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Leselupe.de > Kurzgeschichten
and the oscar goes to
Eingestellt am 08. 03. 2014 09:56


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krokotraene
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Registriert: Feb 2013

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Die wichtigste Nacht im Jahr war angebrochen. Vor einiger Zeit erreichte mich ein Schreiben, dass ich heuer f├╝r den Oscar nominiert war. Mein Herz blieb fast stehen, w├Ąhrend ich den Brief immer wieder las. Gott, war ich aufgeregt. Nie und nimmer h├Ątte ich gerechnet, dass ich zu dieser Preisvergabe eingeladen werde.

"Ist ja noch lange nicht gesagt, dass Du auch so einen goldenen Gockel mit nachhause nimmst", ├Ąffte mein beleidigter Mann. Er f├╝hlte sich in seiner M├Ąnnlichkeit gekr├Ąnkt. Tagelang konnte er keine negative Bemerkung ├╝ber den doofen Oscar auslassen. St├Ąndig musste er an der Nacht der N├Ąchte rumn├Ârgeln.

Ich wollte bestens vorbereitet sein. Ich hatte mein sch├Ânstes Kleid aus den Tiefen meines Kastens hervorgekramt. Frisch gewaschen, geb├╝gelt und die verschlissenen Stellen m├╝hevoll gen├Ąht. Die Jahre waren ins Land gezogen und irgendwer musste den Stoff eingen├Ąht haben. Verdammt, ich zw├Ąngte mich mit M├╝he in mein altes Kleidungsst├╝ck und beschloss ab sofort auf Di├Ąt zu gehen.

Die Zeit der St├Âckelschuhe hatte ich schon lange hinter mir und mit drei Kindern wird auch jede Art von Sch├Ânheitsfarm weitl├Ąufig umfahren. Aber jetzt musste ich wieder einmal eine Neuauflage meiner ehemals jugendlichen Frische herausgeben. Mit zittrigen und abgearbeiteten H├Ąnden fingerte ich nerv├Âs an der auff├Ąllig roten T├╝rschnalle des "Versch├Ânerungsvereins".
Heraus kam ich als neue Frau. Am meisten musste ich lachen, als mein Mann nachhause kam. Ich stand am Herd. Perfekte Frisur mit neuer Haarfarbe, rot lackierte Fingern├Ągel, elfengleich geschminkt, eingeh├╝llt in einen bet├Ârenden Duft. Es war ein zauberhafter Anblick.

Fred blieb kurz stehen und stammelte: "Sch├Âne Frau, wer sind Sie?". Ich brach in schallendes Gel├Ąchter aus. Die Sch├Ânheitsfarmlady hatte volle Arbeit geleistet. Ich war stolz auf mich. Und Fred entdeckte an diesem Abend neuerlich seine Liebe zu mir. Es sollte eine unvergessliche Nacht werden. Die letzte Nacht vor der Oscarverleihung sollte sich in mein Hirn brennen.

Ich konnte nicht schlafen, die Aufregung hatte mich fest im Griff. Wieso eine ganz normale Hausfrau mit drei Kindern, Ehemann, zwei Hunden, vier Katzen, einem Meerschweinchen, einem Kaninchen sowie f├╝nfzig Fischen gerade f├╝r den Oscar nominiert war, blieb ein gut geh├╝tetes Geheimnis. Immer ├Âfter zweifelte ich an mir selbst. Sollte mein Mann recht behalten und ich kurz vor dem Zugriff zu dem, wie hat er gesagt, goldenen Gockel scheitern?

Meine H├Ąnde waren klitschnass, als mir der Fahrer die T├╝r der Limousine ├Âffnete und mich h├Âflich aus dem Wagen bat. Meine, in goldene St├Âckelschuhe - Leihgaben einer Freundin - steckenden F├╝├če, betraten den roten Teppich. Blitzlichtgewitter brach ├╝ber mich herein. Unz├Ąhlige H├Ąnde wurden mir entgegen gestreckt und ├╝berall erklang der Ruf nach einem Autogramm.

