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Leselupe.de > Kurzgeschichten
der schrecklichste tag in meinem leben
Eingestellt am 09. 07. 2001 17:27


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flammarion
Foren-Redakteur
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Der schlimmste Tag meines Lebens

Heute ging in der Schule alles schief. Mein Computer st├╝rzte mehrmals ab und fast jede Frage beantwortete ich falsch. Mein Kugelschreiber hatte pl├Âtzlich keine Tinte mehr und mein Butterbrot hinterlie├č einen dicken Fettfleck auf meinem Ordner. Am Schulschlu├č ├╝ber-gab mir eine gute Bekannte meine Enkeltochter, ich soll auf sie aufpassen. Vor Schreck fiel mir meine Tasche aus der Hand (ich hatte nicht gewu├čt, da├č ausgerechnet heute diese Ehre an mich fiel) und der Inhalt verstreute sich ├╝ber die Treppe. Meine Enkelin lachte schadenfroh und half nicht beim Einsammeln. Geduldig hob ich alles auf und fuhr mit Anne zur Kaufhalle. Ich wollte mich bevorraten und hatte bald den Wagen recht voll. An der Kasse ergab es sich, da├č meine Scheinchen nicht reichten, aber ich konnte die fehlende Summe in Hartgeld auf-bringen. M├Âchte nicht wissen, wie lange ich Groschen, Sechser und Pfennige z├Ąhlte, bis die Verk├Ąuferin zufrieden war. Hastig begann ich, die Waren einzupacken. Nat├╝rlich fiel ausge-rechnet die Wei├čk├Ąseschachtel runter und zerplatzte. Den Quark konnte ich vergessen. Als n├Ąchstes verschob sich der Deckel von der Fleischsalatschachtel und die dreckigen Radies-chen stippten hinein. Die Waren des nachfolgenden Kunden dr├╝ckten meinen Schrippenbeutel vom Band ÔÇô jetzt durfte ich Br├Âtchen essen, die auf dem Fu├čboden gelegen hatten! Zuletzt stellte sich auch noch heraus, da├č meine Beutel nicht reichten, um alles einzupacken. Eine junge Frau hatte mein Dilemma beobachtet und schenkte mir eine Einkaufst├╝te. Erleichtert hoffte ich, da├č der Tag von nun an besser wird. M├╝hselig keuchte ich die drei Treppen zu meiner Wohnung hinauf. Kaum hatte ich die T├╝r aufgeschlossen, empfing mich ein bei├čender Geruch. Ich st├╝rmte in die K├╝che ÔÇô das Fenster war ge├Âffnet und nicht ein M├Âbelst├╝ck war zu sehen, nicht einmal der Kochherd stand noch an seinem Fleck. Stattdessen war ein fast meter-breiter Streifen br├Ąunlicher Fl├╝ssigkeit an der Wand entlang auf dem Fu├čboden. ÔÇ×AhaÔÇť, dachte ich, ÔÇ×das ist endlich das versprochene Desinfektionsmittel, welches das Ungeziefer dauerhaft forthalten soll.ÔÇť Na sch├Ân, aber wo waren meine M├Âbel? Eigentlich ging es mir gar nicht so sehr um die M├Âbel als vielmehr um deren Inhalt: B├╝cher, Fotoalben, die Locke meines Sohnes und meine Kleider.
In der Stube meiner Tochter bot sich das gleiche Bild wie in der K├╝che, im Wohnzim-mer ebenso. Also hin zur gro├čen Stube. Die war von innen abgeschlossen. Ich sah, da├č der Metallstift nicht in der Bodenleiste eingerastet war, so konnte ich die Fl├╝gelt├╝r mit einem kr├Ąftigen Ruck aufsto├čen. Hier standen ein paar M├Âbel, aber es waren nicht meine. Noch mehr erstaunte mich der Anblick einer griechischen Gro├čfamilie, die mitten in meinem Bal-konzimmer einen Grill aufgestellt hatte und gut gew├╝rztes Schaschlyk a├č. Lange Zwiebel- und Knoblauchz├Âpfe hingen an der Wand neben etlichen getrockneten W├╝rzkr├Ąutern. Die niedlichen Kinder hatten sich samt ihrer anmutigen Mutter bei meinem Erscheinen auf den Balkon gefl├╝chtet, die beiden ehrw├╝rdigen Greise sogen an ihren Tabakspfeifen, der junge Mann sah mich mit seinen wundersch├Ânen gro├čen braunen Augen flehend an ÔÇô das alles machte mir klar, da├č ich illegale Einwanderer vor mir hatte. Ich fragte: ÔÇ×Wie hei├čt ihr?ÔÇť und bekam keine Antwort. Ich wiederholte die Frage und endlich sagte eine der beiden ├Ąlteren Frauen: ÔÇ×Das m├Âchten wir nicht sagen. Wir haben Angst vor Polizei.ÔÇť Ich versicherte, da├č ich nicht zur Polizei gehe und auch nicht von der Polizei bin und bat, sie sollten sich einen Namen ausdenken, damit ich wei├č, wie ich sie anreden kann. Nat├╝rlich nannte ich auch meinen Namen. Nun klappte es. Ich erfuhr, da├č sie ihr letztes Geld hingegeben hatten f├╝r den Schl├╝ssel zu dieser Wohnung. Mir war klar, da├č einer der Handwerker diese Gemeinheit begangen haben mu├čte. Ich wollte wissen, wo meine M├Âbel sind, aber das wu├čten die Griechen nicht. Ich erkl├Ąrte ihnen, da├č sie nichts von der Polizei zu bef├╝rchten haben und gern in dieser Stube bleiben k├Ânnen, bis sie etwas Besseres gefunden haben. Aber den Schuft wollte ich nicht ungestraft davonkommen lassen. Ich fand die Firma heraus, die das Gift in meiner Wohnung verstrichen hatte. Leider war der T├Ąter nicht mehr dort besch├Ąftigt. Von meinen M├Âbeln fehlte auch jede Spur.
Meine Tochter und meine Enkelin freundeten sich rasch mit den Griechen an und bald kannten wir ihre richtigen Namen. Wir begannen, ihr Essen zu lieben und lebten sehr lange in Frieden miteinander.

