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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Zugzwang
Eingestellt am 31. 03. 2014 17:25


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JessB
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2011

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Hallo zusammen,

ich hatte mit dieser Kurzgeschichte an einer Ausschreibung teilgenommen und bin leider abgelehnt worden.
Vielleicht habt ihr konstruktive Kritik, was ich ggf. falsch gemacht habe und was ich besser machen k├Ânnte, um Fehler bei weiteren Geschichten nicht zu widerholen. Danke!

Zugzwang von Jessica Bradley


Dr├Âhnend rauschte der G├╝terzug durch das Gleis, so laut dass er alle anderen Ger├Ąusche herum verschluckte. Er kam immer zur gleichen Zeit, am gleichen Gleis. Die Erde unter meinen F├╝├čen vibrierte, ein eiskalter Wind blies mir hart ins Gesicht und veranlasste mich, die Augen zu winzigen Schlitzen zu verschlie├čen. Es w├Ąren nur ein paar Schritte gewesen, die mich von ihm trennten. Keine Menschenseele stand mit uns am Gleis. Es w├Ąre so leicht gewesen. Keine Sekunde zu z├Âgern, sondern von hinten an ihn heran zu treten und ihm einen leichten Sto├č zu geben. Er h├Ątte es nicht mal rechtzeitig gemerkt. Nuckelte gedankenverloren an seiner Zigarette und stand viel zu nah am Abgrund. Der Sog des durch brausenden Zuges zerrte an seiner Kleidung und riss ihm den Glimmst├Ąngel aus dem Mundwinkel. Warum nur nahm er ihn nicht mit? Im Ganzen und zermalmte ihn gewissenlos unter sich. H├Ątte er es gesp├╝rt, das Zerbersten seiner Knochen, das Platzen seines Sch├Ądels oder gar das Rei├čen seiner Sehnen und Muskeln? Ich w├╝nschte, ich w├╝sste es, ich w├╝nschte, ich h├Ątte den Augenblick nicht verpasst. Nun war es deutlich zu sp├Ąt. Der letzte Wagon donnerte an uns vorbei und wurde von der Dunkelheit verschluckt. Still war es wieder, nur der kalte Lufthauch war noch zu sp├╝ren. Ich erzitterte. Doch war es die K├Ąlte die mich fr├Âsteln lie├č oder gar meine Gedanken, die sich so unerbittlich aufdr├Ąngten? W├Ąre ich denn wirklich dazu f├Ąhig?
Einem Menschen in einem einzigen Moment das Leben zu stehlen? Ihn aus Freundschaft, Liebe und Familie herauszurei├čen und hinunterzusto├čen in den Tod, aus dem niemand zur├╝ckkehrte?
Blechern k├╝ndigte der Lautsprecher den n├Ąchsten Zug an. Dieser w├╝rde halten, keine Chance noch mal ├╝ber die Situation nachzudenken, vielleicht sogar zu handeln. Widerwillig schlenderte ich zu den Gleisenden, wartend, dass der Zug halten w├╝rde. Quietschend bremste er ab. Die T├╝ren glitten mit einem hohen Pfeifton auseinander, direkt vor ihm.
Ger├Ąuschvoll str├Âmte mein Atem aus mir und ich kehrte die Schritte zur├╝ck. Zur├╝ck zu ihm. Ich betrat nach ihm das Abteil, dann drehte er sich pl├Âtzlich zu mir um. Ich versank in den sanften Augen. Diese traurigen, tiefblauen Augen, spiegelten die Seele wieder und lie├čen mich ertrinken. Ich sp├╝rte wie der Blick meine eigene Seele reinigte, er wusch einfach das B├Âse fort. Der Phantasie wurde keinen Raum, keine Gestalt mehr erlaubt. Ich f├╝hlte mich wie ein Held, der den Gipfel erklommen und das Monster in mir get├Âtet hatte. W├Ąrme benetzte mein Herz und streichelte es sanft. Liebe.
Am n├Ąchsten Abend stehe ich wieder am Gleis, doch diesmal allein. Salzige Tr├Ąnen flie├čen mein Gesicht herab, wie Rinnsale die Gosse. Einige tropfen mir auf die Jacke. Sie hinterlassen nasse Flecken, doch es bedeutet nichts. Meine verkrampfte Hand umklammert mit kalten Fingern eine zerkn├╝llte Zeitung, schwer wie Blei liegt sie in der Hand. Mein Herz zerspringt in tausend Teile, die Narben darauf, tief wie Ackerfurchen, rei├čen wieder auf. Sie schreiben dass ein junger Mann in den Abendstunden des gestrigen Tages von einer Br├╝cke gesprungen sei. Die blauen, traurigen Augen, auf dem beigesetzten Bild, brennen sich in mein Gehirn und bleiben dort f├╝r immer angehaftet.
Er kommt immer zur gleichen Zeit, am gleichen Gleis. Dann trete ich nach vorne.
Gleich kommt der Zug.
__________________
Zwar wei├č ich viel, doch m├Âcht' ich alles wissen.

