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Leselupe.de > Ungereimtes
Zuweilen hielt ich inne
Eingestellt am 08. 04. 2006 18:23


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HFleiss
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Zuweilen hielt ich inne


Wer, Liebster,
War bei dir
In der letzten Stunde
Wer nahm deine Hand und
Legte sie dir auf die Brust?

Unser Abschied kein Schwur,
Kein Vermächtnis auf ewig.
Bitte keine Illusionen,
Sagtest du zuletzt,
Es ist nicht die Zeit.
Und ich verbiss den Schmerz.

Verklärt
Dein Bild und geschwommen √ľber
Ozeane, vergangen in
Wellen, Nebeln und St√ľrmen.
Ich legte es zu den
Lebenden Souvenirs
Und begann mein Tagwerk,
Verhärtet gegen die Lästerer.

Zuweilen hielt ich inne und
Sprach mit dir in der Ferne.
Du dr√ľcktest mir die Hand.
Und aufhellte sich der Gedanke,
Ich sp√ľrte deine W√§rme
Wie zuvor Körper an Körper.

Vor drei Tagen
Kam die Nachricht zu mir.
Gegangen ist mein Liebster
Den letzten Weg.
Und jemand, so sagte man mir,
War bei ihm.

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Waldemar Hammel
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Der Text kommt bei mir an

wie eine kaltgewordene, vorher mehrmals aufgew√§rmte T√ľtensuppe.

Ich bestreite nicht, dass Gef√ľhle und/oder Befindlichkeiten transportiert werden sollen, soweit kann ich folgen, es bleibt indes bei dem unklaren Versuch, es gelingt nicht. Es gelingt auch nicht, wenigstens eine Geschmacks/Geruchs-Richtung festzulegen, dem Leser somit eine F√§hrte vorzugeben.

Es sollen vielleicht die aufgef√ľhrten Klischees die Vehikel zum Transport sein? Aber dann g√§lte: "T√ľtensuppe".
Vielleicht liegt es daran, dass ernsthaft empfundene Gef√ľhle transportiert werden sollen, aber dabei gleichzeitig trotzdem die farblose Diskretion aufrecht erhalten werden soll (weil vielleicht der Abstand der Autorin zu Erlebtem noch nicht gro√ü genug ist)? Das w√§re dann: "Dusch mich schonmal, aber mach mich nicht nass."

Klischees wie "Liebster", "in der letzten Stunde", "Abschied-Schwur-Verm√§chtnis", "Ozean-Wellen-Nebel-St√ľrme-Ferne" funktionieren heute nicht mehr besonders gut.

[Wer nahm deine Hand und
Legte sie dir auf die Brust?
]

Hier wird "der Liebste" symbolisch in sich selbst gefangen, auf sich selbst zur√ľckverwiesen. Dies entspricht nicht der Intention des Textes?, da dieser ja eine Beziehung besprechen will, die sogar noch √ľber eine reale Trennung hinaus von einer Seite her bestehen bleibt und dabei bis zur Verkl√§rung reicht.

(Oder es entspricht diese Form der Darstellung dem Unterbewussten der Autorin, die -ohne es offen aussprechen zu können/zu wollen-, "Liebster" aufgrund seiner neuen Verbindung ablehnt, hasst, verdrängen möchte?)

[Unser Abschied kein Schwur,
Kein Vermächtnis auf ewig.
Bitte keine Illusionen,
Sagtest du zuletzt,
Es ist nicht die Zeit.
]

Hier soll verdeutlicht werden, wie unprosaisch der Abschied war, praktisch wie "banal" auf einer Seite, und wie schmerzhaft auf der anderen. Gerade hier, an dieser Bruchstelle, w√§re Raum zum k√ľnstlerischen Gestalten. Aber wie farblos wird das stattdessen hier dargestellt!

[Und ich verbiss den Schmerz.]

Auch hier: So farblos-diskret wie möglich, statt so emotional-betont wie möglich. Was gesagt werden sollte: "Ich verbiss MIR den Wunde-reißenden Stacheldraht-Schmerz durch mein Innerstes" o.ä.
Das "Verbei√üen" dr√ľckt nat√ľrlich auch etwas aus, man kann mit Schmerz ja auch ganz anders umgehen. Im Verbei√üen steckt Aggression, und "Liebstes" hat sich ja l√§ngst neu organisiert, was diese Aggression immerhin logisch erscheinen lassen kann.

[Verklärt]

Die Verklärung bleibt im Text (ohne vorherigen "Stacheldraht-Schmerz") schlicht unmotiviert, das ist wie ein Film, der von einer Szene zur nächsten springt, wobei Letztere aber einem völlig anderen Kontext entstammt.

