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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Zuviel Gelehrsamkeit strengt an
Eingestellt am 08. 05. 2011 15:00


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sabiko
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Wonnemonat Mai! Freib√§der √∂ffnen und an den Wochenenden grillen wir. Bislang haben sich unsere Nachbarn nicht beschwert, vielleicht weil wir so klug sind, sie gelegentlich dazuzuladen. Falls sie allerdings entdecken, dass ich am gemeinschaftlichen Zaun heimlich Brennnesseln kultiviere, d√ľrfte es um den Frieden geschehen sein. Kurz mit hei√üem Wasser √ľberbr√ľht, ist das hartn√§ckige Unkraut ein weiterer Grund, warum ich den Mai so liebe: Lecker in Stanniolfolie √ľber der Glut, mit Tomate, Ziegenk√§se oder Fisch. Die Brennnesseln hingegen sehnen meine Abwesenheit herbei. Im Urlaub kehrt sich der Spie√ü um. Sie k√∂nnen in Ruhe wachsen. Ich werde von der Sonne ger√∂stet und anschlie√üend im Mittelmeer von gallertartigen, d√§mlichen Klopsen geplagt, die meiner Meinung nach nur existieren, um arglose Touristen mit fiesem Gift zu plagen.

Seit 500 Millionen Jahren ist es nicht gelungen, die Quallen vom Erdball zu vertreiben. Wahrscheinlich, weil kaum jemand auf die Idee gekommen ist, sie einfach zu verzehren. Ein simpler Trick, der mir hervorragend hilft, die Brennnesseln daheim vor nachbarlicher Entdeckung zu bewahren. W√§ren die Dinos einstmals so klug gewesen wie ich, vielleicht w√§ren sie zumindest nicht an Hunger gestorben. So aber wichen die Riesenechsen und machten Platz f√ľr uns Menschen und unser evolutionierendes Hirn, das wir immer bedeutsameren Themen widmeten: Der Erfindung des Rades und des Genetivs, dem Porzellan und Schie√üpulver, Gewehren und Kriegen, Atomkraftwerken und Solarenergie. Auf dem Gipfel der Sch√∂pfung angekommen, begannen wir intelligentes Leben auf dem Mars zu suchen.

Zuviel Gelehrsamkeit streng jedoch an. Nachdem wir so viel erfunden hatten, dass uns schwindelig zu werden drohte, wandten wir uns dem einfachen Leben zu und entdeckten, neben Echolot und Lotusbl√ľteneffekt, dass die W√ľrfelqualle au√üer √ľber betr√§chtliches Gift auch √ľber 24 hoch spezialisierte Augen verf√ľgt. Nun r√§tseln unsere Wissenschaftler, wie ein Tier ohne Hirn ein so hochkomplexes System managen kann?

H√§tten die Quallen nur einen Hauch unseres Ehrgeizes w√§ren sie sp√§testens jetzt bem√ľht, wenigstens ein paar ihrer Zellen zu einem Zerebrum √§hnlichen Haufen zu vereinen. Stattdessen wabern sie an krebsroten Touristenbeinen vorbei ein weiteres Jahr durch die Meere. Sie befinden sich seit 500 Millionen Jahren in einem Zustand v√∂lliger Entspannung und Gelassenheit. Zu dem nach ihnen nur noch Buddha gelangte.

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jon
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Mir gefällt der allgemeine Klang.

Mir gef√§llt nicht, dass ich nicht wei√ü, was das soll. Selbst Kolumen sollen ja auf etwas hinaus laufen, und sei es auf so was Fragw√ľrdiges wie "Bl√∂d ist gl√ľcklich". Dazu passt aber der ganz erste Teil mit den Brennnesseln nicht, der in der Mitte des Textes auf das skurile "Aufessen als Feindbek√§mpfung" hinaus l√§uft (das mit "Bl√∂d ist gl√ľcklich" nicht das geringste zu tun hat).
Mir gefällt auch die "Logik" nicht. "Auf dem Gipfel der Schöpfung angekommen" ist Unsinn. Auch dass wir einfaches Leben erforschen, weil uns "schwindlig" war, wir uns also weniger schwindelerregenden (= einfacheren und/oder unspektakuläreren) Forschungen zuwenden, ist Quatsch, denn diese Forschungen sind kaum einfacher und sicher nicht weniger spektakulär.


