Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5458
Themen:   92647
Momentan online:
98 Gäste und 2 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kindergeschichten
Zum Donnerwetter...
Eingestellt am 17. 12. 2017 21:03


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Klip
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Dec 2017

Werke: 9
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Klip eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

K├╝rzlich habe ich etwas erfahren, dass ich, obwohl ich schon ziemlich alt bin, bisher nicht wusste. Weil das aber f├╝r den einen oder anderen von euch eine Sache ist, die ihr unbedingt erfahren sollt, erz├Ąhle ich euch die Geschichte. Also, passt mal auf:

Am Himmel ist immer was los - auch, wenn man es vielleicht gerade nicht sieht.
Denn der Himmel ist gross und die Erde rund. Deshalb bleibt uns das Meiste, was da oben geschieht auch verborgen.
Nun spricht man ja gerne vom ┬źlauen L├╝ftchen┬╗, wenn man den Wind meint. Da k├Ânnte man glauben, es w├Ąre so ein bisschen Luft aus dem F├Âhn, so zart klingt das.
Der Wind ist aber ein m├Ąchtiger Geselle mit gewaltigen Kr├Ąften. Und die muss er auch haben, sonst machen so manche Wolken da oben, was sie wollen.
Es gibt ja ganz viele verschiedene Wolken. Da gibt es welche, die aussehen, wie zarte wehende T├╝cher. Manchmal scheint es, als tanzten sie Ballett. Und dann sind da die, die wie eine Herde strahlend weisser Sch├Ąfchen ├╝ber den Himmel ziehen. Um solche muss sich der Wind kaum k├╝mmern. Sie sind friedlich und haben ihre Freude daran, einfach nur h├╝bsch zu sein. Ab und zu gesellt er sich dazu und albert mit ihnen herum.
Aber da gibt es auch noch Erna, Berta und Marta. Diese drei sind ganz besondere Exemplare. Man muss sie sich vorstellen, wie diese dicken Marktfrauen aus einem M├Ąrchen. Sie sind ruppig, rechthaberisch und kein bisschen nett zueinander, wenn sie sich begegnen. Dann bekommen sie sich fast immer f├╝rchterlich in die Haare. Und da muss sich der Wind sehr oft mit aller Macht dazwischenwerfen.
Neulich zum Beispiel sind die Drei wieder einmal aufeinandergetroffen. Das war ├╝ber einem kleinen Ort in Bayern. Dort haben sie dar├╝ber gezankt, welche nun gerade dort entlangziehen durfte. Dabei ist am Himmel nun wirklich Platz genug, sich aus dem Weg zu gehen. Aber wenn sich drei solche Dickk├Âpfe begegnen, gibt keiner von ihnen nach. Und nat├╝rlich wurden sie sich nicht einig. Was auch sonst. Sie haben sich angekeift, herumgeschubst und wie die Sumo-Ringer ihre runden B├Ąuche aufeinanderprallen lassen. Da sich die drei Dicken immer nur in Dunkelgrau zeigen, sieht das von unten ganz sch├Ân gef├Ąhrlich aus. Meistens treiben sie ihre Grobheiten so weit, dass am Ende eine von ihnen heult. Und genauso ist es ├╝ber diesem kleinen Dorf auch gewesen. Diesmal schluchzte Marta los. Und zwar nicht nur einfach so ein bisschen, wie wenn ein Kind nicht seinen Willen bekommt. Nein, nein sie weinte wirklich ganz j├Ąmmerlich, weil die anderen Beiden auf sie losgegangen sind. Vier Stunden lang hat es in dem Dorf so sehr gesch├╝ttet, dass die Feuerwehr einige Keller leerpumpen musste.
Das hat nat├╝rlich auch der Wind mitbekommen, der gerade in der N├Ąhe mit den entz├╝ckend niedlichen Sch├Ąfchenw├Âlkchen herumspielte. Da kam er dann ganz schnell angesegelt und hat diese Streith├╝hner auseinandergetrieben. Ordentlich gepustet hat er, dass die Sonnenschirme von den Terrassen des Ortes flogen. Und vor der Eisdiele warf er in seinem Zorn die St├╝hle um. Dar├╝ber war man im Dorf nat├╝rlich auch nicht so richtig gl├╝cklich. Aber wenn Marta noch weitere Stunden ihre reichlich fliessenden Tr├Ąnen vergossen h├Ątte, w├Ąre das Wasser immer weiter gestiegen und h├Ątte am Ende noch die H├Ąuser weggerissen. Da war es also ganz gut, dass der Wind dazwischen gegangen ist, um die Damen zu trennen. Die paar davongeflogenen Sachen waren schnell wieder eingesammelt und bald erinnerten nur noch kleine Pf├╝tzen an Martas tr├Ąnenreichen Auftritt.
Nach solchen Auseinandersetzungen stob das Trio meist in alle Himmelsrichtungen davon, daf├╝r sorgte der Wind schon. Oft trieben sie dann wochenlang am Himmel rund um die Welt. Da bekamen sie dann so einiges zu sehen.
