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Leselupe.de > Kindergeschichten
ein - noch titelloses - Kinderbuch (Auszug)
Eingestellt am 04. 08. 2004 15:21


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Gabriele
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Hier stelle ich Euch die ersten vier Kapitel des Buches vor, das ich derzeit schreibe. Es wird wohl am ehesten fĂŒr 10- bis 12jĂ€hrige MĂ€dchen interessant sein.
Nach lĂ€ngerem Hin- und HerĂŒberlegen stelle ich es nun doch nicht ins Forum "ErzĂ€hlungen", sondern hier herein. (Ich hoffe, es ist nicht zu lang. Hera kann es ja bei Bedarf noch verschieben.)
Und nun geht's los:



Ein neuer Tag

Rasend schnell fliege ich mit Harry Potters Besen durch die Luft. Da ertönt plötzlich eine Stimme, die ich von irgendwoher gut kenne: „Barbara!“
So eine unsanfte Landung - kein Harry, kein Besen, keine schöne Landschaft! Stattdessen mein Bett, der Kasten gegenĂŒber, das Fenster, vor dem es schon so grĂ€sslich hell ist – und Mamas Gesicht. Wenigstens lĂ€chelt sie.
„Zeit zum Aufstehen, Schatz!“
„Ja... Morgen...“ GĂ€hnend strecke ich mich. Ist denn heute wirklich schon wieder Montag? Nur noch ein paar Minuten liegen bleiben...
Was haben wir denn heute in der ersten Stunde? Mathe? Hoffentlich kapiere ich diese komplizierten Bruchrechnungen endlich! Wenigstens haben wir danach zwei Stunden Werkunterricht.
Ob Susi schon wieder gesund ist? Wenn nicht, muss ich Mama fragen, ob ich sie nach der Schule besuchen darf.
Mama – hat sie wirklich gute Laune heute, oder hat sie nur mir zuliebe gelĂ€chelt? Seit Papa ausgezogen ist, weint sie oft. Aber dafĂŒr haben wir jetzt viel öfter als frĂŒher richtigen Spaß miteinander. Komisch!
Leer ist die Wohnung ohne Papa schon. Aber es tut gut, dass nicht mehr soviel gestritten wird. DafĂŒr streite ich jetzt manchmal mit Mama. Weil sie aber auch stĂ€ndig nerven muss mit ihrem: „WegrĂ€umen! HĂ€nde waschen! Tisch decken!“ Ich bin eben auch mĂŒde, wenn ich von der Schule heimkomme, genau wie sie nach der Arbeit.
Papa ist es egal, ob ich mir die HĂ€nde wasche oder aufrĂ€ume. Er ist eigentlich immer gut aufgelegt, wenn ich bei ihm bin. Na ja, frĂŒher war er oft mĂŒrrisch, aber jetzt... Kann sein, dass er es ein bisschen leichter hat als Mama. Trotzdem wĂ€re ich oft lieber bei ihm, weil Mama immer so im Stress ist...
„Barbara! Jetzt aber wirklich! Raus aus den Federn!“
„Okay, ich komm ja schon!“
Seufzend krieche ich aus dem Bett. Die Sonne scheint schon zum Fenster herein; dĂŒrfte ein schöner warmer Junitag werden. Immerhin etwas!
Also: TschĂŒss, Harry, tschĂŒss SchlafbĂ€r, von dem außer Mama niemand etwas wissen darf, und rein in den neuen Tag!




Was ist los mit Susi?