Mir gef√§llt einiges am Stil nicht, und ich stolpere √ľber manches Detail:

quote:
Die Brennnesseln hingegen sehnen meine Abwesenheit herbei.
Das "hingegen" ist bezugslos. Es erg√§be Sinn, wenn irgendwer die Abwesenheit des Ich bedauern w√ľrde.

quote:
Im Urlaub kehrt sich der Spieß um.
Wie jetzt? Die Nesseln sehnen Ichs Abwesenheit herbei, im Urlaub allerdings sehnt Ich die Abwesenheit der Brennnesseln herbei? Ich ahne ganz vage, was f√ľr einen "Gegensatz" du meinst, der ist aber sehr verschwiemelt dargestellt.

quote:
Ich werde von der Sonne geröstet und anschließend im Mittelmeer von gallertartigen, dämlichen Klopsen geplagt, die meiner Meinung nach nur existieren, um arglose Touristen mit fiesem Gift zu plagen.
Dopplung von "plagen"

quote:
Seit 500 Millionen Jahren ist es nicht gelungen, die Quallen vom Erdball zu vertreiben.
Hat ja erstens auch keiner versucht (zumindest nicht so lange) und zweitens: Wohin vertreiben?

quote:
Ein simpler Trick, der mir hervorragend hilft, die Brennnesseln daheim vor nachbarlicher Entdeckung zu bewahren.
Mag heiter gemeint sein, ist aber unlogisch: Ich isst sie nicht, um sie zu verbergen, Ich muss sie verbergen, weil Ich sie essen will.

quote:
Wären die Dinos einstmals so klug gewesen wie ich, vielleicht wären sie zumindest nicht an Hunger gestorben.
Das bezweifle ich: Die paar Tiere, die √ľberlebten, h√§tten wahrscheinlich auf Dauer nicht mal einen Dino satt gemacht. Und: die Logikkette stimmt wieder nicht ‚Äď die Dinos starben ja nicht aus, weil sie ihren Feinden unterlegen waren.

quote:
So aber wichen die Riesenechsen und machten Platz f√ľr uns Menschen und unser evolutionierendes Hirn, das wir immer bedeutsameren Themen widmeten: Der Erfindung des Rades und des Genetivs, dem Porzellan und Schie√üpulver, Gewehren und Kriegen, Atomkraftwerken und Solarenergie.
"Wir widmeten unser Hirn Solarenergie" ‚Äď da fehlt mindestens ein "der". Von "wir widmeten unser Hirn dem Porzellan/dem Schie√üpulver/etc." mal zu schweigen, das klingt f√ľr mich, als sei es semantisch nicht sinnvoll.


quote:
Auf dem Gipfel der Schöpfung angekommen, begannen wir intelligentes Leben auf dem Mars zu suchen.
Komma nach "begannen wir"
Auf welchen Gipfel genau soll das sein? "Gipfel der Sch√∂pfung" ist gemeinhin "der Mensch" ‚Äď und zwar ganz unabh√§ngig vom Wissensstand.

quote:
Zuviel Gelehrsamkeit streng jedoch an.
"Zu viel" (getrennt schreiben)
strengt

quote:
‚Ķ dass die W√ľrfelqualle au√üer √ľber betr√§chtliches Gift auch √ľber 24 hoch spezialisierte Augen verf√ľgt. Nun r√§tseln unsere Wissenschaftler, wie ein Tier ohne Hirn ein so hochkomplexes System managen kann?
Was ist "beträchtliches Gift"?
Kein Fragezeichen am Ende. Es sei denn, du stellst in Frage, dass sie rätseln.

quote:
H√§tten die Quallen nur einen Hauch unseres Ehrgeizes w√§ren sie sp√§testens jetzt bem√ľht, wenigstens ein paar ihrer Zellen zu einem Zerebrum √§hnlichen Haufen zu vereinen.
Komma nach "Ehrgeizes"
"zu einem einem Zerebrum" oder "zu einem zerebrumähnlichen"
Wieso sollten sie? Was hat das mit Ehrgeiz tu tun? Ein Genie, bei dem man sich fragt, wie der etwas ohne √ľblichen Hilfsmittel schafft, wird doch auch bei noch so gro√üem Ehrgeiz auch nicht versuchen, das Gleiche (umst√§ndlicher) mit Hilfsmitteln zu schaffen.

quote:
Stattdessen wabern sie an krebsroten Touristenbeinen vorbei ein weiteres Jahr durch die Meere. Sie befinden sich seit 500 Millionen Jahren in einem Zustand völliger Entspannung und Gelassenheit. Zu dem nach ihnen nur noch Buddha gelangte.
Eh … Ja. Und? (Meint: Das wirkt extrem abgehackt.)
Mal abgesehen davon, dass mit der "v√∂lligen Entspanntheit und Gelassenheit" eine recht k√ľhne Vermutung ist ‚Ķ
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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