Erna zum Beispiel flog einmal ├╝ber eine Landschaft, die ihr ein bisschen seltsam vorkam. ├ťberall nur Sand, soweit sie gucken konnte. Da gab es nirgends einen Strauch, einen Baum, oder gar Tiere. Das machte sie ganz sch├Ân nerv├Âs, denn Wasser gab es auch nicht. Aber Wasser war f├╝r sie und die anderen Wolken wichtig. Es war f├╝r sie so etwas, wie das Essen. Wenn die hauchzarten Wassertr├Âpfchen nicht zu ihnen aufstiegen, fehlte ihnen die Nahrung. Und solche Schwergewichte wie Marta und Berta brauchten sehr viel davon. Erna irrte mehrere Tage ├╝ber der W├╝ste herum ohne Wasser zu finden und wurde dabei ganz d├╝nn. Richtig mager sah sie aus, als sie endlich den Atlantik erreichte. Aber dort war die Luft schwer und feucht und Erna konnte sich mal wieder so richtig kugelrund futtern. Frohen Mutes und pummeliger denn je zog sie ihre Bahnen.
Berta war auf der anderen Seite der Erde unterwegs und hatte sich bei ihrem Weg ├╝ber den Pazifik auch einige Reserven angefuttert. Prall und rund genoss sie Aussicht auf ein paar wunderh├╝bsche Inseln. Aber leider nahm der Spass ein j├Ąhes Ende. Denn Rauchschwaden nahmen ihr pl├Âtzlich die Sicht. Das gefiel Berta ├╝berhaupt nicht und sie fragte sich, was das nun wieder zu bedeuten h├Ątte. Der Wind war auch zugegen, pfiff fr├Âhlich vor sich hin und blies dabei den Rauch in eine andere Richtung. Da sah Berta, was dort unten auf der Erde gerade geschah. Ein Feuer w├╝tete im Wald und wenn nicht bald etwas passierte, w├╝rde nicht nur er abbrennen, sondern auch H├Ąuser der Menschen. Sie sah die Tiere aus dem Unterholz fl├╝chten und einige Leute hatten auch schon ihre Sachen gepackt, um sich in Sicherheit zu bringen.
Berta fackelte nicht lange. Dieses eine Mal meckerte sie den Wind an, dass er doch einfach mal seine grosse Klappe halten sollte. Mit seiner bl├Âden Pfeiferei machte er ja alles nur noch schlimmer. Zuerst war er beleidigt, aber Berta guckte ihn so b├Âse an, dass er ganz still wurde.
Sie blickte noch einmal auf den brennenden Wald hinab und pl├Âtzlich tat ihr so leid, was sie da sah, dass die Tr├Ąnen nur so str├Âmten. Sie konnte gar nicht mehr aufh├Âren und weinte all ihre gut gef├╝llten Speicher leer. Aber das war ihr in diesem Moment v├Âllig egal, denn zwischen ihren Schluchzern h├Ârte sie das Zischen der verl├Âschenden Flammen und das Jubeln der Menschen. Bloss gut, dass sie ausgerechnet heute an diesem Ort war. Diese ganze Heulerei hatte sie allerdings ganz federleicht werden lassen und so schwenkte sie wieder aufs Meer hinaus, um Nachschub zu tanken.
Erna hingegen war in Europa geblieben und liess sich ├╝ber die Lande treiben. An einem Nachmittag, da schwebte sie gerade ├╝ber eine Stadt in Deutschland, sah sie wie sich viele Menschen zusammenrotteten und laut gr├Âlend durch die Strassen zogen. Das waren keine Fussballfans, die kannte sie. Da war etwas anderes, sehr Unsympathisches. Da war etwas B├Âses. Sie verstand nicht so genau alle Worte, aber die Leute hassten fremde Menschen, wollten zu deren Unterk├╝nften ziehen und sie anz├╝nden. Und zwar die H├Ąuser und die Menschen. Erna war fassungslos. Das konnte sie einfach nicht zulassen. Irgendetwas in ihr erstarrte zu Eis. Sie begann so sehr zu fr├Âsteln, dass sie sich sch├╝tteln und rubbeln musste, um wieder warm zu werden. Und als sie das tat, fielen riesige Hagelk├Ârner zur Erde, mitten hinein in diese schreckliche Versammlung. Einige der Leute hatten schon ein paar dicke Beulen davongetragen. Andere waren auf den Eisk├Ârnern ausgerutscht und hatten sich richtig sch├Âne blaue Flecken geholt. Auch diese f├╝rchterlichen Plakate, die sie mit sich trugen, hatte der Hagel zerfetzt. Das war nicht schlimm, denn da stand sowieso nur dummes Zeug drauf. Mit einem grimmigen Grinsen und sehr zufrieden stellte Erna fest, dass sich diese h├Ąssliche Demonstration dank ihres Eingreifens aufgel├Âst hatte. Vor Erleichterung musste sie dann doch noch ein bisschen weinen. Aber das war auch gut so, denn so kam wenigstens keine der finsteren Gestalten da unten auf dumme Ideen und verkrochen sich lieber vor dem pladdernden Regen.

