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Leselupe.de > Humor und Satire
Zum Einkauf nur mäßig begabt.
Eingestellt am 05. 04. 2002 07:09


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Mößner, Bernhard
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Zum Einkauf nur mäßig begabt.

Es gibt kaum eine Tätigkeit, die ich weniger beherrsche, als das Einkaufen in einem Supermarkt. Es ist nun nicht so, dass ich das reichhaltige Angebot an Dingen, die ich nie brauchen werde, nicht sehen würde. Mein Problem besteht ganz einfach darin, jene wenigen Artikel zu finden, die ich benötige. Oder, um die Wahrheit zu sagen, so kurz vor Ladenschluss alle auf meinem Einkaufszettel stehenden Dinge zu orten, den mir die fürsorglichste aller denkbaren Ehefrauen mit auf den Weg gegeben hat.
H-Milch zum Beispiel suche ich selbstverständlich im Kühlfach zwischen Butter und Käse. Schier zur Verzweiflung bingt mich, wie immer, der Auftrag, Hefewürfel, Sahne, Grieß und Sauerrahm mitzubringen. Erst vorletzte Woche habe ich mir mit Hilfe meines Computers einen Plan erstellt, in welcher Himmelsrichtung jene stets gründlich versteckten Grundnahrungsmittel zu suchen sind, die jede Hausfrau von Zeit zu Zeit braucht, welche der herkömmlichen Koch- und Backkunst noch kundig ist. Doch anscheinend hat das Personal die Regale wieder einmal irgendwie in entgegengesetzte Richtungen innerhalb der unübersichtlichen Halle verschoben, so dass mir auch der vorsorglich mitgebrachte Kompass nicht weiterhilft. Was sogar ein mit völliger Blindheit geschlagener Einkäufer wie ich, sofort finden würde, sind Fertigsuppen und Soßen in Dosen und Beuteln, Backmischungen für Kuchen, eingepackte Sahnetorten, Eiscreme und Fertiggerichte in der Gefriertruhe, vielerlei Schnäpse, Weine aus aller Herren Länder, zwanzig verschiedene Joghurts oder Cremespeisen, mit und ohne Sahnehäubchen, sowie Knuppers und Knappers mit Zerialien, oder wie diese unbedingt notwendigen Zusätze heißen mögen.
Doch dies alles, das weiß der planlos umher irrende Ehemann aus leidvoller Erfahrung, darf er der tüchtigsten Hausfrau der Welt nie und nimmer mit nach Hause bringen.
So fällt mein Blick notgedrungen auf die Sonderangebote der Woche, die glücklicherweise das Herz versierter Hauswerker mehr zu erwärmen vermögen.
Eine Bohrmaschine mit Rechts- und Linkslauf, mit Schlagbohrwerk und stufenlos verstellbarer Drehzahl für neunundvierzig Euro findet sich alsbald in meinem Einkaufswagen, ein kompletter Bohrersatz für Holz, Metall und Stein, für unter zehn Euro, eine kleine Hausbockleiter, die sich auch als Gerüst eignet, ein Hochdruckreiniger chinesischer Herkunft, welches Gerät ich vor Jahren einmal gut hätte brauchen können, fünf Liter Motorenoel und eine Diskette samt Handbuch zu einem Microsoft-Programm, das meinen etwas veralteten Computer auf Vordermann bringen soll, schiebe ich nun, anstelle von Hefe, Haferflocken und H-Milch in Richtung der verwaisten Ladenkasse. Endlich dort angekommen, muss ich erst einmal die Kassiererin herbeirufen, die sich mit ihren Kolleginnen anscheinend beim wochenendlichen Hallen-Großputz vergnügt. Und hier soll der Kunde König sein? Nach kurzem Wortwechsel findet sie sich doch noch bereit, unter Zurhilfenahme meiner Kreditkarte zweihundertachtunddreißig Euro von unserem ehelich gemeinsamen Bankkonto abzubuchen. Als mir der Filialleiter höchstpersönlich die seit einer viertel Stunde geschlossene Eingangstür aufschließen will, fällt mir gerade noch rechtzeitig ein, dass ich der verständnisvollsten Ehefrau der Welt unbedingt noch eine Schachtel Weinbrandpralinen mitbringen sollte, die ich vorhin völlig übersehen hatte.
Auf meinem Heimweg male ich mir aus, wie sich meine sicherlich höchst überraschte Christel freuen wird, wenn ich ihr anstelle von Mehl und Sauerrahm die Weinbrandpralinen in die Hand drücke, bevor ich mich in meinen Hobbykeller flüchte, zu all meinen übersichtlich dort lagernden Bohrmaschinen, Kreis- und Stichsägen, Leim, Schrauben und Schraubendrehern, die seit Jahren darauf warten, irgendwann einmal im Haus und Haushalt eingesetzt zu werden.



__________________
-Bernhard Mößner-

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hera
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Hallo Bernhard!

Toll geschrieben. Hat Spaß gemacht, deine Geschichte zu lesen.

Ich hasse Supermärkte, obwohl ich eine Frau bin.
Jede Woche räumen die irgendwas um und man fühlt sich, als würde man Ostereier suchen.
Wenn man erst kurz vor Ladenschluss kommt, gibt es kein Brot und kein Obst mehr. Die Sonderangebote sind weg.
Die Kassiererin, die immer eilig alles übers Band schiebt, bis es runterkracht, macht mich fertig. Ist doch kein Wettbewerb!

Vielleicht ist es doch besser, ich schicke meinen Mann. Das spart extrem Geld, weil er nur kauft, was auf dem Zettel steht. Selbst wenn er merkt, es fehlt etwas, bringt er es nicht mit.

Vielleicht sollte man die Lebensmittel einfach im Internet bestellen.

Tschüssie, Heike

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Gegge
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Hallo Bernhard,

Die laut Schreibaufgabenstellung geforderten DIALOGE habe ich zwar beim besten Willen nicht zu entdecken vermocht, und muß Dir somit auch schweren Herzens eine Sechs wegen Themaverfehlung geben ;-), biete aber als kleinen Trostpreis den Vorschlag an, das Werk Ende des Monats in die Rubrik Humor und Satire zu verschieben.

Gruß Gegge

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Mößner, Bernhard
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Zum Einkauf...

Hallo Heike,
herzlichen Dank für Dein Lob und Gratulation für Deinen bereitwillig und sparsam einkaufenden Mann!
Also, als Tadel am Supermarktpersonal, das mich, (bei meinem erfundenen Einkauf) nach Feierabend noch abfertigte, möchte ich meine Glosse nicht verstanden wissen. Finde Dich mit den Supermärkten ab. Im Tante-Emma-Laden gibt es kurz vor Feierabend auch nicht mehr alles zu kaufen.

__________________
-Bernhard Mößner-

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hera
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Ja, Bernhard,

hast ja recht, die Verkäuferinnen haben es auch nicht einfach. Aber mich ärgert halt immer wieder, dass ich abends nicht mehr alles kriege. Geht aber zeitlich nicht anders mit dem Einkaufen.

Tschüssie, hera

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Sanne Benz
Guest
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Lieber Bernhard,
mir hat Deine Einkaufstour auch gefallen.Wenn auch ohne Dialoge,dennoch nett.
Dann natürlich die Frage: WIE reagierte Christel auf die Weinbrandpralines? :-)
Oder treffen DIE auch eher Deinen Geschack? *g* Und sie mag lieber Ritter Sport-nuss oder so?

lG
schönes Wochenende
Sanne

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