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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
damals, Kindheit in der Nazizeit
Eingestellt am 30. 09. 2003 00:00


Autor
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Dannmalmut
Bl├╝mchendichter
Registriert: Sep 2003

Werke: 5
Kommentare: 4
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Versuch einer Biographie:
Als Legastheniker, kann ich nur mit Rechtschreibfehler schreiben.
m├Âchte aber versuchen, trotz des Handikaps etwas aus meiner Kindheit in der Nazizeit zu erz├Ąhlen.
Meine Kindheit, l├Ą├čt sich am besten mit einem Gedicht von Klaus Lenuweit darlegen:
--------------------------------------------
Du warst schon als Kind
eine Null
ungeliebt,
ungewollt,
viel zu d├╝nn,
die F├╝├če zu gro├č
Ja, du warst schon als Kind Beachtungslos
------------------------------------------
In der Schule, im Kindergarten,
man konnte dir nicht trauen.
Zu bl├Âde zum Schreiben, zum Rechnen.
Mach' blo├č nicht den Mund auf!
Wenn du den Teller nicht leer isst,
wirst du nie stark und gro├č.
Ja, du warst schon als Kind Beachtungslos
-------------------------------------------
Aus dir wird nie was!
Fass' blo├č nichts an!
So wie du bist, bekommst du nie eine Freundin!
Wie kann ein Mensch nur so dumm sein!
Du kannst dich nicht benehmen!
Mit dir geh' ich nicht los!
Ja, du warst schon als Kind Beachtungslos
-------------------------------------------
Bezahlte H├Ąnde tr├Âsten meine Seele.
Einsamkeit zum Schreien.
Ein Versager zu sein,
verfolgt dich ├╝berall hin.
Du l├Ąufst und l├Ąufst
und dein Hunger bleibt gro├č.
Ja, dir war schon als Kind die Beachtung los.
---------------------------------------------
Oder in Prosa: Als er neun Jahre alt war, hielten ihn Seine Eltern f├╝r zur├╝ckgeblieben. Sein Vater fragte den Schulleiter, was f├╝r einen Bildungsweg der Junge einschlagen solle.
Der antwortete: "Was soll da sein, aus ihm wird sowieso nichts!"
Einem anderen Beispiel musste der Knabe bereits im ersten Schuljahr die Schule verlassen. Seiner Mutter wurde gesagt, er werde nie in der Lage sein, irgend etwas zu lernen, er sei geistig zur├╝ckgeblieben, sein
Kopf sei verwirrt. Daraufhin hat ihn seine Mutter unterrichtet.
Im ersten Fall handelt es sich um Albert Einstein, dem 1921 der Nobelpreis f├╝r Physik verliehen wurde.
Im zweiten um den Erfinder Thomas Edison. Beiden wird nachgesagt, sie seien Legastheniker gewesen. Kann sein. Aber sie waren hoch begabt, das ist sicher und Hochbegabung bei gleichzeitigen Lernst├Ârungen, gibt es sogar sehr h├Ąufig. Nat├╝rlich sind nicht alle Legastheniker hochbegabt und
nicht alle hochbegabte Menschen sind Legastheniker, das soll hier nicht behauptet werden.
Was ich frage, was geschieht wenn die Abwertung "der ist sowieso zu bl├Âd": "Aus dem wird sowieso nichts werden." ohne Hilfe der Familie, Schule oder Gesellschaft, einem als Gottesurteil aufgezwungen wird ?
Mit diesem Vorbehalt wurde mir bereits in der wichtigsten Lebensphase, in der Kindheit, die Beachtung versagt. So gesehen ist man auch als Erwachsener davon traumatisiert, gepr├Ągt, Verunsichert. Und eines Tages Sp├Ątz├╝ndung f├Ąngt man an, sich gegen die permanente Entw├╝rdigung zu wehren.

Ergo, kann Mann nur beschreiben, was Mann selbst erlebt hat.
Und wenn Mann, trotz aller M├╝he, des Lebens-F├╝llhorn zu erzwingen, immer wieder auf die Verliererseite
landet, fragt Mann sich, ob man nicht schon durch die Erziehung, das Milieu oder den Umst├Ąnden des Alltags zum Verlierer gemacht wird.