Endlich ist die letzte Stunde vorbei. Ich schlendere mit Eva, Beate und Silvia zum Speisesaal.
„Wie lange bleibst du heute in der Nachmittagsbetreuung, Bea?“ frage ich.
„Bis vier. Und du?“
„Ich gehe schon um drei. Mama hört heute im BĂŒro frĂŒher auf. Außerdem möchte ich noch Susi besuchen. Weiß eine von euch, was ihr fehlt?“
„Keine Ahnung!“ meint Bea. Auch Silvia und Eva schĂŒtteln die Köpfe.
Nach dem Mittagessen fragen wir Ulrike, unsere Nachmittagslehrerin, aber auch sie weiß nicht, warum Susi nun schon die dritte Woche im Unterricht fehlt.
WĂ€hrend ich mich mit der Matheaufgabe plage, beschließe ich, um drei gleich bei Susi daheim anzurufen. Vorige Woche habe ich es auch schon versucht, aber es ging nie jemand ran. Zu Ă€rgerlich, dass ich Susis Handynummer nicht habe! Sie hat ihr neues Handy erst vor einem Monat zu ihrem zwölften Geburtstag bekommen.
„Barbara, bist du schon fertig?“ fragt Ulrike.
„Nein, aber fast. Ich mache die Aufgabe daheim fertig. Es wird ja schon gleich drei, ich muss gehen.“
„Na gut, wie du meinst!“
Schnell packe ich meine Sachen zusammen, sage „TschĂŒss!“, laufe aus dem Schulhaus und zur nĂ€chstgelegenen Telefonzelle. Ich glaube, ich werde mir jetzt auch endlich mal ein Handy wĂŒnschen; leider ist mein Geburtstag erst im November...
„Hallo, Frau Lautersbach, hier spricht Barbara Elser! Endlich erreiche ich Sie, ich hab’s schon so oft versucht! Wie geht’s Susi?“
„Ach Barbara, lieb, dass du anrufst! Ja, weißt du, Susi...“
Die Stimme von Susis Mutter wird leiser und ein bisschen zittrig, so, als wĂŒrde sie gleich zu weinen beginnen.
„Susi ist im Krankenhaus.“
„Was? Aber warum denn, seit wann denn, was fehlt ihr denn?“
„Schon seit zwei Wochen. Eure Klassenlehrerin weiß es, aber ich habe sie gebeten, euch nichts zu sagen.“
„Aber das ist ja...“
‚...eine Gemeinheit!’ hĂ€tte ich beinahe gerufen. Meine zweitbeste Freundin ist seit zwei Wochen im Krankenhaus, und mir sagt keiner was!
„Hat sie sich etwas gebrochen, oder... ?“
„Nein... Sie liegt auf der Kinder-Onkologie, das ist...“
Mir wird heiß und fast ein bisschen schwindlig.
Klar, ich weiß, was das ist, die Onkologie! Papa ist ja Arzt und arbeitet im Krankenhaus; er hat mir oft von seinen Patienten erzĂ€hlt und viele FachausdrĂŒcke erklĂ€rt.
Das bedeutet also, dass Susi...
Quatsch, Susi kann doch nicht Krebs haben! Die lustige Susi, die im Turnunterricht immer die Beste ist, die als einzige SchĂŒlerin der Klasse schon in Amerika war, die mir immer so liebe kleine Briefchen unter der Bank zugeschoben hat, wenn ich wegen Mama und Papa wieder mal traurig war...
„Barbara! Bist du noch dran?“
„Ja, Verzeihung! Ich...“
„Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken, deshalb sollte euch Frau Benz ja vorerst auch nichts von Susis Krankheit erzĂ€hlen.“
„Was... hat Susi denn genau?“ frage ich. Meine Stimme klingt ganz anders als sonst, irgendwie blechern.
„LeukĂ€mie. Das ist eine schwere Erkrankung des Blutes.“
„Ja, ich weiß, Verdammt, verdammt, das gibt’s doch nicht!“ Gleich fange ich an zu heulen. Mensch, Barbara, reiß dich zusammen! Susis Mutter heult auch nicht, und fĂŒr sie muss es noch viel schlimmer sein. Ich schlucke die TrĂ€nen hinunter und sage tapfer:
„Ich möchte Susi besuchen; wenn’s geht, heute noch. Meine Mutter erlaubt es bestimmt.“
Will ich wirklich? Habe ich nicht schrecklich große Angst? Angst vor all den Apparaten und Nadeln, Angst vor Susis Gesicht, Angst, irgendetwas Falsches zu sagen oder zu tun?
Aber nein, sie ist meine Freundin, seit der ersten Grundschulklasse schon; sie hat immer zu mir gehalten, wenn es mir mal schlecht ging oder niemand mit mir spielen wollte. Sie freut sich bestimmt, wenn ich sie besuche, auch wenn sie sich nicht gut fĂŒhlt.
Frau Lautersbach sagt mir die Nummer des Zimmers, in dem Susi liegt, meint aber, ich brĂ€uchte doch nicht... , das sei zu belastend fĂŒr mich...
Aber ich lasse mich nicht umstimmen, verabschiede mich von ihr und rufe noch schnell Mama an. Die ist auch total erschrocken, als ich ihr von Susis Krankheit erzĂ€hle. Sie erlaubt mir, noch ins Krankenhaus zu fahren, warnt mich aber auch und fragt, ob sie mitkommen soll. Ich zögere kurz – leichter wĂ€re es schon, wenn Mama dabei wĂ€re. Aber nein, ich bin kein kleines Kind mehr, ich schaffe das allein!
„Um sechs bin ich daheim. TschĂŒss, Mama!“
Ich lege auf und mache mich auf den Weg ins Krankenhaus. In meinem Kopf ist plötzlich kein Platz mehr fĂŒr die Vorfreude auf den Sommer und die Ferien; er ist jetzt voll mit Angst und Sorgen.




