Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92265
Momentan online:
617 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
ein weg.
Eingestellt am 23. 02. 2005 14:41


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 620
Kommentare: 3361
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Otto Lenk eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

auf der durchreise. nur ein tankstopp und etwas essen. auf meine frage wo man hier gut essen könne, erschrickt der tankwart und die glocke der kirche fängt, wie zur warnung, an zu läuten.
man wisse doch, dass es hier nur die krone g√§be, und das schon seit √ľber 50 jahren. er sei aber nicht sicher, ob heute ge√∂ffnet ist. er h√§tte da was geh√∂rt, sagt er. und √ľberhaupt g√§be es doch noch andere orte. ich frage ihn, wo ich das lokal f√§nde und er sagt, dass es an seinem platz w√§re, die ganzen jahre schon. immer die stra√üe entlang, aber es g√§be ja nur diese eine stra√üe, und das wisse man doch.
wir fahren die straße entlang. nach einigen hundert metern, links und rechts häuser, die fenster mit vorhängen und voller augen, sehen wir das schild.
wir betreten das lokal, setzen uns an einen tisch. das lokal ist leer. wie ausgestorben. aus einem raum hinter der theke h√∂ren wir fl√ľstern. eine √§ltere dame, mit √§ngstlichen augen, kommt zu uns. √ľber uns hinwegblickend belehrt sie uns, dass schon alle dagewesen seien. alles sei gegessen und getrunken. aber man m√ľsse doch wissen, dass man zur rechten zeit kommen muss. jetzt sei die rechte zeit vorbei und nichts mehr da. aber im nachbardorf finde sich gewiss noch ein lokal. man k√∂nne nun gehen.
wir gehen.
an unserem auto steht ein polizist.
was man hier zu suchen habe, möchte er wissen.
benzin und etwas zu essen, sage ich.
und…habe man gefunden, wonach man gesucht.
einen teil schon.
das ist mehr, als man erwarten d√ľrfe, sagt der polizist, den rest finde man anderswo. die welt sei ja kein dorf. es w√§re gewiss f√ľr alle das beste, wenn man nun weiterf√ľhre. man m√ľsse r√ľcksicht nehmen. sie verstehen das doch, oder?
wir verstehen. setzen uns ins auto und fahren die stra√üe entlang aus dem dorf. bevor es, hinter der kehre, dem blick entschwindet, schaue ich zur√ľck. die t√ľren, fenster, h√§user, die stra√üe, selbst die kirche scheinen sich zu neigen, unseren weg verfolgend. augen, √ľberall augen.
die kirchglocke läutet.


Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

An Otto Lenk

Diese Kurzprosa von dir hat etwas. Die von dir gewollte Mischung aus Abweisung, Geheimnis und Fremdheit wird sp√ľrbar und als absurd vom Leser wahrgenommen.

Ich meine aber, dass die vielen „man“ den Text nicht immer unterst√ľtzen. An einigen Stellen kannst du sie ersetzen, und den Sinn des Satzes trotzdem unpers√∂nlich halten.
Im ersten Teil, wo der Tankwart spricht, zum Beispiel:

"Und das wäre doch bekannt" Рanstatt - und das wisse man doch.

Oder

"Jeder wisse doch, dass es hier nur die krone gäbe" Рanstatt - man wisse doch, dass es hier nur die krone gäbe

es w√§re gewiss f√ľr alle das beste, wenn man nun weiterf√ľhre. man m√ľsse r√ľcksicht nehmen. sie verstehen das doch, oder?

Auch wenn die pl√∂tzlich pers√∂nlich werdende Anrede im letzt zitierten Satz (sie) Absicht ist von dir, finde ich sie nicht gut. Dann bleib lieber auch hier bei einem „das sei doch verst√§ndlich, oder?“

Noch eine Bemerkung zum vorletzten Satz der Geschichte. Da missf√§llt mir das Wort „sich neigen“. Es verniedlicht eine Situation, die es nicht ist.

Lotte Werther

Bearbeiten/Löschen    


Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
Kommentare: 10343
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vera-Lena eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Otto,

eine Geschichte wie ein Stummfilm. Zwei Menschen werden in eine Anonymität hineingestoßen, weil sie hier als Fremde erscheinen. Sie drängen sich in eine Welt, in der jeder jeden kennt. Die Menschen dort gehen auf Distanz, beäugen die Eindringlinge nur hinter ihren verschlossenen Fenstern.

Au√üer den Kirchenglocken und dem √§ngstlichen Fl√ľstern der √§lteren Dame h√∂rt man keinen Laut.

Das Fehlen der wörtlichen Rede ist hier ein guter Kunstgriff, um eine abweisende sogar fast unheimliche Atmosphäre zu erzeugen.

Dass kein Mensch das "ich" oder das "wir" herausbringt, dass Du das "man" ebenfalls als Stilmittel verwendest, die Verweigerung von Nahrung f√ľr die Fremden, die Feststellung, dass man doch verstehen m√ľsse, anstatt sich zu bem√ľhen, die Fremden zu verstehen, das alles kennzeichnet f√ľr mein Verst√§ndnis eine Geschichte √ľber die zwischenmenschliche K√§lte in unserer Welt.

Gefällt mir gut.
Liebe Gr√ľ√üe von Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Bearbeiten/Löschen    


Inu
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2002

Werke: 120
Kommentare: 2153
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Inu eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Otto

Bei der Geschichte hatte ich sofort dieses Aha- Erlebnis, etwas Besonderes zu lesen. F√ľr meine Begriffe hat sie etwas sch√∂n 'Verhextes', Geisterhaftes an sich, die sie einpr√§gsam macht, sodass sie mir z.B. gar nicht mehr aus dem Kopf geht. Den Inhalt und den Aufbau finde ich sehr gelungen.

Mit Deiner Kleinschreibung nach dem Punkt komme ich gar nicht zurecht. Ist vielleicht auch Dein Markenzeichen. Weiß ich nicht. Vielleicht wirkt es bei Gedichttexten originell. Bei diesem Text jedoch kann ich mich nicht an das Schriftbild gewöhnen, es lenkt mich stets von der Aussage dieser ungewöhnlichen Geschichte ab, weil ich dauernd an die äußere Extravaganz denke.

Ich stelle mir den Text 'ganz normal' geschrieben vor und dann genieße ich ihn mehr.

Bearbeiten/Löschen    


Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 620
Kommentare: 3361
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Otto Lenk eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

ich danke euch sehr. ändern möchte ich an diesem text nichts.

alles liebe otto

Bearbeiten/Löschen    


Zur√ľck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!