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Leselupe.de > Kurzgeschichten
auf der suche
Eingestellt am 26. 07. 2002 12:02


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para_dalis
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Registriert: Jul 2002

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auf der suche
nach
gelb

ich wollte gelb sehen. stattdessen sah ich blau. oder war es eher gr├╝n? seit tagen war ich auf der suche nach einem bild. einem bild, indem ich dieses gelb entdecken w├╝rde. das gelb der freude, aber auch der w├Ąrme. ich fand es an einem mittwoch morgen. mittwoch, die mitte der woche. mittwoch, der tag der verabredungen. es war nicht einfach meine entdeckung beiseite zu legen und die verabredung, die ich an diesem abend eingegangen war, einzuhalten. das gelb des bildes begleitete mich und ich beabsichtigte, meine gedanken zu formulieren. ich wollte nicht in die wirklichkeit, die sich seit geraumer zeit zwischen rot, blau und schwarz bewegte. die mir starke emotionen, hoffnung aber immer wieder auch traurigkeit bescherte. gelb wollte ich sehen.
freude, gl├╝ck und w├Ąrme.
sagen Sie, wussten Sie eigentlich, dass gelb auch f├╝r neid und eifersucht, f├╝r geiz, egoismus und verlogenheit steht? ist Ihnen bereits bekannt, dass die negativen assoziationen daher r├╝hren sollen, dass der verr├Ąter Judas Iskariot beim abendmahl einen gelben mantel trug? doch auch das ist nicht eindeutig gekl├Ąrt. und alles was nicht eindeutig gekl├Ąrt ist, wird auch weiterhin verdr├Ąngt. weggeschoben. aufgehoben.
"was du heute kannst besorgen..." bla bla bla.
leeres geschw├Ątz.
paul mag mein zartgelbes shirt nicht.
"du nimmst dich darin so zur├╝ck, du solltest rot tragen" sagt er. und ich trug mittwoch abend rot. die farbe der liebe, der w├Ąrme und der leidenschaft.
wieso eigentlich rot bei der verabredung mit einem freund?
es geht der glaube, dass rot vor b├Âsen einfl├╝ssen sch├╝tzt. diese gefahr besteht bei meinem freund nicht.
"du bist auf dem richtigen weg." meinte er neulich eher beil├Ąufig.
rot, die farbe der macht. rot, anregend und appetif├Ârdernd. rot, auch die farbe der h├Âlle, des anr├╝chigen und des verbotenen. trug ich aus diesem grund rot? es war ein bordeauxrot, ├Ąhnlich pauls hemd, welches hinter meinem schrank auf federkern die heimkehr erwartete. bube, dame, k├Ânig, as. nichts sticht besser.
menschliche unzul├Ąnglichkeiten sind ausgeschlossen.
auf der vernissage mit paul trug ich schwarz.
"du fl├╝chtest dich in deine buchstabenwelt"
sagt mein freund.
"du verschwindest im gestr├╝pp der bites und bytes."
und ich spielte mit einer winzig kleinen raupe, die sich auf den nagel meines zeigefingers verirrt hatte. immer wieder glitt das gr├╝ne raupenetwas von meinem finger. ruckartig zog es sich zusammen und streckte sich wieder, im bem├╝hen vorw├Ąrts zu kommen. die kleinen raupenbeinchen fanden auf dem ebenen untergrund meines nagels keinen halt und nach geraumer zeit setzte ich das raupenbaby wieder zur├╝ck auf eine blume. es schien gl├╝cklich und suchte sich den gelben bl├╝tenkelch zum verweilen.
├╝ber unseren k├Âpfen drehte eine kleinbahn ihre runden.
und als ob sie anteil an den themen unseres gespr├Ąches nahm, blieb sie stehen, sobald ein folgenschwerer satz zu ende gedacht wurde. bedeutungsvolles schweigen schloss sich an.
ein fleischermeister entlud zehn uhr nachts mehrere blutige schweineh├Ąlften und die bleiche haut der toten h├╝hner schimmerte durchs zugabteil.
sollte ich die notbremse ziehen?
"du bist mager geworden, meine sch├Âne"
├Ąu├čert nachdr├╝cklich mein freund.
"bist du bereits jenseits der magischen f├╝nfundf├╝nfzig kilo grenze?" und seit langem schmeckte mir wieder einmal das abendessen. sp├Ąter, mit dem geschmack von amontillado auf vollen lippen und geruch von vanilletabak im haar, erz├Ąhlte er mir von einem maler, der nur belgische w├Ąlder in ├Âl auf segeltuch brachte und urpl├Âtzlich keinen pinselstrich mehr tat. welchen stellenwert hatte dieses motiv f├╝r diesen maler? warum w├Ąhlte er diese verhaltene w├╝rde und melancholie in seinen bildern? und warum legte er knapp drei├čigj├Ąhrig den pinsel zur seite?

am folgenden morgen fuhr ich wieder allein durch sattes gr├╝n und schnitt goldgelbene sonnenblumen vom feld in der n├Ąhe der backofenfelsen.

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