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Leselupe.de > Kurzprosa
betroffen
Eingestellt am 19. 11. 2008 02:37


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Odilo Plank
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2007

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betroffen; betroffen sein; Betroffene, der u. die: -n,-n; Betroffenheit, die; -
Das weiß der Duden, und ich weiß nicht mehr.
„Da bin ich aber echt betroffen.“ Auf die Hohlheit des Satzes haben Sprachkritiker lĂ€ngst hingewiesen.
Betreff: Betrifft: Das mag ein Verwaltungsangestellter verwenden. Es trifft einen höchstens, wenn es um Strafpunkte in Flensburg geht oder um sonst was sehr Unangenehmes.
Betroffenheitsliteratur? Da ziehe ich den BĂŒromenschen vor. –
Casablanca: Ich trat spĂ€t abends aus dem Haus, eindringlich gewarnt vor den Gefahren der Straße, weil mir der Tabak ausgegangen war. Ganz nah vor dem vielfach gesicherten Tor sah ich die junge Greisin, an einer Wand kauernd, an der welken Brust das nackte neugeborene Kind, beide nur Haut und Knochen.
Ich stand da, ratlos, unfÀhig, einen klaren Gedanken zu fassen. Mit der freien Hand streckte sie mir die Schale entgegen, und ich griff, mit Dummheit geschlagen, nach dem Geldbeutel. Sofort war ich weggedrÀngt, hatte zahllose KinderhÀnde vor mir. Dirham, schrien sie.
Ich schlug mich durch, war plötzlich unbehelligt, fand den Tabakladen.
Ich war bestĂŒrzt, hinterher, ratlos, traurig.
Betroffen war ich nicht.

"Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho und fiel unter die RĂ€uber. Sie plĂŒnderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen. ZufĂ€llig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter
 " Luk 10, 30-37
Der war echt betroffen.

__________________
Odilo P.
"Wer ĂŒber sein Leid spricht, tröstet sich bereits." A. Camus

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

es macht wenig sinn, lieber @odilo, echtes (oder vorgegebenes) sprachunverstĂ€ndnis zum gegenstand einer abhandlung zu machen. die bedeutungen, die "betreffen" und "betroffenheit" haben, lernen unsere schĂŒler, wie der jĂŒngste pisa-test ausweist, nicht nur in sachsen, sondern sogar in bayern und baden-wĂŒrttemberg.

pass auf - am einfachsten erklÀrst du dir's so, dass es vier gruppen menschen gibt: solche, die briefe schreiben, solche, die briefe kriegen, solche, denen es was ausmacht, was in denen drin steht, und solche, die nicht lesen können.

und schon weißt du immer, ob es jemanden betrifft, ob einer betroffen ist, ob sich einer betroffen fĂŒhlt oder ob ihm, so wie deinem priester, alles wurscht ist.

ganz einfach, oder? bis casablablanca muss man da nicht reisen.

lg

bluefin

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Kasper Grimm
Guest
Registriert: Not Yet

Betroffen wĂ€re er vielleicht gewesen, wenn er im Tabakladen festgestellt hĂ€tte, daß man ihm den Geldbeutel geklaut hat ;-)

Na, Spaß beiseite. Deine Überlegung, "betrifft" mit "betroffen sein" in etymologischen Zusammenhang zu bringen, hat mich ĂŒberrascht, habe ich doch selbst noch gar nicht daran gedacht. Und es stimmt. Stell Dir einen Brief vom Amtsgericht vor mit dem obersten Vermerk: "Betrifft den Straftatbestand in Ihrer Sache XY": da wĂŒrde Dich das "Betrifft" wie ein Blitzschlag betreffen - insofern völlig korrekt beobachtet.
Was den Betreff armer hungernder Kinder anbelangt, liegt die Angelegenheit wieder auf einer ganz anderen Ebene: auch hier Betroffenheit, die eher im Zusammenhang mit BestĂŒrzung steht - denn: das Betreffen hat VerwandschaftsverhĂ€ltnisse in verschiedene Richtungen.
Ich kenne auch eine Betroffenheit im ersten VerwandschaftsverhĂ€ltnis zur Wut: die Hungrigen dieser Welt stehen dafĂŒr ĂŒbrigens Pate.
LG Kasper

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

lieber @odilo, hier geht's hier um schlichte sprachkunde, nicht um theologisches (obwohl die meisten pfarrer in reinem amtsdeutsch predigen - wahrscheinlich hören ihnen deshalb immer weniger leute zu).

was dein text mit meiner person zu tun haben könnte, erschließt sich mir nicht recht. falls du den begriff "betroffenheitsliteratur" als meine wortschöpfung aufgefasst haben solltest, irrst du - es ist dies ein begriff, der uns allenthalben begegnet. die mutter aller betroffenheiten findest du Hier klicken.

lg

bluefin



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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
Kommentare: 10342
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Lieber Odilo,

Dir geht es hier um die Aushöhlung eines Wortes, denke ich. Sprache verĂ€ndert sich und so verĂ€ndern sich auch Wortinhalte.Manches Wort ist im Laufe von Jahrzehnten nur noch eine HĂŒlse dessen, was es einmal bedeutet hat.

Der Mann, der in den Tabakladen gehen wollte, hat sein Erlebnis verarbeitet. Er war bestĂŒrzt, ratlos und traurig. Das glaubt man ihm.
WĂ€re er betroffen gewesen, also hĂ€tte er die Sache so nah an sich herangelassen, dass sie ihn im Innersten berĂŒhrt hĂ€tte, dann hĂ€tte er möglicherweise sein Leben von jetzt nach gleich vollkommen verĂ€ndert. Es hĂ€tte ihm keine Ruhe mehr gelassen, er hĂ€tte nach Lösungen gesucht, wie er, und sei es auf dem kleinsten Nenner, etwas unternehmen könnte, um gegen diese Not anzukĂ€mpfen.

Der Mann in dem Lukasevangelium (diese Geschichte ist mir vertraut) war natĂŒrlich betroffen und zwar von vorn herein. Da war ein Angehöriger seines Volkes, dem er zur NĂ€chstenliebe sich durchaus verpflichtet fĂŒhlte, in Not geraten. Aber der jĂŒdische Priester redete sich in seinem Inneren darauf heraus, dass man am Sabbat nicht arbeiten darf, und so ließ er den Bedauernswerten liegen, obgleich, die Sache ihn betraf; und Jesus, der diese Geschichte erzĂ€hlt, wollte verdeutlichen, dass das Liebesgebot immer das allerhöchste Gebot ist.

Mir gefĂ€llt, wie Du diese beiden "Betroffenheitsgeschichten" zunĂ€chst in eine sprachliche Durchleuchtung verpackt hast. Aber fĂŒr mein Leseempfinden steht da auch in Deinem Text, dass das Liebesgebot das höchste aller Gebote ist.

Ich habe es gerne gelesen.
Liebe GrĂŒĂŸe
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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