Ein nicht sehr fröhliches Wiedersehen

Die Station, auf der Susi liegt, habe ich mir ganz anders vorgestellt. Es ist gar nicht so wie sonst im Krankenhaus, eher wie in einem Kindergarten: alles bunt und fröhlich, ĂŒberall Stofftiere, Regale mit BĂŒchern und Spielen, lustige Bilder an den WĂ€nden... WĂ€ren da nur nicht diese Spitalsbetten und all die angsteinflĂ¶ĂŸenden GerĂ€te und Leitungen!
Susi strahlt mich an, als ich zu ihr ans Bett trete.
„Babsi! Ist das eine Überraschung! Schön! Aber woher wusstest du, dass ich hier bin?“
„Du kennst doch meine detektivischen FĂ€higkeiten!“ lache ich.
Von meiner anfĂ€nglichen Unsicherheit habe ich mich rasch erholt. Es ist gar nicht so schwer, wie ich es mir vorgestellt habe. Freilich, bei Susis Anblick bin ich zuerst erschrocken; sie sieht so schmal und zerbrechlich aus, wie sie da im Bett liegt, ganz anders als noch vor ein paar Wochen. Sie hat auch viel weniger Haare am Kopf. Von Papa weiß ich, dass das von der Chemotherapie kommt. Trotzdem, ich rede einfach drauflos, ohne viel nachzudenken:
„Sei froh, dass du den Geo-Test versĂ€umt hast, der war so schwer – eine Frechheit von der Langen!“
Unsere Geografielehrerin heißt nĂ€mlich Frau Langer.
„Zum GlĂŒck habe ich keine Schularbeiten versĂ€umt. Aber ich werde wohl nicht mal am Zeugnistag hier raus können... und aus der Spanienreise im Juli wird auch nichts.“
Ich sehe, wie sich Susis Augen mit TrĂ€nen fĂŒllen. Damit sie nicht sieht, dass es mir auch so geht, nehme ich sie schnell in die Arme und sage:
„Dann fĂ€hrst du eben nĂ€chstes Jahr hin. Hauptsache, du wirst bald wieder gesund!“
„Ja, wenn ich das werde... vielleicht muss ich auch bald sterben. Ich habe viel gelesen ĂŒber diese Krankheit; wenn sie zu spĂ€t entdeckt worden ist, ist alles umsonst, was sie hier mit mir machen...“
Eine junge Krankenschwester kommt ins Zimmer. Sie geht zuerst zum anderen Bett, in dem ein etwa achtjÀhriges MÀdchen liegt. Ob es auch Krebs hat? Ich frage besser ein anderes Mal, wenn es nicht hier ist.
Nun kommt die Schwester zu uns herĂŒber.
„Hallo Susi! Das ist ja schön, dass dich nicht immer nur alte Leute besuchen.“ Sie lacht. „Es ist wieder Zeit fĂŒr deine Infusion.“
WĂ€hrend sie an Susis Arm herumhantiert, fragt diese:
„Wie lange wird es noch dauern, bis ich gar keine Haare mehr habe?“
„Hm! Vier, fĂŒnf Tage, schĂ€tze ich. Dann bringt dir deine Mutter eine ganz schicke PerĂŒcke, und du wirst aussehen wie ein Filmstar.“
Susi lÀchelt nicht.
Endlich ist die Schwester fertig und geht.
„Das war Schwester Maria. Sie ist immer lustig, das geht mir manchmal richtig auf die Nerven!“
Irgendwie verstehe ich das.
