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Leselupe.de > Ungereimtes
ein mensch ist gestorben
Eingestellt am 30. 04. 2003 13:20


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margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
Kommentare: 3340
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pearl jam dreht sich um die eigene achse
die toten waren mir lieber
als die lebenden
nachdem ich ein frisches weißes laken
über sie gelegt hatte
ich konnte mich nicht sattsehen
und ich streichelte zum abschied
noch einmal den arm, das gesicht des toten
und ich sagte: „roman, du warst ein lieber
kerl ...“
er hatte sich an den bettgalgen geklammert
ich hielt ihn wohl noch ein dutzend mal im
arm
das leben pochte durch die zimmertüre
die angst war weg
aber wir wollten seinen offenen mund
zukriegen –
indem wir handtücher unter sein kinn
postierten
und unter seinen hinterkopf
als ich eine binde um seinen kopf wickelte
verzerrte das sein gesicht zur grimasse
ne, das hat keinen sinn, sagten wir
und schließlich sah er richtig gut aus
das kunstwerk eines friedlich
eingeschlafenen
morgen wird sein zimmer frisch gestrichen
die nächsten kommen zum sterben

er hatte einfach aufgehört zu atmen
mittendrin
die zimmertüre hatten wir offengelassen
mir war es zuerst aufgefallen
ich hörte ihn nicht mehr atmen
ein blick genügte
wir waren gerade auf dem rundgang
beim windelwechseln
ich machte weiter, als wäre nichts geschehen

was ist auch geschehen?
ein mensch ist gestorben
kein zweifel
nie wieder werde ich in seine augen schauen
nie wieder seine haut berühren

eine biographie geht über in den
äther
des vergessens

__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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Sansibar
Guest
Registriert: Not Yet

Abschied

Hallo Margot,
soviel Poesie habe ich eigentlich noch nie aus einem Text bei dir herausgelesen. Es klingt sehr authentisch, als ob du es soeben erst erlebt hast.
Gruß Sansibar

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margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
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sansibar, ich erlebte in zwei aufeinanderfolgenden
nächten zwei todesfälle am wochenende.
natürlich sind das nicht meine ersten. ich begleitete
einige dutzend menschen in den letzten jahren beim sterben.
aber jedesmal stellt sich mir diese einzigartige frage:
war`s das dann?
auf der anderen seite empfinde ich frieden und ein
bißchen unsicherheit, wenn ich den toten zum aufbahrungs-
raum schaffe. wo ist der mensch?
und ich? und du? warum machen wir uns das leben manchmal
so schwer? ich spüre, wie gering mein eigenes leben ist.
und ich verstehe alle religionsgläubigen. ich verstehe
die menschen, die sich künstliche busen reinoperieren
lassen oder sonstwas kosmetisches. ich verstehe sie
alle, und ich muß weinen ... ich muß weinen!!

ralph
__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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Waldemar Hammel
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Registriert: Dec 2002

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Ein ganz ausgezeichneter Text, weil aussagestark, ungekünstelt, authentisch-wirkend !

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Sansibar
Guest
Registriert: Not Yet

Trost

Hallo Margot,
das klingt noch ehrlicher. Ich nehme dich einfach in den Arm, denn Trost brauchen viele, alle, besonders die, die von Krankheit gezeichnet sind und die, die ihr Leben zum Teil mit Morbunden verbringen.
Das Leben ist nichts - und alles -das weiß ich, aus eigener Erfahrung.
Nimm meine Worte als so ehrlich an, wie ich die deinen. Wir reifen am Schmerz, ob wir wollen oder nicht. Es ist immer wieder gut zu erfahren, dass es doch noch MENSCHEN gibt, die teilnehmen, fühlen, ahnen können.
In diesem Sinn
Sansibar

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Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 620
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eine biographie geht über in den
äther
des vergessens

Jetzt nicht mehr...lG Otto


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