Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5624
Themen:   97143
Momentan online:
71 Gäste und 4 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
die Rose
Eingestellt am 25. 02. 2018 01:16


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Tula
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2016

Werke: 170
Kommentare: 1896
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Tula eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil


die Rose


Ein Morgen trübt sich ein. Er hält den Blick gesenkt;
dabei ist ihm der Weg nur allzu gut vertraut.
An jeder Hauswand klebt ein Fetzen Grau, umsonst
gräbt er nach einem Traum der letzten Nacht, doch dann ...

der Dichter sieht -
die Rose blüht ...

ein Stummer schweigt
ein Blinder eilt


Im ersten Augenblick betört ihn nur der Tau
auf ihrem Mund, im zweiten ist es wohl der Duft
nach Orient, Kytheras Strand und rotem Schaum.
Den dritten braucht es nicht, er ist ihr längst verfallen.

der Dichter ruft -
die Rose blüht!

der Stumme lacht
der Blinde weint


Behutsam kleidet er die Blüte in ein Wort
und streichelt sie mit einem weiteren, dann hüllt
ein Schleier sanfter Traurigkeit die Blume ein;
im Kummer ist die Anmut ganz besonders schön.

der Dichter singt -
die Rose weint...

der Stumme flucht
der Blinde ahnt


Bald gleicht sein Lied der Wolke, spendet tröstend Regen,
um gleich darauf als Sonnenlicht nach ihr zu greifen.

Ein Wind zieht auf, im Nu verweht sind Tau und Schleier,
zupft kühn an jedem Blatt und raunt 'jetzt bist du mein...'

die Rose lacht

der Blinde staunt
der Stumme jauchzt

der Dichter weint

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


shoshin
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber Tula,

Ich sitze jetzt schon lange Zeit vor deinem Gedicht, weil ich gerne ausführlicher dazu schreiben schreiben wollte, aber irgendetwas in mir sträubt sich dagegen, diese schöne Gedicht zu zerreden.

Es scheint mir aus einem Guß, irgendwie unantastbar - auch wenn ich allenfalls ein zwei Dinge hinterfragen könnte -, es ist einfach wirkliche Poesie
!
Es war eine Freude das zu lesen und ich werde das sicher noch öfter tun! Danke!

LG
shoshin

Bearbeiten/Löschen    


Mondnein
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2014

Werke: 727
Kommentare: 4524
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Mondnein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

GrüßDich, Tula -

warum die überzüchtete "Rose"?

Ich würde ein anderes Gewächs nehmen. So, wie man auch sonst überteuerte Begriffe meidet, es sei denn, man braucht das durch übergroße Nachfrage Abgegriffene als solches.

Schon "Tulpe" wäre billiger. Oder "Krokus". Oder "Grashalm". Oder "Morchel". Oder "Schleimpilz". Klar, es muß schon ein Trochäus sein.

grusz, hansz
__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

Bearbeiten/Löschen    


Trainee
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber Tula,

mir geht es ähnlich wie Shoshin, deshalb möchte ich nur kurz auf Mondneins Einwand eingehen.
Die Rose zeigt hohen Symbolwert und galt schon der höfischen Minne als Zeichen des Ewig-Weiblichen oder der Liebe selbst. Mag diese nun leidenschaftlich oder vergeistigt sein.
Im christlich-orthodoxen Mythos galt sie als Symbol des Märtyrertums. Und - je nach Betrachtungsweise - kann ein Dichter all dies in ihr sehen.
Insofern ist sie für mich die perfekte Wahl.

Herzliche Grüße
Trainee

Bearbeiten/Löschen    


Mondnein
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2014

Werke: 727
Kommentare: 4524
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Mondnein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

und, beisewei, was ist denn an Weinenderosengedichten "experimentell"?
Oder ist Sentimentalität derartig verpönt, daß jetzt alle Kitschschwestern sich und ihre Rührungen unter der Demopappe "Experimentell!" versammeln? Um es guitarrenbegleitet per Flüstertüte vorzusingen?

Nun ja, ist auch ein Blickwinkel, mit Träne im Auge (des nordpolaren Windes wegen),

grusz, hansz


__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

Bearbeiten/Löschen    


Mondnein
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2014

Werke: 727
Kommentare: 4524
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Mondnein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ich bin ja durchaus, lieber Tula,

ironisch-zwiespältig: Es ist ja ein ziemlich gutes Gedicht, und dann ist es auch erfreulich, daß keiner auf Dir rumhackt mit der Brecht-Ohrfeige "Glotzt nicht so romantisch!". Immerhin sind die Lektoren der Verlage und die Juroren der Preisausschreiben noch so altachtundsechzig trocken, daß sie jedem, der sowas einsendet, das Gedicht nicht einmal um die Ohren hauen würden, so grimmig und verächtlich würden sies in den Papierkorb pfeffern. Die Antwortlosigkeit ist ja die vorherrschende Haltung der Nichtmalpreisausschreiber. Zusammen mit ihrer emotionalen Kälte und ihrer Antiästhetik. Manche unter den Unreimen schreiben ja dem entsprechend.

Andererseits kann man in Jan Wagners "Der verschlossene Raum", (das ist das Buch der letzten Monate, von dem ich mich geistig und poetisch ernähren konnte), einen Vergleich von Benn und Brecht finden, der das Heraufdämmern anderer Zeiten ahnen läßt.
Und folgendes:
Ich zitiere (S. 45) ein Pablo-Neruda-Zitat:

quote:
Vergessen wir niemals die Melancholie, die verschlissene Sentimentalität, Früchte wunderbarer, vergessener Kräfte des Menschen, unrein, vollkommen, weggeworfen vom Wahn der Literaten: das Licht des Mondes, der Schwan in der Dämmerung, >Herz mein Herz<: das ist ohne Zweifel elementare und unausweichliche Poesie. Wer sich vor dem Geschmacklosen fürchtet, den holt der Frost.

Ich habe natürlich auch die "Rosen" in der Schublade, z.B. ein Ding, Trainee kennts (habs mal vor wenigen Jahren hier dargeboten Hier klicken, ist jetzt an die vierzig Jahre her:
quote:
Pralinenschachtel Rosen altes Rot
verblättern meine Komplimente tot
lebendig falten die Gebärden sich
ein welkes Spiel mit leeren Händen ich
oder das gestern von mir hier eingebrachte Escher-Mandala (nur ein Jahr alt), wo immerhin die Kartoffelrosen (= Chinarosen) unserer städtischen Parkanlagen evoziert werden.

grusz, hansz


__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

Bearbeiten/Löschen    


14 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Experimentelle Lyrik Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung


Ausschreibung