Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
148 Gäste und 7 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Ungereimtes
der sackfloh-blues oder wie ich zum tod kam
Eingestellt am 19. 02. 2003 12:07


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
Kommentare: 3340
Die besten Werke
 
Email senden
Profil


komm, mein kleiner held
und kriech zu mir ins zelt
dort zeig ich dir – oho
den schönsten floh
der welt

ich steige hinab ins
totenreich
zerberus lasse ich links liegen
ich habe eine thermoskanne
mit glĂŒhwein dabei
und 2 kÀsebrötchen
in stanniolpapier
die treppen fĂŒhren weder
nach unten noch nach oben
gerade so, wie ich es sehen
will
ĂŒberall brennende fackeln
am wegesrand
bald bin ich rußgeschwĂ€rzt
wyatt earp und doc holiday
versperren mir den weg
sie sagen:
„nigger sind hier unerwĂŒnscht!“
ich besteche sie mit einem
kÀsebrötchen
die zeit stöhnt, heult, winselt
sekunden, stunden, tage
driften mir entgegen
zerrgesichter
ich begegne meiner mutter
am windeltisch
ich sehe mich selbst als kleinen bub
am kiosk stehen
wundertĂŒten kaufen
wie ich in gummistiefeln in der
kloake des baches auf abenteuerreise
gehe
jules verne und karl may kreuzen
meinen weg
sie sehen ziemlich mitgenommen aus
ich schenke ihnen mein 2.
kÀsebrötchen
bald darauf erreiche ich ein
riesenhaftes gewölbe
vor mir liegt das meer der seelen
myriaden stimmen mischen sich zum
meeresrauschen
alles ist in purpurnes licht getaucht
die linie des horizonts
ein geschlossener mund
die oberlippe wie das abendrot
ich setze mich an den strand
gerade so, dass die wellen meine
fĂŒĂŸe umspĂŒlen
es ist zeit fĂŒr den glĂŒhwein
um mein kaltes herz aufzuwÀrmen
ich trinke
schaue zum horizont
ich rieche mich
es ist nicht das salz
dann stehe ich hinter mir
sehe mich da sitzen wie in einem dieser
bilder von caspar david friedrich
sind das meine trÀume?
frage ich
meine stimme ist wie aus draht
mein mund öffnet sich
meine lippen klebrig vom
glĂŒhwein
plötzlich schrecke ich hoch
der irre tod klopft mir auf die schulter
„hey, mann, haste fĂŒr mich auch nen
schluck?“
ich reiche ihm den becher
„ich weiß, was du denkst“, sagt er
„du könntest ewig hier sitzen bleiben ...“
„ja“, sage ich trocken
„und was ist mit meiner einfĂŒhrung?“
ich war plötzlich furchbar mĂŒde
und sank zur seite
um meinen kopf in den schoß
des todes
zu betten


__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


noel
???
Registriert: Dec 2002

Werke: 180
Kommentare: 768
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um noel eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Margot,
die FĂŒlle der Bilder, die phantasievolle Umsetzung, die Verbindung von klassischen Elementen

quote:
zeberus... myriaden
mit modernen
quote:
wyatt earp und doc holiday...
finde ich Ă€ußerst gelungen.
Auch die Bilder der Kindheit... WundertĂŒten, Karl May... mit der Vermischung der romantischen Bilder eines C.D. Friedrichs. Oder die Wechslung von Reim zu Prosa, von gesprochener Umgangssprache, zu wohlfeilen poetischen Worten...
quote:
„hey, mann, haste fĂŒr mich auch nen
schluck?“...alles ist in purpurnes licht getaucht
die linie des horizonts
ein geschlossener mund
die oberlippe wie das abendrot
gefĂ€llt mir. Obgleich sich mir ein `zu viel des GutenÂŽ aufzudrĂ€ngen wĂŒnscht.

Nichtsdestotrotz Mir gefÀllt es.
Liebe GrĂŒĂŸe Noel



__________________
© noel
Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der ToxizitÀt, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level) .

Bearbeiten/Löschen    


margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
Kommentare: 3340
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

liebe noel, wegen des "zuviel des guten" schloß ich
das gedicht auch und ließ den protagonisten sanft
entschlummern.

danke fĂŒr deinen kommentar

ralph
__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

Bearbeiten/Löschen    


unbekannt2581
???
Registriert: Jan 2002

Werke: 0
Kommentare: 65535
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

quote]UrsprĂŒnglich veröffentlicht von margot
okay, wieder was zum thema:
lyrik ist der furz, den du auf der kante deines bettgestelles lĂ€ĂŸt.

oder nicht?
ralph



ebend

mikel

Bearbeiten/Löschen    


margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
Kommentare: 3340
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

mikel, du hast das geheimnis der lyrik substantiell erfaßt.

danke fĂŒr deinen aufschlußreichen kommentar.

gruß
ralph
__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

Bearbeiten/Löschen    


Waldemar Hammel
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Dec 2002

Werke: 8
Kommentare: 2028
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Waldemar Hammel eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
@ margot

Ich finde Deinen Text sehr gelungen!
Selbst, daß Du oft wie Stacheldraht rĂŒberkommst, ist im Text nicht vergessen worden "meine Stimme wie Draht" (hihi).
Die Bilderdichte ist erstaunlich und ausdrucksstark. Warum die Bewertungen so schlecht sind bisher, kann ich nicht nachvollziehen.

Zwei Fehler:
"staniol" = Stanniol (kommt von "stannum"=Zinn)
"zeberus" = Zerberus (der alte Höllenhund)

Weiter so! Entwickle Deine guten FÀhigkeiten (und insistiere nicht stÀndig auf Deinen UnfÀhigkeiten!)

Bearbeiten/Löschen    


14 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Ungereimtes Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!