[Dein Bild und geschwommen √ľber
Ozeane, vergangen in
Wellen, Nebeln und St√ľrmen.
]
+
[Ich legte es zu den
Lebenden Souvenirs
Und begann mein Tagwerk,
Verhärtet gegen die Lästerer.
]

Ein "verkl√§rtes Bild" ist immer ein totes Bild, ebenso ist eine Verkl√§rung nicht der Untergang/das Vergehen eines Bildes (im "Ozean", etwa der Zeit), sondern im Gegenteil das √ľberwertig-Werden einer selbst-geschaffenen Hypostasierung, eines "Stand(ab)bildes".
Man kann daher auch eine Verkl√§rung nicht zu "den lebenden Souvenirs" legen, da sie, von ihrer Stuktur her, nicht nur "tot ist", sondern quasi sogar "√ľber-tot".

"Verhärtet" passt zu "Verklärung", denn diese ist immer eine Verhärtung im Sinne von Eingefrorensein, Standbild, Götze. Da "die Lästerer", genau wie "verklärt", ebenfalls unmotiviert im Textzusammenhang ist, wäre besser: "verhärtet gegen Lästerer".

[Zuweilen hielt ich inne und
Sprach mit dir in der Ferne.
]

Das Motiv des "Ozeans" wieder aufgegriffen. Klingt zu stark nach Seefahrer-Romantik.

[Du dr√ľcktest mir die Hand.
Und aufhellte sich der Gedanke,
]

Welcher "Gedanke"? Logischer wäre, (und wohl gemeint ist?): "es hellten sich MEINE Gedanken auf", Mehrzahl, und auch hier sollte die farblose Diskretion wegbleiben, deshalb "meine Gedanken".

[Ich sp√ľrte deine W√§rme
Wie zuvor Körper an Körper.
]

Das Bild ist im Text ein logischer Bruch, wegen des "wie zuvor". Der Text beginnt schließlich mit einem kalten Toten, der auch noch auf sich selbst verwiesen wird.

[Vor drei Tagen
Kam die Nachricht zu mir.
]

Um Gottes Willen! Hier, gegen das Ende hin, sollte der Text wenigstens kulminieren. "Vor drei Tagen", was soll das f√ľr ein Bild sein? "An MEINEM Geburtstag", "als ich krank war", "nach dem gro√üen Erdbeben", "am Totensonntag", "2000 Jahre nach dem Vesuv-Ausbruch", solches an Bild w√§re hier zu w√§hlen, w√§re hier als Markierung zu setzen.

Auch der diskrete Begriff "Nachricht" ist hier v√∂llig untauglich, weil neutral, unbeteiligt, eine Sache unter vielen, von denen wir alle t√§glich √ľberschwemmt werden. Uninteressant sowas, und dies entspricht ja wohl nicht der Intention der Autorin?
Was kam, war eine Botschaft, ein emotionaler Niederschlag, eine Ohrfeige, eine Ahnung erf√ľllte sich, Gedankennacht breitete sich, ein Schock, oder irgendwas √Ąhnliches, auf jeden Fall etwas emotional-hoch-Beteiligtes.
An einem besonderen Tag! Dieser Tag war schon deshalb "besonders", weil er diese Botschaft brachte, und genau diese Ursache-Wirkung-Kette ist dann "magisch umzudrehen". Nicht: Der Tag wurde besonders aufgrund der Botschaft, sondern: Der Tag war von Anbeginn anders als alle anderen Tage, und dann -quasi zur Erf√ľllung dieser Vorahnung- kam die dazu passende Botschaft. Empathie (und Magie, wenn es denn zur vorherigen "Verkl√§rung" passen soll) muss an dieser Stelle aufflammen.

[... kam die Nachricht zu mir]

dr√ľckt auch aus -und widerspricht dem, was eigentlich ausgedr√ľckt werden soll-, die Botschaft habe lediglich beil√§ufig "zu mir" gefunden, und das "zu mir", welches extra noch das Zielfinden der Botschaft betont, unterstreicht den zuf√§lligen Charakter "einer Angelegenheit wie alle anderen" sprachlich sogar noch.
Besser wäre, das "zu mir" weglassen.

[Gegangen ist mein Liebster
Den letzten Weg.
]

Auch hier ist farbloses Klischee, wo doch ein Bild/Bilder intensivster Bedeutungen stehen sollte(n).
Wie hier dargestellt, wird einem das Wort "Liebster" fast verd√§chtig, so, als sei es zynisch gemeint. Ein "Liebster", der (mal eben so) "den" (nicht seinen, seinen individuellen, seinen einmaligen Weg, an dem man ihn wiedererkennen w√ľrde) letzten Weg dahin-farblost, und eine Sprecherin, die dies -auch noch mit Schwerpunkt auf "gegangen"- v√∂llig unbeteiligt reportiert.

