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Leselupe.de > Kurzprosa
die anfahrt
Eingestellt am 26. 09. 2002 12:38


Autor
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margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
Kommentare: 3340
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das kleinauto bog auf die beschleunigungsspur.
alles war noch grau und ineinander. die scheiben
waren beschlagen. regen nieselte gegen die front-
scheibe. lastz├╝ge rollten schwer ├╝ber die autobahn.
die luft war voll feinem wasserstaub. die schein-
werfer gruben tr├╝be l├Âcher in den nebel.
er blickte in den r├╝ckspiegel. das licht der auf-
r├╝ckenden fahrzeuge blendete ihn. seine augen
lagen tief und m├╝de. die fahrt ging voran mit
blicken nach hinten, mit einscheren und aus-
scheren. er h├Ârte radio. er drehte die werbung
leiser. er beobachtete den tankstand. manchmal
fand er zeit, in der autobahnrastst├Ątte einen kaffee
zu trinken du ein k├Ąsebr├Âtchen zu essen. dabei las
er ein wenig. er hatte den arbeitsalltag vor sich,
trotzdem empfand er zwischendurch ein prick-
elndes urlaubsgef├╝hl ÔÇô frei zu sein und einfach
├╝ber den morgen hinaus in die fremde fahren ÔÇô
der verkehr schl├Ąngelte sich wie ein schmaler
lavastrom ins tal, langsam und z├Ąh. ihn ├╝berkam
dieses wunderbare freiheitsgef├╝hl, und er bewun-
derte die menschen, wie sie das bewerkstelligten,
dass alles so einfach wurde mit dem fu├č auf dem
gaspedal, und menschen, orte, ganze landschaften
glitten vorbei. er fuhr gen westen. die aufgehende
morgensonne blendete ihn durch den r├╝ckspiegel.
dann fuhr er wieder in einen nebel. er fuhr ├╝ber
bewaldete berge und kam seinem fahrziel lang-
sam n├Ąher. an stra├čenbaustellen r├╝ckten die
fahrzeuge enger zusammen, und an den h├Ąngen
schienen die lastwagen einander anzuschieben,
so nah und langsam krochen sie den berghang hin-
auf. er sa├č m├╝de hinter dem steuer seines kleinen,
roten autos. im radio brachten sie fast jeden morgen
von grausamen auffahrunf├Ąllen, bei denen sich
mehrere wagen ineinandergeschoben hatten.
er rieb sich die augen und dehnte sich in seinem
sitz. der scheibenwischermotor st├Ârte im radio.
seine gedanken hielten sich nicht an der stra├če.
er dachte an die ganze welt, die wir menschen
so schnell durcheilten.



(1986)

__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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