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Leselupe.de > Kurzgeschichten
das war im August
Eingestellt am 25. 09. 2001 23:15


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Flori
Hobbydichter
Registriert: Dec 2000

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Die Quiz-Show
‚ÄěWelche der folgenden St√§dte liegt nicht am Meer?‚Äú Als ich die Frage h√∂rte zuckte es in meiner Oberlippe, das klang wirklich leicht. Obwohl, bei Halifax war ich mir nicht ganz sicher. ‚ÄěDas is leicht‚Äú knurrte ich trotzdem und die M√§dchen stimmten mir lachend zu- das war sch√∂n.
Die Kanidatin, deren Gesicht in Gro√üaufnahme st√§ndig mit dem des Moderators wechselte, schien aber von K√ľstenst√§dten wenig Ahnung zu haben. Schon bei K√∂nigsberg kam sie ins Stocken.
‚ÄěBesonders helle is¬ī die auch nicht‚Äú ,kommentierte ich und sah die M√§dchen von der Seite an. Die Couch auf der wir sa√üen war weich, so dass wir alle in einer gro√üen Kuhle eingesunken waren. Ein Scherzwort ergab dabei das andere und wir lachten. Tanja, die mir am n√§chsten sa√ü, bekam davon richtige Gr√ľbchen. Die Fernsehkanidatin dagegen hatte vor lauter Gr√ľbeln Falten auf der Stirn. Dabei wusste doch jeder von uns, dass Split an der Adria lag. Da√ü wei√ü doch jeder, oder? Wir waren uns jedenfalls
einig.
Es machte Spa√ü klug zu sein. Als die Kanidatin endlich mit schwei√üigem Gesicht ihre Antwort abgab- die falsche nat√ľrlich- da waren wir auf dem Sofa die Gewinner. Ich glaube jeder von uns hob den Kopf etwas, als wir uns √ľberlegen anl√§chelten. M√§dchen k√∂nnen sch√∂n l√§cheln! Nicht so gequ√§lt, wie die Gro√üaufnahme dieser gl√ľcklosen Quizshowkandidatin. Marseile eine Binnenstadt, wir grienten auf unserer Couch. Der Fernseher flimmerte.
Als aber die Kamera in die Totale zoomte um den H√§ndedruck von Moderator und seiner Kandidatin im Rollstuhl zu zeigen, waren diese beiden die Einzigen die noch l√§chelten. Es war immer noch dieselbe Kandidatin, Marseile war immer noch der wichtigste Hafen in Frankreich, doch keiner lachte mehr. Keiner sagte etwas. Auf einmal war es unangenehm eng in der warmen Couchkuhle. Ich gr√ľbelte nach einer klugen Bemerkung die in die Stille gepasst h√§tte, doch mir viel nichts ein.

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beisswenger
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 0
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Werter Flori,

auch mir fällt keine passende Bemerkung ein.

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Sansibar
Guest
Registriert: Not Yet

Das war im August

Hallo und guten Morgen Flori,
du beschreibst sehr sch√∂n die Peinlichkeit und √úberheblichkeit, die den einen oder anderen bei diesen Schow¬īs glauben machen: Hach, ich bin ja sooo viel gescheiter. Vor dem Fernseher wissen wir alle auch mehr. Wenn du einmal in einem Studio warst, bekommst du erst richtig mit, wie anders und wie anstrengend die √§u√üerliche Situation f√ľr den Kandidaten ist.F√ľr meine Person habe ich es beantwortet: Ich k√∂nnte da nicht sitzen.
Gruß und einen schönen Quizabend!
Sansibar aus Sansibar

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Elli K.
Autorenanwärter
Registriert: Aug 2001

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Integration

Hallo Flori!
Der Meinung von Sansibar kann ich mich uneingeschränkt anschließen.
Was ich jedoch nicht nachvollziehen kann: Wieso spielt es eine Rolle, ob die verlierende Quizkandidatin im Rollstuhl sitzt? Macht sie das per se zu einem besseren, nicht-kritisierbaren Menschen oder ist ihr ein "Versagen" in einer Fernsehsendung moralisch nicht zuzumuten? Ich gehe davon aus, daß die Frau da freiwillig hingegangen ist, auch auf die Gefahr hin - wie fast alle Kandidaten - nicht die Million mit nach Hause zu nehmen und sich evtl. wegen eines Blackouts bei einer einfachen Frage zu blamieren.
F√ľr mich sind wir von einer wirklichen Integration behinderter Menschen noch sehr, sehr weit entfernt, wenn es zu solchen, von dir beschreibenen Reaktionen kommt. Wozu die Betroffenheit? Wem ist mit Behinderten-Bonuspunkten gedient? Die Frau hat sicherlich in ihrem Alltag mit vielen Schwierigkeiten zu k√§mpfen, die ein Nichtbehinderter so nicht hat. Aber gerade ihr Mut zu einem Auftritt in der Sendung zeigt doch, da√ü sie "normal" ist und so "normal" wie m√∂glich lebt. Und dazu geh√∂rt eben auch, mal ein Spiel zu verlieren. Ihr wird diese "Normalit√§t" von uns Nichtbehinderten jedoch verwehrt, wenn wir sie lediglich mit Mitleid betrachten.
Ich wei√ü nicht, ob deine Geschichte eine Reaktion auf eine tats√§chlich ausgestrahlte TV-Sendung ist oder Fiktion. F√ľr meinen Kommentar spielt das keine Rolle.
Denk mal dr√ľber nach.

Beste Gr√ľ√üe
Elli

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Flori
Hobbydichter
Registriert: Dec 2000

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Kommentare: 8
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ja äh

hallo elli, ich möchte dir gern auf deine gedanken eine reaktion zukommen lassen.
also erstens m√∂chte ich sagen, da√ü es mir bei der geschichte nicht um die frau im rollstuhl ging, sondern um mich und meine bekannten. Du hast nat√ľrlich recht, da√ü jeglichen randgruppen auch mit einer positiven diskrimminierung nicht geholfen ist, das ist eigentlich auch meine meinung. Aber jenseits von der meinung, die man sich durch bewusstes √ľberlegen bildet, sozusagen der rationalen meinung, gibt es noch die irrationale. es ist ein armutszeugniss f√ľr uns menschen, aber wenn wir einen fremden im rollstuhl sehen, einen farbigen ( solange es nicht die eigene hautfarbe ist) oder einen kleinen mann mit einer gro√üen frau, immer wenn uns so etwas begegnet, ist der erste impuls des menschen "da stimmt etwas nicht". marg der mensch auch noch so aufgekl√§hrt denken, mag er auch dem entsprechend handeln (und er tut gut daran) es bleibt doch immer dieser unterbewusste eindruck von fremdheit. genau diesen impuls habe ich versucht zu beschreiben, der ich erz√§hler ist ganz mit seiner alltagswelt, mit seinen w√ľnschen besch√§ftigt, dann sp√ľhrt er unvermittelt diesen kulturellen refelex. ich finde dass man sich solche unbewussten vorurteile bewusst machen muss, damit man sie bek√§mpfen kann.
ich bin gespannt ob du das einleuchtend findest!
dein (unser aller) flori

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