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Leselupe.de > Humor und Satire
die liebenden
Eingestellt am 07. 04. 2002 01:27


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paula pink
Hobbydichter
Registriert: Apr 2002

Werke: 8
Kommentare: 3
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Es ist meistens zu spÀt oder noch spÀter
Von einem, den seine Mutter verlassen hat





Der Anfang (1)
Meine Mutter hatte einen kleinen Zettel zum kleben auf den KĂŒchentisch gelegt. Ich ignorierte ihn bis in die frĂŒhen Morgenstunden, da ich Anweisungen vermutete. SpĂ€ter las ich: Ich gehe.
KĂŒchenentscheidung (2)
Ich stöhnte auf und vertrieb mit meinem Fuss Mutters Meerschweinchen. Das quiekte nur kurz und verschwand im Bad. Was kann ich tun? Ich aschte in die Blumenvase, da ich mir sicher war, dass sie sich dies nicht gefallen lĂ€sst und sofort leidend den Raum betritt. Die Zuckerdose Ă€nderte auch nicht viel. Die Frage war nun: geht sie oder bleibt sie auch? Sicherlich fĂŒr eine Nacht. Ich begann anzurufen.
Party (3)
Die Chips waren alle und Peter, der Vorschlaghammer setzte im Übereifer den Wagen meiner Mutter vor einen Apfelbaum, der daraufhin drei Jahre keine Äpfel mehr tragen sollte. Irgendwie bekam man es immer hin, sich nicht dem Gedanken der öden Wiederholungen hinzugeben. Keiner fragte nach dem Verbleib des Hausschatten.
Sabines EinwÀnde (4)
Ich wusste nie, ob sie dazu neigte Frauenzeitschriften zu glauben. Ich wusste, dass sie Beine hatte, die ihr bis zum Hals gingen und ein umwerfendes DekolletĂ© in diesem roten Teil. Sie setzte ganz unerwartet zum Wortduell an, pulsierend und irgendwie ganz rot im Gesicht. Der Streifen zwischen ihren BrĂŒsten lag ganz blas herum. „Wie in aller Welt...“ In diesen Situationen ist es nicht sinnvoll um Sex zu bitten. „Du weißt nicht, wie kannst du da...“
Sabine geht (5)
Sie hatte vergessen ihren Hauch mitzunehmen. Erst nach Stunden des Hinvegetieren verflĂŒchtigte er sich irgendwo.
Anruf bei einer Tante (6)
Sie, das Monster tat unwissend. Ich tat aggressiv bemĂŒht. Sie wollte sich jeden Buchstaben mit Gold aufwiegen lassen und brachte mich in die Versuchung bei der nĂ€chsten Kaffeerunde einen Furz auf ihr blau-weisses SahnekĂ€nnchen zu geben. „Wir essen gerade...“ Mit einem Topf voller duftenden Kohl wĂŒrde sie mich in meinen TrĂ€umen verfolgen, vielleicht könnte ich sie in einem gĂŒnstigen Moment mit der Kaffeemaschiene erschlagen. Noch ein nettes Wort. Ich kitzelte geschickter.
Die Spur (7)
Sie ist umgezogen in eine Wohnung in einen anderen Stadtteil. Ich binde mir die Schuhe fest zu.
Unterwegs allein in der Straße (8)
`HĂ€nschen Klein ging allein in die weite Welt hinein.` Hier könnte man ausgeraubt werden. Im Kopf formuliere ich 1000 SĂ€tze, die ich meiner Mutter an den Kopf werfen möchte. Einer sollte schmerzhafter, als der andere sein. Und sie wĂŒrde bleich erröten und mich um ein Glas Wasser bitten. Kann gut möglich sein, dass ich es ihr verwehren werde, vielleicht sollte ich sie auch um Vergebung betteln lassen.
Ich gönne mir ein Bier (9)
Ich klebte auf dem Hocker und vermied es auffĂ€llige Gesten zu machen, da ich die Sprache der diffusen Gestalten um mich herum nicht kannte. Vielleicht sagte man mit einem Schulterzucken, dass der hier anerkannte und von allen ĂŒber Jahre hin weg begleitete Fußballverein nur ĂŒber schlechtspielende Arschlöcher verfĂŒgte. Belangloses lenkt immer ab. Ich bestellte mir etwas zu trinken, weil ich nicht wusste, ob ich mich beim rausgehen fĂŒr rechts oder links entscheiden sollte.
Die Tante ruft zurĂŒck und ich kann sie empfangen (10)
Mein Handy klingelt.
Sie hat die Adresse und es ist ein Mann. Sie sagt das ganz abfĂ€llig und meine alte Kampfenergie lĂ€sst mich fĂŒr Sekunden im SchĂŒtzengraben fĂŒr die neue Liebe meiner Mutter, die gesamte Verwandtschaft niederschiessen. Danach bin ich leicht deprimiert, weil ich mir zuviel MĂŒhe gebe. „Ich kann mir gar nicht denken, was in sie gefahren ist...“ ÂŽDas was nie mehr in dich reinfahren wird!` Klick! Ich trinke meine Milch nie heiss, weil ich die Haut widerlich finde.
Treppenhausphilosophie (11)
Sie wohnt jetzt in einem Haus, welches nicht mein zu Hause ist. Vielleicht sollte ich hin und wieder den Aspekt nĂ€her untersuchen, dass meine Mutter ein Leben vor mir hatte. Gesetz dem Fall, ich wĂŒrde Vater werden, dann wĂŒrde mein Kind in meiner Situation nicht bedenken, dass ich diesem Moment in dem Leben agiere, welches ich fĂŒhre, da ich nicht warten kann zu leben, bis ich mein erstes Kind bekommen habe. Das heisst: obwohl mein Kind nichts von diesem Leben ahnt, ist es doch da. Sollte ich letztendlich ein Abschnitt bleiben. Hat meine Mutter nun doch ein Sexualleben. Wenn ich jetzt klingle, muss sie sich dann erst anziehen? Stinkt das hier!
Meine Mutter trÀgt pink (12)
„Ach, du...“ Unser frĂŒheres Schweigen hatte mehr Spannung. Sie schaute mich an, als ob ich mal wieder meinen Spinat nicht aufgegessen hatte. Ich verspĂŒrte dumpf AnflĂŒge von zĂ€rtlichen GefĂŒhlen zu ihr, insbesondere zu ihrem pinken Morgenmantel. „Mutter...“ „Ruf mich an...“ Der Geruch im Treppenhaus lies mich schwindlig werden. Sie gab mir keinen Stuhl zum setzen. Sie schloss die TĂŒr ganz leise, wie es nun mal ihre Art war.
Ich bin Kind (13)
So wie meine Mutter immer eine Mutter blieb, blieb ich auch immer Kind. In der erwachsenen Zeit vergißt man oft, das man Kind einer Mutter ist. Als meine Mutter aufhörte meine Mutter zu sein, wurde ich wieder ihr Kind. Ich hatte meine Mutter verloren, weil sie mich als Kind nicht mehr brauchte, obwohl ich immer davon ausgegangen bin, dass ich meine Mutter verlassen hab, weil ich nicht mehr Kind war. Sollte ich mich in der Annahme irren, dass ich ihr gleichgĂŒltiger war als sie mir. War sie vielleicht nur schneller gegangen?
Ich bin Kind.
Der Schluss (14)
Ich legte mich flach auf den Kachelboden der U-Bahnstation. Ich zĂ€hlte die blauen. Es waren 264 StĂŒck. Ich beschloss zu warten, bis mich jemand ausraubte.

