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Leselupe.de > Kurzgeschichten
das ende von anna und victor
Eingestellt am 01. 07. 2001 18:52


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Anna-Ljubow
Hobbydichter
Registriert: Jul 2001

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das ende von anna und victor

sie liess den telefonh├Ârer ersch├Âpft auf ihr bett fallen. das war es jetzt also. so endete etwas was vielleicht nur ein traum war. sicher war es das. was sie erlebt hatte konnte nicht real sein. ihr war klar dass sie schon lange anders war als die meisten menschen. viele hielten sie f├╝r verr├╝ckt, oder, durch die umst├Ąnde einfach nur f├╝r krank. sicher war sie das. es war ihr egal. so, wie es am anfang einfach nur ein spiel f├╝r sie war so war es jetzt, am ende, bitterer ernst. es war ihr wichtig geworden, er war ihr wichtig geworden. nat├╝rlich w├╝rden alle, die ihre geschichte h├Ârten sagen: das war ja abzusehen. nein, das war es nicht.
sie schrieb ihm eine mail. eine allerletzte mail. sie schrieb darin, dass sie sich jetzt ein taxi zum flughafen nehmen w├╝rde. sie schrieb ihm, dass sie wegfliegen w├╝rde. irgendwohin. und dass sie ihn verstand. dass sie ihm nichts vorwerfen konnte und wollte. sie schrieb, dass sie sich nicht mehr melden w├╝rde. er wolle es ja so. dann ging sie in ein zimmer, k├╝sste ein imagin├Ąres kind in einem vorhandenem gitterbett, legte sich in ihr ehebett, k├╝sste einen imagin├Ąren mann, ihren ehemann, und nahm die rasierklinge, die seit 3 jahren in ihrem nachttisch lag, in ihre hand. nun werde ich zu euch kommen, murmelte sie. ihr seid meine familie und familien sollen zusammenbleiben. sie schnitt sich die pulsadern auf, l├Ąngs, den arm hinauf. so, wie sie es im kopf schon tausendmal getan hatte. das blut schoss aus ihren armen, das bett f├Ąrbte sich rot. ihre letzten gedanken galten nicht ihrer familie. sie galten ihm, victor. ihrer liebe. ihrer bestimmung, die sich nicht erf├╝llen w├╝rde. sie f├╝hlte sich leicht, glitt schwebend in gedanken und tr├Ąume. sie war endlich am ziel.
den mann, der sich in ein auto setzte, der mit v├Âllig ├╝berh├Âhter geschwindigkeit zum flughafen raste und dort nach einer fahrt von einer stunde in die abfertigungshalle rannte und auf der tafel nach fl├╝gen schaute die in frage k├Ąmen, sah sie nicht. sie sah nicht seine tasche, die er bei sich hatte. sie sah nicht die verzweiflung auf seinem gesicht. sie konnte nichts mehr sehen. zu diesem zeitpunkt war sie schon tot.
seinen entschluss hatte er nach dem lesen ihrer mail gefasst. er packte eine tasche, k├╝sste seine beiden schlafenden kinder, nahm die tr├Ąnen seiner frau schon nicht mehr wahr und fuhr los. die entscheidung, die er monatelang vor sich hergeschoben hatte, die sie von ihm gefordert hatte, war jetzt erst richtig. vorhin erst, am telefon, hatte er die vermeintlich leichtere entscheidung gef├Ąllt und ihr mitgeteilt, dass er bei seiner frau bleiben w├╝rde. als er es aussprach wusste er schon dass es falsch war. sie geh├Ârten zusammen. sie waren f├╝reinander bestimmt. jetzt, im auto, f├╝hlte er sich befreit. sie w├╝rden zusammen wegfliegen. sie w├╝rden miteinander leben. ganz einfach. ganz einfach!
er konnte sie nicht finden. er suchte den flughafen ab. um diese zeit gingen nicth viele maschinen. er liess sie ausrufen, mehrmals. sie war nicht da. er schaute sich die fl├╝ge an, die in der stunde abgeflogen waren, die er auf der autobahn verbrachte. vielleicht war sie schon weg. panik erfasste ihn. er war seinem ziel so nahe und konnte die ziellinie doch nicht ├╝berschreiten.
die frau, die ihre zwei schlafenden kinder weckte und nach nebenan zur oma brachte, die im arzneischrank nach den ihr verschriebenen psychopharmaka griff, die sie seit monaten dort lagerte - die ein arzt ihr verordnet hatte weil sie angst vor dem verlassenwerden hatte, weil sie angst vor dem scheitern ihrer familie hatte - die sich ein glas wodka mit ans bett nahm und anfing die tabletten einzunehmen, sah er nicht. er sah nicht dass seine frau benommen aufs bett fiel. er sah nicht dass seine ver├Ąngstigte mutter versuchte die kinder zu beruhigen. er sah auch nicht dass seine mutter unabl├Ąssig versuchte ihn ├╝ber sein handy zu erreichen. es lag zu hause. und seine frau h├Ârte das klingeln schon nicht mehr.
er fuhr zu anna nach hause. in den fenstern war kein licht zu sehen. er klingelte. er konnte nicht aufh├Âren damit. sie war nicht da. sie war ohne ihn weggeflogen. er w├╝rde sie nie wieder sehen. es war seine schuld. er hatte sich zu viel zeit mit der entscheidung gelassen. sie hatte ihn nie bedr├Ąngt, aber er wusste wie sehnlich sie auf einen entschluss gewartet hatte. er hatte ihr den falschen entschluss mitgeteilt. er hatte ihr jede hoffnung auf ein gemeinsames leben genommen. jeder bekommt was er verdient. auch er. apathisch setzte er sich in sein auto und fuhr zur├╝ck zu seiner familie. er w├╝rde nicht mehr mit seiner frau zusammenleben k├Ânnen, er glaubte auch nicht dass sie es noch wollte. aber er wusste nicht wohin er sonst fahren sollte.
die kurze nachricht in der zeitung, ├╝ber den selbstmord einer jungen frau, las er nicht. er verbrachte die n├Ąchsten tage im krankenhaus bei seiner frau. anna war aus seinem leben verschwunden, manchmal sah er sie in seinen tr├Ąumen. sie lachte und war gl├╝cklich. die traurigkeit in ihren augen, die ihn immer so fasziniert hatte, war verschwunden.
irgendwo war sie. irgendwo ganz tief in ihm.

