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Leselupe.de > Kurzgeschichten
die Verwechslung
Eingestellt am 08. 05. 2002 00:51


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Paul
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Die Verwechslung

Nachts hatte der Sturm getobt. Hatte s├Ąmtlichen Geister der Unterwelt aufgewirbelt, alles was nicht niet- und nagelfest war, war zum Spielball des Windes geworden. Regen peitschte ohn┬┤ Unterla├č auf Blechd├Ącher, die pf├╝tzenbeklecksten Stra├čen, die schlecht abgedichteten Fenster.
Jetzt, am Tage, war die Temperatur wieder in sibirischer Manier auf -20┬░ abgefallen, die Wege waren zu eisigen Rutschbahnen geworden und die B├╝rger staksten einher, als w├Ąre ├╝ber Nacht eine Parkinson-Epidemie ausgebrochen, nur ja nicht "Pardautz" und auf den Hosenboden... .
Auch Fjodor-Iwanowitsch war dergestalt unterwegs, schlitterte auf dem Trottoir so vor sich hin von der Absicht geschw├Ąngert, noch etwas Wodka k├Ąuflich zu erwerben. Die Neujahrstage standen bevor, das mu├čte schlie├člich ordentlich begossen werden.
Fjodor-Iwanowitsch war von gro├čem Wuchs, hatte Arme so dick und rund wie einer der unz├Ąhligen Birken seiner Heimat und auf einem beinahe Zweizentnerrumpf steckte ein Kopf, der einer indischen Buddha-B├╝ste alle Ehre gemacht h├Ątte, die Backen hingen wie Lefzen eines Bernhardiners herunter, die Ohren taten es ihnen gleich, zwei kleine ├äuglein waren in dieser Masse kaum zu erkennen, nur die riesige, rote Kartoffelnase sprang einem ins Auge, die wie ein Fliegenpilz aus modrigem Waldboden ragte. Der fleischige Mund war hinter einem beachtlich zerzausten Seehundschnautzbart versteckt, in dem man bei genauerem Hinsehen noch Essensreste entdecken konnte. Essen, das war eine von Fjodors Lieblings-, Lebens- und Leibesbesch├Ąftigungen , zum dem auch Teil seines Berufes, seines Zeichens war er n├Ąmlich Fleischer.
Fjodor hatte sein eigenes kleines Gesch├Ąft am Majakowski-Platz Nr.17. Seit Wohnraum knapp geworden war, a├č und schlief er auch dort und f├╝hrte so das gem├╝tlich-behagliches Dasein eines Oblomow.
Aus diesem Laden war er nun also auch heute fr├╝h, von einem schrillen "Klingeling-Klingeling" begleitet, herausgest├╝rmt, sehr in Eile hatte er seine warme M├╝tze auf sein Prachthaupt gest├╝lpt und rutschte nun in Richtung Kiosk, um sich seinen wohlverdienten und hei├čersehnten Stolitschnaja zu ergattern.
Zun├Ąchst war unser Held damit besch├Ąftigt, auf den t├╝ckisch glitzernden Weg zu achten, doch schon nach wenigen Metern gewahrte er in seinem R├╝cken, der dem eines Bullen ziemlich nahe kann, ein st├Ąndiges Kichern und Keckern, auch fiel ihm auf, da├č einige Passanten stehen blieben, ihm verdutzt hinterherschauten und zuweilen mit ihren behandschuhten Finger auf ihn zeigten.
Was war nur los? In seinem Pelz sah er doch aus wie alle anderen auch. Hm. Und doch, je weiter er ging, desto auff├Ąlliger wurde das Geb├Ąhren seiner Mitb├╝rger, schon hatte sich ein ganzer Pulk von Menschen gebildet, die ihm schnatternd, gackernd folgten, als sei er der Neujahrsmann pers├Ânlich!
Schon wollte sich Fjodor einen der besonders Aufs├Ąssigen vorkn├Âpfen, doch die K├Ąlte gemahnte ihn zur Eile, zu Hause wartete sein warmer Laden, Ochsenfleisch wollte er sich heute kochen, eine leckere Suppe schl├╝rfen und dazu, wie es eben Sitte, hie und da an seinem Wodkafl├Ąschchen nippen. Also weiter, weiter, keine Zeit verlieren und schon stand er vor dem Kiosk in der Schlange. So wie er sich auch wunderte, da├č sich selbige bei seinem Eintreffen in Luft und Wohlgefallen auf l├Âste, so war es ihm auch ganz recht, hielt er so doch um so schneller in seinen beachtlichen Pratzen, wonach es ihn gar so begehrte... .
Auf seinem R├╝ckweg, spielten sich wieder die gleichen wunderlichen Begebenheiten und Szenen wie auf dem Hinweg ab, doch Fjodor hatte jetzt nur noch eines im Sinn, hetzte so gut das unter diesen erschwerten Bedingungen ├╝berhaupt ging in Richtung seines Domizils und "Klingeling-Klingeling" wehte ihm schon wieder der Duft seiner geliebten Wurst- und Fleischwaren entgegen. Gerade wollte er seine M├╝tze in die Ecke pfeffern, als er j├Ąhlings innehielt - was war das? Was er da von seinem Haupte ri├č war nicht seine flauschige M├╝tze, nein, was er da in den H├Ąnden hielt war eine gro├če, dunkelrote, saftige LEBER!
Da ging ihm ein Licht auf , das komische Verhalten der Leute auf der Stra├če, das seltsame Platschen der M├╝tze bei jedem Schritt - das war es gewesen! Hatte er doch vorhin in der Hektik, statt nach seiner M├╝tze auf dem Haken zu greifen knapp daneben...


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Walter Walehn
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2001

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Hallo Paul,

das ist wirklich eine nette Geschichte. Besonders gelungen finde ich die Vergleiche wie... hatte Arme so dick und rund wie einer der unz├Ąhligen Birken seiner Heimat...usw. Sch├Ân!

LG
Walter

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