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Leselupe.de > Ungereimtes
blindlings
Eingestellt am 20. 02. 2011 11:41


Autor
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Franke
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2009

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achtlos im staub
die leeren magazine
wei├č ich die leuchtspur
in die nacht
und dich
auf sp├Ąhtrupp
hinter den linien

ein treffer
und ich bin allein


__________________
Das Leben ist eine Krankheit der Materie (Thomas Mann)

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revilo
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atemlos im staub
die leeren magazine
spr├╝h ich die Leuchtspur
in die nacht und du
auf sp├Ąhtrupp hinter
den linien
bist mir treffer genug

LG revilo
is┬┤n v├Âllig anderer Text, is mir schon klar
hat mich aber zum Basteln angeregt

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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

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Hallo Franke,

mithilfe der Erl├Ąuterungen meines Mannes, der 16j├Ąhrig an der Front war, kann ich nun doch mit Deinem Text etwas anfangen.

Da sind zwei Sodaten. Das Gefecht, von dem noch die Patronenh├╝lsen Zeugnis geben, hat vor einigen Stunden stattgefunden. Jetzt herrscht erst einmal Ruhe. Und nur deshalb kann sich Dein Lyri Gedanken ├╝ber den Kameraden machen, welchen man als Sp├Ąher ein wenig ├╝ber die eigene Linie hinaus in das feindliche Gebiet ausgeschickt hat.

Denn mitten im Gefecht ist es so, dass man an ├╝berhaupt nichts denken kann, sondern immer nur versucht zu ├╝berleben. Es gibt nat├╝rlich auch Ausnahmen, unglaublich heldenhafte Menschen, so wie der Offizier, der sich auf meinen Mann geworfen hat und an seiner Stelle erschossen wurde. Ja, Helden gibt es wirklich.

Also hier bangt in einer Gefechtspause ein Soldat um seinen Kameraden und ich finde es gut, dass in der letzten Zeile auch ein Schimmer von An- sich- selbst- Denken mit aufleuchtet.K├Ąme der Kamerad nicht zur├╝ck, f├╝hlte sich das Lyri verlassen. Genau das macht Deinen Text f├╝r mich glaubhaft.

Vielleicht hast Du auch alles ganz anders gemeint. Das w├Ąre mir aber lieb, wenn Du mir das erkl├Ąren w├╝rdest.

Dies ist schlie├člich kein Thema, das man mal ebenso nebenbei behandeln kann und das hattest Du auch ganz bestimmt nicht vor. Deshalb sollte schon alles hieb-und stichfest sein, w├╝nsche ich mir jedenfalls.

Liebe Gr├╝├če
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Franke
Routinierter Autor
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Hallo Vera-Lena,

erstmal liebe Gr├╝├če an deinen Mann.
Es hat mich sehr an meinen Vater erinnert, als du mir seine Schilderung geschrieben hast. Mein Vater musste auch mit 16 an die Front, wurde dort verwundet und kam dann in russische Kriegsgefangenschaft.
Er war von diesen Erlebnissen so traumatisiert, dass er bis zu seinem Tod nie dar├╝ber gesprochen hat, obwohl ich ihn mit Fragen gel├Âchert habe. Er hat mich dann immer nur traurig angesehen und geschwiegen.

Jetzt zu meinem Gedicht:

Die Kriegsebene ist eine m├Âgliche Lesart. Allerdings m├Âchte ich dann in meinem Gedicht zum Ausdruck bringen, dass w├Ąhrend des Gefechtes durch blindw├╝tiges Schie├čen oft auch die eigenen Kameraden getroffen wurden. Sp├Ąhtrupps waren hier besonders gef├Ąhrdet, besonders auf dem R├╝ckweg.

Meine Intention beim Schreiben war allerdings eine andere:
Ich hatte hier die diversen Gefechte in einer Beziehung im Sinn. Das lyr.ich ist zur├╝ckgeblieben und hat einfach blindlings um sich geschossen, w├Ąhrend das lyr.du ging.
In diesem Moment wird im klar, was passieren wird, wenn er einen Treffer gelandet hat in seinem W├╝ten. Er wird alleine sein.

