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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Zwischen Kiefern
Eingestellt am 18. 06. 2011 13:12


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Bunzel
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Apr 2008

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Der Tag, an dem mein Hund starb, blieb mir lange in Erinnerung. Ich habe heute noch Schmerzen im Kiefer, wenn ich an diesen Tag denke. Das liegt nicht daran, das mein Kiefer mir verletzt worden wäre, oder mein Hund in irgendeinem Zusammenhang mit diesem stand. Nein, vielmehr leide ich unter einem wesentlich schwerwiegenderem Problem.
Mein Herz liegt in meinem Kiefer. Meine Seele auch, denke ich, weil das so genannte „schmerzende Herz“ im Bezug auf negative Erinnerungen emotionaler Natur ja eher mit „schmerzende Seele“ zu verstehen ist.
Es klopft auch nicht in meiner Brust. Wenn ich aufgeregt bin, schlägt es schneller in meinem Kiefer.
Bei ganz besonders groĂźer Aufregung klappt er auf und zu.
Nach einiger Zeit bin ich darauf gekommen, mich selbst in panische Situationen zu versetzen, um meinen Kiefer auf und zu klappen zu lassen. Dann schreie ich. Die Wörter, die dabei entstehen verstehe ich als Botschaften – an mich selbst. Von wem auch immer. Vielleicht von meiner Seele.
Einmal hatte meine Schwester mich beobachtet, obwohl ich weit hinaus gegangen war, in den Wald. Sie war mir gefolgt und hatte mich schreien hören, dort, zwischen den Kiefern.
Gerade schrie ich „Hund, geh! Hund, geh!“. Sie sprach mich nicht an, sie erzählte mir erst viel später, dass sie mir an jenem Abend folgte.
Der Tag darauf war der Tag, an dem mein Hund starb. Wir fanden ihn ausgeweidet vor unserer Haustür. Meine Schwester meinte zu wissen, dass ich den Hund getötet habe, aber das habe ich nicht.
Es war mein Hund, und mein Kiefer schmerzt heute noch, wenn ich an ihn denke.
Viel später, als sie mich darauf ansprach, erklärte ich ihr mein Problem. Sie verstand mich. Nach einer Umarmung fing sie zufrieden gestellt an zu bellen und starb. Sie hatte mir vergeben.
__________________
Ein Schriftsteller ist kein Mensch, der Fragen löst.
Er ist ein Mensch, der Fragen aufwirft.

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