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Leselupe.de > Ungereimtes
brechen gebrochen
Eingestellt am 25. 10. 2011 18:11


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Walther
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brechen gebrochen


er brach den stab
und das gebrochne lag / so schwer auf seinem rĂŒcken
und die lasten / die tĂŒrmten sich und waren hart
ein hasten / nicht ruhen war in seinen gesten
tag // und nacht verbrachte er die stunden
rasten / ertrÀumte er so schwer wie schlaf
der schlag / der kirchturmuhr erschien ihm als vertrag /
die lebzeit abzuzÀhlen
und ein tasten // verstohlen nach der wÀrme in der kÀlte /
wars nicht vergebens
denn die einsamkeit / erfĂŒllte ihn mit schmerz
der sich gesellte // zum brechen und zu dem gebrochen werden /
es wurde endlich zeit fĂŒr ihn
bereit / sich auszuruhn
ein enden der beschwerden //

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 25. 10. 2011 18:11
Version vom 26. 10. 2011 14:25

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Vera-Lena
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Lieber Walther,

das ist eine gute Idee, die SĂ€tze leicht lesbar zu machen und trotzdem durch "/" die Sonettform zu verdeutlichen.

Mein Vorschlag wĂ€re, trotzdem das Sonett noch einmal in seiner Sonett-Form unter das jetzige Gedicht zu setzen, sonst kriegt man nur schwer mit, wie Du es eigentlich gemeint hast. Aber vielleicht wartetst Du ja auch auf die Kenner, die es in der LL durchaus gibt, und die dann doch auch ohne diese UnterstĂŒtzung die Sonett-Form herauslesen.

Inhaltlich ist es ein Text, bei dem ich mir unsicher bin, ob ich ihn in Deinem Sinne verstehe.

Mir drĂ€ngt sich zunĂ€chst Folgendes auf: Den Stab bricht das Lyri hier anscheinend ĂŒber sich selbst und was dabei herauskommt, lastet schwer auf seiner Seele. (Sollte ich hier schief liegen, passen auch die folgenden Gedanken nicht.)

So quÀlt es sich dann mehr oder weniger durch sein Leben, empfindet vorrangig KÀlte und Einsamkeit und sehnt das Ende der Lebenszeit auf Erden herbei.

Am Ende wird noch erwĂ€hnt dass auch andere den Stab ĂŒber das Lyri gebrochen haben "gebrochen werden", was das Leidensmaß dann endgĂŒltig voll gemacht hat.

Ganz persönlich fÀllt mir dazu die Zeit ein, in der ich ein Jahr lang mit lebenslÀnglich mÀnnlichen Gefangenen gearbeitet habe. Sie fanden es unmenschlich bei einem ihrer MithÀftlinge, dass er nicht begnadigt wurde nach 15 Jahren, denn sein Vergehen war aus ihrer Sicht nicht so schwerwiegend gewesen.

Ich konnte mich in ihre Situation nie wirklich ganz hineindenken, denn es ist mir immer wieder gelungen, selbst diese Menschen in unseren Arbeitstunden zum Lachen zu bringen. Trotzdem..... wenn ich Deine Zeilen so lese, wie ich es Dir eben beschrieben habe, wĂŒrden sie gut auf diese Menschen zutreffen, möglicherweise auch auf depressive Menschen, deren Zahl in Deutschland in der letzten Zeit erschreckend angestiegen ist.

Danke fĂŒr diesen Text, der mit wenigen Worten sehr eindringlich das Leiden auf Erden, das ja letzten Endes niemandem in GĂ€nze erspart bleibt, beschreibt. An irgendeiner Stelle wird sich jeder Leser wiederfinden, denke ich. Allerdings legen sich Menschen heutzutage immer geschickter VerdrĂ€ngungsechanismen zu, um ein Leid gar nicht erst an sich herankommen zu lassen.

Also, so lese ich das. Ich bin gespannt, wie andere es sehen werden.

Ganz liebe GrĂŒĂŸe
Vera-Lena




__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Walther
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das sonett

er brach den stab und das gebrochne lag /
so schwer auf seinem rĂŒcken und die lasten /
die tĂŒrmten sich und waren hart ein hasten /
nicht ruhen war in seinen gesten tag //
und nacht verbrachte er die stunden rasten /
ertrÀumte er so schwer wie schlaf der schlag /
der kirchturmuhr erschien ihm als vertrag /
die lebzeit abzuzÀhlen und ein tasten //
verstohlen nach der wÀrme in der kÀlte /
wars nicht vergebens denn die einsamkeit /
erfĂŒllte ihn mit schmerz der sich gesellte //
zum brechen und zu dem gebrochen werden /
es wurde endlich zeit fĂŒr ihn bereit /
sich auszuruhn ein enden der beschwerden //
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Walther
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Walther
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Lb. Vera-Lena,

in der Tat geht es hier um Brechen und Gebrochen werden. Ich erinnere mich da an das Wort des "Einreitens", verwandt fĂŒr die Kinder, den Lehrling, den Rekruten, die Hure. Hier wird das Kreuz gebrochen, der Stolz, die Person.

Wie gern bricht man den Stab ĂŒber andere? Und wie schwer wiegt dieses Überheben, wenn die Rechnung, sei es innen oder außen, ausgeglichen wird? Fragen, Fragen, Fragen.

Und, ja, es gibt die Depression, die Ausweglosigkeit, das Davonlaufen, das Burn-out.

Ich habe versucht, mit wenigen Bildern solche SeelenrĂ€ume aufzuzeigen; ausgestalten darf und kann sie der Leser. Textkollagen dieser Art sind nicht "fertig" - im Sinne von zu Ende erzĂ€hlt -, sie sind die Aufforderung zum Dialog mit dem Text, mit sich, mit anderen, die diesen Text gelesen haben und die man, wenn man sich treiben lĂ€ĂŸt, finden könnte - wenn man das will.

Danke fĂŒr Deine Überlegungen und Deinen Hinweis, den ich oben umgesetzt habe.

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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