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willow
Guest
Registriert: Not Yet

*grusel*

Hallo Anna,

da laufen mir ja gleich scharenweise Schauer ├╝ber den R├╝cken. Ich hab sogar G├Ąnsehaut bekommen.
Ich hoffe, die Anna ist nicht diese Anna hier - sonst m├╝sste ich mir echte Sorgen machen.

Postmodern Romeo verliert gleich beide seiner Julias - stets das gleiche Spiel spielend, nicht f├╝r die eine, nicht f├╝r die andere.

Sch├Âne Geschichte!

Ach by the way: was die Kleinschreibung angeht (e.e.cummings l├Ąsst wohl gr├╝├čen), ich glaube, es w├╝rde sich wesentlich einfacher lesen, wenn du sie zugunsten der normalen Rechtschreibung weglassen w├╝rdest.

LG,

Willow

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Anna-Ljubow
Hobbydichter
Registriert: Jul 2001

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*l├Ąchel*

hallo willow,

nat├╝rlich spielen eigene erlebnisse eine rolle bei einer kurzgeschichte, die auf so eine gef├╝hlsebene aufbaut. aber das schreiben hilft ja oft auch beim verarbeiten *l├Ąchel*

zum inhalt: meine idee ist nicht, dass er beide frauen verliert. er verliert seine wahre liebe, seine ehefrau MUSS er behalten. JETZT kann er sie nicht mehr verlassen. und das ist am ende eben genau das was er verdient.

zur kleinschreibung *lach*: sicher kann man es anders besser lesen....ich habe es mir so angew├Âhnt und nicht weiter dar├╝ber nachgedacht. werde ich beim n├Ąchsten mal tun.

herzlichst
a.

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willow
Guest
Registriert: Not Yet

hmm...

...w├╝rdest du bei einem Mann bleiben, der dich zuerst verlassen hatte (wegen einer anderen)und dann aus Mitleid bei dir bleibt?

Die Ehre der zweiten Frau m├╝sste das eigentlich verbieten, oder?

Na ja auf jeden Fall eine sch├Âne Geschichte.

LG,

Willow

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Anna-Ljubow
Hobbydichter
Registriert: Jul 2001

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nun...

...ich denke sie liebt ihn, er und die zwei kinder sind ihr leben. er ist zur├╝ckgekommen, den grund erf├Ąhrt sie nicht.
das hat nichts mit ehre zu tun - sie wird mit ihm leben k├Ânnen. ER ist der verlierer, weil er sein leben nicht mehr selbst gestalten kann.

sch├Ân dass dir die geschichte gef├Ąllt! danke f├╝r deine meinung *l├Ąchel*

herzlichst
a.

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Marc Mx
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2000

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im Ansatz finde ich sie sehr gut!!!

Ja, ich finde sie auch ganz sch├Ân heftig, diese Story... Ich habe sie auch in einem Rutsch durchgelesen, obwohl mich die Kleinschreibung st├Ârte...
1. Nur der Selbstmord von Anna hat mich nicht ganz ├╝berzeugt. Da sind am Anfang so viel Andeutungen, die letztlich meiner Meinung nach nicht entscheidend zum Motiv beitragen. Daf├╝r lassen sie zu viel offen. Irgendwie finde ich sie deshalb auch ├╝berfl├╝ssig... Wenn Du stattdessen in ein paar Andeutungen etwas von ihrem sonstigen (verha├čtem) realem Leben "zeigen" w├╝rdest...
2. Erst ist es ihre Geschichte, zum Schlu├č ist es seine Geschichte... Das ist ein Kunstgriff, der meines Wissens in Kurzgeschichten noch nie ernsthaft funktioniert hat! Daf├╝r ist kein Platz... Au├čerdem - mein Gott, es gibt inzwischen so elendig viele Versuche, wo ein Toter "uns" seine Geschichte erz├Ąhlt...
3. Auch Viktors Reaktion finde ich unrealistisch! Das er nun doch zum Flughafen rast... Gewi├č, im "wahren" Leben gibt es so etwas schon... Aber das ist ja gerade die Krux beim Schreiben, da├č es nicht "funktioniert", wenn man sich beim Schreiben an das "wahre" Leben h├Ąlt..
Alles in Allem ist der Ansatz schon sehr gut, aber ich w├╝rde an Deiner Stelle die Story noch mal ├╝berarbeiten, bevor Du sie irgendwohin schickst: Bei Schreib-Wettbewerben sind solche Storys ja nach wie vor immer wieder erfolgreich!

Viele Gr├╝├če und viel Spa├č beim Schreiben w├╝nscht Dir
MarcPlanet.de

(Ich hoffe, Du kannst mit meiner Kritik umgehen und geh├Ârst nicht zu denen, die mich aufgrund meiner etwas h├Ąrteren Kritik immer gleich auf den Mond schie├čen wollen. Au├čerdem ist ja auch an Kritik Kritik erlaubt!)

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