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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Zwischenspiel
Eingestellt am 08. 01. 2008 19:52


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karin berthold
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jan 2008

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Von dem Kletterger├╝st und der Rutsche fielen noch einzelne Tropfen in den Sand, aber die Wolken waren schon wieder verschwunden ÔÇô so schnell, wie sie gekommen waren, an diesem schw├╝len Sp├Ątsommertag. Das Gewitter war kurz, aber kr├Ąftig gewesen. Jetzt blitzte alles in satten Farben in dieser grauen Stadt; die Natur hatte Hausputz gehalten.
Die ersten Kinder waren zu sehen, die es in den stickigen kleinen Wohnungen nicht l├Ąnger hielt, die hinaus wollten, um das Spiel wieder aufzunehmen, das sie wegen des Wolkenbruchs hatten unterbrechen m├╝ssen.
Der kleine, dicke Junge trat zaghaft durch die Pforte des Spielplatzes, machte zwei Schritte nach rechts und lehnte sich an den Zaun. Dort w├╝rde er nun wieder stehen und warten, bis eine mitf├╝hlende Mutter ihn zum Mitspielen auffordern, ein Kind sich ihm mangels anderer Spielkameraden f├╝r kurze Zeit widmen, oder ihn eine Gruppe Gleichaltriger oder ├älterer h├Ąnseln, schubsen oder auslachen w├╝rde, bis die D├Ąmmerung ihm sagte, dass er nun in die Wohnung zur├╝ckkehren m├╝sse oder d├╝rfe.
Andere Kinder betraten nach und nach den Spielplatz, dann eine junge Mutter, bewaffnet mit Eimer, Schaufel, Trinkflasche, Nuckel und dem dazugeh├Ârigen Zweij├Ąhrigen. Sie setzte ihr Kleinkind in sicherer Entfernung zu den herumtobenden und unbeaufsichtigten ├Ąlteren Kindern in die ├Ąu├čerste Ecke des Sandkastens und steckte ihm die Schaufel in die Hand und den Nuckel in den Mund. Letzteres verhinderte vielleicht kurzfristig, dass das Kind den matschigen Sand in seinen Mund steckte. Dann z├╝ndete sie sich eine Zigarette an, schritt zweimal die gummiartigen Wegeplatten ab, die um das kleine Spielareal f├╝hrten, warf die Kippe gedankenlos vor sich auf den Boden und trat sie mit ihrem n├Ąchsten Schritt aus. Dann z├Âgerte sie, hob das Filterst├╝ck wieder auf und warf es in den n├Ąchsten Papierkorb.
Der kleine, dicke Junge hatte sie beobachtet und nun sah sie, wie er seinerseits begann, das Areal zu umwandern, sich immer wieder b├╝ckte und Zigarettenkippen aufsammelte, dann eine Coladose, eine zertretene Zigarettenschachtel. Er bewegte sich immer schneller, entschiedener, gewichtig. Sie wollte sich eben nach einer leeren Weinflasche b├╝cken, die sie im Geb├╝sch entdeckt hatte, doch traf sie in diesem Moment der Blick des Jungen, ein missbilligender und flehender Blick. Sie ging weiter. Nach einer Weile erreichte der Junge auf seiner Runde die Stelle, hob die Flasche auf, trug sie stolz zum Abfalleimer und lie├č sie langsam, ja feierlich hineingleiten.
Sie nutzte seine Unaufmerksamkeit, um ein Kondom, das sie neben einer Bank entdeckt hatte, mit einer schnellen Fu├čbewegung ins Geb├╝sch zu kicken.
Als seine Augen nichts mehr entdeckten, was er h├Ątte aufsammeln k├Ânnen, steckte der kleine, dicke Junge die H├Ąnde in die Hosentaschen, schlenderte zum Ausgang, sah sich noch einmal mit einem pr├╝fenden Blick um, l├Ąchelte zu ihr her├╝ber, und verschwand in den dampfenden Stra├čenschluchten der Stadt.