__________________
Old Icke

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ElsaLaska
Guest
Registriert: Not Yet

flammarion, ich liebe solche geschichten,

ich weiss nicht, ob du dich noch an meine elsa-bert-und-die-karawane-der-idioten-geschichte erinnerst, du hattest damals geantwortet. da gings ├Ąhnlich zu.
was mich verwirrt hat, ist der anfang. erst sitzt du in der schule, dann musst du auf deine enkelin aufpassen?
ein bisschen verwirrend ist das schon.
auch bin ich zum einem grossen teil mit deinem schreibstil nicht zufrieden, wie ich zugeben muss. es sind wunderbare s├Ątze drin, die mir ausserordentlich gut gefallen, aber dann wieder welche, die ich als "schlecht" empfinde.
f├╝r die idee w├╝rde ich dir gerne 8 punkte geben, aber an der umsetzung solltest du noch ein bisschen arbeiten.
deshalb gibts nur 5.
gesteht dir freundlich gr├╝ssend
die elsa

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visco
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Der schrecklichste Tag in meinem Leben

Hallo flammarion!

Ich will dir nicht einfach nur eine "2" verpassen, ohne dir zu begr├╝nden, warum.

Es beginnt damit, da├č es offensichtlich zwei Titel gibt: "Der schrecklichste Tag in meinem Leben" (den ich aufgerufen habe) und "Der schlimmste Tag meines Lebens" (gem├Ą├č ├ťberschrift deiner Geschichte).
Zwischen "schrecklich" und "schlimm" besteht meines Erachtens ein gewaltiger Unterschied. Die gleichzeitige Verwendung beider Umschreibungen f├╝r dasselbe Thema erweckt den Eindruck, als w├Ąrst du dir bez├╝glich dessen selber nicht so ganz sicher.
Ich pers├Ânlich bin der Auffassung, da├č keiner der beiden Titel zu der Geschichte pa├čt.

Meines Erachtens gelingt es dir weder durch den bis kurz vor Ende eher als banal zu bezeichnenden Inhalt noch durch den wenig ansprechenden Erz├Ąhlstil, den Leser zum Weiterlesen zu ermuntern.
W├Ąre dies kein Diskussionsforum, in dem Hobbyautoren ihre Arbeiten nur deshalb einbringen, um von anderen rezensiert zu werden, h├Ątte ich nach "Hastig begann ich, die Waren einzupacken." nicht weitergelesen.

Insgesamt war ich entt├Ąuscht. Es ist f├╝r mich nicht nachvollziehbar, inwiefern dies der "schrecklichste" oder "schlimmste" Tag im Leben eines Menschen gewesen sein soll (das mu├č ansonsten ein sehr gl├╝cklicher Mensch sein!), insbesondere deswegen nicht, da die Ereignisse in "Freundschaft", "Liebe" und "Frieden" m├╝nden.

