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Leselupe.de > Kurzprosa
amnesie
Eingestellt am 26. 04. 2002 16:35


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margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
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amnesie


man hatte eine orientierungslose frau
in fĂŒrth aufgegriffen, die sichtlich
heruntergekommen vor der
tĂŒr des t-punkts lag
die schuhe musste man ihr von
den fĂŒĂŸen schneiden
ihre fußsohlen waren enthĂ€utet
zur selben zeit erschoß ein verrĂŒckter
drei menschen in einem erfurter gymnasium
und wartete auf seinen fall-down
durch ein spezialeinsatzkommando
nichts wird sein wie vorher, sagt
ein bĂŒrger und zerreißt
einen liebesbrief
im 3. stock des wohnblocks liegt ein
velassenes baby halbzugedeckt
in seiner wiege
und plÀrrt sich vor hunger die seele
aus dem leib
wÀhrend unten ein penner auf einer
parkbank in seiner kotze liegt
die sonne schein heute nicht
sie leidet unter amnesie

sie hat ihr scheinen vergessen

ich gehe in die nÀchste runde
unter mir rumort der erdkern
und rĂŒlpst zur erdkruste hoch
natĂŒrlich stĂŒrzen dabei ein paar hĂ€user
in venezuela ein
ein sĂŒdafrikanischer multimillionĂ€r
schwebt indessen in der umlaufbahn
und erfreut sich an der göttlichen kulisse
des blauen planeten
in meinem zimmer wird es dunkel
an der tastatur greifen meine finger daneben
wenn ich die musik abdrehe, höre ich
das rauschen der autobahn
ich möchte mich mit einem plakat auf
die autobahnbrĂŒcke stellen mit
der aufschrift:
„der wahnsinn fĂ€hrt weiter!“

kraftfahrer dÀmmern dahin hinter ihren
steuerrÀdern
ein sattelzug zerdrĂŒckt eine wagenkolonne
zu brei
und ein herumirrendes unfallopfer wird
von einem kotflĂŒgel geköpft
wir sammeln die leichen ein
jeder tag bringt den totalen
erinnerungsverlust
natĂŒrlich gehe ich wieder in den super-
markt und stelle meine abgestumpften
gefĂŒhle aufs laufband
die kassiererin schaut grimmig
als der oma vor mir ihre börse aus der hand gleitet
in zeitlupe sehe ich die mĂŒnzen herabsegeln
wÀhrend die kassiererin plötzlich einen
silbrig glÀnzenden smith and wesson colt
aus dem nichts hervorholt
und sich in den kopf schießt
hirn und blut spritzt
mir ins gesicht

wo bezahle ich jetzt mein bier? denke ich




__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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Sansibar
Guest
Registriert: Not Yet

Wohin?

Liebe Margot,
weiß Gott eine Frage die der Analyse bedarf. Du hast fleißig Nachrichten gehört - und das waren doch "nur" die Botschaften von heute. Was fĂ€ngst du mit den anderen Berichten an? Also ich, ich wĂŒrde das Bier auf jedem Fall bezahlen, ein bischen Anstand muß doch noch sein, oder?
Gruß und werde nicht ver rĂŒckt bei den vielen Botschaften,
die so ein Medium wie das Fernsehen rund um die Uhr ausspuckt.
Prost Sansibar

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margot
???
Registriert: Mar 2002

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nah am thema - trotzdem daneben

hallo sansibar, ich hörte nur radio, und die hÀlfte
meiner eingebauten aktionen erfand ich dazu.
es gab nie eine frau, deren fußsohlen enthĂ€utet wurden
- zumindest heute, außerdem wurde keinem unfallopfer
heute von einem kotflĂŒgel der kopf abrassiert und
zudem schreit in meiner nÀhe kein kind verhungernd
in seinem bettchen, und ich sah auch keinen penner
in seiner kotze liegen etc. .
außerdem durfte ich mein bier bezahlen heute abend
an der kasse, wahrscheinlich aus dem grunde, weil
der oma vor mir nicht die geldbörse runterfiel ...

ich gratuliere fĂŒr die sensible einschĂ€tzung meines gedichts.

noch gute trÀume
margot
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nally
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2001

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na gott sei dank, war das bier mit drin...

der text gefÀllt mir. vor allem deine umschreibung eines erdbebens. man sollte eine solche zusammenfassung jeden SO nach den nachrichten bringen.
__________________
"Ich werde nie aufgeben captain, denn ich will im Spiel der MĂ€chte weiter bestehen und meinen Vers dazu beitragen."
Club der toten Dichter

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margot
???
Registriert: Mar 2002

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hi nally

ich wĂŒnsche mir die erdbeben in den köpfen der menschen,
die selbstgefÀllig und abgestumpft in dem wahnsinn leben.
deswegen "amnesie". wir leben nicht nur in einer polit-
verdrossenheit sondern in einer lethargie - herbeigefĂŒhrt
durch medien- und informationsĂŒberflutung.
die dabei stattfindende verflachung der menschlichen
gemĂŒter ist thema meines gedichts. ich mittendrin -
will mich gar nicht ausnehmen. ich teile die unzufrieden-
heit mit, die ich spĂŒre. wenn wir uns nicht mit bier zu-
ballern, ballern wir uns mit allem möglichen anderen
scheißdreck zu - bis hin zum gegenseitigen abballern ...

was soll`s. weiter, solange der vorrat reicht.

margot

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nally
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ganz schön schei... einstellung
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