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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Zwischen den Zeiten
Eingestellt am 28. 03. 2005 00:27


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Astrid
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Registriert: Jun 2003

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Auf welche Zeit musste ich meinen Wecker stellen? Ich war verunsichert, gestern. Sommerzeit. Wie das klingt, jetzt, wo die Bäume noch kahl sind und die Tage neblig wie im Herbst und ich gestern doch noch den Schnee roch am Morgen. Es ist Ostern. So zeitig. Als hätte sich der Osterhase vorgedrängelt, so kommt es mir vor. Als könnte dieses Jahr es nicht erwarten, endlich ans Ziel zu gelangen, fertig zu werden. Ich werde nicht fertig. Damit.
Eine Stunde hat der Tag heute weniger. So einfach geht das also– ich verstelle den Zeiger der Uhr und schneide etwas ab von meinem Leben. Es sind doch nur sechzig Minuten und ich bekomme sie ja wieder, später im Herbst. Vielleicht hätte ich sie aber heute gebraucht. Vielleicht ist es im Herbst zu spät dafür? Ich brauchte sie nicht.
Der Tag kommt nicht in die Gänge. Die Straßen liegen wie ausgestorben im milchigen Licht. Ich verstecke Schokoladeneier für meinen Sohn. Ich lese, ich schaue aus dem Fenster, ich warte, dass er aufsteht. Endlich. Die Uhr in der Küche ist noch nicht umgestellt. Ein seltsamer Tag. Ein Tag zwischen den Zeiten.
Ich bin müde. Ich lotse meinen Sohn zu den Schokoladeneiern – heiß und kalt, ich beobachte ihn so gern. Wir lachen. Unsere gemeinsamen Minuten sind kostbar geworden. Eine Stunde fehlt. Das milchige Licht hält an und es bleibt ruhig vor den Fenstern. Ein verschlafener Tag. Am Abend erst wird es heller und ich rutsche dichter an das Fenster mit meinem Buch und lese, bis mir die Augen schmerzen, weil ich das Tagelicht auskoste bis zur letzten Minute. Ich öffne das Fenster, lausche der Amsel und scheine endlich angekommen zu sein in diesem Tag. Auf der anderen Seite des Hofes blinkt in einem Fenster eine vergessene Lichterkette.
Es ist Mitternacht. Die Blüten an meinem Kaktus schlafen. Ich kann es nicht. Ich bin schlaflos müde und schreibe meine Gedanken auf. Kann endlich wieder schreiben nach so langer Zeit. Über diesen ungewöhnlichen Tag, der doch so gewöhnlich war.
Ich gehe in das Zimmer meines Sohnes, setze mich neben ihn auf die Couch und sehe ihm beim Computerspiel zu. Ich lehne meinen Kopf an seine Schulter, ganz leicht nur, und hole mir meine verlorene Stunde zurĂĽck.

__________________
Astrid

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