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Leselupe.de > Erzählungen
die badenden
Eingestellt am 05. 06. 2016 20:58


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catbarlu
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jun 2016

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Nach meinem Kurzurlaub in Dänemark war ich wieder in Freiburg angekommen. Mit gewohnter Schnelligkeit waren meine schon grob vorsortierten Sachen wieder eingeräumt bzw. für meine „Klementine“ aussortiert. Ja Freunde, auch eine Waschmaschine hat einen Namen. Die Miele die ich in Riegel gekauft hatte und auf meiner „Flucht“ zurückgelassen habe heißt, „Micha“. Schnief, eine Waschmaschine die meinen Namen trägt….. . Da ich ja eigentlich genug Dinge um mich habe bin ich trotzdem in Hvide Sande mal so mir nichts, dir nichts, über die Klappbrücke zum Loppenmarket geschlendert. „Wat is dat schon wieda“ hörte ich einige Stimmen. Ein Flohmarkt. Denn dort hatte ich mir ein hübsches Bild erhandelt, einen Peder Severin Kroyer für Arme. Es ist ein kleines fröhliches Bild mit dem Titel „ Die Badenden“. Es war eine Strandszene, mit Eltern und spielenden Kindern in Badesachen am Strand. Wie ich es in meinem Händen hielt mußte ich unwillkürlich an Dänemark denken und spürte die real nicht existierende leichte Brise die es immer in Strandnähe gab. Es war ein schönes Gefühl. Da kam mir die Idee, ich kann es doch einfach im Hausflur an die Wand zu hängen, dann könnte sich jeder freuen. Wie immer fand ich meine Idee toll und dazu noch so sozial, denn so hatte jeder der sich das Bild ansieht was davon. Wie mein Werk vollendet war schellte ich noch kurz bei meinen unter mir wohnenden Nachbarn und plauderte ein wenig über Dänemark und sagte ihm, er hat auch einige Bilder im Hausflur hängen auf seiner Etage, daß ich auch Bilder nun an den kahlen Wänden gehangen habe. Es waren 2 Bilder, ein eigenes Werk und die Badenden. Auch er fand das Bild schön, es war auch für ihn ein fröhlich stimmendes Werk und er war auch beeindruckt von der leichten Pinselführung, einfach ein gute Laune Bild. Wir fanden es hatte verdient gezeigt zu werden.

Wie ich dann spät abends nach Hause kam lagen meine Bilder auf dem Karton vor meiner Wohnungstür. Komisch dachte ich, evtl. der Maler, der bald das Treppenhaus streichen wird?? Ok, dann am nächsten Morgen hing ich beide Kunstwerke wieder an ihre Plätze und verließ das Haus. Diesmal kam ich etwas früher nach Hause denn ich wollte am frühen Abend nochmals fort, ohne meinen Ford. Doch an dem späten Nachmittag hatte ich ein Déjà-vu- Erlebnis, denn die Bilder lagen schon wieder auf dem Karton, sauber abgehangen. Von dem Schock mußte ich mich erst einmal erholen, vielleicht lag es auch an der Hitze die an diesem Tag herrschte. Ich aber war sauer, ein Königreich für meine McLight, gut, dass sie nicht oben ist. Gut, dann, ich bin ja ein lupenreiner Demokrat versuchen wir es doch mal mit einem offenen Brief, oder hätte ich Fingerabdrücke nehmen sollen und dann jeden im Haus fragen sollen ob ich um seine Hand anhalten darf. Ich also ins Internet Cafe und dabei ist dann folgendes bei rausgekommen:



Hallo Nachbarn!!!



Ich möchte mich bedanken, das man meine Bilder im Hausflur nur abgehangen hat, 2 mal schon, sorry.

Auch bin ich froh, dass sie unbeschädigt sind, gab ja schon andere Zeiten in Deutschland, da war man nicht so zimperlich wenn einem solche KUNST nicht gefallen hat. Dabei bin ich froh, dass keiner meine Bücher kennt, die würden dann evtl. auch entsorgt.

Lieb Vaterland magst ruhig sein, bin ja froh das wir nicht schon den 9. oder 10. November haben……. Ja, Freiheit und Demokratie ist ein hohes Gut und denke viele haben auch aus der Vergangenheit gelernt.

Wenn einem was nicht gefällt kann man miteinander reden und nicht die Bilder einfach 2-mal abhängen, als nächstes wird meine Türe noch mit Symbolen belegt.

Ich denke so ein offener Brief ist auch eine Form von Demokratie, leicht angelehnt an Artikel 5. Ich muss hier sogar auf das Unschuldvermutungsgebot hinweisen, denn ich weis nicht wer es wirklich gemacht hat.

Ich werde nun die Bilder nicht mehr aufhängen obwohl wir 2015 schreiben und nicht 1938, aber mache Dinge sind nun mal in meinen Augen ähnlich.