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Jessica,
eine sehr d├╝stere Geschichte, da muss ich erst mal durchatmen.
Zun├Ącht mal ein paar formale Unstimmigkeiten und kleinere Formulierungsvorschl├Ąge, wenn du magst:

Dr├Âhnend rauschte der G├╝terzug durch ├╝ber das Gleis, so laut, Komma! dass er alle anderen Ger├Ąusche herum verschluckte. Er kam immer zur gleichen Zeit, am gleichen auf dem selben Gleis. Die Erde unter meinen F├╝├čen vibrierte, ein eiskalter Wind blies mir hart ins Gesicht und veranlasste mich, die Augen zu winzigen Schlitzen zu verschlie├čen. Es w├Ąren nur ein paar Schritte gewesen, die mich von ihm trennten. Keine Menschenseele stand mit uns am Gleis. Es w├Ąre so leicht gewesen. Keine Sekunde zu z├Âgern, sondern von hinten an ihn heran zu treten und ihm einen leichten Sto├č zu geben. Er h├Ątte es nicht mal rechtzeitig gemerkt. Nuckelte gedankenverloren an seiner Zigarette und stand viel zu nah am Abgrund. Der Sog des durchbrausenden Zuges zerrte an seiner Kleidung und riss ihm den Glimmst├Ąngel aus dem Mundwinkel. Warum nur nahm er ihn nicht mit? Im Ganzen und zermalmte ihn gewissenlos unter sich? H├Ątte er es gesp├╝rt, das Zerbersten seiner Knochen, das Platzen seines Sch├Ądels oder gar das Rei├čen seiner Sehnen und Muskeln? Ich w├╝nschte, ich w├╝sste es, ich w├╝nschte, ich h├Ątte den Augenblick nicht verpasst. Nun war es deutlich zu sp├Ąt. Der letzte Wagon donnerte an uns vorbei und wurde von der Dunkelheit verschluckt. Still war es wieder, nur der kalte Lufthauch war noch zu sp├╝ren. Ich erzitterte. Doch war es die K├Ąlte die mich fr├Âsteln lie├č oder gar meine Gedanken, die sich so unerbittlich aufdr├Ąngten? W├Ąre ich denn wirklich dazu f├Ąhig?
Einem Menschen in einem einzigen Moment das Leben zu stehlen? Ihn aus Freundschaft, Liebe und Familie herauszurei├čen und hinunterzusto├čen in den Tod, aus dem niemand zur├╝ckkehrte?
Hier w├╝rde ich einen Absatz machen.