Von vorne:
Nach der ├ťberschrift beziehen sich die ersten S├Ątze auf einen Tag in der Schule. Nahtlos wechselt jedoch die Szenerie zun├Ąchst zu einer Kaufhalle und dann zur Privatwohnung. Schon in der Kaufhalle fragt man sich, wozu die nebens├Ąchlichen Alltagsgeschehnisse in der Schule ├╝berhaupt erw├Ąhnt wurden. Man schlie├čt unwillk├╝rlich auf die Enkelin (die ├╝brigens "nach" und nicht "am" Schulschlu├č ├╝bergeben wurde, sofern man hier ├╝berhaupt von "├╝bergeben" sprechen sollte), die dann allerdings und zur allgemeinen Entt├Ąuschung f├╝r den weiteren Verlauf der Handlung keinerlei Rolle spielt.
Das Vorfinden einer leer ger├Ąumten Wohnung, wie es hier beschrieben ist, halte ich f├╝r unglaubw├╝rdig. Das gleiche gilt f├╝r die Reaktion des Ich-Erz├Ąhlers. Und wo ist die Enkelin?
Erst jetzt scheint es etwas interessanter zu werden. Auch der Erz├Ąhlstil gewinnt nun an Qualit├Ąt. Ohne n├Ąhere Angaben zu der Person des Ich-Erz├Ąhlers ist seine Reaktion auf die Fremden in seiner Wohnung, die sich dort h├Ąuslich niedergelassen zu haben scheinen, allerdings f├╝r mich nicht nachvollziehbar. Aus welchem Grund empfindet er so gro├če Sympathie f├╝r "illegale Einwanderer", da├č er sie in seiner Wohnung duldet, obwohl er sich damit strafbar macht? Wieso Griechen? Hat der Ich-Erz├Ąhler schon andere Erfahrungen mit der Einwanderungsproblematik gemacht? War er schon einmal davon betroffen? Hat er Schuldgef├╝hle aufgrund eines fr├╝heren Verhaltens? Das alles sind Fragen, die mir durch den Kopf gingen. Der Text bietet jedoch keinerlei Anhaltspunkte. Was bleibt, sind L├╝cken, deren F├╝llung meiner Meinung nach wesentlich interessanter gewesen w├Ąre als der zum Ende in keinerlei Zusammenhang stehende Anfang der Geschichte.

Bitte schreibe die Geschichte neu. Erz├Ąhle uns mehr ├╝ber den Ich-Erz├Ąhler, aber nicht, wie er am Einkaufsband mit seinen M├╝nzen hadert, sondern was er f├╝r ein Mensch ist. Er hat doch sicher eine Vergangenheit, Vorlieben und ├ängste. Ein besseres Bild von seiner Person w├╝rde nicht nur sein Handeln erkl├Ąren, sondern uns auch die Gelegenheit geben, sich in ihm vielleicht wiederzufinden.

Ich bin sicher, du kannst viel ansprechender schreiben als man nach diesem Beitrag annehmen k├Ânnte. Vielleicht nimmst du dir beim n├Ąchsten Mal einfach ein bi├čchen mehr Zeit?
Und bedenke bitte die Symbolik, die man als Leser automatisch in hervorgehobenen Begriffen zu erkennen glaubt (Schule, Geld, zu Hause, Gift, Essen, ... um nur einige zu nennen).

Viele Gr├╝├če,
visco

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leonie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo oldicke

ja, ja, alles was schiefgehen kann geht schief. habe deine geschichte mit schmunzeln gelesen, denke aber das dir dort irgendwo, ich glaube bei den Einwanderern, der rote faden abhanden gekommen ist.
ganz liebe gr├╝├če eine immer noch schmunzelnde leonie

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flammarion
Foren-Redakteur
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Registriert: Jan 2001

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hallo,

ihr lieben, vielen dank f├╝r eure lebhafte diskussion. besonders f├╝r die sehr ausf├╝hrliche von visco. ja, es stimmt, ich habe die geschichte in gro├čer eile geschrieben und nicht nachkorrigiert. weil es n├Ąmlich wiedermal nur ein traum war. daher auch das kuddelmuddel. ich wurde k├╝rzlich darauf aufmerksam gemacht, da├č die pointe, aus dem traum an der schlimmsten stelle aufzuschrecken, schon zu abgelatscht ist. also w├Ąhlte ich die harmonie. es ging mir nur darum, euch zu unterhalten. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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leonie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo oldicke

in meinem fall ist dir das sehr gut gelungen.
eine immer noch schmunzelnde leonie

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flammarion
Foren-Redakteur
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Registriert: Jan 2001

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hab

dank, liebe leonie.
liebe elsa, hast du in den kapiteln meiner memoiren auch s├Ątze gefunden, die dir nicht gefallen? dann w├Ąre ich dir sehr verbunden, wenn du sie mir nennst. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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