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Leselupe.de > Humor und Satire
ein Wespe oh Graus....
Eingestellt am 28. 10. 2009 13:41


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ninlil
Hobbydichter
Registriert: Oct 2009

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Eine Sommergeschichte


Bssss Bssss Bssss,
zielgerecht steuert der schwarz geringelte gelbe Tornado mein mit Karottencreme versch├Ântes Gesicht an. Der Duft der gelben R├╝be scheint es ihm angetan zu haben, denn er zieht immer engere Kreise um meine Nase. Unmutig wedle ich mit der Hand. Bemerke zufrieden, dass ich erfolgreich einen Treffer gelandet habe. Taumelig von der Wucht meines Schlages, krabbelt das ordin├Ąre Insekt an meiner veredelten Fuchsie empor.

Neidvoll begutachte ich das schwarze Quergestreifte, das der schmalen Wespentaille nichts anhaben kann. Verlegen wende ich den Blick. Ich vertiefe mich wieder in mein Buch, diesmal eins von der leichten Sorte, wenn auch nicht gerade Hera Lind, dennoch dicht daneben.
Oh, endlich scheint die Protagonistin den Wert ihres Jugendfreundes zu erkennen, der sie schon seit Jahren, von ihr unbemerkt, vor allem Unbillen bewahrt. Die schillernde, undurchsichtige Gestalt in Form eines gut gewachsenen Playboys hat, so wie es ausschaut, endg├╝ltig ausgespielt.
Sie landet endlich in den Armen ihres alten Freundes. Ich seufze vor Behagen.

Bsssss Bsssss Bsssss, diesmal versucht der abscheuliche stachelbewehrte Qu├Ąlgeist auf meinem, mit einer Packung aus Eigelb und ├ľl versehenen Haarschopf, zu landen. Das Ger├Ąusch wird durchdringender, schon haken sich die F├╝├če siegessicher an meinen aufget├╝rmten Haaren fest. Entsetzt fahre ich aus meinem Liegestuhl. Das fehlt mir noch, ein Stich in meine Kopfhaut, wo ich doch ohnehin so allergisch bin. Gerade Wespenstiche, an der richtigen Stelle platziert.......! Ich wage es nicht, weiter dar├╝ber nachzudenken.

Entschlossen fuchtle ich mit dem Buch ├╝ber meinem Kopf herum. Der halbleinerne Umschlag l├Âst sich. Die einzelnen Bl├Ątter verteilen sich idyllisch ├╝ber den Balkon. Ein lauer Sommerwind bl├Ąttert in den Seiten.
Ich ├╝berwinde den ersten Schrecken, denn ich liebe B├╝cher. Aber, ich habe dieses fast ausgelesen und besonders wertvoll ist es auch nicht.
Bssss Bssss Bssss.
Die renitente Bestie kehrt zur├╝ck. Allzu erfolgreich scheint meine Abwehrma├čnahme nicht gewesen zu sein. Die Wespe fliegt einen eleganten Bogen ├╝ber meinen Balkontisch, umrundet mit t├╝ckischem Bsssss Bsssss meinen Oberk├Ârper. Das halte ich nicht aus!
Ich greife nach der dicken Gesamtausgabe von Shakespeare, die neben mir auf dem Tisch liegt. Ich kann sie kaum mit beiden H├Ąnden umfassen. Giftig schiele ich zu dem Insekt, das munter unter meinem hellgelben Sonnenschirm herumsaust.
Diesmal geht es dir endg├╝ltig an den Kragen, nehme ich mir kriegerisch vor. Ich umklammere den Shakespeare, mit einem gewaltigen Satz st├╝rme ich nach vorn. Die Wucht rei├čt mich von den F├╝├čen, ich h├Ąnge mit dem Oberk├Ârper ├╝ber der Br├╝stung.
Aber ich habe getroffen!
Wehm├╝tig starre ich auf meinen Sonnenschirm. Den hat Shakespeare aus der Verankerung gerissen, das zerfetzte Tuch ziert nun das Geb├╝sch unterhalb meines Balkons. Das wei├če Gestell ragt gebrochen durch den gl├Ąnzenden Stoff. Shakespeare dagegen ist anscheinend nichts passiert, der thront auf meiner einstigen sonnensch├╝tzenden Zierde.
Ermattet sinke ich in den Stuhl, ringe nach Fassung.
Bsssss Bsssss Bsssss.
Das kann nicht wahr sein. Vermutlich h├Âre ich schon Wespengespenster. Vorsichtig wende ich meinen Kopf dem Ger├Ąusch zu. Ich zwinkere, traue meinen Augen nicht. Munter und unbeschadet klettert die geringelte Zeitbombe an meinem Glas mit dem Rest Orangensaft hinauf. Auf dem Glasrand entfaltet sie ihre durchscheinen Fl├╝gel, schwingt sich probeweise einige Zentimeter empor. Sekundenlang verharrt sie wie ein winziger Hubschrauber auf der Stelle.
Da, sie linst zu mir hin├╝ber. In ihren Facettenaugen liegt eindeutig ein triumphierendes Glitzern!
Und so, als ob nichts gewesen w├Ąre, l├Ąsst sie imponierend ihre Fl├╝gel rotieren, um sich im gleichen Augenblick, anmutig, aufw├Ąrts, in den wolkenlosen Sommerhimmel zu schrauben.




__________________
Manchmal f├╝hle ich mich wie eine leere Auster in sturmgepeitschter H├╝lle; mit einer vagen Erinnerung
an gl├╝ckliche Zeiten im endlosen Meer.

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Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 304
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hallo ninlil,
und herzlich willkommen in der LL

eine locker leichte geschichte um eine wespe
hast du da geschrieben.
kurzweilig.

die idee mit shakespeare hat mir gefallen

in diesem sinne

weiter so

man liest sich
ralf
__________________
RL

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