Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
62 Gäste und 0 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
calanie und QueQue
Eingestellt am 23. 01. 2002 21:41


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

Werke: 27
Kommentare: 399
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um majissa eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Konstruktive Kritik ist mir immer willkommen!


Calanie und QueQue

Als unsere Sonja ihren Andr├Ę heiratete, nahmen wir auch Calanie und QueQue mit in unsere Familie auf. Das geschah ganz automatisch, so wie die Beigabe von Proben beim Erwerb eines Parfums. Damals im Eifer der Vorbereitungen f├╝r das Fest hatte ich von ihrer Existenz nicht die geringste Ahnung. Am Tag der Hochzeit waren Calanie und QueQue unp├Ąsslich, weshalb ich sie erst viel sp├Ąter kennenlernte. Eigentlich besuchte uns Calanie zuerst, was auch ganz gut war, denn im Nachhinein stellte sie f├╝r mich gewisserma├čen eine Eingew├Âhnung auf QueQue, ihren gr├Â├čeren Bruder, dar.

Wenn ich an Calanie und QueQue denke, aus der Distanz, kommen mir Begriffe wie ÔÇ×Gr├Â├čeÔÇť und ÔÇ×AnmutÔÇť in den Sinn. Wenn sie in meiner N├Ąhe sind, dr├Ąngt sich mir ein weiterer Begriff auf, der nicht eher aus meinen Denken verschwindet, bis wieder eine angemessene Distanz entstanden ist: ÔÇ×Furcht.ÔÇť

Eines Tages, kurz nach der Hochzeit, besuchte uns Calanie zum ersten Mal. Sie sagte nicht viel. Im Grunde gab sie keinen Ton von sich. Stumm stand sie neben dem Sofa und schaute mir unentwegt in die Augen. Ihre Haut war makellos, hatte die Farbe von dunklem Weizen und schimmerte dort, wo sie sich straff ├╝ber einen Muskel spannte, etwas heller. Ihr Haar war kurz, glatt und gl├Ąnzend. Auf dem R├╝ckgrat wuchs es in Gegenrichtung, was mich verwirrte weil es die einzige Stelle an Calanies K├Ârper war, die stumpf wirkte.

Calanie stand neben unserem Sofa, wie die Natur sie geschaffen hatte. Nackt, sch├╝chtern und mit traurigen Augen. Seit sie ein Kind war, schlug jeder Versuch, sie in ein Kleidungsst├╝ck zu h├╝llen, fehl. Schlie├člich gab man auf und lie├č sie so, wie sie war. Sie schien sich ihrer Nacktheit nicht zu sch├Ąmen. Einzig die Scheu vor uns und der fremden Umgebung hinderte sie daran, sofort durch alle R├Ąume zu laufen und die neuen Eindr├╝cke gierig in sich aufzunehmen. Denn das war, sobald sie ihre Angst ├╝berwunden hatte, stets ihr vorrangiges Ziel. Seltsamerweise war es nicht Calanies Nacktheit, die mich st├Ârte. Die trug sie mit der erstaunlichen Selbstverst├Ąndlichkeit derer, denen Begriffe wie Scham und Anst├Â├čigkeit fremd waren. Was die unaussprechliche Furcht in mir ausl├Âste, war Calanies Gr├Â├če, die mich zuerst an einen Flaschengeist denken lie├č und sp├Ąter an einen gutm├╝tigen Riesen, der - wenn auch nur versehentlich - einen Menschen unter seinem m├Ąchtigen Fu├č zermalmt. Wenn ich an Calanie vorbei mu├čte, und das geschah oft, weil sie meistens direkt vor der K├╝chent├╝r stand, hielt ich den Atem an, damit sie meine Angst nicht wahrnahm. Mit klopfendem Herzen stahl ich mich an ihr vorbei. So wie man sich nachts auf dem Heimweg an einer Horde betrunkener Rocker vorbeischleicht, in der Hoffnung, da├č man mit der Dunkelheit verschmilzt und unbemerkt bleibt. Dann warte erst, bist du QueQue gesehen hast, verriet mir Sonja und lachte angesichts meiner allzu offensichtlichen Beunruhigung. Mir war bereits damals klar, da├č ich QueQue nicht kennenlernen wollte.

