise sind es sogar 68 x 105 Meter).

Stimmt. Rico ist zwar nicht so präzisionsversessen wie Katja, abr trotzdem …

quote:
quote:
„Ricardo, hast du die Da“
So viele Auslassungspunkte im Text sinnvoll verteilt – hier fehlen sie irgendwie.

Das soll das Abgehackte vermitteln. Bei drei Punkten "schwebt immer was nach", das gibt es hier nicht.


Storylogik:

Die beiden Welten sind wirklich sehr verschieden, bis hin zum Zeitlauf. Zeit gibt es dort auch, aber sie läuft nicht parallel zu der unseres Universums. Das ist extrem schwer zu vermitteln, deshalb der Umweg über die Entropie. Fachlich funktioniert er nicht gut: Die Kopplung Entropie-Zeit ist für unser Verständnis so eng ist (ich lernte noch, dass E-Veränderung praktisch Zeit IST, sie also nicht nur widerspiegelt), demzufolge ist schwer vorstellbar, was Zeit dort bedeutet. Ich berufe mich hier (wie bei den Raumknoten) aber tatsächlich mal auf das Warp-und-Beam-Prinzip – keine Ahnung, wie das konkret geht, aber in dieser Welt ist es eben so.

quote:
quote:
„Es sieht aus, als hätte jemand den Baum aus dem Boden gezogen.“
Kann nicht passen, nach meiner Vorstellung. Das Versetzen in die andere Dimension, geht ihr auch ein räumliches Versetzen voraus (aus dem Boden ziehen)? …
Schdümmt!


quote:
Es mutet etwas merkwürdig an, dass ausgerechnet Mutter und Tochter von diesen Dimensions-Zugriffen betroffen waren. Michaela wurde gezwickt, Katja wurde entrissen.
Jain. Es betrifft ja nicht nur sie beide (siehe z. B. "14 Sekunden"), aber eine völlig fremde Person in das Ensemble einzuführen, nur um zu zeigen, dass einige Zugriffe sich auch fernab des Planeten in unserer Welt manifestieren, fand ich unpraktisch.

quote:
PSI-Energien auf Wöltu
… das war Warén (Nicht nur die Namen der Personen scheinen vom Sound her zu ähnlich zu sein, auch die der Welten. Mist! Ist aber nun leider nicht mehr zu ändern.)

quote:
Spannend geschrieben, im mittleren Teil etwas zu lang geraten: diese Diskussion zwischen Trrggn und Lilmin & dieses Frühstücksgeplauder zwischen Katharina und Jon.
Das mit den Aliens schau ich mir nochmal an, das mit Katja und Jon hat allerdings einen tieferen Sinn: Ausgerechnet jetzt, da Katja zur Ruhe zu kommen im Begriff ist, "anzukommen" in Begriff ist, endet ihr Leben. (Sagte ich schon mal, dass ich eine gewisse Abneigung gegen Happy Ends habe?)


quote:
Was die Insel-Biosphäre angeht – da ist mir nichts besonderes aufgefallen.
Nichts Ungewöhnliches oder nur nichts, was nicht durch den Text erklärbar wäre?

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FrankK
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Ahh, ich merke, da sind mir einige Elemente wohl durcheinander geraten.
Bei Micha`s Einsatz war mir die Vorgeschichte von "Zweisam" nicht mehr im Detail präsent, da ging es dann wohl um Warèn.
Tschuldigung.

Mami <--> Mutter = Emotionale Distanz
Okay, kann ich nachvollziehen. Dennoch klingt es zu kindlich-verniedlicht.
Mit Beginn der Pubertät wird es peinlich, die Eltern so zu nennen, man möchte halt einfach das "Niedlich-Image" loswerden.
Was hältst Du von den Alternativen Papa, Mama, Oma?

Das "Fliehmariechen" habe ich gerne gesehen. Ich sagte doch:

quote:
Schön, dass sich (zumindest bei Dir) dieser Begriff (und die zugehörigen Tierchen) bis in die Zukunft gerettet haben.

Zu den drei Punkten:
quote:
Das soll das Abgehackte vermitteln. Bei drei Punkten "schwebt immer was nach", das gibt es hier nicht.
"Schwebt" die Erwartungshaltung des Zuhörers nach?
Statisches Rauschen? (Gut, gibt es im Digitalfunk nicht mehr)
Ein Knacken? (Abschalten der Funkanlage)
Ein Überimpuls? (Elektromagnetischer Impuls nach der Explosion)
Okay, musst Du wissen.
Wie wäre es aber mit der Rechtschreibung? Ist es denn "Rechtschreib-Rechtlich" überhaupt zulässig, ein Wort ohne Auslassungszeichen einfach abzuknipsen?

Versprochen:
Die "drögen" Antworten werde ich nachprüfen, ob es wirklich "tröge" sind.

Insel:
Ich bin im Geiste jetzt noch einmal alle Vorgeschichten aus Deiner Feder durchgegangen - nein, auch aus diesem Text ist mir keine Besonderheit bezüglich dieser "Zwerg-Insel" aufgefallen.


Schönen Tag noch und viele Grüße aus Westfalen
Frank
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Leben und leben lassen.

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