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Leselupe.de > Horror und Psycho
der spiegel der wahrheit
Eingestellt am 02. 01. 2005 00:43


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mye
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Der Spiegel der Wahrheit


Ihr Name hallte in seinem Kopf wider. Ein noch warmes Echo, das langsam erkaltete wie eine leichenstarre Hand. Seine Finger zitterten. Das Foto, dass er seit fast einer Stunde in den Händen hielt, zitterte mit ihm. Es pulsierte nur noch schwach unter der Last auf seinem Herzen.
J√©rome griff nach der Zigarette. Den Bilderrahmen lie√ü er nicht los. Dann f√ľhrte er den schmalen Glimmst√§ngel an seinen Mund und nahm einen schm√§chtigen Zug. Der Rauch fl√ľchtete sich durch die L√∂cher in seiner Nase, zirkulierte in der k√ľhlen Luft und verschwand im Nichts. J√©rome trauerte dem Rauch mit einer stillen, schier unerkl√§rlichen Wehmut nach, die er nur allzu gut kannte. Er verfluchte die Bestie von Mensch, die daf√ľr verantwortlich war.
Der Raum war klein. Es fehlte in allen Ecken an Mobiliar. Nur ein winziger Beistelltisch, von dem das helle Holz abblätterte, stand in der Mitte des Raumes. Jérome saß vor dem Tisch auf dem Boden, der reiner, grauer Beton war. Sein Hintern schmerzte. Ein Schmerz, den er gar nicht erst angefangen hatte wahrzunehmen. Auf dem Tisch befand sich eine schmutzige Untertasse, auf der ein Miniaturberg aus verbranntem Papier und Tabak aufragte. Jérome trotzte der Stimme, die ihn davon abhalten wollte, und pustete einmal kräftig. Der poröse Berg zersprang und die Asche schwebte beinahe elegant durch die eh schon dreckige Luft in dem Keller.

Der zweite Kuss war fast so wie der erste. Nur l√§nger. Nicht leidenschaftlicher, nicht erotischer, nur eben l√§nger. Und besser. Himmel, jeder Kuss einer Frau war eine Wohltat, aber dieser... J√©rome wusste, dass er die Personifizierung der reinen Liebe k√ľsste. Er musste nur seine Augen √∂ffnen, sie f√ľr einen mickrigen Augenblick, nicht mehr als eine Ahnung, ansehen und er wusste, dass er sich nicht t√§uschen konnte. Die Frau, die wie ein Seelenzwilling an ihm hing, war das Gl√ľck, das ihn nach etlichen Fehltritten endlich gefunden hatte.
Julie.


Es war dunkel und still. Alle T√ľren seines Herzens waren geschlossen... und verriegelt.
J√©rome f√ľhlte sich ausgebrannt, nun endg√ľltig. Die Bestie hatte ihm sein Gl√ľck genommen. Wei√ü Gott, er hasste ihn bis auf die letzte Pore seines K√∂rpers. Wieder zog er an der Zigarette, die fast abgebrannt war. Nur noch ein kleiner Stummel, ein √úberbleibsel; mehr nicht. Du sollst verrotten, dachte er. In deinem eigenen Blut verrotten.
Der Keller wurde von dem leisen Schein einer Kerze erhellt, die am Rand des Einstiegloches auf dem Boden stand. J√©rome sah nach oben und es war, als w√ľrde er in das Licht des Himmels sehen. Willst du mich holen, fast h√§tte er seine Gedanken vertont. Dann wandte er den Blick wieder ab und l√∂schte das elendige Leben des Zigarettenstummels, indem er ihn auf der Untertasse zerquetschte. Glut ber√ľhrte seine Haut. Es war angenehm.

