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Leselupe.de > Kurzgeschichten
ein Nutztier
Eingestellt am 19. 07. 2015 00:37


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nananuk
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2015

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Warnung: Diese Geschichte beinhaltet extreme (psychische) Gewalt.

Er ging noch mal in sich und dachte dar├╝ber nach, ob er es wirklich machen sollte. Aber es war wohl die einzige M├Âglichkeit, das Tier vor seinem letzten Leiden zu bewahren. Und wenn er es nicht tat, w├╝rde es eben ein anderer tun. Au├čerdem, da er selbst Fleisch konsumierte, wollte er eben auch konsequenterweise so ehrlich sein, beim Schlachten mit zu helfen. Er hatte schon ├Âfters mitgeschlachtet. Das Verarbeiten des Fleisches machte ihm nichts aus: ausbluten lassen, zerlegen, kochen, u.s.w. Das eigentlich Schlimme daran, fand er, war das Hinaustreiben des Tieres und dann das Anlegen des Bolzenschussger├Ątes. Die Tiere schienen irgendwie zu sp├╝ren, dass es ihnen ans Leder gehen sollte. Jedenfalls waren sie nur mit Gewalt aus dem Koben zu treiben und dabei quiekten sie meist entsetzlich. Und wenn das Bolzenschussger├Ąt angesetzt wurde, war ihre Todesangst jedes mal deutlich zu sp├╝ren: Vergeblich versuchten sie mit aller Kraft, sich vom Strick zu rei├čen.

Er ging in den Stall und knipste das Licht an. Das Tier lag in seiner Ecke auf einem Lager Stroh und blinzelte verschlafen. Er war selbst noch ziemlich m├╝de. Ihn ├╝berkam Abscheu vor sich selbst. Aber es musste getan werden, auf die eine oder andere Weise, und er wollte es auf die andere Weise machen - das Letzte, was er f├╝r das Tier noch tun konnte. Er ├Âffnete langsam die T├╝r. Das Tier sah ihn misstrauisch an und erhob sich aus seiner Ecke, aber ansonsten blieb es ruhig. Er ging langsam zu ihm hin und hockte sich daneben. Dann fing er an, es zu streicheln. Das Tier schmiegte sich an ihn und genoss die Streicheleinheit - wahrscheinlich seit Langem die letzte Zuneigung, die es in seinem Leben erfahren hatte. Nun ├╝bermannte ihn das Mitleid und er konnte seine Tr├Ąnen nicht l├Ąnger zur├╝ck halten. Das Tier schien seine Trauer zu sp├╝ren, und als ob es ihn tr├Âsten wolle, schmiegte es sich noch enger an ihn.

Aber ihm blieb nur noch wenig Zeit, denn sie waren schon da, luden nur noch das Schlachtwerkzeug aus dem Auto und tranken vielleicht noch ein Gl├Ąschen Schnaps. Es war nun soweit. Wenn er noch ein Letztes f├╝r das Tier tun wollte, musste er nun seine Gef├╝hle ├╝berwinden und endlich handeln. Behutsam legte er den Strick um ein Hinterbein des Tieres und schob es behutsam Richtung T├╝r. Es war zwar noch etwas verschlafen, bewegte sich aber ganz unbek├╝mmert langsam richtung Ausgang, schn├╝ffelte dabei interessiert an den Utensilien, die ├╝berall herumstanden, und betrat dann neugierig den Hof.

Dort standen schon die M├Ąnner bereit.
"Drei Zentner. Mehr wirds wohl diesmal nicht sein." Ein anderer nickte zustimmend. "Tja, hat eben schlecht gefressen."

Sie umringten es langsam. Es z├Âgerte, be├Ąugte sie misstrauisch, und schaute dann zu ihm hoch. Ihn schauderte. Aber er zwang sich zur Beherrschung und dr├╝ckte sanft seine freie Hand auf die Schultern des Tieres. Er bem├╝hte sich, innerlich ruhig zu bleiben und hoffte, dass diese Ruhe auf das Tier abstrahlen w├╝rde. Es funktionierte. Das Tier r├╝ckte noch n├Ąher an ihn heran, so, als vertraue es auf seinen Schutz.

Die M├Ąnner waren so verbl├╝fft ├╝ber die Ruhe des Tieres, dass sogar das Anpflocken vergessen wurde. Der Metzger lud noch schnell eine Patrone in sein Bolzenschussger├Ąt. Jetzt kam alles auf ihn an. Er kniete sich neben das Tier und umarmte es liebevoll um Nacken und Hals - die anderen dachten, er w├╝rde es einfach nur festhalten. Nun legte der Metzger sein Bolzenschussger├Ąt an die Stirn des Tieres. Da umarmte er es noch inniger und sp├╝rte, mit welcher Wonne das Tier die Umarmung genoss - und er hatte es verraten...

__________________
"Ich l├╝ge immer. Ehrlich!"

Version vom 19. 07. 2015 00:37
Version vom 19. 07. 2015 13:12
Version vom 19. 07. 2015 13:16
Version vom 19. 07. 2015 13:21
Version vom 20. 07. 2015 15:26
Version vom 20. 07. 2015 16:35

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Ilona B
Autorenanw├Ąrter
Registriert: May 2014

Werke: 7
Kommentare: 121
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Hallo Nananuk,

Du hast die Situation einf├╝hlsam geschildert, ich konnte die Gef├╝hle gut nachempfinden. Allerdings muss ich zugeben, ich esse Fleisch. Zwar nicht besonders viel, aber darauf verzichten m├Âchte ich nicht. W├Ąren alle der Meinung Deines Protagonisten,

quote:
Au├čerdem, wenn er schon Fleisch konsumierte, m├╝sste er eben auch konsequenterweise so ehrlich sein, auch mit beim Schlachten zu helfen.
m├╝ssten die meisten Menschen, einschlie├člich mir, Vegetarier werden.

Hier noch ein paar kleine Fehler, die mir aufgefallen sind.
Im obigen Satz w├╝rde ich dass rote "auch" weglassen.
Hier bitte klein schreiben.
quote:
Es z├Âgerte, schaute sie misstrauisch an, und dann schaute es wie fragend an Ihm hoch.
quote:
Jetzt kam alles auf Ihn an. Er kniete sich neben das Tier und umarmte es liebevoll um Nacken und Hals
quote:
Und Er hatte es verraten..
Ich w├╝rde den zweiten roten Satz weglassen oder umschreiben.
quote:
Ihn ├╝berkam Abscheu vor sich selbst. Aber es musste getan werden, auf die eine oder andere Weise, und er wollte es auf die andere Weise machen - das Letzte, was er f├╝r das Tier noch tun konnte. Er ├Âffnete langsam die T├╝r. Dabei ├╝berkam ihm wieder Ekel vor sich selbst.



__________________
Herzliche Gr├╝sse Ilona

Es gibt Wichtigeres im Leben, als best├Ąndig dessen Geschwindigkeit zu erh├Âhen.(Mahatma Gandhi)

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