Meine Unterschrift



Ok, denke auf dem ersten Blick weis man nichts mit den Daten anzufangen, aber es war das Datum der, wie der Berliner Volksmund wegen der vielen Glasscherben zu sagen pflegte, Reichskristallnacht. Vor allen fand ich es, bei 5 Mietparteien komisch das man nicht miteinander reden kann. Aber die beiden Bilder hatten auf mich einfach keine logische Erklärung was sie bei anderen auslösen könnten. Eine lange zurückliegende Bücherverbrennung war ja auch keine Literaturkritik, oder??

Ein alter Freud der Familie, der Onkel Karl aus Bayern, nachdem ist sogar ein Feiertag benannt worden, der Valentinstag, pflegte zu Lebzeiten immer zu sagen:

Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische."

Also zwei Seiten haben wir ja nun schon kennengelernt doch Onkel Karl hat nicht unrecht, es gibt wirklich immer eine komische. Evtl. bin ich auch manchmal etwas zu sarkastisch, man muss ja meine Wortwahlen oder Antworten nicht unbedingt mögen, aber ich halte es da auch wie der alte Häuptling der Indianer, krummer Rücken – gerade Zunge. Nachdem mein offener Brief nun so offen im Hausflur geöffnet rum hing, hatte er dann auch das Schicksal wie meine Bilder erfasst, nur mit dem Unterschied, er war total weg. Abgehangen und auch nicht auf meinem Karton. Ich dachte schon er ist fort wie meine Spuren im Sand vom Hennestrand…. Doch am nächsten Morgen, ich wollte gerade los in die Schweiz, nicht schon wegen Asyl, lag mein Brief plus ein handgeschriebener Brief auf meinem Karton. Da ich feste Termine hatte konnte ich den Brief nur überfliegen und nun kommen wir zu dem komischen Teil, wie, daß sei hier deutlich gesagt, aus meiner Sicht. Kunst ist ja schön, aber sie macht auch Arbeit.



Das Ende kommt noch und auch das Bild , damit sich auch jeder ein Bild machen kann.







So nun bin ich wieder in Deutschland und mittlerweile hat der Maler, der sich als Anstreicher geoutet hat; und es war das kompl. Treppenhaus gestrichen. Nur die Wände waren nackt, ich meine ohne Bilder, muss ja alles trocken.

Aber ich konnte dann den Brief in Ruhe lesen…..

Sehr geehrter Herr….. (die kannten sogar meinen Namen)

Vielen Dank für Ihren „offenen“ Brief. Seien Sie versichert, auch für uns zählt Demokratie und Meinungsfreiheit als ein hohes Gut, und ja auch wir sind froh, nicht in den Jahren nach 1933 zu leben. Da wir leider nicht wussten von wem die Bilder sind, konnten wir auch nicht das Gespräch mit Ihnen suchen.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir nicht jeden Tag mit unserer kleinen Tochter an einem Bild vorbeilaufen wollen, auf dem fast nackte Personen abgebildet sind. Das finde ich, ist nicht altersgerecht. Ich bin überzeugt, dass wir hier eine Lösung im gegenseitigen Einvernehmen finden werden.

2 Unterschriften ( eine mit Namen der in Deutschland häufig vorkommt und ein Name mit, sagen wir mal so, nicht unbedingt deutschen Wurzeln )

Ok, natürlich konnten sie nicht wissen, daß die Bilder von mir waren. Gut, sie haben meine Bilder vor meiner Tür abgelegt, denke mangels Mülltonne im Hausflur. Es ist in meinen Augen ein Hohn von Demokratie zu sprechen wenn man nur an seine eigenen individuellen und egoistischen Wünsche denkt. Sie hätten mir ja auch das Bild abkaufen können, wäre doch eine lustige Lösung, aber ein abhängen, und zwar von beiden Bildern lässt von einem Defizit an Toleranz schließen. Also für mich ist das eine sehr komische Seite und ich muss mir echt Gedanken machen, neben wem wohnt man? Mir tut das Kind leid und ich kann ja nicht auf das hängende Bild bestehen, so dass das Kind mit Gesichtsmaske das Haus verlassen muss. Ich denke für manche ist diese Geschichte ohne irgendeine Message, aber alles hat mal klein angefangen und wie die Geschichte zeigt kann sogar aus einem Tellerwäscher, sorry einfachen Gefreiten ein An-Führer werden. Aber sogar unser allseits beliebter Bundespräsident ist der Meinung, Volksentscheid ist nix für das Volk. Die verstehen ja überhaupt nicht die Zusammenhänge. Da kann ich nur sagen, ich verstehe manche Dinge auch nicht………





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lemmots

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Ralph Ronneberger
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