__________________
Karin Berthold

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Prosaiker
Guest
Registriert: Not Yet

Zun├Ąchst: Willkommen in der Leselupe!

Zum Text: ein sprachlich recht steifes und teilweise wenig zielgerichtetes Zwischenspiel, das zum Ende hin besser wird. Die Einf├╝hrung scheint mir der schw├Ąchste Part.

quote:
Von dem Kletterger├╝st und der Rutsche fielen noch einzelne Tropfen in den Sand, aber die Wolken waren schon wieder verschwunden ÔÇô so schnell, wie sie gekommen waren, an diesem schw├╝len Sp├Ątsommertag. Das Gewitter war kurz, aber kr├Ąftig gewesen. Jetzt blitzte alles in satten Farben in dieser grauen Stadt; die Natur hatte Hausputz gehalten.

Sind Tropfen nicht immer einzeln? Ein Tropfen, zwei Tropfen, drei Tropfen, allesamt je Einheiten f├╝r sich. Den Zusatz braucht es also nicht, er beengt das Bild. Die Rutsche interessiert mich als Leser auch nicht weiter - unn├Âtige Details fallen in kurzen Texten auf. Weiter gehts mit Wolken und einem schw├╝len Sp├Ątsommertag, die du beide begrifflich noch vor dem Gewitter servierst. In zwei aufeinanderfolgenden S├Ątzen wird betont, dass die Natur sich einen kr├Ąftigen und ebenso kurzen Hustenanfall geleistet hat. Das ist ├╝berfl├╝ssig. Und wie aus dem Nichts taucht diese graue Stadt auf - sie tritt zwar am Ende wieder in Erscheinung, aber kann sich nicht als Rahmen der Story behaupten, da du sie erst nach dem Spielplatz erw├Ąhnst. Ein unmotivierter Schauplatzwechsel mit anschlie├čendem sprachlichem Fauxpas: die Natur hatte Hausputz gehalten. Reiner Beschreibung folgt also eine nach meinem Empfinden ziemlich bem├╝hte Metapher. Hm. Wahrscheinlich l├Ąsst sich der ganze Absatz komplett streichen, er ist nicht von Belang f├╝r deinen Plot. Der n├Ąchste Satz scheint mir ein ungleich gelungenerer Einstieg:

quote:
Die ersten Kinder waren zu sehen, die es in den stickigen kleinen Wohnungen nicht l├Ąnger hielt, die hinaus wollten, um das Spiel wieder aufzunehmen, das sie wegen des Wolkenbruchs hatten unterbrechen m├╝ssen.

Damit w├Ąre auch die Stadt involviert (kleine stickige Wohnungen assoziiert man wohl eher mit St├Ądten) ohne sie explizit zu erw├Ąhnen.

Ein Problem sehe ich in der Abfolge der Figuren. Zun├Ąchst die ersten Kinder, dann der dicke Junge, dann andere Kinder und eine Mutter. Das l├Ąsst sich konsequenter gestalten. Vielleicht erscheint der Junge - der dem Leser als zaghafter Au├čenseiter beschrieben wird - erst nachdem der Spielplatz sich wieder gef├╝llt hat. Eine Abgrenzung zu den Etablierten w├╝rde so deutlicher.

Nun wird der Text entspannter. Die Szene mit Mutter und Zweij├Ąhrigem ist wegen des lockeren Tons und der Unaufgeregtheit gut lesbar.

Inhaltlich hab ich auch noch eine Schwierigkeit: Die Drastik des Wandels vom dicken H├Ąnselobjekt zum l├Ąchelnden Jungen mit pr├╝fendem Blick empfinde ich als wenig glaubw├╝rdig. Vielleicht sollten sparsamere Adjektive benutzt werden. Immerhin steht und f├Ąllt der Plot mit dieser Figur.


Gr├╝├če,
Prosa.