Irgendwann und zu meinem gro├čen Bedauern legte Calanie ihre anf├Ąngliche Scheu ab. Ich merkte es daran, da├č mich ihr bernsteinfarbener Blick neugierig ├╝berall hin verfolgte. Auch hielt sie nicht wie bei ihrem ersten Besuch Abstand zu unserem Sofa, sondern sprang mit der Freude eines Kindes in die weichen Kissen. Mir fr├Âstelte bei dem Gedanken, sie k├Ânne die von mir streng aufrechterhaltene Distanz pl├Âtzlich ├╝berwinden und ihren Flaschengeistk├Ârper in meine Richtung bewegen. Genau das geschah aber und wahrscheinlich bin ich selbst daran schuld. Es machte mir n├Ąmlich gro├čen Spa├č, Calanie anzustarren, ihre Anmut aus der Ferne zu bewundern. Fast alles, was mich ├Ąngstigt, fasziniert mich zugleich und Calanie bildete da keine Ausnahme. So kam sie also irgendwann auf mich zu, zuerst z├Âgerlich und dann mit den zielstrebigen Schritten eines Reisenden, der seinen Zug nicht vers├Ąumen will. Sich so n├Ąhernd, f├╝llte sie bald mein gesamtes Sichtfeld aus, wurde gr├Â├čer und gr├Â├čer, w├Ąhrend mein Herz wilde Trommelschl├Ąge vollf├╝hrte. Schlie├člich blieb sie vor mir stehen in ihrer atemberaubenden Nacktheit und sah mich an. Dann beugte sie ihren Kopf zu mir hinunter und ber├╝hrte mein Gesicht. Sch├╝chtern und sanft strich sie mit ihrer weizenfarbenen Haut ├╝ber meine blutleeren Wangen. Starr vor Angst wagte ich weder, mich der Ber├╝hrung zu entziehen, noch sie zu erwidern. Calanie empfand etwas f├╝r mich. Die Art Zuneigung, die nur aus einer lang gewahrten Distanz heraus entsteht.

Einmal sprach ich Andr├ę auf die Nacktheit von Calanie und QueQue an, und warum er sie nie an Kleidung gew├Âhnt hatte. Andr├Ę schmunzelte. Fast dachte ich, er wolle mir die Antwort vorenthalten. Nicht, da├č es mich gest├Ârt h├Ątte, einen nackten K├Ârper zu sehen, insbesondere, wenn er so anmutig und perfekt anzuschauen war wie der von Calanie. Doch Andr├ę fand mein Frage eigenartig und musterte mich mit belustigten Blicken, bevor er zu einer Erkl├Ąrung ansetzte. Calanie und QueQue stammen aus Afrika, begann er, und bereits ihre Vorfahren waren, soweit ich wei├č, ihr Leben lang nackt. Aufgrund der klimatischen Bedingungen und ihrer haupts├Ąchlichen Besch├Ąftigung mit der L├Âwenjagd w├Ąre, so schlo├č er seine Erkl├Ąrung ab, Kleidung mehr als hinderlich gewesen. Au├čerdem, f├╝gte er nachdenklich hinzu, leidet QueQue seit geraumer Zeit an l├Ąstigen Geschw├╝ren. Den Kontakt mit Stoffen w├╝rde er einfach nicht ertragen.

L├Âwenjagd also, dachte ich entsetzt, als ich eines Tages nach Hause kam und neben Calanie auch zum ersten Mal QueQue auf unserem Sofa vorfand. QueQue machte sofort einen gem├╝tlichen Eindruck auf mich. Eingebettet in ein breites Gesicht lagen gutm├╝tige, aber wachsame Augen. Anders als Calanie, sprang er freundlich zur Begr├╝├čung auf, wollte mich umarmen und als neues Mitglied der Familie willkommen hei├čen. QueQue war alles andere als sch├╝chtern. Er betrachtete die Welt auf unbefangene Art. Deshalb wunderte er sich ├╝ber meine eigene Befangenheit, die jedoch nur aus seiner Gr├Â├če resultierte, die jene von Calanie um einiges ├╝bertraf. Wenn er ├╝ber den Boden schritt, erzitterten die Gl├Ąser in den K├╝chenschr├Ąnken. Redseliger als seine Schwester, gab er brummend seine Kommentare zum besten, die wie das dumpfe Grollen eines sich tief unter der Erde ank├╝ndigenden Erdbebens klangen. QueQues Haut war von einem roten Weizenton, dunkler und rauher als der seiner Schwester. Auch er trug den seltsamen Streifen stumpf wirkender Haare auf dem R├╝cken, der sich der Wuchsrichtung entgegen, trotzig vom Nacken bis zum Stei├čbein zog.