Besser wäre etwa (mit persönlicher Ansprache, der Erlebnis-Intensität wegen):

"Liebster,
alle Wege f√ľhrten zu uns,
einst,
Dein letzter Weg
Du gingst nun, fort,
heute
(ohne mich)"

[Und jemand, so sagte man mir,
War bei ihm.
]

Und wieder: Diskretion mit Ambivalenz gepaart. Es stört offenbar, das jemand anderes bei ihm war, denn diese Sache wird sprachlich abgewehrt in einem Abwehrzauber: "und (irgend)jemand, so habe ich beiläufig erfahren".

Zusätzlich wird hier ausgesagt, dass "Liebster" längst wieder sich neu arrangiert hatte (es war jemand anderes bei ihm, und das vermutlich nicht nur in seiner letzten Stunde), damit wird aber nun behauptet, dass das "Liebster" in der Anfangszeile des Textes kein "Liebster" der Realität, sondern bereits ein "Liebster" der subjektiven Verklärung war, die im Text aber erst im dritten Abschnitt auftaucht.

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HFleiss
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Zuweilen hielt ich inne

Lieber Waldemar,

hab Dank daf√ľr, dass du dich so gr√ľndlich mit meinem Gedicht besch√§ftigt hast. In einigem stimme ich dir zu, ich h√§tte es expressiver Schreiben k√∂nnen (z. B. beim Abschiedsvers an Stacheldraht denken k√∂nnen, dumm, dass ich darauf nicht gekommen bin). Und f√ľr den Schlussvers bietest du mir sogar eine andere, deine Variante an. Ich habe den Verdacht, lieber Waldemar, du h√§ttest das Gedicht selbst schreiben wollen. Aber du hast deine Aversionen gegen das Schlichte, das jeden (von dir angebotenen) Kitsch vermeiden will, voll rausgelassen, du kommst gar nicht darauf, dass Liebende und Trauernde sich nicht selbst darstellen wollen, sondern nur gezwungen und zur√ľckhaltend in die √Ėffentlichkeit bringen, was sie wirklich bewegt. Sonst w√ľrde man leben, um zu schreiben, aber nicht schreiben, um leben zu k√∂nnen. Das scheint dein schwacher Punkt zu sein, glaube ich, nachdem ich deine Gedichte gelesen habe.

Aber das sind b√∂hmische D√∂rfer f√ľr dich, und man kann nicht mit dem Blinden von der Farbe reden, da gibt man eine komische Figur ab. Und √ľberzeugen will ich dich schon gar nicht.

Lieben Gruß
Hanna

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Waldemar Hammel
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@ HFleiss

[Aber du hast deine Aversionen gegen das Schlichte, das jeden (von dir angebotenen) Kitsch vermeiden will]

Nein, gerade das Schlichte kann "hohe" Kunst sein, aber "farblos" und "vorsätzlich schlicht gestaltet" sind zwei Paar Schuhe, die man deutlich unterscheiden kann.

[... dass Liebende und Trauernde sich nicht selbst darstellen wollen, sondern nur gezwungen und zur√ľckhaltend in die √Ėffentlichkeit bringen]

Genau dies bemängelte ich: "Dusch mich, aber ich will dabei nicht nass werden."
Entweder soll ein Trauer-/Liebes- u.√§. Text etwas mitteilen, und zwar, da es sich um Emotionalien handelt, etwas (m√∂glichst hoch-)Emotionales -oder im Gegenteil v√∂llig Kaltes- ("Farbe bekennen" muss man immer, damit das Ausdr√ľcken "scharf" bleibt!), oder man darf/d√ľrfte ihn (noch nicht, falls man noch nicht gen√ľgend Abstand von der betreffenden Sache hat) gar nicht schreiben, weil sonst zwangsl√§ufig noch-ungekl√§rter "Eintopf" herauskommt.

(nat√ľrlich "darf" man sowas schreiben, muss sich dann aber auch mit dem noch gedanklich/k√ľnstlerisch undifferenzierten "Eintopf" abfinden)

Und, wenn Gef√ľhle und Befindlichkeiten authentisch sein sollen (und sie sind es, wenn sie ehrlich gemeint sind), dann steht dahinter diejenige unverwechselbare Person, die diese Emotionalien erlebt. Und damit taucht automatisch die Person in der Darstellung auf und stellt sich selbst als quasi "Modell" ihrer Befindlichkeiten dar.