„Die Petra ist eine ganz Strenge. Am liebsten mag ich Astrid, die merkt immer genau, ob man reden will oder nicht, ob man fröhlich oder traurig ist.“
„Und die Ärzte?“
„Es gibt eine nette junge Ärztin, Dr. Eisner, die erklĂ€rt alles ganz toll. Dr. MĂŒhlbacher spricht nicht viel; ich glaube, er denkt, wir kapieren sowieso nichts.“
„Hm, ein bisschen wie mit den Lehrern! – Soll ich dir nĂ€chstes Mal Hefte zum Nachschreiben mitbringen?“
„Ja, Babsi, das wĂ€re toll! Wenn es mir zwischendurch etwas besser geht, ist mir oft langweilig; ich mag nicht immer nur lesen oder fernsehen. Jetzt ist es so schön draußen! Wie gerne wĂŒrde ich skaten gehen oder schwimmen!“
Still höre ich zu. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Soll ich etwa erzĂ€hlen, dass ich gestern zum ersten Mal in diesem Jahr im Freibad war? So etwas muss Susi ja noch trauriger machen.
„Stell dir vor, morgen kommt mein Bruderherz auf Besuch!“ erzĂ€hlt sie nun.
„Oh!“ Susis Bruder Michael studiert seit dem vorigen Jahr in einer anderen Stadt. Ich habe ihn zum letzten Mal in den Semesterferien getroffen, als ich bei Susi zu Besuch war. Er kommt mir ziemlich hochnĂ€sig und besserwisserisch vor; Susi sagt selbst, dass er eingebildet ist. Allerdings sieht er echt toll aus...
„Ja, ein Wunder, dass er Zeit hat fĂŒr seine kleine Schwester! Na ja, ich freue mich natĂŒrlich schon, ich habe ihn zuletzt vor zwei Monaten gesehen. Auch wenn er sich oft wie ein Ekel benimmt, er ist ja doch mein Bruder!“
Ich schaue auf meine Armbanduhr. Schon fĂŒnf Uhr vorbei. Nach Hause werde ich wohl eine Dreiviertelstunde brauchen.
„Du ich muss langsam los... Gib mir bitte noch deine Handynummer!“
Ich notiere die Nummer auf meinem Mathe-Aufgabenheft; ich kann sie ja zu Hause wieder ausradieren, wenn ich sie in mein Notizbuch geschrieben habe. Verflixt, die Mathe-Aufgabe ist ja noch nicht fertig!
„TschĂŒss, Susi! Ich komme spĂ€testens am Freitag wieder, okay? Mit Heften und BĂŒchern, damit du bĂŒffeln kannst.“
„Ja, schön... Dann habe ich vielleicht schon eine Glatze.“
„Aber nein, eine tolle PerĂŒcke – wie Emma Watson oder so? Na, deine Mama weiß schon, was dir steht und gefĂ€llt. Also, bis bald!“
Ich umarme sie und kĂŒsse sie auf die Wange. „Und Kopf hoch, das wird schon!“
Susi nickt und lÀchelt ein bisschen gequÀlt.
„Danke fĂŒr deinen Besuch – und fĂŒr die Zeitschrift!“ Die habe ich ihr vorher beim Kiosk vor dem Krankenhaus gekauft. „TschĂŒss!“
WĂ€hrend ich langsam durch die langen GĂ€nge in Richtung Hauptausgang gehe, habe ich ein GefĂŒhl in mir, das ich noch nicht kenne; irgendwie ist es ein bisschen so, als wĂ€re ich heute mit einemmal ein ganzes StĂŒck Ă€lter geworden.