__________________
ich hoffe freude bereitet zu haben
ihre paula pink

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axel
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 14
Kommentare: 57
Die besten Werke
 
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Hallo paula pink.
Ich finde deinen Text wunderschön.
Noch besser als das Werk als Ganzes gefallen mir (nicht wenige) einzelne Formulierungen, bei denen die eigenen Gedanken so richtig schön fliegen können. So etwas macht Spaß zu lesen.
Bleibt nur eine Frage: Was ist daran satirisch?
Schöne GrĂŒĂŸe,
axel

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Bruno Bansen
Guest
Registriert: Not Yet

Pink

Also, erstmal, Satire? Eindeutig ja! Schon der Titel, dem Text gegenĂŒber gestellt, zeigt das ohne Frage! Frage nochmal, zum Verdeutlichen: Satire? Also, keine Frage: Kann nur, ohne sich zu wiederholen, mit einem klaren "Nein" beanwortet werden. Ich bin bekannt fĂŒr meine eindeutigen Entscheidungen. Alles andere wĂ€re ja zweideutig.

"Pink Paula", Moin moin erstmal. Schon der Nickname ist Satire pur. Pink, als Rodier-Gewirk fĂŒr Ă€ltere Damen, mit Parfum (Avon), und StĂŒtzstrĂŒmpfen. Nichts gegen letztere,
aber die Konsequenz aus dem ewigen Konflikt zwischen MĂŒttern und Töchternn kann nur das mit dem, auf dem RĂŒcken liegenden KachelnzĂ€hlen sein, und auch dessen Schauplatz, nĂ€mlich der U-Bahnhof, ! Arme Meersau, desgleichen Blumen in Vase, ihr mĂŒsst drunter leiden, desgleichen der Zuckertopf, Scheiß aber auch. Also Satire? Ja! Nochmal: Satire? Jein! oder? Nee - alles ganz normale Beziehungkiste - erzĂ€hlt klasse, satirisch!

FĂŒr 'ne Neue in de Lupe, ganz hervorragend, find ich. Mehr davon!

Viele GrĂŒĂŸe!

Bruno

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