Es gibt keine Trauer/Liebe usw. "an sich". Zwar sind die Emotionalien uns allen in gleicher Weise angeboren (es sind dieselben, die Grundlage √ľberhaupt f√ľr inner-artliche Kommunikation), weil es unsere Autopiloten des √úberlebens sind, aber diese gleichen Emotionalien wechselwirken individuell bei jeder Person mit deren individuellem Verstand, ihrer Erinnerung, ihrer Biographie, und daher wirkt sich keine Trauer, Liebe, Hass, Sympathie jemals nach au√üen hin gleich aus.

(Entweder sind Trauer usw. höchst individuell, und dann jedes Mal verschieden auch darstellbar, oder sie sind wie ein leerer Briefumschlag, in dem nichts Substantielles/ keinerlei konkrete Botschaft drinsteckt.)

(Emotiones artlich gleich) + (jeweils individuelle Ratio, Erinnerung, Biographie) = jedes Mal ein anderes, unverwechselbares Resultat = Briefumschlag-Trauer mit konkreter, individueller Trauerbotschaft.

Die Trauer einer "Emma Schmidt" ist nicht "die Trauer an sich", und sie ist auch nicht gleich der Trauer von "Martin S.", usw.

Deshalb auch bemängele ich stets die zahlreichen Konserven- Emotions-Texte, wie Trauer- und Liebes-Lyriken usw. Meist wird da nur Allgemeines dargestellt/zirkuliert, Binsenlangeweilen.

"Körper an Körper warm", "deine Lippen, so weich", "dein seidiges Haar", "der Abschied", "dein Atem fehlt mir", "ficken", usw usw. Das ist alles kalter Kaffee, weil damit eben nur die uns allen gemeinsamen Emotionalien immer und immer wieder als Abstrakta thematisiert werden, während die unverwechselbaren, individuellen Auswirkungen dieser Emotionalien auf die jeweils beteiligten Personen gar nicht dargestellt werden.
Solche -verbal mitunter erstaunlich aufwendigen- Texte enthalten dennoch praktisch Null Botschaft.

99% aller gesunden, jungen Frauen haben "seidiges Haar", "weiche Lippen", usw., und wenn ich meine Liebe nur darin ausdr√ľcke/ auszudr√ľcken wei√ü, dann sind meine Partnerin und ich in solcher Darstellungsweise auswechselbar, das meint, ich schreibe dann gar nicht √ľber MEINE+IHRE individuelle und unverwechselbare Beziehung, sondern ich nehme damit einen L√∂ffel aus der konventionellen Konservendose der medial+per Erziehung, Enkulturierung antrainierten Allgemeinpl√§tze.
Solche -eigentlich stummen/behinderten- Texte sind Auswuchs geistiger Selbstbefriedigungen, denen es entweder nie gelang, aus den gesellschaftlich vorgebildeten Schablonen heraus zu wachsen, oder die von sich selbst geblendet sind und verbleiben. Es sind insofern eigentlich auch maßlos egoistische Texte (Darstellungen).
Die Autoren solcher Texte beweisen damit lediglich, dass sie sprachlich (in Denken, Sprechen und Schreiben) nicht in der Lage sind, √ľber sich selbst und die Konserven hinausgehend mittels Sprache "Welt" zu be-GREIFEN. Sie legen sich praktisch auf der Sprache auf die Nase wie ein Eisl√§ufer auf dem Eis.

[Sonst w√ľrde man leben, um zu schreiben//zu sprechen// zu be-sprechen, aber nicht schreiben// sprechen, um leben zu k√∂nnen.]

Beides hängt doch wohl unmittelbar zusammen?, und ich sehe deshalb keinen prinzipiellen Unterschied beider extremalen Alternativen. Dass Schreiben auch eine Art von Selbsttherapie ist/bewusst auch sein kann, ist klar, aber selbst und gerade dann muss es höchst-individuell sein, bewusst muss man sich selbst mit einbringen und sich sprachgestalten, was dann auch ein Gedanken-Gestalten und ein Lernen an-sich-selbst, am eigenen Modell bewirkt, wenn es funktioniert.

[Aber das sind b√∂hmische D√∂rfer f√ľr dich, und man kann nicht mit dem Blinden von der Farbe reden, da gibt man eine komische Figur ab. Und √ľberzeugen will ich dich schon gar nicht.]