Mit Papa am See

Beinahe drei Wochen sind vergangen. Nur noch sechs Tage bis zur Zeugnisverteilung, und dann beginnen endlich die Sommerferien!
Heute ist Samstag, „Papa-Tag“. Weil es wieder mal sehr heiß ist, sind wir zum Kirchbacher Badesee gefahren. Zum GlĂŒck ist Papas Freundin nicht mitgekommen, die mag ich nĂ€mlich nicht so besonders. Irgendwie erinnert sie mich an eine Barbiepuppe; die finde ich ja auch schon lange doof.
Hier am See ist eine Menge los. Ich bin sicher schon fĂŒnfzigmal vom Steg ins Wasser gesprungen und ungefĂ€hr zwanzigmal mit Papa um die Wette geschwommen, bis er keine Lust mehr hatte. DafĂŒr habe ich dann Sandra kennen gelernt; sie kann noch besser tauchen als ich. Leider ist sie jetzt schon heimgefahren; es ist ja schon halb sechs. Aber wir haben unsere Telefonnummern ausgetauscht, da können wir uns wieder mal verabreden.
AllmĂ€hlich werde ich mĂŒde, und kalt wird mir auch schon. Ich steige aus dem Wasser, laufe zu Papa und lege mich auf das große, rot-gelbe Badetuch. Ich kenne es noch von frĂŒher, als Papa noch bei uns wohnte.
Papa blickt von der Zeitung hoch und lÀchelt mich an.
„Na, hast du genug fĂŒr heute?“
„Ich glaube schon. Aber ich wĂŒrde trotzdem gern noch ein bisschen hier bleiben.“
„Geht in Ordnung. Deine Mama will, dass du um halb acht zu Hause bist; da können wir noch bis dreiviertel sieben bleiben.“
„Schön! Musst du morgen arbeiten?“
„Nein, zum GlĂŒck nicht, aber ich möchte mit Isa wandern gehen.“
„Was, deine Isa geht wandern? Das passt gar nicht zu ihr, die zieht doch nur so zarte, spitze SchĂŒhchen an...“
„Barbara! Mach dich nicht ĂŒber Isabella lustig! Sie ist nicht so, wie du denkst; du musst sie nur erst besser kennen lernen. Aber du willst ja im August nicht mit uns zum Camping nach Italien fahren.“
„Auf keinen Fall! Ich hab mich fĂŒr die Woche, in der ihr dort seid, schon bei Oma angemeldet!“
„Na, wie du meinst. Aber irgendwann wirst du dich daran gewöhnen mĂŒssen, dass ich wieder eine Frau habe.“
„Freundin – nicht Frau. Oder willst du sie etwa auch noch heiraten?“
„Jetzt noch nicht. Aber vielleicht in ein, zwei Jahren... Hör mal, Babs, deine Mama wird sich irgendwann auch wieder mal verlieben. Solche Dinge wirst du akzeptieren mĂŒssen; du wirst deshalb nicht zu kurz kommen, keine Sorge!“
„Mama – verlieben? Kann ich mir nicht vorstellen. Sie hat die Nase voll von den MĂ€nnern, sagt sie.“
„Soso, sagt sie das...“
„Bitte Papa, lassen wir dieses doofe Thema! – Hast du schon mal jemanden behandelt, der LeukĂ€mie hatte?“