Aber wo liegen die Ursachen, dass ein Bem├╝hter, sich nur bem├╝ht, sich seiner M├╝he l├Ącherlich zu machen?
Nicht nur in der Art eines "Don Quichotte" sondern auch in der Art, wie es ein Herr "M. Cicszentmihaly" aus Ungar, einmal untersucht hat, wieso sich Felskletterer, Chirurgen , Schachspieler und K├╝nstler lange Zeit T├Ątigkeiten hingeben, die teilweise gro├če Gefahren bargen oder deren Gewinn in keinem Verh├Ąltnis zum Aufwand steht.
Mein Aufwand bestand erst mal darin, alles, aber auch alles selbst lernen zu m├╝ssen. Schule oder Schulung wurde mir nicht geboten weil man damals Krieg machte.
und wenn Schule ├╝berhaupt angerboten wurde, muste ich Schule auf der letzten Bank verbringen.
Was aber ist in diesem Zusammenhang Legasthenie?
In meinem Fall das Wissen im Kopf, wie ein Wort richtig geschrieben wird, oder die Dinge sein m├╝ssen, aber motorisch nicht einsetzen kann, weil das Auge, das falschgeschriebene, in Folge eines Genfehler, generell als richtig zur├╝ckmeldet, wodurch auch mal ein Buchstabe weggelassen, oder Endungen nicht beendet werden. Zum Beispiel: In meinem Hirn wird das Wort "Dumm" in der Richtigen Buchstaben-Reihe zusammengestellt, die Hand aber schreibt "udmm" ohne, dass das Hirn eine R├╝ckmeldung f├╝r Faclsh bekommt.
Heute ist Legasthenie, keine Urteil mehr um auf die schulpolitische Strafbank zu kommen.
Damals aber, war Legasthenie niemanden bekannt. Da wurde ich von ungeduldigen Altp├Ądagogen, als nur Verstockt und mit dem Stock, immer wieder in die Rolle eines Au├čenseiter gedr├Ąngt.
Wieso ich immer meiner Rechtschreibfehler zu leiden hatte verstand ich selber nicht, war ich doch unbelehrbar ├╝berzeugt, wenn ich lesen kann, auch die Wortbilder richtig schreiben werde.
Dass meine Annahme nie richtig war, merke ich noch heute, das ein Computer hilft, auf Wortfehler hinzuweisen. Wenn ich wieder mal: "hei├če G├╝se, auf die Libben h├╝pscher M├Ąttschen g├╝ssen will".

Dadurch brauche ich zum schreiben dreimal soviel Konzentration, als ein normal Schreibender.
Warum ich mir das antue, da selbst schreiben zu wollen? diktieren geht doch auch! Weil ich als letzter Mohikaner noch was aus der Zeitgeschichte "Damals" zu erz├Ąhlen weiss. Wenn ihnen beim Weiterlesen, meine Rechtschreibfehler l├Ąstig werden, verzeihen sie mir bitte die Zumutung.
Sicher, wenn Mann dem 70 Geburtstag entgegensieht, blickt Mann auf eine lange Zeit Lebensgeschichte zur├╝ck,
Wo auch mal die Sonne geschienen hat. Leider so selten, dass im biologischen Vergleich, Sonne, kaum f├╝r ein gen├╝gsames Schattengew├Ąschs gereicht h├Ątte.
Wo aber f├Ąngt Mann an, eines Lebens-Schattenseite zu beschreiben, ohne direkt auf Wehleidig zu machen? Der Wortschatz gerade mal dazu reicht, Hallo! oder Liebe Gr├╝├če, auf eine Postkarte zu schreiben.

Absicht und T├Ątigkeit auch noch an der selbstgef├Ąlligen Arroganz von Hobbylektoren scheitert. Die einem den Mut nehmen, mangelhafter Qualit├Ąt, das Schreiben ├╝berhaupt zu beginnen?
Dann schreib ich lieber wie ich es kann.
" Man soll auch nicht annehmen, dass es schreibende umsonst sagen."
Die Fotos und Links, demonstrieren den Volksmund: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Wenn tausend Einzelf├Ąlle den selben Beweis liefern und die Bilder sich gleichen. Dann zeigen die fremden Zeitbilder auch mein Zeitbilder, wozu mir tausend Worte fehlen.
Nach diesem umst├Ąndlichen Einf├╝hrung !
Jetzt mal Butter zum Fisch........
Geboren 1933 kann Mann, sich an vieles erinnern, auch an Dinge, wo er glaubt l├Ąngst verdr├Ąngt zu haben.
Da sind aber auch L├╝cken. Durch angestrengtes Nachdenken f├╝llen sich die L├╝cken wieder durch Stichworte, Aha! Da ist wieder eins. Jedes Besinnen bringt mich ein St├╝ck n├Ąher.... doch eine
gro├če un├╝berwindbare Ferne liegt dennoch ├╝ber das Damals und Heute. Ich suche, und finde meine Kindheit nur noch in einem kollektiven Bilderarchiv wieder, worin man inzwischen tausend andere Kinderschicksale von "Damals" gesammelt hat.
Schade, dass ich nicht dazu begabt bin, dass andere behaupten, dass sie sich bis an ihre Geburtsstunde zur├╝ck erinnern k├Ânnen, kann ich leider nicht. Ich war eines Tages Erinnerung einfach nur da. Ein Knabe der ohne Vater, von einer alleinerziehenden Mutter betreut, in einem Armeleuteviertel, in einem K├Âlner Altstadtmilieu mit einfacher Leute Denken und Tr├Ąumen aufwuchs.
Wieso soll ich mich daf├╝r sch├Ąmen?
Die zeit und Umst├Ąnde waren einfach so.

