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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
austauschbar
Eingestellt am 16. 05. 2002 22:44


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Bernd
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Ich bin der austauschbare Mensch,
sitze am Morgen in der Stra├čen-
bahn, oder im Auto, oder im Bus.
Meine Freundin ist sch├Ân. Singen sie. Oder
mein Mann, mein Freund, meine Ehe-
frau. Ich esse, trinke, saufe, singe,
ich schlafe, warte, erwarte, alles,
nichts, wenigstens etwas. Die Pflau-
men in meinem Mus sind zerquetscht
oder zerbacken oder zerkocht. Die Pflaumen
in meinem Gehirn toben einmalig, einmal.
Ich stehe an der Drehmaschine,
Waschmaschine, Kaffeemaschine.
Der Balken in meines Nachbarn Auge
ist auch in meinem nicht.
Ich liebe die Natur und vergifte
die M├╝cken mit Spray und
spr├╝he Gift ├╝ber die Nachbarn,
auch sie sind M├╝cken. Die
rote Nase holte mir die Sonne
oder der Schnee oder ein Boxer,
auch dieser austauschbar, wie
auch ich, dem Schlamm entgegensinkend.


__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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willow
Guest
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Lieber Bernd,

ein wundervolles Gedicht ist dir hier gelungen, sehr sozialkritisch aber immer noch mit einem lachenden Auge bei harter Ironie. Sehr gut sind die Alternativen (Drehmaschine, Waschmaschine, Kaffeemaschine...), sie machen die Austauschbarkeit erst deutlich.

Meine Lieblingsstelle ist vor allem folgende:

"...warte, erwarte, alles,
nichts, wenigstens etwas..."

Wie ber├╝hrend das ausgedr├╝ckt ist. Erst die Erwartung an alles, dann an nichts und schlie├člich relativiert man zu einem "wenigstens etwas".

Ein wirklich sehr sch├Ânes, bedr├╝ckendes Gedicht.

Lieber Gru├č,

willow

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Bernd
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Danke, Willow, f├╝r den Kommentar.

Ich hatte das Gedicht noch leicht ├╝berarbeitet, bin aber nicht sicher, ob ich es "verschlimmbessert" habe.
Erst ging der Text so:


Ich bin der austauschbare Mensch,
sitze am Morgen in der Stra├čen-
bahn, oder im Auto, oder im Bus.
Meine Freundin ist sch├Ân. Oder
mein Mann, mein Freund, meine Ehe-
frau. Ich esse, trinke, saufe, kotze,
ich schlafe, warte, erwarte, alles,
nichts, wenigstens etwas. Die Pflau-
men in meinem Mus sind zerquetscht
oder zerbacken oder zerkocht. Die Pflaumen
in meinem Gehirn toben einmalig, einmal.
Ich stehe an der Drehmaschine,
Waschmaschine, Kaffeemaschine.
Der Balken in meines Nachbarn Auge
ist auch in meinem nicht.
Ich liebe die Natur und vergifte
die M├╝cken mit Spray und
spr├╝he Gift ├╝ber die Nachbarn,
auch sie sind M├╝cken. Die
rote Nase holte mir die Sonne
oder der Schnee oder ein Boxer,
auch dieser austauschbar, wie
auch ich.
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willow
Guest
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Hallo lieber Bernd,

du hast das "Singen sie!" herausgenommen, das finde ich gut, da es irgendwie neben dem Gedicht erschien. Es gef├Ąllt mir auch nach mehrmaligem Lesen gut und ich habe auch noch einige Anmerkungen, wenn du erlaubst.

In manchen Aufz├Ąhlungen w├╝rde ich die Austauschbarkeit noch ein wenig deutlicher machen. So zum Beispiel:

"...sitze am Morgen in der Stra├čen-
bahn, im Auto, im Bus..."

"Meine Freundin ist sch├Ân,
mein Mann, mein Freund, meine Ehe-
frau..."

und am Ende:

"...Die rote Nase holte (vielleicht eher "verpasste mir" da "holte" aktiv ist. Das scheint auf den ersten Blick interessant, allerdings hindert es meiner Meinung nach den Fluss) mir die Sonne, der Schnee (Wundervoll!!!) oder (hier das "oder" stehen lassen, weil es als einziges und letztes eine erh├Âhte Wirkung hat) ein Boxer..."

Und in der letzten Zeile w├╝rde ich das zweite "auch" streichen...und das Komma dann folglich vor dem "wie" wegnehmen.

Verzeih, ich zerpfl├╝cke dieses Gedicht ganz sch├Ân, aber ich finde es wirklich wundervoll und wollte meine Alternativen vorstellen. Vielleicht gef├Ąllt dir ja die ein oder andere Anregung. F├╝r mich ist es etwas Besonderes, weil es rhythmisch sehr schnell ist, hinweisend auf die kurze Lebenszeit, und dazu eine klare Botschaft enth├Ąlt, die mich anspricht.

Ganz lieber Gru├č,

willow

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Bernd
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Mit dem Singen bezog sich auf die Zeilen:

"Meine Freundin ist sch├Ân, als ich aufstand, ist sie gegangen", aus dem Film "Die Legende von Paul und Paula" - deshalb, weil das fast nicht mehr bekannt ist, habe ich es eingef├╝gt, es erschien mir dann aber auch daneben, neben dem Gedicht. Hier klicken

Das klingt unbedingt mit an - wenn man den Film oder das Lied kennt --- damit auch die Verkn├╝pfung zu Salomon (jegliches hat seine Zeit).

---

Mit den Punkten, dar├╝ber denke ich nach. Ich glaube, es w├╝rde zu viel, muss mich aber da erst einf├╝hlen. Der Punkt zeigt das jeweils Entg├╝ltige, die Abgeschlossenheit, Ausweglosigkeit, w├Ąhrend drei Punkte eine Hintert├╝r ├Âffnen.

Mit dem "holen" - das stimmt. Ich hole mir die "rote Nase" - es ist ein falscher gebrauch des Verbes, in der Umgangssprache ├╝blich,. "verpasste" w├Ąre inhaltlich besser, passt aber von Rhythmik und Lautung nicht richtig, denke ich.

Vielleicht: brachte, gab.

Das "auch" in der letzten Zeile kann ich in der ersten Fassung weglassen, in der letzten ginge es nicht, aber ich versuche eine Variante ...

---

Man erkennt auch wieder das Profil des Kopfes in der Form des Gedichtes.

---


Austauschbar

Ich bin der austauschbare Mensch,
sitze am Morgen in der Stra├čen-
bahn, oder im Auto, oder im Bus.
Meine Freundin ist sch├Ân. Oder
mein Mann, mein Freund, meine Ehe-
frau. Ich esse, trinke, saufe, kotze,
ich schlafe, warte, erwarte, alles,
nichts, wenigstens etwas. Die Pflau-
men in meinem Mus sind zerquetscht
oder zerbacken oder zerkocht. Die Pflaumen
in meinem Gehirn toben einmalig, einmal.
Ich stehe an der Drehmaschine,
Waschmaschine, Kaffeemaschine.
Der Balken in meines Nachbarn Auge
ist auch in meinem nicht.
Ich liebe die Natur und vergifte
die M├╝cken mit Spray und
spr├╝he Gift ├╝ber die Nachbarn,
auch sie sind M├╝cken. Die
rote Nase gab mir die Sonne
oder der Schnee oder ein Boxer,
austauschbar,
wie auch ich.

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