Ich hoffe, dass ich etwas Klarheit in mein Gedicht bringen konnte.
Aber auch deine Lesart liegt mir sehr nahe, macht mich aber traurig, weil sie Erinnerungen an meinen vor langer Zeit verstorbenen Vater zum Vorschein bringt.

Liebe Gr├╝├če
Manfred
__________________
Das Leben ist eine Krankheit der Materie (Thomas Mann)

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Vera-Lena
Routinierter Autor
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Werke: 671
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Hallo Franke,

jetzt bin ich ├╝berrascht.

Ich bin eben eine andere Generation, welcher der Krieg auch nach 66 Jahren immer noch in den Knochen liegt. Nie w├Ąre ich darauf gekommen, wenn von Patronenh├╝lsen und dem Sp├Ąhtrupp hinter den Linien die Rede ist, dass es sich um etwas Anderes als Krieg handeln k├Ânnte. Es tut mir Leid, wenn ich Deine traurigen Erinnerungen aufgeweckt habe.

Nun also

Es handelt sich um ein Geschehen im zivilen Bereich. Ja, da kann es schon vorkommen, dass man verbal unter die G├╝rtellinie trifft und das k├Ânnte dann tats├Ąchlich das Ende einer Beziehung zur Folge haben. Es erinnert mich an Menschen, die ein cholerisches Temperament besitzen. Sie schaffen es sehr oft nicht, sich zu beherrschen und verlieren immer wieder die Menschen, die sie am liebsten um sich h├Ątten.

Nun ja, ich verstehe jetzt, was Du sagen m├Âchtest, kann mich aber f├╝r den Text nicht so richtig erw├Ąrmen, weil ich wie oben beschrieben, durch die Wahl Deiner Vokabeln zu sehr auf ein Kriegsgeschehen fixiert bin. Das kannst Du sicher verstehen.

Mein Mann bedankt sich herzlich f├╝r Deine Gr├╝├če und m├Âchte Dir auch sein Bedauern aussprechen f├╝r das, was Deinem Vater zugesto├čen ist.

Liebe Gr├╝├če
Vera-Lena


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Dominik Klama
???
Registriert: Nov 2008

Werke: 40
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Ich bin nicht angetan von diesem Gedicht.

Im Gegensatz zu anderen Rezensenten schien mir von Anfang an offenkundig, schon als ich einzig den Werktext durch die Mail ├╝bers gek├╝rte "Werk des Monats" kannte, dass es sich prim├Ąr um keinen Kriegs-, sondern um einen Beziehungstext handelt.

Ich mag das nicht, diese leichtfertige Gleichsetzung von Partnerschaftskonflikten mit Kriegserfahrungen. Insbesondere, wenn W├Ârter wie Sp├Ąhtrupp, Magazine, Linien, Leuchtspur, Treffer durch ihre H├Ąufung die eher oberfl├Ąchliche Metaphernebene "Krieg" verlassen und auf ganz harte Kriegsfakten verweisen, mich (vielleicht irrt├╝mlich) besonders an den h├Âllischen Grabenkrieg im Ersten Weltkrieg erinnern, wie man ihn (zwar immer noch verharmlosend, aber doch recht anschaulich) in Filmen wie "Mathilde - Eine gro├če Liebe" (Jean-Pierre Jeunet) und "Gef├Ąhrten/War Horse" von Steven Spielberg sich zu Gem├╝te f├╝hren kann.

Unbenommen bleibt, dass unangemessenes Austragen von Konflikten zwischen Einzelmenschen zu h├Âchst desastr├Âsen und schmerzhaften Erfahrungen f├╝hren kann, welche im Einzelfall "genauso wie" ein m├Ârderisches Gemetzel erlebt weden k├Ânnen. Dennoch gibt es hier eine Inkommensurabilit├Ąt des Vergleiches, weil Kriege wie jener Erste Weltkrieg Millionen von Einzelmenschen vernichtet und verheert haben - f├╝r nichts. Leute, die es sich nicht aussuchen konnten, ob sie sich am Krieg beteiligen oder nicht. Dazu noch ausgedehnte Regionen unbewohnbar gemacht haben auf Jahre hinaus. (Was tats├Ąchlichen Millionen von Menschen k├Ârperlich widerf├Ąhrt, hat eine andere Qualti├Ąt als etwas, was nur zwei Menschen seelisch widerf├Ąhrt.)


