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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Zwei Wochen
Eingestellt am 14. 12. 2002 00:06


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Micha
Hobbydichter
Registriert: Nov 2002

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Es ist Freitag der 13. und ich denke mir, ich bin nicht aberglÀubisch, zumindestens behaupte ich das von mir.
Eigentlich ist es ein Tag wie jeder andere. Draußen ist es kalt, aber klar, normalerweise liebe ich so ein Wetter, allerdings nur, wenn ich im Warmen sitze. Doch heute sollte kein normaler Tag werden.

Es sind keine zwei Wochen mehr bis Weihnachten, dem Fest der Liebe und des GlĂŒckes. Keine zwei Wochen mehr, dann folgen die Tage, die man eigentlich fröhlich im Kreise der Familie verbringen sollte. Zwei Wochen, in denen Menschen durch die Stadt laufen, immer in Gedanken an ihre Lieben.

Ich bin einiges gewohnt, mache meinen Job schon lÀnger, beinahe siebeneinhalb Jahre. Ich habe schon so ziemlich alles gesehen... Kranke, Sterbende und auch tote Menschen. Ich hatte nie Probleme mit meiner Arbeit, besteht sie doch hauptsÀchlich aus dem Transport von zumeist Àlteren Menschen, die allerdings noch mit mir reden.

Doch heute dachte ich, das kann es doch nicht sein. Ich muß gestehen, mir gehen menschliche Schicksale nicht so nahe, wie anderen Leuten. Ich mache meine Arbeit und schließe zum Feierabend damit ab. Nur selten bringe ich Ereignisse, Erlebnisse mit nach Hause. Ich habe auch noch nie von meiner Arbeit getrĂ€umt...

Zwei Wochen noch, dann hĂ€tte ich auch das nĂ€chste Weihnachten ohne grĂ¶ĂŸere Komplikationen ĂŒberstanden. Ich hatte in den letzten beiden Jahren in den Tagen vor Weihnachten schon genug Leid mitansehen mĂŒssen, deshalb dachte ich mir, dieses Mal kann es nur besser werden.

Es kam schlimmer...

Was sagt man einem jungen Mann, dessen Vater vor weniger als fĂŒnf Minuten gestorben war? Keine acht Stunden nach seinem Geburtstag, drei Tage vor dem Geburtstag des Sohnes, ein halbes Jahr nach dem Tod der Ehefrau, zwei Wochen vor Weihnachten? Man sagt gar nichts und schaut nur zu, wie der Sohn weinend Abschied nimmt. Und man macht weiter, als wĂ€re nichts geschehen...

Es nimmt einen schon mit, wenn man schaut, wie sich der Sohn weinend an seinem Telefon festklammert, mit der Frau telefoniert. Mir wurde kalt... nicht nur, weil ich draußen stand. Ich dachte an meine Eltern. Wie wĂŒrde ich reagieren? Schnell weg mit diesem Gedanken!

Menschen sind neugierig. Das ist etwas, was ich durchaus verstehen kann. Doch leider sind Menschen meist im falschen Moment neugierig. Sie stehen in GrĂŒppchen um uns herum, versuchen hartnĂ€ckig, einen Blick auf den Toten zu werfen. Zur Not tut es aber auch der trauernde Sohn. Denken diese Leute nicht nach? Der Vater ist tot, aber der Sohn versteht die dummen SprĂŒche um so besser. Manchmal hasse ich Menschen...

In zwei Wochen ist Weihnachten, doch diese neugierige Brut befriedigt sich am Leid anderer Menschen. Das ist aber schon etwas, da kann man der Familie beim Abendbrot eine faszinierende Geschichte erzÀhlen. Die erschreckenden Stellen lassen wir aber aus, oder?

Manchmal möchte ich mehr von den Menschen erfahren. Was denken die Angehörigen, wie kommen sie weiter klar? Was machen sie als nĂ€chstes, doch mein Job lĂ€ĂŸt dies meist nicht zu. Zu schnell verliert man sich aus den Augen, meist möchten sie mit uns nichts mehr zu tun haben. Ich habe mich auch schon beschimpfen lassen, obwohl ich mein bestes gab. Aber ich verstehe die Angehörigen.

Ich wĂŒrde wahrscheinlich genauso reagieren. Immerhin liebe ich meine Eltern. Ich möchte auf keinen Fall zwei Wochen vor Weihnachten Abschied nehmen mĂŒssen. Ich möchte eigentlich gar nicht Abschied nehmen mĂŒssen. Das Fest der Liebe verbringt man mit seinen Lieben, nicht mit Trauern...

Keine zwei Wochen, dann ist Weihnachten... hoffentlich gehen sie schnell vorbei!

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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

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Meiner Meinung nach ein wenig diffus

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Micha
Hobbydichter
Registriert: Nov 2002

Werke: 2
Kommentare: 3
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Richtig... Genau wie meine Gedanken an diesem Tage. Aber vielen Dank fĂŒr den Kommentar, man kann nur besser werden.

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