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karin berthold
Autorenanw├Ąrter
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Nun gut, werde ich mich also dazu ├Ąu├čern, obwohl es mir nicht leicht f├Ąllt. Ich hatte eigentlich weitere Kommentare erwartet, Reaktionen vielleicht auf den ersten. Dann w├Ąre es leichter zu diskutieren. Und Kritik zu kritisieren, das erweckt ja nun mal den Verdacht fehlenden Kritikf├Ąhigkeit.

Inhaltlich:

zu 1: Alles "├ťberfl├╝ssige", ich nenne es lieber Details, in einer Kruzgeschichte zu streichen, das erscheint mir dann doch etwas zu kurz gegriffen. Die Atmosph├Ąre einer Ausgangssituation zu transportieren, das geh├Ârt f├╝r mich unbedingt dazu. Das Bild einzeln herabfallender Tropfen ist vielleicht nicht so banal, wie es prosaiker darstellt. Denn wenn man sich schon einmal die Ruhe genommen hat, solche zu beobachten, dann wei├č man, dass es eine Lust sein kann, darauf zu wetten, ob der n├Ąchste ├╝berhaupt noch f├Ąllt - oder zwei oder drei.

zu 2: W├Ąre es inhaltlich korrekter gewesen, erst das Gewitter und dann den schw├╝len Tag und die Wolken zu erw├Ąhnen? Meinen Erfahrungen mit dem Wetter w├╝rde das nicht so recht entsprechen. Und auch das einfach weglassen? Warum?

zu 3: Ja, ja, der Hausputz! Eine Freude f├╝r jeden Grau-St├Ądter, wenn der Regen den Staub von den D├Ąchern, Autos, Schildern, ... gesp├╝lt hat. Muss man vielleicht Grau-St├Ądter sein, um daran Geschmack zu finden. Ich finde den ├Ąu├čerlichen Hausputz durchaus treffend, assoziiert man mit einem solchen doch eher einen einsamen und arbeitsintensiven hinter verschlossenen T├╝ren.

zu 4: Warum sollte der dicke Junge erst erscheinen, wenn sich der Spielplatz gef├╝llt hat? Wieso ist er nicht das 4. oder 5. Kind? Wieso gibt es nicht die ersten Kinder, dann ihn und dann weitere? Leuchtet mir nicht ein.

und schlie├člich: W├╝rde sich ein "etabliertes", ein nicht dickes, geh├Ąnseltes Kind mit dem Aufsammeln von Abfall besch├Ąftigen, der Frau das Vorrecht "abbetteln", ihm dies Aufgabe zu ├╝berlassen? Und w├Ąre es stolz? W├╝rde es sich wichtig und gebraucht f├╝hlen, seine Leistung pr├╝fen und sich ├╝ber sie freuen?

Wie gesagt, klingt nach Unf├Ąhigkeit, Kritik anzunehmen.
Soll aber eher mein Unverst├Ąndnis ausdr├╝cken. Und deshalb w├╝rde ich mich durchaus ├╝ber weitere Einsch├Ątzungen freuen.

Gru├č, Karin




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Karin Berthold

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kostho3
Hobbydichter
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Hallo Karin!

Auch von mir ein Willkommen im gr├╝nen Leselupenland!

Mich haben die Regentropfen beim Lesen nicht gest├Ârt. Ich las die Geschichte rein empathisch. Du scheinst gern Menschen zu beobachten. F├╝r mich war dieser stumme Dialog zwischen dem Jungen und der Mutter glaubw├╝rdig. Kinder und nicht nur diese sind dankbar f├╝r ein L├Ącheln oder etwas Aufmerksamkeit. Auch wenn es in Deiner Geschichte nicht extra erw├Ąhnt wurde, ich sah sie am Schluss der Episode ebenfalls l├Ącheln.

Mfg

kostho der Dritte

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karin berthold
Autorenanw├Ąrter
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Hallo, ja, vielleicht l├Ąchelt sie, vielleicht wehm├╝tig. Vielleicht erschrickt sie auch, vor dem Jungen, vor sich selbst, vor dieser Stadt. Aber ganz sicher war es ein Zwischen-Spiel, f├╝r sie, f├╝r den Jungen, f├╝r die Stadt, falls es die interessiert.

