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Zur Lektüre von
Eingestellt am 17. 09. 2010 16:20


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SteffenDuck
Hobbydichter
Registriert: Jul 2007

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Zur Lektüre von „Mein Kampf“ von Adolf Hitler

Als Leser eines Buches geht man entweder gedanklich mit dem Autor mit, wenigstens zeitweise, aber zumindest so lange, wie die Lektüre andauert, oder man legt das Buch aus der Hand.
Das krude Geschwätz dieses Autors verbietet aber schon allein aufgrund des Inhaltes, selbst ohne jegliche Kenntnis der weiteren historischen Entwicklung und der konkreten historischen Hintergründe jedwedes gedankliches Mitgehen, ja fordert zur geistigen Abwehr unentwegt heraus. Das macht die Lektüre äußerst anstrengend, verursacht permanenten Widerwillen, Abscheu, Ekel, ja sogar körperliche Übelkeit.
Die Sprache ist so ziemlich das Mieseste, was das Deutsche zu bieten hat.
Gekennzeichnet von Gefühlsarmut, ja Fehlen jeglichen Gefühls, beschreibt der Autor unter anderem seine Kriegserlebnisse und die anderer Soldaten. Es war ihm ganz offensichtlich egal, daß er im 1. Weltkrieg verwundet wurde, es war ihm egal, daß er einem Giftgasangriff der Engländer mit „Gelbkreuz“ ausgesetzt war und zumindest zeitweise erblindete!
(Gleiche Rücksichtslosigkeit und Gefühlsarmut gegenüber anderen und sich selbst findet man auch in den Memoiren anderer Krieger, so z.B. im Buch „Mannheim, Madrid, Moskau“ von Heinz Hoffmann, dem früheren Verteidigungsminister der DDR.)
Diese Gefühlsarmut machte den Verführer zum einen unangreifbar gegenüber der von ihm verursachten Not der von ihm bekämpften Menschen, zum anderen bewirkte sie bei seinen Anhängern jenen verhängnisvollen vorauseilenden Gehorsam, ohne den die Diktatur sich hätte gar nicht in dem historisch so verhängnisvollen Maße ausbreiten können. Vorauseilender Gehorsam wurde von den Anhängern deshalb ausgeübt, weil man wohl hoffte, damit die Gunst des Führers und „gestrengen Vaters“ zu erlangen. Selbstverständlich wurde diese niemals gewährt, was zu immer noch mehr und stärkeren, verzweifelten Anstrengungen des vorauseilenden Gehorsams führte.

Seine mangelhafte Bildung nimmt der Autor zum Anlaß, das Erlernen von Fremdsprachen an der Schule für überflüssig zu erachten (wenn ich es nicht kann, soll es auch kein anderer können), des weiteren von naturwissenschaftlichem und humanistischem Wissen, wo es nach ihm genüge, an der Oberfläche zu bleiben, da das meiste davon sowieso später wieder vergessen würde- gleiches gilt für Geschichtswissen, wo es ausreichend wäre, die großen Entwicklungslinien zu kennen.
Letztere Empfehlung wurde im Geschichtsunterricht an DDR- Schulen weidlich umgesetzt, wenn auch für „andere Linien“.

Dagegen lobt er uneingeschränkt das Boxen (wohl, damit den Gehirnen der Jugendlichen jegliche eigene Gedanken unmöglich gemacht werden sollen).

Auf auch für jene Zeit völlig unwissenschaftliche Aussagen zu „Blut und Rasse“ will ich gar nicht weiter eingehen, es dürfte hoffentlich in der heutigen Zeit jedem bekannt sein, was daraus wurde und welche Verbrechen hieraus folgten.

Die meisten Gedankengänge im Buch beginnen mit einer abstrusen Behauptung, die sich scheinbar aus dem vorher Gesagten zwanglos ergibt, aus der dann ebenso abstruse Schlüsse gezogen werden und aus denen dann wieder scheinbar ganz zwanglos das nächste abstruse Postulat folgt.


Um mich geistig zu erholen, ist für mich das zwischenzeitliche Lesen von Gedichten von Schiller und Goethe unverzichtbar, bevor ich mich wieder den unflätigen Beschimpfungen an Juden aussetze.

Warum tue ich mir das überhaupt an?
Ich will nachvollziehen, was die Banalität des Bösen bedeutet.
Ich verstehe nun besser, was es heißt, daß das Geheimnis des Bösen darin bestehe, daß es keines hat.
Tatsächlich, es gibt nicht das Mindeste an gedanklicher Tiefe in diesem Buch.
Es ist für mich erhellend, wenn im 2. Band dieses fürchterlichen Buches beschrieben wird, wie und mit welchen demagogischen Mitteln der Rede sowie mit welchen Methoden der Versammlungsorganisation unter Ausnutzung der bürgerlichen Rede- und Versammlungsfreiheit das Volk in den Bann der NSDAP gezogen wurde.
Es ist erhellend, wieso Deutschlands Intellektuelle, die Elite jener Zeit, darin versagt haben, dieser Ideologie entgegenzutreten, denn deren Methoden der geistigen Niederringung, wenn sie denn überhaupt versucht worden ist, konnten nicht dieselben sein, wie die der Demagogen und waren daher nach Auskunft des Autors weit weniger wirksam.
Ihm zufolge käme es auf die Rede an und den damit verbundenen nonverbalen Dialog mit der Menge- Dinge, die in einer von einem Schriftsteller verfaßten Abhandlung nicht vorhanden wären.
Trotzdem kann ich das Versagen von Deutschlands Elite zu jener Zeit in keiner Weise entschuldigen. Zu wenige haben sich zu spät gegen diese Ideologie gewandt, selbst Dichter wie Bertold Brecht erhoben maßgeblich ihre Stimme erst, als die nationalsozialistische Regierung bereits an der Macht war, wobei sie die Macht nicht ergriffen hatte, wie des öfteren noch behauptet wird, sondern vielmehr war ihr diese auf dem Silbertablett serviert worden!

Es ist erhellend, daß man beim Lesen trotz allem den Eindruck gewinnt, daß es sich beim Autor nicht um einen völlig dummen Menschen handelte- und genau das macht die Sache so gefährlich. Dummköpfe kann und darf man mit Nichtbeachtung belegen, dieses (und vergleichbare) Monster aber zu unterschätzen, bringt außerordentliches Unheil!

Warum versuche ich, scheinbar längst vergangene Schlachten zu schlagen?
Weil es in Wirklichkeit nicht vorbei ist!
Geschehene Dinge sind niemals vorbei! (Leo Perutz)

Übrigens, seit 1990 sind 137 Menschen in Deutschland bei rechtsextremen Gewalttaten gestorben!


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