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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
die Rose
Eingestellt am 25. 02. 2018 01:16


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Tula
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2016

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die Rose


Ein Morgen trĂŒbt sich ein. Er hĂ€lt den Blick gesenkt;
dabei ist ihm der Weg nur allzu gut vertraut.
An jeder Hauswand klebt ein Fetzen Grau, umsonst
grÀbt er nach einem Traum der letzten Nacht, doch dann ...

der Dichter sieht -
die Rose blĂŒht ...

ein Stummer schweigt
ein Blinder eilt


Im ersten Augenblick betört ihn nur der Tau
auf ihrem Mund, im zweiten ist es wohl der Duft
nach Orient, Kytheras Strand und rotem Schaum.
Den dritten braucht es nicht, er ist ihr lÀngst verfallen.

der Dichter ruft -
die Rose blĂŒht!

der Stumme lacht
der Blinde weint


Behutsam kleidet er die BlĂŒte in ein Wort
und streichelt sie mit einem weiteren, dann hĂŒllt
ein Schleier sanfter Traurigkeit die Blume ein;
im Kummer ist die Anmut ganz besonders schön.

der Dichter singt -
die Rose weint...

der Stumme flucht
der Blinde ahnt


Bald gleicht sein Lied der Wolke, spendet tröstend Regen,
um gleich darauf als Sonnenlicht nach ihr zu greifen.

Ein Wind zieht auf, im Nu verweht sind Tau und Schleier,
zupft kĂŒhn an jedem Blatt und raunt 'jetzt bist du mein...'

die Rose lacht

der Blinde staunt
der Stumme jauchzt

der Dichter weint

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shoshin
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber Tula,

Ich sitze jetzt schon lange Zeit vor deinem Gedicht, weil ich gerne ausfĂŒhrlicher dazu schreiben schreiben wollte, aber irgendetwas in mir strĂ€ubt sich dagegen, diese schöne Gedicht zu zerreden.

Es scheint mir aus einem Guß, irgendwie unantastbar - auch wenn ich allenfalls ein zwei Dinge hinterfragen könnte -, es ist einfach wirkliche Poesie
!
Es war eine Freude das zu lesen und ich werde das sicher noch öfter tun! Danke!

LG
shoshin

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Mondnein
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GrĂŒĂŸDich, Tula -

warum die ĂŒberzĂŒchtete "Rose"?

Ich wĂŒrde ein anderes GewĂ€chs nehmen. So, wie man auch sonst ĂŒberteuerte Begriffe meidet, es sei denn, man braucht das durch ĂŒbergroße Nachfrage Abgegriffene als solches.

Schon "Tulpe" wĂ€re billiger. Oder "Krokus". Oder "Grashalm". Oder "Morchel". Oder "Schleimpilz". Klar, es muß schon ein TrochĂ€us sein.

grusz, hansz
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sato bandhum asati nir avindan
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Trainee
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Lieber Tula,

mir geht es Àhnlich wie Shoshin, deshalb möchte ich nur kurz auf Mondneins Einwand eingehen.
Die Rose zeigt hohen Symbolwert und galt schon der höfischen Minne als Zeichen des Ewig-Weiblichen oder der Liebe selbst. Mag diese nun leidenschaftlich oder vergeistigt sein.
Im christlich-orthodoxen Mythos galt sie als Symbol des MĂ€rtyrertums. Und - je nach Betrachtungsweise - kann ein Dichter all dies in ihr sehen.
Insofern ist sie fĂŒr mich die perfekte Wahl.

Herzliche GrĂŒĂŸe
Trainee
__________________
Mein Maul ist ein Löwe / mein Herz ein Kaninchen / Von fern bin ich Zora, von Nahem: Sabinchen (Simone Borowiak)

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Mondnein
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und, beisewei, was ist denn an Weinenderosengedichten "experimentell"?
Oder ist SentimentalitĂ€t derartig verpönt, daß jetzt alle Kitschschwestern sich und ihre RĂŒhrungen unter der Demopappe "Experimentell!" versammeln? Um es guitarrenbegleitet per FlĂŒstertĂŒte vorzusingen?

Nun ja, ist auch ein Blickwinkel, mit TrÀne im Auge (des nordpolaren Windes wegen),

grusz, hansz


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Mondnein
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Ich bin ja durchaus, lieber Tula,

ironisch-zwiespĂ€ltig: Es ist ja ein ziemlich gutes Gedicht, und dann ist es auch erfreulich, daß keiner auf Dir rumhackt mit der Brecht-Ohrfeige "Glotzt nicht so romantisch!". Immerhin sind die Lektoren der Verlage und die Juroren der Preisausschreiben noch so altachtundsechzig trocken, daß sie jedem, der sowas einsendet, das Gedicht nicht einmal um die Ohren hauen wĂŒrden, so grimmig und verĂ€chtlich wĂŒrden sies in den Papierkorb pfeffern. Die Antwortlosigkeit ist ja die vorherrschende Haltung der Nichtmalpreisausschreiber. Zusammen mit ihrer emotionalen KĂ€lte und ihrer AntiĂ€sthetik. Manche unter den Unreimen schreiben ja dem entsprechend.

Andererseits kann man in Jan Wagners "Der verschlossene Raum", (das ist das Buch der letzten Monate, von dem ich mich geistig und poetisch ernĂ€hren konnte), einen Vergleich von Benn und Brecht finden, der das HeraufdĂ€mmern anderer Zeiten ahnen lĂ€ĂŸt.
Und folgendes:
Ich zitiere (S. 45) ein Pablo-Neruda-Zitat:

quote:
Vergessen wir niemals die Melancholie, die verschlissene SentimentalitĂ€t, FrĂŒchte wunderbarer, vergessener KrĂ€fte des Menschen, unrein, vollkommen, weggeworfen vom Wahn der Literaten: das Licht des Mondes, der Schwan in der DĂ€mmerung, >Herz mein Herz<: das ist ohne Zweifel elementare und unausweichliche Poesie. Wer sich vor dem Geschmacklosen fĂŒrchtet, den holt der Frost.

Ich habe natĂŒrlich auch die "Rosen" in der Schublade, z.B. ein Ding, Trainee kennts (habs mal vor wenigen Jahren hier dargeboten Hier klicken, ist jetzt an die vierzig Jahre her:
quote:
Pralinenschachtel Rosen altes Rot
verblÀttern meine Komplimente tot
lebendig falten die GebÀrden sich
ein welkes Spiel mit leeren HĂ€nden ich
oder das gestern von mir hier eingebrachte Escher-Mandala (nur ein Jahr alt), wo immerhin die Kartoffelrosen (= Chinarosen) unserer stÀdtischen Parkanlagen evoziert werden.

grusz, hansz


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