Unter Gro├čmutters Rock, die meine Mutter in einem Dorf in der Eifel geboren hat, muss sich mal ein Italiener
1880 verirrt haben, jeden Falls, wird in der Familienchronik meiner Mutter als Nachname, Benededice, genannt.
Was ein Benededice 1880 in ein kleines Eifeldorf verschlagen hat, hat Mutter nie erkl├Ąrt. Und damit war auch schon Schlu├č mit der Ahnenforchung.
noch weniger wurde mir von meinem Erzeuger bekannt, Da tauchen lediglich Erinnerungen auf. Dass da
Irgendwelche Besuche von einem Vater waren, und so bin ich mir im Nachhinein sicher, dass da auch ein Vater bis zur der besagten Bombennacht -1943- in K├Âln lebte.
Damit verbr├Âselt auch die Familiasaga: Wo komm ich her, wer bin ich.in dieser Richtung
Denn zu den Tanten, und Onkels, V├Ąterlicherseits wurden wir Kinder nie mitgenommen, aus dieser Verwandschaft machte Mutter immer ein Geheimnis.
und in die Eifel fuhr Mutter ( wenn ├╝berhaupt) nur alleine

Sp├Ąter wurde meiner Neugier, auch nur Namen und ehemalige Adressen bekannt, aber keine Kontakte. In meinem ersten Berufsleben, bin ich als Lastwagenfahrer, oft bdurch den Geburtsort meiner Mutter in der Eifel gefahren. Ein mal habe ich angehalten und wollte mich der Familie Benededice erkunden, der B├╝rgermeister und der Pfarrer waren aber nicht erreichbar, um ├╝ber die Adresse, einer Familie Benededice Auskunft geben zu k├Ânnen, so ist meine Halbneugier, diesen Umst├Ąnden auch wieder eingeschlafen.
Vielleicht recherchiere ich doch noch mal, denn Mutter fabulierte immer von einem Topf voller Goldm├╝nzen, der
im Garten ihres Vaterhaus vergraben sein soll.
Vielleicht hat man Mutter, mit der Geschichte auch nur angef├╝hrt, damit sie flei├čig den Garten umgr├Ąbt, denn um
/ 1900 / ist ein Garten, den armen EifelH├Ąusler die Zusatznahrung liefert, das Gold, wonach man in einem Eifeldorf gr├Ąbt.
Nachdem Mutter, trotz flei├čigem Graben, den Topf mit Gold nicht finden konnte und die soziale und materielle Not in einem Eifeldorf, 1900 auch keine allzugro├če Aussicht auf Berufskarriere bot. Ist sie aus dem Eifeldorf nach K├Âln ausgewandert, um in der Gro├čstadt, als Haushaltshilfe, das Gold zu verdienen, das sie in Vaters Garten nicht finden konnte.
Und da muss es passiert sein; - Naive Landpomeranze heiratet Gro├čtuer aus der Stadt K├Âln. Der sie
dann mit zwei Buben in Stich gelassen hat. Was da genau gelaufen ist hat Mutter nie erz├Ąhlt. Vielleicht meinem Bruder? Der hat es aber mir nicht erz├Ąhlt.
Also hat man mich ( weil viel zu doof ) auch dem offensichtlichen Familien-Chaos drau├čen gelassen.

Die erste Erinnerung f├╝r mein Dasein ├╝berhaupt, ist ein Spaziergang, den Mutter mit mir und meinen Bruder, der noch im Kinderwagen bef├Ârdert wird, auf der Rheinuferpromenade der Stadt K├Âln unternahm. Um den Gaffern mitzulaufen, die da eine Attraktion besichtigen wollen, womit ein "Adolf Hitler" dem Volk ein tausendj├Ąhriges Reich propagiert und erobern will.
Als Mutter mich auf einen Kanufahrer aufmerksam macht, der auf dem Rhein zwischen der Attraktion, der Kriegsschiffe, herumpaddelt, war ich zutiefst davon ├╝berzeugt, dass dieser Kanufahrer, auf der riesigen Wasserfl├Ąche des Flusses, nicht gr├Â├čer sein kann, dass ich meine gefaltete Papierschiffchen in den Regenpf├╝tzen unserer Gasse schwimmen lasse.
Wie hie├č die Gasse noch? "Achja!" -Alte Mauer am Bach, eine Altstadtgasse im Geviert, Kleiner- und Gro├čer Griechenmarkt, schon seit Jahrhunderten ein Gettoviertel Zugewanderter und Armen. Was ich sagen will, wenn mir dieser Erinnerungsfetzen von "Damals" noch heute bewu├čt ist, aus welcher Perspektive muss ich hier "f├╝nf Jahre alt," den Kanufahrer in Realit├Ąt des Rheins und dem Kriegsmaterial gesehen haben?
Vergleichsweise einer alten Postkarte. wo die Stadt K├Âln von der Begeisterung der Braunhemden, auf seine Kriegszerst├Ârung vorbereitet wurde

es darf gemeckert werde ich lerne gerne!

mit freundlichen Gru├č.
dannmalmut
__________________
F├╝rchtemich!

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