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Leselupe.de > Ungereimtes
apnotische nöte
Eingestellt am 25. 02. 2008 15:52


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Perry
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2004

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apnoetische nöte


immer enger wickelt die zeit
ihren seidenschal um deinen hals
und der engel mit den schwarzen augen
legt dir seinen finger auf den mund

du verharrst in atemloser stille
bis dir -endlich- bewusst wird
du brauchst nur weiter zu atmen
um ihn zu verscheuchen


Version vom 25. 02. 2008 15:52
Version vom 25. 02. 2008 16:10

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Haki
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Perry,

dieses Gedicht lässt bei mir nur eine Interpretation zu, diese ist aber irgendwie verbunden mit einer Inkonsistenz deiner Gedanken. Ich versuche mich zu erklären:

Die Zeit wickelt einen Schal, ein Stück Stoff um den Hals des lyr.Du, dies assoziiere ich mit dem Altern eines Menschen, dem die Zeit langsam die Kehle zuschnürt.
Auch der Engel mit den schwarzen Augen(schwarz als Farbe des Todes) suggeriert ein ohne Zutun des lyr.Du entstandenes Sterben, das noch nicht beendet ist.

Dann kommt sozusagen das belehrende, erkennende Ende, als das lyr.Du bemerkt, dass es bloß weiter atmen muss, um all dem zu entgehen. Heißt im Klartext, dass ich dem Tod entgehen kann, wenn ich weiteratme, aber irgendwann stibrt man doch immer.
Hier liegt der Widerspruch, den ich noch nicht beseitigen konnte. Das Problem denke ich liegt an dem Begriff der "Zeit", der eben die erste Strophe auf diese Weise erscheinen lässt.

Vielleicht kann dir das ja weiterhelfen...

Liebe Grüße,
Haki

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Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Grüß` dich, Perry!

Nun bin ich durch dein letztes Gedicht verwöhnt und deshalb noch anspruchsvoller geworden ...

immer enger wickelt die zeit
ihren seidenschal um deinen hals
und der engel mit den schwarzen augen
legt dir seinen finger auf den mund

du verharrst in atemloser stille
bis dir -endlich- bewusst wird
du brauchst nur weiter zu atmen
um ihn zu verscheuchen



Die erste Strophe finde ich sehr gelungen, die zweite arg holpernd. Und zwar stört mich das "bis dir - endlich - bewusst wird" und ein wenig auch der Rest. "Atmen" und "scheuchen" korrespondieren nicht sonderlich harmonisch, meine ich ...

Vielleicht fällt dir noch was Klangvolleres ein?

Liebe Grüße
Heidrun

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ENachtigall
Foren-Redakteur
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Das Gedicht hat zwei Akteure (Zeit und Engel) und einen Statisten (lyr. Du), Perry.
Du stellst sie ordnungsgemäß vor. Läßt sie handeln. Doch im vorgeschlagenen Happyend ignorierst Du einfach einen von ihnen; und zwar den Bösewicht schlechthin. Das geht so nicht.

Was ist mit der Zeit und ihrem eng gewickelten Seidenschal um den Hals des Atemlosen? Sie kann und wird ja nicht einfach gemeinsam mit dem schwarzäugigen Engel verscheucht durch ein Weiteratmen. Allenfalls mag sich die Wickelung etwas lockern durch dessen Abtauchen. Daher sind "endlich - bewußt" und "nur weiter atmen" in diesem Fall unpassende Verharmlosungen, die mit dem angestimmten Ernst des Gedichtes nicht in Einklang stehen. Immerhin setzt Du die apnoischen Aussetzer mit dem Bild des Todes gleich. Die Lebensbedrohung wird wegen der bleibenden Präsenz der seidenen Zeitfessel nicht aufgelöst. Daher kann ein Verscheuchen des Engels keine Lösung sein.

Warum bringt die Zeit ein strangulierendes Tuch? Es könnte ebensogut ein Trollnetz voller Strandgut vom Ufer des Lebens sein oder etwas ganz anderes.

Eine Apnoe ist ja keine Altersschwäche sondern eine Folge gewisser Ursachen.

Diesen Aspekten wird im Gedicht meines Erachtens nicht entsprechend Rechnung getragen. Daher überzeugt es mich (noch) nicht.

Dennoch ein ausbaufähiger Ansatz und eine Gedanken anregende "Geschichte".

Liebe Grüße von Elke

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Perry
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Hallo Elke,
danke für dein genaues Hinterfragen. Aus dem Titel kann man folgern, dass hier speziell die (Schlaf)Apnoe und nicht das Sterben allgemein beschrieben wird.
Ob man Lyrik, ähnlich wie in Romanen an den handelnden Personen festmachen kann, ist ein interessanter Aspekt. Da ich die Zeit hier als den personifizierten Atemstillstand verwendet habe, ist ihr Handeln für mich durch das Weiteratmen durchgehend beschrieben. Das Ende ist nicht belehrend gedacht, sondern eine naiv-ironische Zuversicht, die unbewusste Todesangst so verscheuchen zu können.
Soweit meine Intention, mit der ich aber deinen Eindruck nicht wiederlegen will, sondern lediglich für weitere Überlegungen zur Diskussion stelle.
Ich werde über deine Eindrücke gerne nachdenken.
LG
Manfred

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Haki
Guest
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Hallo Perry,

ich denke wirklich mittlerweile, dass besonders der Ausdruck "Zeit" hier sehr verwirrt, man denkt unweigerlich an Altern, an einen Prozess, der eben nicht dirket mit einer apnoe vereinbar ist, wie ich finde.
Dazu kommt das Argument von ENachtigall, dass die Zeit in der zweiten Strophe gänzlich vergessen wird.
Daher würde ich vielleicht vorschlagen das Gedicht auf zwei Akteure zu reduzieren. Den Engel und das lyr.Du. Der Engel wickelt nun den Schal um den Hals und legt seine Finger auf den Mund.
Dann wäre es in sich stimmig und eine einfache Lösung. Was denkst du?

Liebe Grüße,
Hak
i

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Perry
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Hallo Haki,
danke für dein intensives Auseinandersetzen mit dem Text. Natürlich hat Zeit durch ihr Vergehen etwas mit Altern zu tun. Mir geht es hier mehr um den unbewussten Vorgang des "Nicht mehr Atmens", den ich bildlich mit der Personifizierung der Zeit dargestellt habe. Ich werde aber gerne auch über deinen Vorschlag nachdenken.
LG
Manfred

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