Jede der Drei Dicken hatte auf ihrem Weg um den Globus etwas erlebt. Und solange sie ihre einsamen Bahnen zogen, waren sie sogar einigermassen ertr├Ąglich. Es w├Ąre zu sch├Ân gewesen, wenn es so geblieben w├Ąre. Aber das war nur ein Wunschtraum denn eines Tages trafen sie auf dem Mittelmeer wieder zusammen. Das war kurz vor Korsika. Alle drei waren sie kugelrund vom vielen warmen Wasser und voller Tatendrang. Jede von ihnen wollte die Insel als erste ├╝berqueren. Korsika ist schliesslich eine sch├Âne Insel und darauf hat man am liebsten ganz freie Sicht. Es begann ein wildes Schieben und Dr├Ąngeln. Sogar mit Anlauf versuchten sie sich gegenseitig aus der Bahn zu schubsen. Sie knallten aufeinander, dass die Funken nur so flogen. In ihrer Streitlust entging ihnen, dass sie schon ineinander verkn├Ąuelt waren und begannen, sich ├╝ber die Insel zu w├Ąlzen. Unten in der Stadt bekam man das nat├╝rlich auch mit. Die Einwohner sahen sehr besorgt zum Himmel auf, an dem sich die dicken Wolken t├╝rmten. Fast schien es, als w├╝rden die dunkelgraugr├╝nen Massen miteinander ringen. Die Funken zuckten als grelle Blitze zur Erde und einer davon schlug beinahe in einen alten Baum ein. Sie gingen immer grober aufeinander los und tobten so sehr, dass den Menschen in den H├Ąusern und Strassen Angst und Bange wurde. Der Wind war zu der Zeit auf Sardinien unterwegs und obwohl es ein St├╝ckchen von Korsika entfernt ist, blieb ihm dieser Zoff nicht verborgen. Eilig machte er sich auf den Weg um die unbelehrbaren Damen zur Ordnung zu rufen. Wild entschlossen warf er sich dazwischen und machte seinem ├ärger ├╝ber ihre Streitsucht Luft. Er fluchte und wetterte mit jede einzelnen der Wolken wegen ihres r├╝peligen Betragens. Dabei drehte er sich im Kreis, je nachdem welche er gerade zusammenstauchte. Er geriet so richtig in Rage und drehte sich dabei schneller und schneller, als k├Ânnte er seine Wut nicht mehr z├╝geln. Erna, Berta und Marta erschraken dar├╝ber so sehr, dass sie alle drei gleichzeitig losheulten. Trotzdem schlugen sie auch weiter aufeinander ein, was die Flennerei nur noch schlimmer machte. In der Hafenstadt indes machte sich diese ganze Streiterei als ausgewachsenes Unwetter bemerkbar. Es sch├╝ttete wie aus K├╝beln und das Wasser schoss die Strassen hinab zum Hafen. Die Blitze z├╝ngelten kreuz und quer ├╝ber den Himmel und die Donnerschl├Ąge waren so laut, dass man sich die Ohren zuhalten musste.
Der Wind sprach an diesem Tag ein gewaltiges Machtwort und er konnte sich gerade noch zusammenreissen, damit er nicht zum Wirbelsturm wurde. Das war selbst den zickigen dicken Wolkendamen nicht mehr ganz geheuer und sie zogen eingesch├╝chtert und schmollend Richtung Meer davon. Komischerweise hatten sie es ziemlich eilig.
Die Leute in der Stadt waren jedenfalls sehr gl├╝cklich, als die Sonne wieder hervorkam. Rasch begannen die Sturzb├Ąche zu versiegen und vom Strassenpflaster stieg bald das verdampfende Wasser auf. Es dauerte nicht lange, da waren viele Stellen schon wieder getrocknet. Das zankende Trio war l├Ąngst hinter dem Horizont verschwunden.

Tja, ich dachte, dass es f├╝r euch gut ist, zu wissen, dass diese komischen Gewitter eigentlich nur diese drei unverbesserlichen M├Ądels sind, die sich mal wieder in den Haaren liegen. Leider lernen sie einfach nicht dazu und darum wird das immer wieder mal vorkommen. Davor braucht ihr euch nicht f├╝rchten. Das ist wirklich nicht schlimm.
Das geht vor├╝ber wie jeder andere Streit auch. Und danach strahlt die Sonne noch viel sch├Âner und der Himmel sieht aus, wie frisch geputzt!

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Kindergeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!