Andere Ebene. Literarisch, sprachlich:
Wenn ein Gedicht sich weder reimt noch den starren Regeln eines klassischen Verma├čes gehorchen muss, so erwarte ich, dass es keinerlei sprachliche Holprigkeiten darin gibt. Insbesondere st├Âren mich solche, wenn das Gedicht kurz ist.

"Achtlos" k├Ânnen nur Menschen (allenfalls Tiere vielleicht noch) sein. Achtlos k├Ânnen also weder Magazine noch eine Leuchtspur sein. Gesagt werden soll wohl: Die Magazine liegen im Staub, aber ich achte l├Ąngst nicht mehr auf sie. Das steht aber nicht da. Eher schon steht da: Ich wei├č sie achtlos im Staub. Was ich aber auch wieder f├╝r ein Zuviel an Sprachbeugung halte in einem Text, der doch auf einem alltagssprachlich zeitgen├Âssischen Level operiert, nicht auf einem lyrisch verquasten.

Dann das "wei├č". Sch├Ân, wortspielm├Ą├čig kann man da die Farbe mit anklingen h├Âren. Aber zuerst einmal muss es doch irgendwie stimmen mit "ich wei├č". "Ich wei├č achtlos im Staub die Magazine"? Geht nicht, weil a) Magazine nicht achtlos sein k├Ânnen, b) der Terminus "wissen" unangemessen ist, wenn in direktem Zusammenhang behauptet wird "ich gebe ├╝berhaupt nicht Acht darauf". Da w├Ąren "f├╝hlen" oder "sp├╝ren" besser.

Was ist mit der Leuchtspur? "Ich wei├č die Leuchtspur..."? Klingt seltsam, aber ginge, wenn es passend weiterginge. Ich wei├č die Leuchtspur abgesunken ins Dunkle - oder so was. Da stehen tut aber: Ich wei├č die Leuchtspur in die Nacht. Was soll das? Ist das Ausl├Ąnderdeutsch? (Wie es ein Ernst Jandl teilweise bewust eingesetzt hat in seinen Gedichten.) Mit "in die Nacht", also Akkusativ, Richtungsangabe, ginge ja nur: Ich weise die Leuchtspur in die Nacht. Aber so eine Falschrechtschreibungswortspielerei bin ich nicht bereit in ener Kriegsszene zu akzeptieren.

Richtig w├Ąre: Ich wei├č die Leuchtspur in der Nacht und dich hinter den Linien.

Die abschlie├čenden beiden Zeilen sitzen zwar auf dem Punkt, runden das Ganze klanglich auch sehr sch├Ân ab, jedoch reichen sie leider nicht hin, um das vom Autor Beabsichtigte (und unn├Âtigerweise seinen Lesern sp├Ąter Auseinandergesetzte) zu vermitteln. Es fehlt irgendein Hinwes darauf, dass es das lyrische Ich ist, welches den Schuss abschie├čt, der das Du triftt. Der Leser kann genauso gut glauben, eine dritte Gewalt habe das "du" getroffen, was bei der Bildlichkeit Krieg ja nahe liegt. Und von daher kommen dann auch die Fehlinterpretationen, dass es sich bei dem Text um eine irgendwie realistisch gemeinte Kriegserlebnislyrik handeln w├╝rde.

Aber wenn es eine solche w├Ąre... Wo ist eigentlich dieses staubige Land? L├Ąnder, die ich kenne, sind erdig, zementiert, matschig, lehmig, rutschig, wie zu Stein geforen, schneebedeckt... "Staubig" sind die Gefilde immer nur in klassicher Lyrik. "Und g├Ąlt' es auch, in Staub zu sinken / zu hauchen aus den Odem mein / ich n├Ąhm es auf mich..." ├ähm, am Reim mangelt es mir gerade, das Zitat habe ich erfunden - und ich bin ja kein Lyriker.
__________________
14.11.2015 Forum Lupanum Threads H├Âhe Zeit Aufkl├Ąrung Verteidiger: Es ist genug.

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