Mit stolz geschwellter Brust erreichte ich den wohl prachtvollsten Saal dieser Welt. Die Scheinwerfer tauchten die Szenerie in eigenartiges Licht. Mir wurde gleich in der ersten Reihe ein Platz zugewiesen. Der Abend begann.

Ein Oscar nach dem anderen fand seinen Besitzer. Unweigerlich schaute ich gelangweilt in die Runde. Mein Mann ging mir nicht aus dem Kopf, er sollte wohl recht behalten. Nagut, aber immerhin war ich nominiert. Das war doch auch schon etwas. Morgen w├╝rden die Zeitungen ├╝ber die dreifache Mutter mit dem Traum nach dem Griff zum Oscar berichten. Auch so w├╝rde ich ber├╝hmt werden.

Die Moderatorin stellte den n├Ąchsten Antrag auf eine Oscarvergabe und verlas:
"In der Kategorie: Hausfrau, Mutter und Ehefrau vergeben wir heuer erstmals einen Oscar. Herausragende Leistungen erbringen diese Menschen jeden Tag. Unerm├╝dlich opfern sie sich f├╝r ihre Familien und die gesamte Gesellschaft. K├╝mmern sich um die kleinen und gro├čen Probleme der Kinder. F├╝hren sie durch das Labyrinth des Schulwesens auf den harten Weg des Berufslebens. Sie geben ihre W├╝nsche, Phantasien und Tr├Ąume in eine Schublade, um sich um ihre Familien zu sorgen. Hilfreich zur Seite zu stehen und die Anderen nie zu entt├Ąuschen, diese Eigenschaften stellen sie ├╝ber ihre privaten Bed├╝rfnisse. All diese Frauen sind Helden. Ohne ihnen und ihrer Energie w├╝rde diese Welt nicht existieren k├Ânnen. Sie stellen jedes Staatsoberhaupt in den Schatten. Hochrangige Manager werden von ihnen an die Wand gespielt und sogar der Papst in die Jackentasche gesteckt. Es ist an der Zeit diesen unbeachteten, ja sogar missachteten, Menschen Anerkennung zu zollen. Als herausragendes Beispiel d├╝rfen wir heute einer dieser unerm├╝dlichen K├Ąmpfernaturen einen Oscar ├╝berreichen."

Es wurde spannend. Trommelwirbel setze ein. Die Lichteffekte unterstrichen diesen spannenden Moment. Mein Adrenalin schoss empor. In meinen Augen standen Tr├Ąnen, zu herzergreifend war diese Rede.

Die Moderatorin ├Âffnete and├Ąchtig und sorgsam den fest verschlossenen Umschlag. Behutsam nahm sie den Zettel aus dem roten Kuvert, stockte ganz kurz und setzte zu dem ber├╝hmtesten Satz dieser Nacht an.

"... and the oscar goes to...", sie hielt kurz inne, und setzte dann fort, "...to MADELEINE".

Vor lauter Schock fiel ich fast vom Stuhl und sp├╝rte feste Arme, die mich sofort auffingen. Ich wurde wie ein Cocktail gesch├╝ttelt. Von der B├╝hne h├Ârte ich abermals, diesmal wie aus einem weit entfernten Land, "Madeleine". Nochmals wurde mein Name aufgerufen. Ich wollte auf die B├╝hne st├╝rmen, meinen goldenen Mann entgegen nehmen, doch die starken Arme hielten mich fest umschlungen. Ich schlug wie wild um mich und h├Ârte eine m├Ąnnliche Stimme auffordernd: "Mach mal die Augen auf!"

Vorsichtig blinzelte ich in das anbrechende Tageslicht und starrte in die Augen meines Mannes. Da h├Ârte ich nochmals: "Sag Madeleine, was hast Du denn getr├Ąumt? Du w├Ąrst beinahe aus dem Bett gefallen!"

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