Eine Hand griff nach der Kerze, die oberhalb des Kellers auf dem Boden stand. Es war J√©rome. Er hatte das Foto einfach fallen gelassen und war die Steintreppe emporgestiegen, die ihn wieder in den Flur seines Hauses f√ľhrte. Auch hier war Licht nur Mangelware. Es stank nach Schwefel und Pastis.
Jérome schleppte sich ins Wohnzimmer. Auch dort brannten Kerzen. Jérome hatte Kerzen schon als Kind gemocht. Manchmal, nicht nur wenn er schlief, träumte er, dass hinter seinen Augen ein Kerzenschein loderte, der sich dann und wann im Dunkeln seiner Augenhöhlen versteckte, aber nie wirklich verschwand. Ein ständig anwesender Funke, der in ihm glimmte wie eine eigenständige Existenz.
Jérome sah sein Spiegelbild. Jedes Zimmer roch nach Pastis. Er sah in seine Augen. Sie waren traurig. Auf seinen Wangen konnte er blassweiße, getrocknete Rinnsale erkennen. Er dachte an Julie und begann zu weinen. Wieder sah er in den hohen Spiegel, der wie ein erstarrtes Orakel vor ihm stand. Jérome weinte bitterlich.
Und lachte zugleich. Julie, dachte er, Julie... Monique, Francoise, √Člaine... J√©rome schrie und schlug gegen das wiederspiegelnde Glas, das die Wahrheit in unendlich vielen Scherben auf ihn niederprasseln lie√ü. Und w√§hrend J√©rome schrie, lachte die Bestie umso mehr.
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MarleneGeselle
???
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Geist im Keller??

Hallo mye,

ich muss gestehen, dass mich deine Geschichte ziemlich verwirrt.

Zu Beginn liest sich die Geschichte, als w√ľrde jemand in einem Kellerverlies gefangen gehalten, eventuell verh√∂rt, gefoltert usw. Er denkt an seine Freundin, das gibt ihm ein wenig Kraft.

Danach empfindet er Hassgef√ľhle gegen irgend jemanden. Ob es die "Bestie" ist, geht nicht klar hervor.

Zum Schluss marschiert er nach oben, wo es seltsamerweise nach Pastis und nach Schwefel stinkt. Was bedeutet der Schwefel?
In diesem Teil ist die Rede davon, dass der Prot. sich selbst irgendwann einmal verbrannt hat; von seiner Leiche ist die Rede.
Er erinnert sich noch an andere Frauen, geht auf das eigene Spiegelbild los.

F√ľr mich ist und bleibt unklar, wer oder was der Prot. ist, was es mit der Bestie auf sich hat.

Gr√ľ√üe
Marlene

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mye
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hallo

nein, es handelt sich nicht um einen geist, es handelt sich einzig und allein um ihn, er ist nicht gefangen in diesem keller, die tatsache, dass er dort ist, sollte nur die stimmung wiederspiegeln und etwas geheimnisvolles hinterlassen. er trauert in erster linie um eine frau, das is richtig und das ist auch schon alles -am anfang. die bestie ist diejenige person, die f√ľr den verlust der frau, um die er trauert, verantwortlich ist, wer das wissen wir noch nicht. die sache mit der verbrennung is nur en absolute nebenthematik, die rein gar nix mit dem inhalt zu tun hat, hab das schon ge√§ndert, hast recht, das verwirrt nur, hab es schon fast geahnt. der keller geh√∂rt einfach zu seinem haus, deshalb geht er hoch. es riecht nach pastis, weil er st√§ndig am pstissaufen is, es riecht schlicht nach schwefel, weil er die ganze wohnung vollgequalmt hat (ich bin nichtraucher, deshalb meine frage: ist schwefel richtig, ne oder, is doch ein ganz anderer geruch oder, sone verqualmte wohnung?). am ende dann die aufl√∂sung, was durch den spiegel -dachte ich- ganz gut symbolisiert wird: er selbst -deshalb auch das aufz√§hlen der vielen frauennamen- ist der m√∂rder, also im endeffekt eine simple gespaltene-pers√∂nlichkeit-thematik, nur halt mal anders dargestellt, die bestie ist er, deshalb auch:

Ein ständig anwesender Funke, der in ihm glimmte wie eine eigenständige Existenz.

oder

Und während Jérome schrie, lachte die Bestie umso mehr.

thats it, kurzinterpretation :-)

liebe gr√ľ√üe

mye

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