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Leselupe.de > Kurzgeschichten
ein seltener Besuch
Eingestellt am 13. 10. 2005 14:21


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Ich war sehr in Eile. Die Koffer standen gepackt vor der T├╝re und jeden Moment musste das Taxi kommen, um mich und das Gep├Ąck abzuholen, als ich fl├╝chtig jemanden auf die Haust├╝re zulaufen sah. Ich stand im Hauseingang und das Gesicht des Mannes kam mir irgendwie bekannt vor. Kurz sah ich auf, um mich gleich darauf wieder zu meinem Gep├Ąck hinunter zu beugen. Der Taxifahrer war es nicht und einen zweiten Blick hatte ich f├╝r diesen Herrn nicht ├╝brig der sicher einen Prospekt verteilen wollte oder eine sonstige uninteressante Nachricht hatte, die mir jetzt mehr als l├Ąstig war.
Erstaunt sah ich jedoch hoch, als er seine Stimme erhob und mich ansprach, als wenn er mich ewig kennen w├╝rde. Ja, diese Stimme kannte ich sehr gut. Ich sah den Mann an und w├╝hlte in meinen Erinnerungen.
Es wollte mir partout nicht einfallen, woher ich diesen Menschen kannte.
An der Bordsteinkante hielt mein Taxi und ich eilte mit meinen Koffern dem Taxifahrer entgegen. Der Fremde stand noch immer dort, wo ich ihn verlassen hatte und wartete geduldig. Er registrierte es scheinbar nicht, dass ich jetzt absolut keine Zeit f├╝r ihn hatte. Doch wollte ich ihm gegen├╝ber nicht unh├Âflich sein und da er mir wie ein alter, sehr guter Freund vorkam, bat ich ihn beim Verschlie├čen der Haust├╝re, doch mit in mein Taxi zu steigen, um unterwegs N├Ąheres von ihm zu erfahren.
Im Fahrzeug erkundigte er sich nach meinen Verwandten. Er nannte die Namen von Vettern und Cousinen, die ich zum Teil schon lange nicht mehr gesehen hatte. Es ging mir noch immer kein Licht auf und ich fragte nach seinem Namen und erw├Ąhnte beil├Ąufig, dass mein Flugzeug um 18.30 Uhr ohne mich fl├Âge, wenn ich den Anschlu├č daran verpassen w├╝rde.
„Ich hei├če Heinz Schmitz!", sagte mir allen Ernstes dieser Mann und sah mich verschmitzt aus den Augenwinkeln an und richtig, ich erinnerte mich: Mein verstorbener Onkel Heinz Schmitz sa├č hier leibhaftig neben mir. Ich fiel aus allen Wolken! „Wie ist das m├Âglich?!", rief ich derma├čen laut aus, dass der Taxifahrer vor Schreck einen Schlenker auf der Fahrbahn riskierte.
„Du bist l├Ąngst tot, gestorben!", ich sah ihn perplex an und pickte mit meinem Finger in seinen Arm, als wenn ich erwartete, dass er sich im gleichen Moment in Staub aufl├Âsen w├╝rde.
Mein Onkel lie├č das alles seelenruhig ├╝ber sich ergehen. Offensichtlich hatte er mit dieser Reaktion meinerseits gerechnet. Gelassen lehnte er sich in die Polster des Taxis zur├╝ck und sagte: „Das h├Ąttest du nicht erwartet, nicht wahr?".
Laut ├╝berlegte ich, wann er denn gestorben w├Ąre: „War das nicht 1997?" Jetzt h├Ątte ich gerne in die Totenzettelsammlung meines Vaters nachgesehen und ├╝berhaupt, warum besuchte er mich und nicht ihn?
Ich musste es ihm gleich vorwerfen und beleidigt verteidigte er sich: „Ich konnte es doch nicht wissen, dass er noch lebt!"
Nun gingen mir so wahnsinnig viele Fragen durch den Kopf und recht ungehalten war ich, als das Taxi hielt und
der Fahrer mir zum Aussteigen die T├╝re ├Âffnete.
Ich nahm meinen Onkel bei der Hand, dass er mir nur nicht entkam und angelte mir mit der anderen einen Kofferkuli.
Onkel Heinz wollte mir nicht l├Ąnger seine Hand geben. Sobald er h├Ârte, dass sein Bruder noch lebt wurde er sehr unruhig. „Wo ist er, habt ihr ihn in ein Altenheim gesteckt?" Seine Augen blinzelten mich b├Âse an.
Ich nutzte die Gelegenheit den Kuli zu beladen, warf noch einen letzten Blick auf das Taxi, ob ich auch nichts vergessen hatte und sah dem erstaunten Taxifahrer ins Gesicht, der noch immer z├Âgerte seinen Wagen zu besteigen.
Onkel Heinz lief direkt auf ihn zu: „Sag mir die Adresse!", rief er mir zu. „Parkstra├če 13!", antwortete ich mechanisch und fort war er und nun gr├╝ble ich dar├╝ber, was ich ihn noch alles h├Ątte fragen wollen und ob er wohl Geld hatte, um das Taxi zu bezahlen, w├Ąhrend mein Flieger sich in die Luft erhebt.

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