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Leselupe.de > Humor und Satire
Zwischen Wolkwenkratzer und Klingelbeutel
Eingestellt am 10. 11. 2011 10:53


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Karl Feldkamp
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Ich w├Ąre gern bedeutend. Und w├Ąre mir dieser Wunsch nicht so ungeheuer peinlich, k├Ânnte ich l├Ąngst eine Ber├╝hmtheit sein.
Immerhin werde ich im n├Ąchsten Jahr neundundsechzig, also fast siebzig. Und will ich zu Lebzeiten noch was von meiner Bedeutung haben, sollte ich jetztÔÇŽ Ja, was sollte ich eigentlich?
Meine Gro├čmutter w├Ąre gern reich geworden und war sich absolut sicher, ich m├╝sste Bankdirektor werden und teure Zigarren rauchen.
Meine Mutter wollte mich lieber als Nichtraucher, traute sich aber nicht einmal bei der Auff├╝hrung der Schultheatergruppe in einem St├╝ck gegen Alkohol und Nikotin meinen ÔÇô zugegeben allzu kurzen - Auftritt zu beklatschen. Ich spielte einen Jungen, dem beim heimlichen Rauchen schlecht wurde.
Und mein Vater sch├Ąmte sich sogar, w├Ąhrend des Gottesdienstes mit dem Klingelbeutel herumzugehen, da er f├╝rchtete, die Gemeindemitglieder w├╝rden ihm nur kleine und kleinste M├╝nzen hineinwerfen.
Das ist alles ziemlich lang her. Aber ihre W├╝nsche und Hemmungen wirken nach, obwohl die Drei l├Ąngst starben, ohne sonderlich bekannt geworden zu sein, genau wie mein von mir verehrter Gro├čvater, seines Zeichens Bauschlosser. Er sah mich als ber├╝hmten Architekten, der in Amerika die h├Âchsten Wolkenkratzer bauen w├╝rde.
Somit ist es kein Wunder, dass ich hoch hinaus will.
Doch ich studierte weder Bauwesen noch kann ich mit Geld gewinnbringend umgehen. Habe mein geregeltes Auskommen, zwei komfortable Renten, die ich nach langer b├╝rokratischer T├Ątigkeit in st├Ądtischen Verwaltungen erwarb. Bis auf administrative Ungeschicklichkeiten gelang mir w├Ąhrend meiner Beruft├Ątigkeit nicht einmal Skandaltr├Ąchtiges, da nicht ein einziges Mal jemand ernsthaft versuchte, mich zu bestechen.
Bin ohnehin kein ├╝berzeugter B├╝rokrat, sitze allerdings im so genannten Ruhestand immer noch am Schreibtisch und schreibe Geschichten ├╝ber Antihelden und Versager.
Sogar Leser und auch Leserinnen gibt es, die mich und meine Erg├╝sse loben. Leider viel zu wenige.
Und so nahm ich mir vor, nur noch bedeutende S├Ątze zu schreiben, die wenigstens klingen, als habe sie einer der gro├čen Schriftsteller verfasst. Geschwollen, zugleich bescheiden intellektuell und voll hinterg├╝ndigstem Humor wie: Unsereins muss ganz einfach an Wiedergeburt glauben, versicherte die Eintagsfliege.

Da man bekanntlich stirbt wie man lebte, droht mir ein eher langweiliger Tod, wenn ich nicht wenigstens einen spektakul├Ąren Selbstmord hinbekomme. Doch wegen der vielen Selbstmordattent├Ąter erregen einfachere Selbstt├Âtungen kaum noch Aufsehen.
Und da ich nicht zu Taten neige, die mir fragw├╝rdiges Ansehen einbringen, bleiben mir eher Erfolge auf gesetzlich einwandfreiem Terrain.
Als Lebensretter k├Ânnte ich mir einen unsterblichen Namen machen. Aber daf├╝r m├╝sste ich erst einmal jemanden finden, der sich ausgerechnet von mir retten lassen will.
Als (alters-)weiser Denker k├Ânnte ich mich wahrlich besser pr├Ąsentieren.
Auch ein guter Ruf entsteht nur durch viel Gerede.
Also werde ich hier ein paar Spr├╝che anf├╝gen und warten, ob sie daf├╝r taugen, mich ins Gerede zu bringen:
Wer glaubt, stets aus der Vergangenheit zu lernen, hat nichts aus der Vergangenheit gelernt.
Zu jeder Schreckschraube geh├Ârt in der Regel eine passende Mutter.

Oder doch lieber selbstkritischer:

Wer sich nicht selbst in Frage stellt, verpasst die besten Antworten.

Ich warteÔÇŽ

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

Version vom 10. 11. 2011 10:53

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Karl Feldkamp
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Hallo Pagina,
meine Texte nutze ich (icherz├Ąhlend)immer dazu, ein wenig mit M├Âglichkeiten zu spielen. Vieles darin ist autobiografisch, aber eben l├Ąngst nicht alles. Im Grunde denke ich eher so wie du. Allerdings ist das Bedeutend-sein-wollen nicht ohne jede Verf├╝hrung f├╝r mich...
Danke f├╝r deinen ehrlichen Kommentar und herzliche Gr├╝├če
Karl
__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

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