„LeukĂ€mie? Nein. Wie kommst du denn darauf?“
„Du kennst doch noch Susi, du weißt schon, die kleine DĂŒnne mit den langen, schwarzen Haaren.“
„Die mal mit uns im Kino war?“
„Ja, genau. Stell dir vor, Susi hat LeukĂ€mie.“
„Um Gottes Willen, die Arme! Hast du Kontakt mit ihr?“
„Ja. Ich besuche sie jede Woche einmal im Krankenhaus. Beim letzten Mal sah sie schon etwas besser aus, das liegt aber wohl auch ein bisschen an der tollen PerĂŒcke. Sie ist so tapfer, jammert fast nie. Papa, was kann man gegen diese Krankheit tun? Ich weiß, dass bei Susi eine Chemotherapie gemacht wird. Aber wenn das nun nicht reicht? Kann man da nicht operieren?“
Papa nickt ernst.
„Doch. Wenn die Medikamente nicht helfen, kann eine Knochenmarktransplantation durchgefĂŒhrt werden. Da mĂŒsste zuerst ein geeigneter Spender gefunden werden.“
„Spender?“
„Ja, Knochenmarkspender. Am besten eignen sich dafĂŒr die Geschwister des Erkrankten. Hat Susi Geschwister?“
„Einen Ă€lteren Bruder. Ob der so etwas tun wĂŒrde?“
„FĂŒr den Spender ist der Eingriff nicht gefĂ€hrlich; man bekommt eine Narkose und wird punktiert. Danach ist man vielleicht k.o. von der Narkose, aber ansonsten gesund. - Wie lange ist Susi denn schon im Krankenhaus?“
„Warte mal – etwas mehr als drei Wochen.“
„Da sollte die Chemo langsam wirken.“
„Sie hat erzĂ€hlt, dass sie vielleicht in der zweiten Ferienwoche nach Hause darf, natĂŒrlich ohne Verreisen und so, das wĂ€re zu anstrengend. Hoffentlich klappt das.“
„Hm, ich halte ihr die Daumen, deiner Susi. Schön, dass du dich so um sie kĂŒmmerst!“
„Ist doch klar, sie ist ja meine zweitbeste Freundin, und das schon sehr lange. Vielleicht sogar die beste inzwischen. Bea enttĂ€uscht mich momentan ein bisschen; sie will nie mit ins Krankenhaus gehen, um Susi zu besuchen.“
„Tja, so etwas verkraftet nicht jeder, auch viele Erwachsene nicht. Sei deshalb nicht böse auf Beate! Aber du bist schon ein tolles MĂ€dchen, ich bin stolz auf dich.“
Das ist mir jetzt ein bisschen peinlich, aber natĂŒrlich freue ich mich auch.
„Na, Babs, wollen wir langsam aufbrechen?“ Papa klopft mir freundschaftlich auf die Schulter.
„Ist gut. Mir ist ohnehin schon kalt.“
Wir packen unsere Badesachen ein und gehen zu den Kabinen. WĂ€hrend ich mich dusche und anziehe, denke ich: Vielleicht ist diese Isa ja netter, als sie beim ersten Kennenlernen wirkt. So ein lieber Papa kann sich doch keine total bescheuerte Frau aussuchen!