Danke f├╝r deinen Beitrag
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Karin Berthold

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nofrank
???
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hallo karin,

jetzt habe ich auch ein wenig mehr ruhe. zuerstmal zu meinem kommentar, ob's jemand liest. das war nicht so gemeint, dass du dich gleich in aller ausf├╝hrlichkeit dranmachen solltest. eher ging's mir darum, abzuchecken, ob hinter der story eine ernsthafte person steht, oder jemand, der einfach nur sein zeug in den ├Ąther entlassen will. das hat hier gerade in letzter zeit ein wenig zugenommen, und ich habe einfach keine lust, f├╝r den papierkorb zu kommentieren.

so, jetzt aber zum text.

f├╝r eine kurzgeschichte ist es mir
a)ein wenig zu kurz, w├Ąre vielleicht besser in der kurzprosa aufgehoben, und
b) vom erz├Ąhlstil und spannungsbogen her zu erz├Ąhlungsartig (ausgehend vom klasischen kurzgeschichtenaufbau), aber das ist ja gro├čteils ansichtssache.
nur mal so als tipp f├╝r sp├Ątere texte: in der kurzprosa gibt es in der regel mehr (nicht notwendigerweise kompetenteres) feedback.

generell fand ich die story gut lesbar und auch fein konstruiert. sehr gut beobachtet und akkurat wiedergegeben. ein wenig habe ich den eindruck, du schreibst noch mit sicherheitsleine (ist nicht b├Âs gemeint), hauptsache korrekt ausgedr├╝ckt. die erz├Ąhlzeit f├╝hrt zu sehr gro├čer lesedistanz, das ist warscheinlich absicht, macht den text aber nicht gerade interessanter. es geht nicht um den aufbau von spannung, sondern einfach darum, n├Ąher an geschehen zu sein.

im gegensatz zu prosa fand ich den ersten absatz nicht ├╝berfl├╝ssig. vielleicht w├Ąre vereinzelte tropfen treffender um den regenrest zu beschreiben?

allerdings bin ich auch ├╝ber den hausputz der natur gestolpert. du erl├Ąuterst das ja auch noch, trotzdem f├Ąllt das bild irgendwie aus dem rahmen wegen der immanenten widerspruche: stadt ist nicht natur, selbstreinigung ist kein hausputz. was du ausdr├╝cken willst kommt aber r├╝ber.

desgleichen am ende, der punkt ist klar und die moral(?) der story auch, aber die wandlung des jungen ist etwas abrupt wie prosa das auch empfunden hat. entweder subtiler auf den abgang eingehen oder noch karger, beschreibender bleiben.

die mutter mit zeugs und kind ist sehr gelungen. auch der wortlose dialog hat mich ├╝berzeugt.

alles in allem schon ganz gut, aber noch verbesserungsw├╝rdig , sofern ich mir das erlauben darf. schlie├člich habe ich die weisheit ja auch nicht gepachtet. f├╝r einen erstling allemal beachtlich. so ohne referenz ist ja schwer zu beurteilen, was deinen stil so ausmacht.

hoffentlich ist's hilfreich.

liebe gr├╝├če
nofrank




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ÔÇ×Die Preisgabe der Diskretion im ├Âffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesbl├Âdigkeit")

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karin berthold
Autorenanw├Ąrter
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Hallo nofrank,

irgendwie scheint es tats├Ąchlich nicht r├╝berzukommen, wie das mit dem Hausputz gemeint ist. Die Natur, also der Regen, putzt die Nichtnatur, also die grauen H├Ąuser der Stadt - von au├čen; so wie die Natur, also der Mensch, die Nichtnatur, also das Haus - von innen. Aber so tiefsinnig erscheint es weit weniger spa├čig, nicht wahr?

F├╝r mich ist die "Wandlung" des Jungen keine, aber dazu hab ich ja schon etwas gesagt. Nur er, ein solcher Junge, kann so reagieren. Jedenfalls ist das meine Erfahrung.


Gru├č, Karin
__________________
Karin Berthold

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