Blechern k├╝ndigte der Lautsprecher den n├Ąchsten Zug an. Dieser w├╝rde halten, keine Chance noch mal ├╝ber die Situation nachzudenken, vielleicht sogar zu handeln. Widerwillig schlenderte ich zu den Gleisenden, wartend, dass der Zug halten w├╝rde um den n├Ąchsten Zug abzuwarten. Quietschend bremste er ab. Die T├╝ren glitten mit einem hohen Pfeifton auseinander, direkt vor ihm.
Ger├Ąuschvoll str├Âmte mein Atem aus mir und ich kehrte die Schritte zur├╝ck. Zur├╝ck zu ihm. Ich und betrat nach ihm dasselbe Abteil. Dann drehte er sich pl├Âtzlich zu mir um. Ich versank in seinen sanften, tiefblauen Augen, die seine Seele spiegelten. Ich sp├╝rte wie der Blick meine eigene Seele reinigte, er wusch einfach das B├Âse fort. Der Phantasie wurde keinen Raum, keine Gestalt mehr erlaubt. Ich f├╝hlte mich wie ein Held, der den Gipfel erklommen und das Monster in mir get├Âtet hatte. W├Ąrme benetzte mein Herz und streichelte es sanft. Liebe.
Am n├Ąchsten Abend stehe ich wieder am Gleis, doch diesmal allein. Salzige Tr├Ąnen flie├čen mein Gesicht herab, wie Rinnsale die Gosse. Einige tropfen mir auf die Jacke. Sie hinterlassen nasse Flecken, doch es bedeutet nichts. Meine verkrampfte Hand umklammert mit kalten Fingern eine zerkn├╝llte Zeitung, schwer wie Blei liegt sie in der Hand. Mein Herz zerspringt in tausend Teile, die Narben darauf, tief wie Ackerfurchen, rei├čen wieder auf. Sie schreiben dass ein junger Mann in den Abendstunden des gestrigen Tages von einer Br├╝cke gesprungen sei. Die blauen, traurigen Augen, auf dem beigesetzten Bild,brennen sich in mein Gehirn und bleiben dort f├╝r immer angeverhaftet.
Er kommt immer zur gleichen Zeit, am gleichen Gleis. Dann trete ich nach vorne.
Gleich kommt der Zug.

LG USch

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JessB
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2011

Werke: 2
Kommentare: 7
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Hallo Usch,

danke f├╝r deine schnelle Resonanz.
Deine Vorschl├Ąge sind super und haben an vielen Stellen bei mir einen aha - Effekt ausgel├Âst, danke daf├╝r
Ich hatte zwischendurch das Gef├╝hl, das meine S├Ątze zu abgehakt sind.

Mit dem Absatz hatte ich zuerst auch gehadert, dachte dann aber, da die Geschichte so kurz ist, das ich darauf verzichten kann.
Ich muss dir allerdings Recht geben, es sieht doch besser aus.

Lediglich mit einer Sache komm ich nicht ganz klar:

quote:
...bleiben dort f├╝r immer angeverhaftet.
Verhaftet, verstehe ich eher als Verbrecher verhaften. Das st├Ârt mich etwas im Lesefluss. Ich denke dem kann man ausweichen, indem ich einfach das Wort "eingebrannt" benutze.
Wie ich finde ein guter Kompromis?!


__________________
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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Ja, eingebrannt ist gut

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Vagant
???
Registriert: Feb 2014

Werke: 25
Kommentare: 415
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Hallo Jessica,ich sag's am besten mal gleich: mir hat die Geschichte ganz gut gefallen. Schreiben kannst du, daran kann es nicht gelegen haben. Vielleicht hat den Juroren ja die Geschichte drum herum gefehlt. Es ist immer schwierig wenn ein Ich-Erz├Ąhler die ganze Zeit nur von sich und seiner Innenwelt berichtet. Der Ich-Erz├Ąhler hat seinen st├Ąrksten Momente ja meist dann, wenn er von anderen erz├Ąhlt. Vielleicht das Thema noch einmal anfassen, die Perspektive wechseln und eine kleine Geschichte dazu erz├Ąhlen. Das Zeug dazu hast du allemal.
LG Vagant.

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JessB
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Registriert: May 2011

Werke: 2
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Die haben mir mit einer pers├Ânlichen Email abgesagt. Mit der Begr├╝ndung (so habe ich es verstanden) das bereits zu viele Autoren, den gleichen Inhalt behandelt haben.
Aber sie haben mir geraten, doch an der n├Ąchsten Ausschreibung nochmal teilzunehmen.
Danke f├╝r das Kompliment. Ich habe auch die letzten 1-2 Jahre hart an mir gearbeitet. (siehe alte Geschichte hier)

Aber deine Idee greife ich gerne auf. Und werde die Geschichte nochmal aus einer anderen Perspektive schreiben...tr├Ąume deinen Traum nochmal...


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