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hera
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Liebe Gabriele,

dein Text steht hier schon richtig. Und zu lang ist er auch nicht.

Du packst ein schwieriges Thema in deinem Kinderbuch an. Das ist immer eine Gradwanderung, die dir aber gut gelingt. Aus der Sicht von Barbara zu schreiben ist eine gute Idee und lĂ€sst deine Geschichte sehr persönlich erscheinen. Mein Interesse an deinem Buch ist geweckt und sicherlich kannst du mit diesem Anfang auch deine anvisierte Zielgruppe fĂŒr dein Buch gewinnen.

Viele GrĂŒĂŸe, hera

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Gabriele
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Danke, liebe hera!
Deine Worte freuen mich sehr und bestÀrken mich beim Weiterschreiben.
DafĂŒr sorgt allerdings auch schon meine Tochter, die nach jedem Kapitel schon neugierig auf die Fortsetzung ist.
Schönen Tag noch!
Gabriele

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flammarion
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hm,

flĂŒssig geschrieben und gut erzĂ€hlt.
aber passiert sonst nichts weiter im umfeld deiner protagonistin? in der schule, nachbarschaft, natur oder auf der straße? mit solchen zwischenspielen könntest du ihren charakter nebenbei darlegen und sympathie aufbauen.
lg
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Gabriele
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Re: hm,

Hallo flammation,
Du schreibst: "passiert sonst nichts weiter im umfeld deiner protagonistin? in der schule, nachbarschaft, natur oder auf der straße?"
Doch, es tut sich in meinem Buch noch eine ganze Menge rundherum, allerdings erst in den nachfolgenden Kapiteln.
Aber es stimmt schon, ich könnte vielleicht auch schon in den ersten Kapiteln so etwas einfließen lassen.
Danke fĂŒr Deine Gedanken!
Gruß, Gabriele

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Stern
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wo bleibt die...

...Fortsetzung???

Liebe Gabriele,

die ersten Abschnitte deines Kinderbuches gefallen mir gut! Hast du nicht noch mehr auf Lager? Mich wĂŒrd's interessieren.

Ganz persönlich mag ich den allerersten Satz nicht so sehr, wegen Harry Potter's Besen. Ich weiss, dass sehr viele Kinder in dem Alter total auf Harry Potter stehen. Aber ist es nötig, bzw. hast du es nötig, dich gleich im ersten Satz mit einem "legendĂ€ren" anderen Buchhelden einzufĂŒhren? Nicht böse sein, aber das hat fĂŒr mich fast schon was von "anbiedern". Ich finde es jedenfalls unnötig. FĂŒr meine Begriffe wĂŒrde ein Hexenbesen ausreichen. Das mag aber eine persönliche Empfindung von mir sein.

Die Beschreibungen von Barbara's aufmerksamem Umgang mit der Abwesenheit und der sich herausstellenden Krankheit der Freundin gefallen mir, die Andeutungen ĂŒber die BerĂŒhrungsĂ€ngste anderer Freundinnen, der Hintergrund mit dem geschiedenen Elternhaus, ihre eigenen Konflikte in dem Zusammenhang.
Es ist was dran, an dem was flammarion sagt, dass Barbara noch schĂ€rfer, dreidimensionaler gezeichnet werden könnte. Vorsicht scheint mir geboten, dass die Geschichte sich nicht nur oder zumindest wesentlich um problematische Themen dreht, sondern auch noch etwas Leichtigkeit gewinnt. Ich vermute, dass die LeukĂ€mie-Erkrankung der Haupt-Handlungsstrang ist. Immerhin gibt es zusĂ€tzlich noch die Trennung der Eltern, die offenbar noch nicht allzu lange zurĂŒckliegt. KĂ€me noch mehr "Schwieriges" fĂ€nde ich die Geschichte ĂŒberfrachtet. Ein Licht-Thema, wie z.B. eine auf Gegenseitigkeit beruhende, unkomplizierte Verliebtheit, als Kontrapunkt mit eingesponnen, fĂ€nde ich super.

Hab ich jetzt zuviel Kritisches gesagt? Mir gefÀllt's, sonst hÀtte ich nicht so viele Gedanken dazu im Kopf! Darf ich erfahren, wie es weitergeht?

Liebe GrĂŒsse,

Stern *

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Gabriele
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Hallo Stern,

danke fĂŒr Deine VorschlĂ€ge!
Das Buch ist bereits fertig. Exposé und Prpobekapitel liegen schon bei einem Verlag; ich warte gespannt auf Nachricht, was die LektorInnen davon halten.
Über den ersten Satz werde ich noch einmal nachdenken.
Ansonsten: Keine Sorge, es geht in dem Buch nicht nur um Probleme, es kommt auch genug Fröhliches darin vor. Mehr möchte ich hier in der LL aber nicht preisgeben. Ich kann Dir allerdings das Exposé zukommen lassen, wenn es Dich interessiert.
Einen schönen Tag wĂŒnscht Dir
Gabriele

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