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Leselupe.de > Kurzprosa
der Misanthrop
Eingestellt am 12. 05. 2009 16:46


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RosenmundPulcher
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2009

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Der Misanthrop

Es widert mich an. All dieses k√ľmmerliche Menschsein, das Streben und Leben auf diese j√§mmerliche, menschliche Weise, es widert mich einfach nur an.
Da keuchen & kreuchen & fleuchen sie, die k√ľmmerlichen Gestalten, da heischen sie nach Wissen & Erkennen, da ackern sie sich ab mit Schaffen, indem sie doch nur fliehen;
Fliehen vor dem Bewusstsein, dass es keine Hoffnung, kein Erbarmen und zum Gl√ľck der meisten auch keine g√∂ttliche Gnade & keinen Richtspruch f√ľr sie gibt!
Da bauen sie mit aller Kraft ihre Sandburgen, zwingen ihren Blick, sich abzuwenden von den beständig anrollenden Wassermassen; da erquicken & laben sie sich am vermeintlich Guten & Schönen, da intellektualisieren die, die es nicht kennen, das Leid, und die, welche es kennen,
die klammern sich umso mehr an die Freuden.
So und nicht anders; die, die das Leben am meisten hasst, diese lieben selbst das Leben mit größter Innigkeit! Dummheit, Torheit!
Doch der Mensch ist dem Menschen kein Wolf, er ist ein Hund, ein räudiger Köter,
aufs Beste folgsam und dumm, doch meist schlicht und einfach brutal.
Kultur, Kunst, aller Schöngeist, alle Lyrik, sind sie denn anderes als der klägliche Versuch des Verzweifelten, sich Sinn, sich Hoffnung zu schaffen?
Denn am Ende gibt es keinen Lohn und keine Gerechtigkeit, die Schuld wird nicht ges√ľhnt und das Gute nicht geheiligt, sondern das Starke, das Brutale, vernichtet das Schw√§chere.
Oh und wie Grausam ist dieses Schwache beschaffen, dass es den Geist bekommen, die Gewissheit seinen Schicksals zu ahnen & darum zu sinnen, sich deshalb zu √§ngstigen, zu fl√ľchten, zu hetzen, vergeblich zu hoffen & noch im Augenblick h√∂chster Not an ein Gebet sich zu klammern!
Wie sieht es sich in die Enge getrieben, hilflos, machtlos, ausgeliefert, gemartert durch seine eigene, f√ľrchterliche, selbst zerst√∂rerische F√§higkeit zu denken, gerade soweit, um sich schon dadurch in den Abgrund zu st√ľrzen, ehe die Bedrohung √ľberhaupt tats√§chlich vorhanden ist!
Oh und wie grauenvoll noch dazu ist dieses Starke beschaffen, dass auch dieses so beschränkt
Und doch √ľber alle Ma√üen zuviel des Denkens im Stande ist!
Es wei√ü gerade soviel, als dass es auch in seiner St√§rke schwach ist, wenn es nicht zwingt durch Furcht, denn nur in der Furcht der anderen kann es sich selbst die St√§rke und die F√ľrchtenden sich ihre Schw√§che glauben!
Und welch ein Schrecken, dies ist gewusst!
So sind sie nicht gewalttätig aus Trieb & Instinkt, sie töten nicht schnell noch effizient, sie quälen kalkuliert, mit Geist, vielleicht mit Freude, sie zerstören um des Leides willen, um der Angst willen!
Oh welch unvorstellbares Getier doch dieser Mensch ist!
Wie er sich trotz allem sorgt zu bewahren & zu reformieren, genussvoll an Empfindungen zu kosten, zu forschen, zu philosophieren, zu heilen & zu kreieren!
Wo er doch das furchtbare Opfer der Krankheit des Geistes ‚Äď ja, der Geist selbst ist die Schlimmste Krankheit, und jede Geisteskrankheit kann den Zustand nur bessern!
Und so geht das Treiben und Reigen, dahin und dahin, ein gräulicher Totentanz, ein sinkendes Schiff mit einer singenden Besatzung!
Und ob man nun schwach oder stark, ein Starker in seiner Schw√§che oder ein Schw√§chling in seiner St√§rke, ein Guter oder ein Schlechter ist, in der Essenz bleibt aus diesen oder jenen Gr√ľnden immer nur: Die Angst.
Und was es auch so alles geben mag, das, was es f√ľr niemanden gibt, ist die Erl√∂sung, ist die Ruhe, geschweige denn die ewige Ruhe.
Herr gib sie uns, denn wir haben Angst! So schreien sie!
Doch es gibt keine Versicherung!
Versucht sowenig zu denken und soviel zu glauben wie m√∂glich. Vielleicht habt ihr Gl√ľck, es wird euch bet√§uben, retten kann es euch nicht. Nichts kann uns retten.
Wir sind, mit unserem Geist, die verdammtesten Existenzen, die es geben mag, und sollte uns wahrhaftig ein Gott geschaffen haben, so möchte ich niemals diesem Ungeheuer begegnen.
Am besten w√ľrden wir daran tun, die herrlichste Errungenschaft der Zerst√∂rung, die wir hervorbrachten, die Atombombe, endlich einzig sinnvoll einzusetzen, und alle Z√ľndkn√∂pfe der Welt zugleich zu dr√ľcken. Nennt mich ruhig verr√ľckt, ich w√ľrde es tun, l√§ge es in meiner Macht. Denn dahin und nirgendwohin sonst ist unser Geist bestimmt, den Einzelnen wie die Gesamtheit aller am Ende zu f√ľhren: In den Abgrund.
So machen wir’s denn wenigstens kurz und schmerzlos!
Aber es wird ja doch nichts passieren…
K√∂nnt ich nur lachen wie die vermeintlich Weisen √ľber Maja.. so glaub ich ihnen ihr Gel√§chter ja doch nicht, nichts als Hohn..
Ich muss weiter hier harren, des Tages voll Ekel und des Nachts voller Angst, klein wie ein Wurm, hilflos wie ein Kind, machtlos wie in Ketten, und doch erf√ľllt von Willen und Geist.

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