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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
dinge die dazwischen stehen
Eingestellt am 19. 08. 2005 16:54


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regenbogenpony
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2005

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Kommentare: 1
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Mein Liebster,



allein die Begr├╝├čung ÔÇťmein LiebsterÔÇŁ erscheint mir so falsch wie die Tatsache, dass ich dir ├╝berhaupt einen Brief schreibe denn es ist ├╝berzogen. ├ťberzogen von der Seite, die leidet. Also von mir. W├Ąhrend du diesen Brief liest, wirst du vermutlich lachen, dich am├╝sieren, mir wie immer ├╝berlegen sein. Ich schreibe ihn mit Tr├Ąnen in den Augen, Wunden im Herzen, blutigen Fingern├Ągeln. Nat├╝rlich ist dies eine ├ťbertreibung dessen was wirklich vorherrscht doch du kennst mich ja, ich muss die Dinge ausschm├╝cken damit mir nicht langweilig wird. Au├čerdem m├Âchte ich dich nicht entt├Ąuschen und das w├╝rde ich vermutlich wenn ich in einem mir fremden n├╝chternen Zustand diese Zeilen verfassen w├╝rde. Also werde ich dir jenes Drama erm├Âglichen welches dir so vertraut ist wie der Klang meiner Stimme. Doch vermutlich erinnerst du dich nicht mal mehr an diesen Klang. Er w├Ąre gar nicht auszumachen neben den tausend anderen Stimmen, die dein Leben bestimmen.

Aus welchem Grunde schreibe ich dir diesen Brief wirst du dich nun vermutlich fragen. Und diese Frage ist berechtigt, oh mein Liebster. Denn ich habe l├Ąngst begriffen wie die Dinge stehen, habe sie akzeptiert auch wenn sie mir schlichtweg nicht passen. Ich habe dich dein Leben leben lassen nachdem du meins sorgf├Ąltig und ├Ąu├čerst erfolgreich zerst├Ârt hast und du hast nicht mal Vorw├╝rfe meinerseits bekommen. Als w├Ąre nie etwas vorgefallen bist du zur├╝ckgegangen in das Leben welches du gef├╝hrt hast bevor du mich trafst. Doch diese Zeit ist nun vorbei denn ich habe entschieden, dass du b├╝├čen musst f├╝r jedes Wort, das du nie gesagt hast; jede Untat, die du begangen hast; jede Tr├Ąne, die du zu verantworten hast. Und wie soll das funktionieren wirst du dich nun vermutlich fragen. Ach mein Liebster, hab Geduld, fr├╝h genug wirst du alles verstehen!

Man k├Ânnte meinen ich w├Ąre verbittert weil ich dir, aus Rache und Verzweiflung, einen Brief schreibe der im Grunde nichts bewirken kann. Ein Blatt Papier hat keine lebensver├Ąndernde Wirkung auf jemanden wenn er es nach dem Lesen sofort wieder zur Seite legt oder sogar wegwirft. Einzelne W├Ârter k├Ânnen niemanden dazu bewegen, etwas zu ├Ąndern wenn er es nicht selbst in seinem Innersten will. Wozu also dieser Brief? Ich glaube es ist eine simple Genugtuung wenn ich mir beim Schreiben dieses Briefes klar mache wie du beim Lesen reagieren wirst. Die ganze Zeit ├╝ber wirst du schmunzeln bis du gegen Ende feststellen musst, dass ich dir entgegen deiner bisherigen ├ťberzeugungen doch gef├Ąhrlich werden kann und zwar in einer Art und Weise, die dir bis zu dem Zeitpunkt unbekannt war. Ja, ich glaube das ist der wahre Grund, warum ich diesen Brief an dich verfasse: Ich rechne ab. Mit dir, unserer gemeinsamen Zeit doch vor allem mit meinem damaligen Ich welches ich nun nur noch verabscheuen kann.

Eine relativ lange Einleitung f├╝r einen Brief dessen Hauptteil eigentlich nicht viel ausmachen wird. Also werde ich nun direkt auf den Punkt kommen: Du, mein Liebster, hast es geschafft, dass ich keinen Schritt vor oder zur├╝ck komme. Deinetwegen bin ich auf der Stelle stehen geblieben, die nach wie vor deinen Schatten wirft und von der etwas Unerkl├Ąrliches und zugleich B├Âsartiges ausgeht. Ja, ich bin verbittert und w├╝tend, und wie gerne w├╝rde ich mich pers├Ânlich f├╝r alles revanchieren. Doch die Macht habe ich leider nicht. Also bleibt mir nur eines: die Hoffnung, dass du wirklich alles bekommen wirst was du verdienst. Ich k├Ânnte dir nun eine effektvolle Fabel erz├Ąhlen, die dir klarmachen k├Ânnte was ich meine, doch ich preferiere es, dich selbst nachdenken zu lassen denn das bereitet mir einfach eine gewisse Zufriedenheit. Ich freue mich sehr wenn ich wei├č, dass dir meine Worte mal einfallen werden, in einer Situation tiefster Trauer und die von mir herbeigef├╝hrt wurde.

Der Brief findet nun unaufhaltsam und vor allem abrupt sein Ende und zwar mit den Worten, die dir wie gesagt unbewusst im Ged├Ąchtnis bleiben werden: Mein Leid ist dein Gl├╝ck, meine Trauer dein Zuspruch doch bedenke, dass das letzte Wort nicht gesprochen ist und wenn du von nun an durch die Welt l├Ąufst, derma├čen erhaben und eingebildet wie du nun mal bist, denk bitte daran, dass dein Leid mein Gl├╝ck und deine Trauer mein Zuspruch sein wird.



Xxx


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Ich habe so tief von Gef├╝hlen getr├Ąumt, dass ich ihrer m├╝de bin.

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