Nun hatte ich zwei Flaschengeister zu Gast. Angestachelt vom Temperament ihres Bruders bedachte mich auch Calanie mit liebevoller Aufmerksamkeit. Flankiert von beiden Seiten mit einer ├ťbermacht an Gr├Â├če und Z├Ąrtlichkeit verbrachte ich den Rest des Abends in einer Art Starre und dem st├Ąndigen Gedanken an die L├Âwenjagd in fernen Afrika. Weder nahm ich Calanies Kopf auf meinem Scho├č noch QueQues Nase unter meiner Achselh├Âhle wahr.

Viel sp├Ąter, als ich aus der Angsttrance erwachte und mich meinem Schicksal ergab, wagte ich das erste Mal, Calanie und QueQue zu ber├╝hren. Langsam und vorsichtig streichelte ich ihre K├Âpfe, ber├╝hrte die samtweiche Haut ihrer K├Ârper und strich mit den Fingern ├╝ber den seltsamen Streifen falsch wachsender Haare auf dem langen afrikanischen R├╝ckggrat.

Als unsere Sonja ihren Andr├Ę heiratete, nahmen wir Calanie und Queque automatisch in unsere Familie auf. Bald m├Âchte Calanie eine eigene Familie gr├╝nden. Wir werden auch ihre Kinder in unsere Familie mit aufnehmen. Vielleicht werden sie nicht ganz so gro├č wie ihre Mutter. Doch selbst wenn, werde ich den Wunsch nicht los, einen der kleinen Welpen zu mir zu nehmen, seine kleinen Flaschengeistpfoten mit dem Gesicht zu ber├╝hren und den stumpfen Rodesian-Ridgeback-Streifen auf dem R├╝cken aus n├Ąchster N├Ąhe zu betrachten.







Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
zu

erst einmal herzlich willkommen auf der lupe. eine sehr nette geschichte haste da geschrieben. ja, vor einem gro├čen hund kann man unter umst├Ąnden schon ehrf├╝rchtig in die knie gehen. aber verrat mir doch mal die rasse deiner beiden prachtexemplare, w├╝rde mich sehr interessieren. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

Werke: 27
Kommentare: 399
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um majissa eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
calanie und queque

hallo flammarion,

danke f├╝r deinen kommentar. sch├Ân, da├č jemand etwas zu meiner geschichte schreibt, bevor sie ganz im sande verl├Ąuft.
die hunde geh├Âren nicht wirklich mir, was auch ganz gut ist, denn ihre gr├Â├če macht mir immer noch zu schaffen.
die rasse hei├čt rodesian ridgeback und den charakteristischen r├╝ckenstreifen nennt man "ridge".

ganz liebe gr├╝├če zur├╝ck
majissa

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
aha.

von der rasse hab ich noch nie was geh├Ârt, sie d├╝rfte also in deutschland recht selten sein. m├Âchte nicht wissen, was so n gro├čer hund t├Ąglich fri├čt! ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

Werke: 27
Kommentare: 399
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um majissa eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
calanie und queque

hi flammarion,

die rasse ist in deutschland weniger vertreten. hier gibts ja auch zu wenig l├Âwen zum jagen ;-)

was die hunde t├Ąglich fressen?
1 - 2 ├Ąngstliche menschen...

versuch es doch mal unter Hier klicken

liebe gr├╝├če
majissa

Bearbeiten/Löschen    


schwafelfasel
Guest
Registriert: Not Yet

Unklarheit


Nackte Hunde - na und? So weit ich wei├č, bilden bekleidete Hunde eher die Ausnahme zu der Regel.

Schwafel

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!