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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
blind
Eingestellt am 28. 08. 2003 22:24


Autor
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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
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Fred hatte sich recht viel M√ľhe gegeben, die Fahrr√§der zu flicken, denn sie standen beide total platt im Hinterhof und nun war es an uns, sie zu testen. W√§hrend wir gestern den Uferweg am Rhein entlang in die linke Richtung nahmen, sollte es heute das rechte Rheinufer sein.
Wir waren schon geraume Zeit unterwegs und so recht wussten wir beide nicht mehr, wohin es weiter ging, als wir am Uferrand einen Mann mit seinem Hund gassi gehen sahen.
Wie ein √úberfallkommando st√ľrzten wir auf ihn los.
Ich √ľberh√§ufte ihn mit meinen Fragen, worauf er bereitwillig antwortete. Ob es weiter hinten eine F√§hre g√§be und ob es sich lohnen w√ľrde, dort weiterzufahren. Ob es landschaftlich sch√∂n w√§re, wollte ich noch wissen und er erk√§rte, dass dort ein Campingplatz sei und bis dort lohne es sich noch zu fahren.
Wir beschlossen, diese Reise noch anzutreten und unterwegs fragte mich Fred:
„Glaubst du, er wei√ü das alles?“ „Warum denn nicht?“ wollte ich von ihm wissen.
Hast du nicht auf seinem Arm diesen gelben Streifen gesehn, mit diesen drei schwarzen Punkten?“ Verdattert musste ich gestehn, das w√§re mir nicht aufgefallen und nun
muss ich immer noch daran denken, ob er tatsächlich blind war und ich behaupte:
„Er war es nicht!“

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Zwillingsjungfrau
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Feb 2003

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die drei schwarzen Punkte

stimmt, Anemone, deine Geschichte ist schl√ľssig. Die gelbe Binde mit den drei Punkten kann auch "stark sehbehindert" bedeuten. Dein Fred hat Unrecht mit seinen Zweifeln. Vielleicht war dieser Mann mit Hund tats√§chlich blind, das bedeutet doch nicht, dass ihm aus der Erinnerung fr√ľherer Zeiten das Bild noch so lebhaft vor Augen ist, dass er sehr wohl eine Streckenbeschreibung abgeben kann.

Auf jeden Fall bietet deine Geschichte Anlass zum Nachdenken. Schon das ist es wert, sie zu erzählen. Ich mag Geschichten, die mehrere Möglichkeiten offenlassen. Das ist doch das Schöne an diesen Texten, sie bieten mir die Möglichkeit, nicht nur zu lesen sondern weiterzuspinnen.
Ich finde deine Geschichte gut!!!

Die Geschichte mit der Pudelm√ľtze hebe ich mir f√ľr sp√§ter auf.

LG
Ingrid
__________________
Verantwortlich ist man nicht nur f√ľr das, was man tut, sondern auch f√ľr das, was man nicht tut.
Laotse

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
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Begegnung

Danke f√ľr deinen Kommentar, Zwillingsjungfrau.
Ich denke, du hast recht, er war nur stark sehbehindert
und ich habe es nicht bemerkt, weil er mir so normal vorkam.
Den Blinden und Tauben, denen ich bisher begegnete,
konnte man immer ihre Behinderung ansehen oder sie
sp√ľren. Bei diesem war das nicht der Fall.

Die Sprache ist dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu verbergen (Charles Maurice De Tallevrand)

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