Das ist doch kein Argument. Wenn ich "ein Blinder" in diesem Sinn w√§re, dann d√ľrfte ich √ľberhaupt keine Texte mehr kommentieren und/oder selbst gar nicht schreiben. Und es geht doch hier wirklich nicht um mich, sondern um Deinen Text, den ich nat√ľrlich hochgradig interessant fand, sonst h√§tte ich ihn ja nicht "auseinander genommen". Dein Text hat durchaus was Ernst-Wichtiges, vom Inhalt her, und das kam auch zu mir r√ľber.

Du tust auch Deinem eigenen Gef√ľhlsleben, Deiner sog. "Psycho-Hygiene", keinen Gefallen, wenn Du Dich mit "T√ľtensuppen" zufrieden gibst.

Gib Dich selbst in Deinen betreffenden Befindlichkeiten ganz einfach soweit Dir irgend möglich selbst zu, und wenn Du mit dieser bewusst gemachten Voreinstellung dasselbe Thema dann nochmals beschreibst, dann kann nur Gutes dabei heraus kommen.

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Black Pearl
???
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Hi Hanna,

enthalte mich, da dies Gedicht mir zu seicht - ist aber Geschmackssache - mir f√§llt aber arg das "und aufhellte sich der Gedanke" ins Auge, wollte nur anmerken, ob das Absicht ist? Ansonsten w√ľrd ich das noch √§ndern, damits rund wird - wenn auch insgesamt nicht mein Geschmack...

CG, Black Pearl
__________________
Singendes Blut läßt die Nacht erzittern und Leben wittern... -carpe noctem !

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HFleiss
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Liebe Black Pearl,

du hast ja recht - von deinem Standpunkt aus. Weder kennst du diese noch jenen, liest in Bruchst√ľcken dar√ľber, was da passiert ist, und beurteilst es von der literarischen Seite her. Ist dein Recht, mache ich ja genauso, schlie√ülich geht es hier um die Literatur. Als ich das Gedicht schrieb, war mir nach allem anderen zumute als nach Gedichteschreiben, irgendwas musste ich mir irgendwie von der Seele reden. Ich habe dann sp√§ter versucht, den Text zu √ľberarbeiten, habe aber festgestellt, dass er so, wie er war, urspr√ľnglicher war. Heute w√ľrde ich das ganz anders schreiben, heute, in der Distanz. Das w√§re ein v√∂llig anderes Gedicht. Jedes Nachbessern nahm ihm das Eigentliche. Und so hatte ich mich dann entschieden, ihn v√∂llig un√ľberarbeitet in die Leselupe zu stellen. Vielleicht, schwarze Perle, wirken gerade die tiefgehenden Erlebnisse, wenn man √ľber sie spricht, ohne dass man sich von ihnen entfernt hat, irgendwie seicht auf andere und reizen zum Lachen (oder Weinen). Aber ich glaube, damit muss man rechnen.
Bei diesem Thema liegt Kitsch sehr nahe (Waldemar hat mir eine wundersch√∂n verkitschte Passage vorgeschlagen), wenn es deiner Ansicht nach mir nicht gelungen ist, ihn ganz zu vermeiden - was tut es? Oder meinst du mit "seicht", dass ich zu sehr an der Oberfl√§che bleibe? Das war gewollt. Ich bin ja der Meinung, ein Gedicht ist ein Gemeinschaftswerk - zwischen Autor und Leser. Und da es zwei Menschen sind und nicht nur einer, ist es klar, dass es da immer Differenzen geben muss. Aber tu nicht jedes tiefe Gef√ľhl als Seichtigkeit ab, Gedichte (nicht nur sie) leben nun mal von Gef√ľhlen, und die sind eben nicht immer chemisch gereinigt. Wichtig ist, dass sie von innen kommen und nicht aufgesetzt sind (wie ich das bei anderem Autor mit Bedauern festgestellt hatte, obwohl er selbst sicher davon √ľberzeugt ist, es ganz, ganz ehrlich zu meinen).
Dich befremdet, dass ich das Wort aufhellen nicht trenne, wie sich das eigentlich geh√∂rt. Halte ich nicht f√ľr unlegitim, das ist literarisch vielfach im Gebrauch. Da sehe ich auch nicht den Schwachpunkt des Gedichts. √úbrigens geht es bei dem ganzen Gedicht √ľberhaupt nicht um Eifersucht (wie Waldemar meint), und gerade die letzten Zeilen (Und jemand, so sagte man mir, war bei ihm) haben etwas von dem Ding dazwischen, etwas Uneindeutiges, es schlie√üt viele M√∂glichkeiten ein, andere nennen es Ambivalenz (mit einem Hieb ins Negative). Aber genau diese Sicht ist gewollt, und zu ihr stehe ich auch noch heute.

Lieben Gruß
Hanna

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